Ber�hmte Quarter Horses & Vererber
Eine Serie f�r QH-Fans - �bersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer

Skipper W (1945 - 1963)

Eines der am universell veranlagten Pferde in den Annalen der American Quarter Horse Association war Skipper W. Der sorrel-farbene Hengst kam im Fr�hjahr 1945 auf der Ranch von H.J. "Hank" Wiescamp in Alamosa, Colorado, zur Welt. Zur Zeit von Skipper W�s Geburt hatte Wiescamp bereits seit 20 Jahren Pferde gez�chtet. Sein Zuchtprogramm war auf Polo-Ponies und Kavallerie-Pferde abgestimmt, die er mit Vollbluthengsten aus im Quarter Horse-Typ stehenden Stuten (man nannte sie damals "Steeldust Horses") herausz�chtete.
Als 1940 die AQHA gegr�ndet wurde, bevorzugte Wiescamp Pferde der Old Fred-Familie, die von Coke Roberts aus Hayden in Colorado, popul�r gemacht wurden.
"Ich hielt Coke f�r den hervorragensten Z�chter aller Zeiten", erkl�rte Wiescamp. "In Format und Typ war der Unterschied der Old Freds zu den Pferden, die ich bislang z�chtete, nicht gro�, doch sie brachten eine Menge mehr Farbe und Chrome mit. Sie waren eine Pferdefamilie, die man sorgf�ltig linienz�chten konnte und das war es, was ich wollte."
Um sein neues Zuchtprogramm erfolgreich voranzutreiben, kaufte Hank 1943 von Warren Shoemaker aus Watrous, New Mexico, einen vierj�hrigen Hengst namens Nick Shoemaker. Dieser 1,51m gro�e und 650 kg schwere Palomino war ein Sohn von Nick, von Sheik P-11, aus der Sylvia. Sheik war wiederum ein direkter Nachkomme von Peter McCue, aus der Pat, von Old Fred.
Nick Shoumakers Mutter war schon vorher im Besitz von Hank Wiescamp und als Slipalong Wiescamp registriert. Sie stammte von Lani Chief, einem Vollbl�ter, und aus der Slipper, von Jiggs, von Fred Litz, von Old Fred.
Zu jener Zeit, als Wiescamp Nick Shoemaker kaufte, verf�gte er �ber eine Herde au�erordentlich guter Old Fred-Stuten, die er haupts�chlich von den Philmont & Ghost Ranches in New Mexico erstanden hatte. In der Stutenherde, die 1939 von der Ghost Ranch kam, befand sich ein palomino-farbenes J�hrlings-Stutfohlen von Cowboy P-12, aus der Leche, von Nick. Sie war als Hired Girl registriert und wurde 1944 in Nick Shoemaker�s Zuchtstutenherde integriert. Im folgenden Fr�hjahr gebar sie ein sorrel-farbenes Hengstfohlen, das den Namen Skipper W erhielt. Auf die Frage, wie das Fohlen zu diesem seltsamen Namen kam, erz�hlte Hank folgende Geschichte:
"Ich hatte damals, zur selben Zeit als Skipper auf die Welt kam, noch ein weiteres Hengstfohlen, einen Palomino von Gold Mount, aus der Slipalong Wiescamp. Es war das gleiche Jahr, als der gute Film "Showboat" herauskam und ich nannte den kleinen gelben Hengst deshalb nach diesem Film. Wie auch immer, ich hatte Hired Girl in einem Korral untergebracht und - nachdem sie abgefohlt hatte - beauftragte ich einen Mitarbeiter, den Nabel des neugeborenen Hengstfohlens zu desinfizieren. Nachdem der Mann dies getan hatte, stand der Kleine auf, drehte sich um und schlug prompt schmerzhaft nach ihm aus. Ich sagte zu dem Cowboy, "Sieh dir das an, er wei� bereits, wer hier der Boss ist!" Da ich schon ein Fohlen namens "Showboat" hatte, dachte ich, dass jedes Boot einen Boots- oder Steuermann (Skipper) brauchte - und so nannte ich den Neugeborenen eben "Skipper". Das beigef�gte "W" stand f�r Wiescamp."
