Berühmte Quarter Horses
Eine Serie für QH-Züchter & -Enthusiasten
Übersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer
Two Eyed Jack
Unter den Top AQHA Sires der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts findet sich Two Eyed Jack (1961-1991) als besonders vielseitiger Vererber, erreichte doch seine Nachzucht insgesamt 15.000 Halter und 21.000 Performance Points.
Der berühmte sorrel-farbige Hengst wurde von Herman Mass auf dessen Double H Ranch in McHenry, Illinois, gezogen und erblickte am 22. März 1961 das Licht der Welt. Sein Vater war Two D Two, seine Mutter Triangle Tookie. Er führte vor allem die alten Foundation- Blutlinien von Old Sorrel, Grey Badger II und Joe Hancock.
Herman Mass war einer der Pioniere der Quarter Horse-Zucht im Mittelwesten. Von seinen zahlreichen Einkaufsreisen in den Westen und Südwesten in den frühen 1950er-Jahren brachte er oft wertvolles Zuchtmaterial in seinem Güterwagen nach Nord-Illinois mit. Auf einer dieser Reisen durch Kalifornien stieß er auf der Ranch von Jack Schwabacher auf ein fünf Tage altes Hengstfohlen von Double Diamond, aus der Double Life. Der typvolle, braune Youngster gefiel Mass, sodass er ihn für 500 Dollar erwarb. Registriert unter dem Namen Two D Two sollte der Kleine später AQHA Champion und Top-Zuchthengst werden, der schließlich Two Eyed Jack zeugte.
Etwas früher, 1952, hatte Mass Jacks Mutter Triangle Tookie nach Illinois gebracht. Sie stammte von Grey Badger III, aus der Lady Hancock, die als absolute Spitzenzuchtstute galt.
1960 verpaarte Mass die Stute zum ersten Mal mit Two D Two, das Resultat war Two Eyed Jack. Aus der selben Paarung stammten Tookie´s Two und Triangle Queen. Alle drei wurden AQHA Champions.
Laut Aussage von Mass entwickelte sich Two Eyed Jack von Anfang an zum perfekten Bilderbuch-Hengstfohlen, das einer Idealausgabe eines erwachsenen Quarter Horse glich.
Die Pferdeleute von Illinois beneideten Mass um das unvergleichlich gut geratene Fohlen. Mit seinem Besitzer und dessen Tochter Melinde begann Two Eyed Jacks Showkarriere beim Illinois State Fair als Gewinner der Weanling Hengst-Klasse. Zahlreiche Siege folgten als Jährling und Zweijähriger in Halterklassen, bis er 1963 an E.C. Coppola aus Iowa verkauft wurde.
Kurz darauf wurde er an Joe Lindholm aus Audubon, Iowa, verkauft, und später interessierte sich ein Nevada Sandhills Züchter, namens Howard Pitzer, brennend für das Pferd. Pitzer, ein sehr bekannter Horseman, hatte sich mit seiner Pat Star Jr.-Blutlinie von Halter und Performance Champions einen Namen gemacht. Als Two Eyed Jack dreijährig war, überlegte er einen Weg, wie er den Hengst am besten vermarkten könnte. Er showte Jack eineinhalb Jahre lang und gewann eine Menge Halter und Western Pleasure Points mit ihm. Ende 1964 hatte er nahezu 50 Grand Champion Titel erreicht.
1965 entschlossen sich Pitzer und Lindholm, auch Tow Eyed Jacks Vater Two D Two gemeinsam zu kaufen. Ein Jahr später gelang es Pitzer, Tow Eyed Jack für sich allein zu erwerben, indem er den Anteil an Two D Two an Lindholm zurückgab und noch eine kleine Rinderherde „darauflegte“. Pitzer wollte den Hengst unbedingt besitzen, seitdem er ihn zum ersten Mal gesehen hatte.
Two Eyed Jack wurde bis zu seinem neunten Lebensjahr geshowt. In dieser Zeit wurde er Grand Champion auf allen wichtigen Shows in der Gegend und errang 217 Halter-Punkte. Als vielseitiges Leistungspferd erwarb er auch 46,5 Punkte in Western Pleasure, 7 in Hunter Under Saddle, 6 in Reining, 3 in Western Riding und weitere 3 in Working Cow Horse. Er gewann den Superior-Titel in Halter und wurde 1964 AQHA Champion.
„Die meisten Leute hielten Jack für ein großartiges Halter-Pferd.“, erzählt Pitzer. „Und das war er tatsächlich. Aber er war mehr als das. Er war ein exzellenter Performer, und die Tatsache, dass er sich in den Reitdisziplinen nicht mindestens genauso viel Punkte wie in Halter erkämpfte, lag allein bei uns, weil wir ihn in Performance weniger showten. Er war ein großes, schwer bemuskeltes Pferd, dabei sehr leichtfüßig. Wenn er sich einem im Korral von hinten näherte, merkte man gar nicht, dass er da war.“
Eines Jahres, am AQHA Congress, gewann er die Versatility, indem er den Barrel Racing-Rekord lief, obwohl er vorher nur 14 Tage dafür trainiert wurde.
