Turniertipps - Sylvia Katschker
Erfolgreiches Fencing - Wann und wie wird es eingesetzt?
Basierend auf der Trainingsmethode von Pete Kyle
Western News 1/2000

Fencing lehrt das Pferd:

* geradeaus zu laufen und zwischen den H�nden des Reiters und dessen Beinen zu bleiben,

* gleichm��ige Geschwindigkeit f�r einen Rundown aufzubauen,

* auf die Hilfen des Reiters zu achten und den Stopp nicht vorwegzunehmen.

Fencing lehrt den Reiter:

* das richtige Timing zu finden, wenn er das Pferd beschleunigt und stoppt,

* das Vertrauen zum Pferd zu finden und auch umgekehrt,

* das Gef�hl f�r einen kontrollierten Rundown zu entwickeln mit anschlie�endem weichem Stopp, das einmal zu Plus-Scores f�hren kann.

Eine M�glichkeit f�r das Fencing ist es, das Pferd auf einer geraden Linie von einem Ende der Arena zum anderen laufen zu lassen. Wenn man es wie in manchen Pattern vorgeschrieben, immer nur nach einem Run-Around stoppen l�sst, wird es nur fr�hzeitig erm�den. Au�erdem wird das Pferd schnell das Antizipieren lernen, das sp�ter beim Showen gro�e Probleme verursachen kann. Durch das st�ndige Wiederholen w�rde das Pferd nach dem Run-Around von sich aus das Tempo erh�hen und nicht auf die Kommandos des Reiters warten.

Pferde werden im Bewerb entweder nach dem Mittelmarker oder nach den Endmarker gestoppt, sicherlich nicht erst durch die Wand (in diesem Fall w�re das ein Minusman�ver). Stoppt man die Pferde aber immer nach ca. 3/4 der L�nge eines Rundowns, wird das Pferd vorher das Tempo wegnehmen wollen. Im Bewerb wird auch das zu einer schlechten Man�verbewertung f�hren, weil sich das Pferd den Hilfen des Reiters widersetzt. Manchmal f�hrt das auch zu den Markerfehlern, die 2 Penalty-Punkte kosten. (Sollte das Pferd versuchen, vor dem Marker zu stoppen). Fencing kann helfen, diese Gedankenkette beim Pferd zu unterbinden, da es denkt, es soll bis zur Wand gehen. So erh�ht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es beim Showen korrekter und gerader auf den Rundown l�uft und so auch Stoppt.

Bei den ersten Fencing-Versuchen l�sst man das Pferd langsam durch die Arena galoppieren. Die ersten Male wird das Pferd - besonders das junge Pferd - Probleme haben, geradeaus zu galoppieren. Es wird hin- und herpendeln, weil es nicht versteht, was es tun soll. Um es nicht zu erschrecken und ihm Angst einzujagen, lassen wir es f�r die letzten Schritte in den Trab oder Schritt zur�ckfallen. So l�sst man es immer wieder ruhig von einem Ende zum anderen gehen. An der Wand dreht man es um und geht wieder zur anderen Wand, solange bis es ruhig bis zur Wand galoppiert und stoppt.

Ob man nun das Wort "whoa" verwendet, ist Trainingssache bzw. Trainersache. Verwendet man es, sollte es rechtzeitig gesagt werden, um dem Pferd auch die Chance zu geben, darauf zu reagieren.

Viele wissen nicht, dass ein Zusammenhang zwischen der Schnelligkeit der Aussprache und der Verwendung der H�nde besteht. Kurzfassung: Schnelles"whoa", schneller, kr�ftiger Zug an den Z�geln. Wenn man Anf�nger beobachtet, ist das Wort kaum gesprochen, und sie zerren schon an den Z�geln. Das Pferd braucht eine Reaktionszeit, um es umzusetzen. Wenn man ihm das verwehrt, hat man ihm nicht den Funken einer Chance gegeben, seinen Job auch auszuf�hren. Wer es langsam ausspricht, reagiert auch mit seiner K�rpersprache langsamer - und das erm�glicht dem Pferd, auf Stimm- und Gewichtshilfen und nat�rlich auch auf Z�gelhilfen entsprechend richtig zu reagieren.