Im ersten Lebensjahr Skipper W�s schien es mir zweifelhaft, ob der kleine Hengst auf der Wiescamp Ranch verbleiben sollte. Ich hatte Hired Girl f�r $150,- angeboten, noch bevor Skipper geboren war, fand aber keinen K�ufer. Nach dem Absetzen bot ich Skipper Gus Robertson aus Gunnison f�r $500,- an. Er antwortete: "Ist das nicht ein etwas hoher Preis f�r einen Wallach? Ich m�chte ein Rope Horse aus ihm machen und werde ihn kastrieren lassen."
   "Nun, dann kaufen Sie ihn eben nicht." Man sieht, was geschehen w�re, wenn Gus ihn gekauft h�tte - er h�tte einfach ein Ranch-Pferd aus ihm gemacht.
Als Skipper ein Jahr alt war, erschien eines Tages Herman Snyder aus Pendelton, Oregon, auf der Ranch. Er war auf der Suche nach einem Nachwuchs-Deckhengst und fragte, was er zu bieten h�tte. Er bot ihm Skipper f�r $1.500,- an, doch Snyder meinte, das w�re ein wenig zu viel. So fuhr er hinunter zu Warren Shoemaker und kaufte Music Mount.
Als Skipper W zweij�hrig war, brachte ihn Hank zu George Mueller, einen Spitzen-All Around-Trainer, um ihn zureiten zu lassen.
In der Dezember-Ausgabe 1982 des Quarte Horse Journal�s erschien ein Artikel �ber Skipper W, verfasst von Richard Chamberlain. Darin berichtete Mueller �ber seine fr�heren Erfahrungen mit dem Junghengst:
"Ich fuhr Skipper vom Boden aus drei Tage lang in einem kleinen Korral und dann sa� ich auf. Schon beim ersten Reiten verhielt sich der junge Hengst vorbildlich. Ich konnte ihn anreiten und wenden wie ich wollte. Das war typisch f�r ihn. Er buckelte niemals, noch verweigerte er jemals den Gehorsam. Als ich ihn das erste Mal startete, benahm er sich ein wenig unbeholfen. Doch sehr schnell brachte er sich selbst ins Gleichgewicht und je l�nger ich ihn ritt, um so besser wurde er. Ich musste nie Hilfsz�gel oder �hnliches bei ihm verwenden. Bald ropte ich zahlreiche K�lber mit ihm und er erwies sich als hervorragendes Rinder-Pferd. Er konnte rennen und sicher stoppen. Er liebte diese Arbeit geradezu."
Als Skipper W mit drei Jahren ausgewachsen war, mass er ungef�hr 1,50m und wog etwa 625 kg.
Mueller wollte ihn weiter in Roping ausbilden, doch Wiescamp beschlo�, ihn in Halter-Bewerben zu showen.
Skipper W wurde nur drei Mal geshowt und das als Vierj�hriger. Er wurde jedes Mal Grand Champion: bei der National Western Stock Show in Denver; bei der Colorado State Fair in Pueblo und bei der New Mexico State Fair in Albuquerque.
Wie auch immer. seine AQHA-Rekorde fielen damals kaum ins Gewicht, was nicht verwunderlich ist, waren sie doch um 1940, dem Gr�ndungsjahr der AQHA, noch lange nicht von so gro�er Bedeutung wie einige Jahre sp�ter.
"Ich bin heute froh dar�ber, dass wir ihn damals nicht �fter geshowt haben", erz�hlte Hank Wiescamp, "denn w�re das der Fall gewesen, w�re er vielleicht verkauft worden."
Zu Beginn de Jahres 1948 passierte auf der Wiescamp Ranch ein Unfall, welcher der Show-Karriere von Skipper W endg�ltig Einhalt gebot. Nick Shoemaker, bisher Spitzendeckhengst der Ranch, rutschte in seinem Korral auf einer Eisplatte aus, schlug mit dem Kopf gegen die Einz�unung und brach sich dabei das Genick. So wurde Skipper W sein Nachfolger als Top-Vererber und begr�ndete damit eine der bedeutendsten Zucht-Karierren in der Geschichte der Rasse.