Eine andere Seite an ihm, die Pitzer immer bewunderte, war die Tatsache, dass er alles so willig tat, was man von ihm verlangte. Und das tat er stets mit dem leichtesten Bit im Maul. „Wir gebrauchten ihn natürlich auch hier auf der Ranch zur Rinderarbeit und er arbeitete eine Kuh, wie alle Pferde, die das täglich taten.“
„Ich sah über die vielen Jahre viele Pferde verschiedener Blutlinien, die mir gefielen. Sie sahen toll aus. Aber wenn es zum Reiten kam, hängte man ihnen so viel Eisen ins Maul, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen, dass ich mich nur so wunderte. Two Eyed Jack war niemals so. Genauso geartet waren seine Nachkommen. Sie waren so willig und leichtrittig wie er.“
Unter dem ersten Fohlenjahrgang (1964) von Jack war Miss Sunbonnet, die 179 Halter Points bekam, sowie Katie Two Eye, ein AQHA Champion. Beim zweiten Fohlenjahrgang waren Two Eyed Scoot und Two Jack, die beide AQHA Champions und Superior Halter Horses wurden.
Um alle Two Eyed Jack-Nachkommen aufzulisten, die AQHA Champions wurden, müsste man allein ein ganzes Buch füllen, was den Rahmen dieses Berichtes sprengen würde. Darunter waren 30 Youth AQHA Champions,176 Open und Youth Superior Award Sieger, 31 Open und Youth World und Reserve World Champions und 13 AQHA High Point Winners.
Seine World Champion-Nachkommen waren Two Jack Two, Two Eyed Ted, Vallerina Miss, Two Eyed Dandy, Two Eyed Sox, Two Eyed Revenue, Miss Patty Jack, Mr Jack Prince, The Dallas Cowboy, Vickie Lee Pine und Two Eyed Bartender.
Zu seinen Open Halter-Siegern gehörten Miss Buckets (367 Points), Denver Jack (504), Jack´s Tune (350), Acres High (301), Vallerina Miss (924), Chubby´s Doll (533), Two Eyed Dandy (442), Miss Denver Dott (412), Two Eyed Revenue (175), Watch Joe Jack (225), Pep Up Jackie (254), Boots Jack (190), Lin D Two (161 und Vickie Lee Pine (237).
Two Eyed Jacks Nachkommen, die unter den Top Open Performance Point Earners zu finden sind, waren Miss Buckets (271), Two Jack Two (168), Denver Jack (136), Jacks´sTune (216), Denver Jack (136), Jack´s Tune (216), Jack´s Pants (104), Two Eys Bonus (160), Vallerina Miss (187), Chubby´s Doll (107), Bucket Jack (143), Silver Poco Jack (103), Two Eyed Revenue (153), Watch Joe Jack (201), Two Eyed Donna (215), Two Eyed Dell (319), Two Eyed Patty (163), Mr Jack Prince (594), Left Jack (165), Watch Lucky Jack (217), Two ID Patty Queen (119), Chubbys Jackie Joe (155), Two Eyed Tyree (129), Prarie Tom Jack (167), Two Eyed Blue Boy (167), Two Eyed Tune (113), Two Eyed Lady Jack (129), Sansarita Jack (140), Jackie Joan (137), Two Socks Jody (217) und Two ID Bartender (164).
Vickie Lee Pine, eine braune Stute, geb. 1974, von Two Eyed Jack, aus der Poco Coed, von Poco Pine, war 1978 AQHA World Show Superhorse, das erste Pferd, dem dieser Titel verliehen wurde.
Mr Baron Red v. Red Baron Bell, a.d. Two Eyed Patti, v. Two Eyed Jack gewann diesen Award 1983.
Anm. d. Red.: Die oben angeführten Pferde und ihre Leistung sollen den QH-Besitzern helfen, Ahnenforschung bei ihren Pferden zu betreiben, die eines dieser Tiere im Pedigree ausweisen.
Zahlen allein können niemals die ganze Geschichte von Two Eyed Jack und der Quarter Horse-Dynastie, die er begründete, erzählen.
Two Eyed Jack-Pferde zählen zu den letzten All Around Quarter Horse-Linien des 20. Jahrhunderts (keine Spezialisten). Sie können sowohl World Champion-Titel in allen Disziplinen erobern, als auch von Amateuren in Shows, als Ranch- und Rodeo-Pferde und von Freizeitreitern als vielseitige und zuverlässige Kameraden eingesetzt werden.
Two Eyd Jack verstarb am 2. März 1991, 20 Tage bevor er sein 30. Lebensjahr vollenden hätte können. – Seine Legende und sein Vermächtnis leben weiter!
Er zeugte 119 AQHA Champions, eine Top-Zuchtleistung, an die im 20. Jahrhundert kein anderer QH Sire herankam.
In den Augen all derer, die ihn kannten oder seine Nachzucht ritten, bleibt Two Eyed Jack ein König.
Heute leben wir im Zeitalter der Spezialisten und die Zukunft der echten All Arounder steht in den Sternen.