Wenn man mit dem fortgeschritteneren Pferd beim Fencen das Tempo erh�ht, so soll auch das stimmliche Kommando dementsprechend rechtzeitig erfolgen, um einen Crash mit der Wand zu verhindern. Denn damit w�rde man dem Pferd erneut Angst einfl��en. Diese Phase, verbunden auch mit einem Tempoaufbau, wird eine l�ngere Zeit in Anspruch nehmen, das Pferd wird aber lernen, gerade gerichtet zu gehen. Es ist f�r sp�ter �u�erst wichtig, zu einem Stopp gerade zu hinzugaloppieren. (Dauernde Korrekturen auf dem Rundown sind absolut nicht erw�nscht). Wenn es sich nun mit seinem K�rper nach links oder rechts lehnt, eine Schulter fallen l�sst oder mit der Kruppe nach innen oder au�en dr�ckt, hat man Probleme mit seiner K�rperausrichtung. Dies durch dauerndes Fencing im Galopp korrigieren zu wollen, ist sicher auch eine M�glichkeit. Besser w�re es, das Problem im Schritt und dann auch im Trab zu l�sen. Wichtig f�r das Reiningpferd ist, dass es Vorhand, Mittelhand und Hinterhand gymnastizieren und biegen l�sst. Oft sieht man, dass zwar Kopf und Hals sich nach allen Richtungen problemlos biegen lassen, vielleicht weicht es auch vom inneren Schenkel nach au�en weg, doch wo die Hinterhand in all diesen Momenten ist, interessiert die wenigsten. Nur: Ohne Hinterhand geht gar nichts. Nicht einmal ein korrekter Zirkel ist ohne Kontrolle der Hinterhand m�glich. Dabei k�mpfen so viele Reiter nur damit, dass das Pferd nicht nach innen �ber die Schulter oder nach au�en driftet. Seri�se Trainer vermitteln auf Wochenendkursen auch nicht mehr das absolut Unm�gliche - wie z.B. in 2 Tagen Spin oder Stopp - sondern fangen mit der Basisarbeit an: Gymnastizierungs- und Biege�bungen f�r die Pferde.

Nur wer Kontrolle �ber Schulter und Hinterhand seines Pferdes hat, sollte sich auf das Fencen einlassen. Mit schiefen Rundowns und Stopps hat der Reiter sonst die Sache weitaus schlimmer gemacht!

Ein guter Tipp f�r Amateurreiter: Beim Fencen soll man sich auf der gegen�berliegenden Seite einen Punkt aussuchen (einen bestimmten Pfosten, Steher...) und dann genau darauf zureiten. Dies l�sst sich dann auch beim Showen leicht anwenden. Oft denkt man, dass man ohnehin geradeaus reitet; mit einem markanten Punkt auf den man zureitet, l�sst sich aber oft das Gegenteil feststellen.

Tipp: Um zu sehen, ob das Pferd wirklich gerade gerichtet vorw�rts geht, kann man folgendes probieren. Wenn der Boden frisch pr�pariert worden ist, sucht man sich eine bestimmte Linie. Das kann eine Diagonale sein oder einfach irgendwo vom Hufschlag weg eine gerade Linie zur gegen�berliegenden Wand. Nun geht man immer wieder auf dieser Linie vor und zur�ck. Man muss nur genau immer in derselben Spur gehen, und man wird bald merken, wie schwer das ist und wo das Pferd mit Schulter oder Hinterhand auszubrechen versucht. Wenn man sich nun nach einigen Versuchen die Spur im Sand ansieht, kann man feststellen, wie gut sich das Pferd mit den Beinen f�hren l�sst. Nur einem gut gymnastizierten Pferd wird es m�glich sein, eine gerade Spur zu hinterlassen.

Man f�ngt mit dieser �bung im Schritt an und kann es dann auch im Trab und Galopp versuchen. Jegliche Probleme, Ausbrechen von Schulter, Mittel- oder Hinterhand, werden durch Biege�bungen oder Seiteng�nge gel�st. Das w�re die ideale Vorbereitung eines Pferdes auf das Fencing. Denn auch hier soll das Pferd zwischen den Beinen und Z�geln des Reiters stehen und sich kontrollieren lassen.

Wenn das Pferd von sich aus beim Fencen beschleunigt, nimmt man es ruhig zum Schritt zur�ck (ohne "whoa" zu sagen). Wenn es ruhig weitergeht, kann man es erneut angaloppieren und geht ruhig auf die Wand zu. Man kann es nat�rlich statt Schritt gehen zu lassen auch Stoppen und dann erneut angaloppieren (wieder ohne "whoa" zu sagen - man will es ja nicht daf�r belohnen). Wichtig dabei ist nur, dass man selbst ruhig bleibt und cholerische Anf�lle unterdr�ckt. - Lieber durchatmen und von vorne beginnen.