1948 deckte der damals Dreij�hrige bereits einige Stuten. Doch das verlief nicht ganz nach Wunsch. Der in dieser Hinsicht aggressive und g�nzlich unerfahrene Junghengst jagte die Stuten, die er decken sollte, schlug sie und erschreckte sie fast zu Tode. Wiescamp forderte daraufhin Mueller auf, dem Hengst das Decken an der Hand beizubringen. Mueller riet ihm jedoch, den Hengst weiter auf der Weide decken zu lassen.
Damals erschien im QHJ wieder ein Artikel von Chamberlain, der von diesen Vorf�llen berichtet:
"Es war ein furchtbarer Schiffbruch. Die Stuten wollten ihn am liebsten umbringen. Sie bissen und traten ihn in der ersten Nacht. Er stand am n�chsten Morgen wie ein Esel mit h�ngenden Ohren da. Hank brachte das aus der Fassung. Ich dachte, er w�rde das Pferd zur�ck in den Stall bringen und ihn k�nftig an der Hand decken lassen. Wir brachten Skipper f�r eine Woche zur�ck in seinen Korral und lie�en ihn ein wenig ausruhen. Als wir ihn wieder auf die Stutenweide zur�ckbrachten, war er ein anderes Pferd. Er respektierte die Stuten von nun an und das blieb auch so."
In den 18 Jahren seiner Zuchtkarriere deckte Skipper D niemals fremde Stuten.
Wiescamp�s Philosophie war denkbar einfach und traf nicht nur auf Skipper W, sondern auch auf seine anderen Deckhengste zu. "Ich wollte schon seit eh und je einen bestimmten Typ Pferd z�chten", erkl�rte er, "und ich wich niemals von diesem Typ ab. Im Lauf der Zeit setzte ich Skipper W an die Spitze meines Zuchtprogramms. Ich hatte eine erlesene Old Fred-gezogene Zuchtstutenherde, die ich ihm zuf�hrte - haupts�chlich Plaudit-T�chter und Gro�t�chter. Mit diesem uniformen Stutentyp konnte ich die Pferde z�chten, die meiner Idealvorstellung entsprachen."
"Wenn ich noch auf einen wichtigen Punkt aufmerksam machen darf, der f�r Skipper W�s Erfolg als Vererber verantwortlich ist, so waren es die Stuten, die ich ihm zuf�hrte. Es war eine Familie, mit der er optimale Nachkommen zeugte. Es war ein Vorteil, dass ich gerade diese Stuten nur ihm decken lie�. Ich war immer davon �berzeugt, dass die Fohlen guter Stuten 60-70% Erbteil ihrer M�tter aufwiesen, w�hrend schlechte Stuten 100% ihres Erbgutes weitergaben."
Skipper W zeugte w�hrend seines ganzen Lebens nur 132 registrierte Fohlen, im Durchschnitt acht Fohlen pro Jahr. All diese Fohlen waren makellos und gaben der Linienzucht Hank Wiescamp�s recht.
Von der geringen Zahl von Skipper W�s registrierten Nachkommen wurden 73 geshowt, die insgesamt 1.392 Halter- und 586,5 Performance-Pukte erzielten. Unter ihnen waren 7 Superior Halter Horses, 18 Register of Merit-Kandidaten, 1 Superior Performance Horse und 30 AQHA Champions.
Zu den erfolgreichen Show-Pferden z�hlten Skipper Jr., Skipity Skip, Silver Skip, General Skip, Skipper�s Prince, Sailalong, Skip�s Ink, Skip Sir Bar, Skip�s Dilly und Skip Beau. Sie waren alle AQHA Champions und mit Ausnahme von Skip Sir Bar, der aus einer Tochter von Three Bars (TB) stammte, ausnahmslos aus Old Fred-gezogenen Stuten.
Skipper�s Image mit 188 Pukten und Skipper�s Smoke mit 100 Punkten waren die erfolgreichsten Halter Horses. Zus�tzlich waren Skipper�s Prince, Skip�s Glory, Skip�s Ink und Skip Sir Bar Superior Halter Horses. Wiederum, mit Ausnahme von Skip Sir Bar, Old Fred-Stuten.
Silver Skip, einer der ersten S�hne von Skipper W, wurde AQHA Champion und war einer der universellsten Performer. Im Besitz von Johnson & Kyle aus Santa Rosa, N.M., und geritten von Jack Kyle holte sich Silver Skip 41 Performance Points in Roping, Reining, Cutting, Working Cow Horse und Western Riding.
