Ber�hmte Quarter Horses & Vererber

Sugar Bars

Eine Serie f�r Quarter Horse-Z�chter & -Fans aus der WN 4/03 Seite 68

�bersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer

 

In dieser Ausgabe wollen wir einen weiteren, vielleicht den bedeutendsten Sohn von Three Bars (TB) behandeln, der eine tragende Rolle in der Entwicklung der Rasse gespielt hat.

Sugar Bars war einer der einflussreichsten und vielseitigsten Vererber in der Geschichte der sogenannten Quarter Horse-Industrie.

Sugar Bar�s Mutter war Frontera Sugar. Sie brachte das Fohlen 1951 auf der El Paso Ranch von Greg Wood in Texas zur Welt. Wood hatte die Stute 1944 als J�hrling von Pete Reynolds gekauft, der eine Ranch in Chiuhahua in Mexiko betrieb. Frontera Sugar ist im AQHA Stutbuch mit Nr. 4 eingetragen, als Tochter von Rey, von Captains Courageous (TB). Ihre Mutter scheint im Register als Dun Mare, Tochter von Ben Hur, aus einer Reynolds Mare auf. Es gab vorerst Unstimmigkeiten �ber die Abstammung von Frontera Sugar, die aber 1945 von Reynolds abgekl�rt wurden.

Im Geburtsjahr Sugar Bar�s verkaufte Wood eine Halbschwester des Colts, namens Sugar Reedie, von Joe Reed II., an Ken Fratis aus Lemoore, Kalifornien. Fratis zog das Stutfohlen sorgsam auf und Anfang 1953 beschloss er, Sugar Bars dieselbe Ausbildung zu gew�hrten wie seiner Halbschwester.

Die beiden M�nner, Wood und Fratis, arbeiteten einen Mietvertrag aus, sodass Fratis Sugar Bars zu seinem Trainer Lee Dooley mitnehmen konnte, um ihm ein entsprechendes Konditionstraining angedeihen zu lassen.

Der zweij�hrige Hengst war kaum ein paar Tage auf der Fratis Ranch, als ihn Bud Warren aus Perry, Oklahoma, zuf�llig zu Gesicht bekam. In einem Artikel �ber Sugar Bars, verfasst von Sam Ed Spence f�r die April-Ausgabe 1969 im The Quarter Horse Journal, l�sst der Autor Warren �ber sein damaliges Erlebnis zu Wort kommen.

�Ich spazierte hinunter zur Arena, wo sie einige Cutting-Pferde arbeiteten. Einer der Jungs machte den Herd Holder auf einem sehr gut aussehenden Fuchshengst, den ich als ungef�hr 4- oder 5-j�hriges Pferd einsch�tzte, obwohl ich ihn f�r ziemlich unerfahren hielt. Er hatte eine unvergleichliche Conformation unter dem Stock Saddle. Und was f�r ein fantastischer Kopf! In der Tat war er perfekt vom Kopf bis zum Schweif.�

Als Warren �ber das Pferd Auskunft erbat, war er von den Socken, als er erfuhr, dass es sich um einen erst 2-j�hrigen Sohn von Three Bars handelte. Er war gerade auf der Suche nach einem Three Bars-Sohn f�r seine Leo-gezogene Zuchtstutenherde. Sugar Bars war genau das Pferd, dass er sich ertr�umt hatte, doch da der Junghengst nicht zu verkaufen war, musste Warren ihn vor�bergehend vergessen.

In seinem ersten Jahr auf der Rennbahn rannte Sugar Bars gerade gut genug f�r Fratis und Dooley, indem er von sechs Starts drei erste, einen zweiten und zwei dritte Pl�tze belegte. Es war jedoch nichts besonders spektakul�res an seiner Leistung, sodass Wood beschloss, ihn zu verkaufen. Der K�ufer war Roy Hittson aus Imperial, Kalifornien. Sugar Bars startete als 3-j�hriger 23 Rennen f�r seinen neuen Besitzer. Er holte 4 erste, 2 zweite und 6 dritte Pl�tze. In seinem letzten Rennen, 1954 in Phoenix, qualifizierte er sich mit 18,1 Sekunden �ber 350 Yards f�r seine AAA-Nominierung.

Als Bud Warren erfuhr, dass Sugar Bars doch verkauft worden war, war er sehr �berrascht. Er beschloss jedoch nicht aufzugeben, und so rief er einen Freund, Van Smelker, der in Tucson wohnte, an und bat ihn herauszufinden, ob der Hengst nicht doch zu verkaufen oder zu mieten w�re. Hittson war nicht bereit, sich von Sugar Bars zu trennen. Er wollte ihn weiter Rennen laufen lassen und danach zur Zucht verwenden.

Warren wendete sich noch an einen anderen Freund, den AQHA Inspektor Bob Weimer. Es sollte ihn sofort verst�ndigen, wenn er etwas von einem eventuellen Verkauf des Pferdes h�ren sollte.