Diese Korrekturen am Pferd verhindern wieder ein m�gliches Antizipieren des Pferdes. Wenn es das beim Showen trotzdem probieren sollte, k�nnte ein leichtes Annehmen der Z�gel es wieder an das Trainingsprogramm von zu Hause erinnern und es veranlassen, wieder auf die reiterlichen Hilfen zu warten. Da wir aber alle wissen, dass auch Reiningpferde wissen, wo die fliegenden Wechsel verlangt werden und wann es zu den Stopps geht, wird man mit solchen Pferden in manchen Bewerben nicht showen, sondern schulen. Gut daf�r sind auch Paid Warmup-Klassen! Einfach ruhig die Man�ver durchgehen anstatt selbst die Nerven wegzuwerfen und am Pferd nur mehr herumzurei�en! Dieses k�nnte einen "no score" (Disqualifikation) zur Folge haben und man sollte es nicht f�r m�glich halten, wie gut das Erinnerungsverm�gen bei einigen Richtern ist!

Bei einem Paid Warmup braucht man auch kein Pattern durchzureiten, sondern kann z.B. nur Zirkel reiten oder das ruhige Angaloppieren im Center �ben. Man soll mit Pferden, die auf einem Rundown abzuzischen versuchen, einfach nur langsam auf einen Stopp galoppieren oder ruhig nur wieder auf einen ruhigen Run-Around gehen, um schlie�lich ruhig im Center oder auf einer Diagonalen zu stoppen.

Wann erh�ht man nun beim Fencing das Tempo? Erst wenn das Pferd im ruhigen Tempo problemlos von Wand zu Wand geht - und das v�llig entspannt. Die Temposteigerung erfolgt nur langsam und leicht. F�r den Amateur-Reiter ist es besser, wenn er im Bewerb nur eine ruhige und kontrollierte Temposteigerung zeigt, der in einen korrekten Stopp m�ndet und anschlie�end in einen sauberen Rollback. So w�rde es auch einem Richter gefallen. Pferde, die selbst Tempo aufbauen, da sie sich schon am Run-Around nicht mehr zur�ckhalten lassen und gegen das Gebiss gehen, haben M�he eine Bewertung von 0 (korrekt) zu bekommen. Meistens wird das ein Minusman�ver, allein durch diese schlechte und widersetzliche Ann�herung an den Stopp.

Die beste Art ein Pferd zu beschleunigen, ist eine sanfte Tempoerh�hung alle 2-3 Schritte. F�r die Beschleunigung sollte man die Stimme einsetzen (schnalzen oder �hnliches - nur immer auf dieselbe Art). Allerdings ist es nicht sehr gut, erst nach dem Mittelmarker mit dem Tempoaufbau zu beginnen. Auch dabei verliert der Reiter schlie�lich sehr leicht die Kontrolle �ber das Pferd, weil die Steigerung dann zu rasch erfolgt. Es sollte fr�h das Tempo aufgebaut werden.

Zu beachten ist immer wieder, dass das Pferd nicht selbst beschleunigt. Immer wenn es das tut, soll es sanft zur�ckgenommen werden und zum Schritt durchpariert werden.

Wichtig: Wenn das Pferd etwas gut gemacht hat, so soll es selbstverst�ndlich sein, es auch zu belohnen. Nach einem guten Stopp l�sst man es dann einige Zeit in Ruhe verharren. Auch eine lobende Hand wird sicher gerne vom Partner Pferd angenommen.

Wenn die Grundvoraussetzungen einmal geschaffen sind, kann man Variationen einbauen. Tempo aufbauen, dann wieder zur�cknehmen und ruhig auf die Wand zugehen. Ebenso m�glich: nicht mehr ganz bis zur Wand gehen, sondern nach 3/4 der Arena stoppen. Ein guter Abschluss eines solchen Fencing-Trainings ist es, ruhig auf einen Run-around zu gehen und dann auf einen Run Down zu gehen, aber dieses Mal ohne Beschleunigung. Somit wird wieder das Antizipieren verhindert! Auf diese Weise h�rt auch das Pferd in dieser Trainingseinheit entspannt auf!

Die Dauer des Fencens h�ngt von Pferd und Ausbildungsstand ab, aber ca. 10-15 Minuten ab und zu in die Trainingseinheiten nur f�r das Fencen einzubauen, ist sicherlich empfehlenswert (inkl. Ruhephasen). Auch hier gilt, wie f�r alle anderen Trainingseinheiten: �bertreiben schadet immer. Man kann nicht jeden Tag fencen und stoppen �ben. Dazu geh�rt ein Trainingsprogramm mit leichteren und schwereren Einheiten und nat�rlich Regenerationsphasen (auch vor und nach Turnieren, im Winter Reduktion der Intensit�t und vorsichtiger Aufbau danach mit dem ausgebildeten Pferd, das junge Pferd wird auch eine l�ngere Zeit f�r den notwendigen Muskelaufbau ben�tigen).