Skip�s Dilly, die letzte Tochter von Skipper W, wurde AQHA Champion und 1966 AQHA Honor Roll Western Pleasure Mare sowie Superior Champion.
Wie ihr Vater Skipper W waren alle Nachkommen athletisch gebaut und gute Roping- und Reining-Pferde. Skipette, seine erste Tochter, wurde ebenfalls AQHA Champion und 1964 AQHA Honor Roll Calf Roping-Mare. Sie kam nach ihren Erfolgen in die Zuchtstutenherde Wiescamp�s zur�ck. Skip Sir Bar war 1966 AQHA Honor Roll Steer Roping Stallion und f�nfter unter den High Point Calf Roping Horses jenes Jahres. Skipper�s Smoke mit 47 Punkten, Sailalong mit 42 und Skip On mit 31 Punkten waren drei von Skipper W�s Top Reinern und Superior Horses.
Nach Hank�s Meinung war einer der Hauptverdienste Skipper W�s, dass er sowohl S�hne als auch T�chter zeugte, die auch hervorragende V�ter und M�tter wurden. "Gew�hnlich bringt ein Hengst entweder gute m�nnliche oder gute weibliche Nachkommen", erkl�rte der erfahrene Z�chter. Skipper W erwies sich als Top-Vererber f�r beide Geschlechter, was eher die Ausnahme ist.
Skipper�s King f�hrte die Vererberliste von Skipper W�s S�hnen an. Der Sorrel wurde 1954 aus der gro�artigen Zuchtstute Santa Maria, von Plaudit, geboren. Der wie sein Vater schwer bemuskelte Hengst wurde Grand Champion bei der Denver National Western Show und verbrachte sein ganzes Leben auf der Wiescamp Ranch. Im Laufe der Zeit hatte Wiescamp mehr als 70 Stuten von Skipper�s King in seiner Zuchtherde.
Ein weiterer bedeutender Sohn von Skipper W war Skip�s Reward. Der Palomino wurde 1958 aus der Show Maria, einer double breeded Plaudit-Sute von Showboat, aus der Santa Maria, geboren.
Andere Skipper W-S�hne, die sich als Vererber einen Namen machten, waren Sailalong, Skip On, Skip Fare, Skipper�s Lad, Spot Cash. Great Chance, Skipper Jr., Skipity Skip, Silver Skip, Beau Chance, Skipador, Stage Hand, Sir Skip, Sirlette, Skip Ahead, Skip On Bar, Skip School und Skipper�s Image.
Wiescamp z�chtete 68 bedeutende Stuten von Skipper W, von denen er die meisten f�r die eigen Zucht behielt.
Skiperette, eine Vollschwester zu Skipper�s King, brachte Skip 3 Bar, Skip Barette, Skip�s Cadet und Skip�s Chant zur Welt, vier Hengste, die sich auch weiterhin in Wiescamp�s Linienzuchtprogramm bew�hrten. H. J. Skippa, aus der Question Mount, von Gold Mount, war die Mutter von Skippa String, einem AAA-Speedster, der ein Hauptvererber in der m�nnlichen Linie der Ranch wurde.
Weitere gro�e Zuchtstuten waren H. J. Skippit, Skip Too, Skip Queen, Sea Skipper, Skippadoo, Skiperado, Skip�s Glory und Skipette.
Skipper W verstarb 1963 im Alter von 18 Jahren an einer Herzattacke. Zur Zeit seines Todes hatte Hank 7 seiner S�hne und 57 seiner T�chter in seinem weiteren Zuchtprogramm. Die Skipper W-Linie wird noch heute gez�chtet, nicht mehr bei Wiescamp, der selbst vor einigen Jahren verstarb, sondern bei zahlreichen Z�chtern in den USA und in Europa.
Skipper W wurde niemals gro�artig geshowt oder promotet. Er verbrachte sein ganzes Leben in der Abgeschiedenheit des s�dlichen Colorado. Er stand nie fremden Stuten zur Verf�gung und diente als Vererber niemals der Massenproduktion von Pferden. Ungeachtet dessen wird sein Name unsterblich bleiben, verdanken wir ihm doch so viel in der Quarter Horse-Welt, zu dem er und seine Nachkommen beigetragen haben.