Im J�nner 1955 rief Weimer Warren sp�t am Abend an mit der Mitteilung, dass Sugar Bars zu haben w�re.

�Es war mitten in der Nacht�, erinnert sich Warren Jahre sp�ter. �Hittson brauchte dringend Bargeld und hatte seinen Trainer beauftragt, Sugar Bars an den ersten Menschen zu verkaufen, der mit $2.500 in bar erschien. Doch da war nat�rlich keine Bank ge�ffnet. Und um die Situation noch zu verschlimmern, war es Samstagnacht und vor Montag w�rde nichts zu machen sein."

�Bob sagte mir, dass Hank Wiescamp an dem Pferd interessiert w�re und herunterkommen wollte, um es sich anzusehen. Zuf�llig war John Hazelwood, der gerade Leota War f�r mich trainierte, bei Bob in Tucson. Er kam an den Apparat und teilte mir zu meiner Erleichterung mit, dass er gerade 2.500 Dollar in seinem Socken aufbewahrt h�tte. So ging er zu Hittson und kaufte Sugar Bars. Ich fuhr am n�chsten Tag mit einem Trailer hin und holte den Hengst ab.�

Warren nahm Sugar Bars sofort aus dem Rennsport und setzte ihn als Deckhengst ein, und dies bedeutete einen gewaltigen Aufschwung in der Quarter Horse-Welt.

Als Vater von Rennpferden zeugte er 324 Starter, die zusammen $378.081 gewannen. 139 davon errangen ihr Register of Merit auf der Rennbahn. 52 seiner S�hne und T�chter hatten einen Speed Index von 90 und mehr und 14 von ihnen erreichten sogar den unglaublichen Speed Index von 100 und mehr. Bar Face, ein Sohn von Sugar Bars aus dem Jahr 1961, war mit $77.762 sein High Point Race Money Earner.

Als Sire von Show Horses war Sugar Bars ebenfalls sehr erfolgreich. Er zeugte 148 Halter Point Earners, die 2.574 Punkte sammelten. Sugar Leda, eine Tochter von 1966, wurde 1968 Honor Roll Halter Horse. Sie bekam in diesem einen Jahr 379 (!) AQHA Punkte.

Bar Flit, Otoe, Counterplay, Bit O�Sugar, Mr. Cabin Bar, Judge Sulena, Sugar Capri und Little Bit A Sugar wurden alle Superiors in Halter.

An Performance Pferden zeugte Sugar Bars 147 mit zusammen 4.465 Punkten. 39 davon erhielten ihr Performance ROM, angefangen mit Bar Gal, deren Nachzucht ebenfalls allesamt AQHA Champions wurden.

Als Zeugnis von Sugar Bars Vielseitigkeit als Vererber bekamen 22 seiner Nachkommen 27 Performance Superior Titel in den Disziplinen Rennsport, Reining, Western Pleasure, Hunter under Saddle, Cutting und Trail.

Sugar Bars zeugte 12 AAA AQHA Champions: Sugaree Bars, Albar, Connie Reba, Sugar Leo. Vanna Bar, Dan�s Sugar Bars, Otoe, Figure 8 Bars, Gofar Bars, Justice Bars, Quick Henry und Sugar Joe Reed. Von diesen 12 Pferden stammten 8 aus Leo-T�chtern.

Jay�s Sugar Bars, ein Sohn aus 1963, wurde 1970 Honor Roll Reining Horse; und Sugar Line, eine Tochter aus 1972, erreichte 1976 ihr Honor Roll Reining Horse. Sugar Line, eine Tochter von Sugar Bars, Jahrgang 1972, war 1976 Honor Roll Reining Horse.

Judge Sulena, ein Wallach von 1969, brachte 11 Superiors in Performance und damit 1.348 (!) Punkte in Youth- und Performance-Klassen.

Nice Sweet, eine 1970 geborene Tochter, erzielte 4 Superiors in Performance, 2 High Point Amateur Performance Rewards und 527 Open-, Youth- und Amateur-Performance Points.

Clinl Chugie, ein Hengst, geboren 1970, wurde 1974 World Champion Junior Heeling Horse, und Sugar Selekt, ein 1971er-Hengst, gewann sein Superior im Cutting mit 103 Punkten.

Sugar Bars Junior, 1973 geboren, war der letzte Rekordhalter von Sugar Bars direkten Nachkommen. Er machte 1976 sein Superior in Western Pleasure.

Sugar Bars zeugte im Lauf seines Lebens insgesamt 867 Fohlen. Er deckte jede Saison Bud Warren�s Stuten, sodass er st�ndig ausgebucht und f�r fremde Stuten unzug�nglich war.

W�hrend der Jahre bekam Warren viele Kaufangebote f�r den Hengst, unter anderen von E. Paul Waggoner aus Vernon, Texas, der $50.000 f�r das Pferd bot. Schlie�lich verkaufte er den Hengst doch, und zwar 1968 an Dean Parker und Sid Huntley aus Kalifornien.

In einem Zeitungsinterview aus dem Jahr 1969 erkl�rte Warren seine Gr�nde f�r den Verkauf: �Ich hatte rund 15 Stutfohlen von Sugar Bars und eine sch�ne Anzahl seiner T�chter in meiner Zuchtstutenherde. Au�erdem besa� ich mehrere Leo-T�chter aus Sugar Bars-Stuten. Dies belie� mir nur ein halbes Dutzend Stuten, die ich noch h�tte mit Sugar Bars decken k�nnen, ohne Inzucht zu betreiben.

�Ich hatte das Gef�hl, das Pferd lange genug besessen zu haben, und stellte mir vor, Sugar Bars w�rde in Kalifornien gen�gend gute Stuten zugef�hrt bekommen, die nicht die Gelegenheit hatten, von der Westk�ste zu ihm nach Oklahoma zu kommen.�

Sugar Bars wurde also in sein neues Heim, die Huntley Ranch, nach Madera in Kalifornien gebracht, wo er f�r 1969 und die folgenden drei Jahre bereits vor seiner Ankunft als Deckhengst ausgebucht war.

Im Juni 1972 erlitt Sugar Bars im Alter von 21 Jahren eine Kolik. Er wurde sofort in die Universit�tsklinik von California-Davis gebracht und operiert. Ein Tumor, welcher den Darm blockiert hatte, wurde entfernt, doch der Hengst konnte sich nicht mehr erholen und starb am 6. Juni 1972 an Herzversagen.

�Einer von Sugar Bars� gr��ten Vorz�gen war, dass er seinen Nachkommen alle Eigenschaften vererben konnte, die man sich von einem Top Quarter Horse erwartete�, sagte Hugh Huntley, �Sie gewannen auf der Rennbahn, im Halter Ring und in der Performance Arena.�

�Sugar Bars war ein braves Pferd�, erz�hlt Huntley weiter, �aber er war auch ein Schlitzohr. Oftmals, wenn ich ihm ein Halfter anlegen wollte, sah er mich von der Seite an, wenn ich es tat, und ehe ich mich versehen konnte, zwickte er mich in den Arm.�

Ein Jahrzehnt nach der Gr�ndung der AQHA geboren, half Sugar Bars, die Quarter Horse-Zucht in eine neue �ra zu f�hren. Der Hengst war ein extrem kontinuierlicher Vererber. Mit jeder nur vorstellbaren Stute zeugte er schnelle, gutaussehende und athletische Pferde, die einfach alles konnten, was man von ihnen verlangte.

Und als seine S�hne und T�chter in die Zucht kamen, bewiesen sie dieselben Vererberqualit�ten. Sie reproduzierten seinen Typ und seine Universalit�t.

Sugar Bars� S�hne, wie Classy Bar, Flit Bar, Jule Bar, Sucaryl Bar, Bar Flit, Bars Bailey, Sugar Band, Bar Pistol, Double Sugar, Albar, Flying Bar, Sugar Leo, Vanna Bar, Bar�s Bert, Dan�s Sugar Bars, Otoe, Pacific Bar, Gofar Bar, Justice Bar, Sugar Bull, Quick Henry, Connie Reb, Counterplay, Mr. Cabin Bar und weitere bewiesen sich als Superior Sires.

Jewel�s Leo Bar (bekannt unter dem Namen Freckles), ein Sohn von Sugar Bars, der 1962 aus der Leo Pan, von Leo, geboren wurde, gilt als Oberhaupt einer gro�artigen Familie von Cutting-Pferden.

Zu seiner ber�hmten Nachzucht geh�ren unter anderen Colonel Freckles, Freckles Playboy und Mia Freckles.

Die T�chter Sugar Bars� waren genau so potent wie seine S�hne. Sie produzierten 462 ROM Rennpferde, die $2,490.028 gewannen. Sie brachten weiters 140 Halter Point Gewinner von 2.714,5 Punkten und 300 Performance Point Earners mit 6.279,5 Punkten zur Welt. 116 davon bekamen Performance ROMs und 24 wurden AQHA Champions.

Als Sugar Bars in den fr�hen F�nfzigern in der Szene erschien, gab es innerhalb der AQHA gro�e Meinungsverschiedenheiten �ber die Einkreuzung von Thorougbreds in die Quarter Horse-Rasse, da man bef�rchtete, der urspr�ngliche Quarter Horses-Typ k�nnte verloren gehen.

Mit dem Beginn der Sugar Bars-�ra merkte man jedoch, welche Vorteile ein Halb-Thorougbred, wie Sugar Bars (Vater: Three Bars /TB) der QH-Welt bringen konnte, soweit der richtige Typ von Vollblut f�r die Einkreuzung gew�hlt wurde, und diese Ansicht hat sich bis heute nicht ge�ndert!