Wer dies hört, denkt zuerst einmal an den weltberühmten, historischen Roman des polnischen Schriftstellers (heute würde man sagen: Bestsellerautors) Henry Szienkievicz oder dessen oscargekrönte Hollywood-Verfilmung der 50er-Jahre mit Robert Taylor und Peter Ustinov. Doch in unserem Fall handelt es sich um eine Quarter Horse-Stute, die ihrer Zeit weit voraus war! Quo Vadis war eine der Stuten, von denen jeder Züchter nur träumen konnte, sie in seine Broodmare Band eingliedern zu können.
Als Top Performance Horse sammelte sie 29 Performance Points in Cutting, Reining, Working Cow Horse und Western Riding – ein All-Around Horse der Extraklasse. Darüber hinaus war sie eine außerordentliche Halter-Stute, die sich in dieser Klasse in nur 13 Shows nicht weniger als 40 Points mit 5 Grand Champion- und einem Reserve Grand Champion-Titel verdiente.
Quo Vadis vollendete ihr legendäres Vermächtnis als Zuchtstute mit 12 registrierten Fohlen, von denen 11 Spitzen-Performers waren, die gemeinsam 637,5 AQHA Punkte in nur sechs Events für sich verbuchen konnten. Darunter waren 4 AQHA Champions, 7 ROMs und 3 Superior Halter Awards. Alle ihre Fohlen waren in Performance und Halter gleich gut.
All dies begann, als Jimmie Randals Quo Vadis zum ersten Mal sah. Randals, ein anerkannter Top- Pferdezüchter, hatte bereits auf seiner Montoya Ranch in New Mexico so berühmte Pferde wie Poco Dell und Poco Dondi gezogen. Quo Vadis war eine wertvolle Ergänzung für sein Zuchtprogramm.
Das sei schon lang her, bemerkte Randals während einer Diskussion über Quo Vadis und wie sie auf seine Ranch kam. Ihr Besitzer war Ross Roberts aus San Jon, N.M., östlich von Tucumcari. „Ich glaube, ich sah sie auf der State Fair in Albuquerque. Ich handelte mit Ross einen Preis aus und bekam sie. Ich glaube, es war ein Glückstag für mich. Eigentlich hatte ich sie für meine Schwester Marianne erworben.“ Marianne Randals bekam Quo Vadis von ihrem Bruder mit einem Decksprung von Poco Dell.
Randals, der Quo Vadis für seine Schwester trainierte und showte, fand, dass die Stute ein kraftvolles Naturtalent war, die Art von Pferd, das freiwillig alles tat, was von ihm gefordert wurde. Er beschrieb ihre natürlichen Fähigkeiten und ihre Conformation wie folgt: „Quo Vadis war eines dieser Pferde, die ihrer Zeit voraus waren. Sie hatte alles, was man sich wünschen konnte. Sie war eine nette, große Stute. Natürlich, was ich damals eine nette, große Stute nannte, war nicht dasselbe, was man heute darunter versteht. Sie war etwa 150, vielleicht 151cm groß. Jedes Mal, wenn du sie stopptest, stand sie wie angewurzelt, korrekt aus allen vier Beinen. Du musstest sie nicht rückwärts richten oder sonst irgendwie korrigieren. Es gab kein Problem, sie zu showen.“ (Hier ist die Rede von Halter. Anm. d. Red.)
Quo Vadis wurde 1952 geboren und ihr Züchter war Ross Roberts. Ihr Vater war Little Lloyd, ein King Ranch-gezogener Hengst von Babbe Grande, der direkt vom legendären Old Sorrel stammte, dem Stammvater der berühmten King Ranch Quarter Horses. Babe Grandes Mutter war eine Tochter von Hickory Bill, der seinerseits auch der Vater von Old Sorrel war.
Estufa, die Mutter von Little Lloyd, stammte ebenfalls von der King Ranch. Ihr Vater war Pancho Villa, ein direkter Sohn des aus alten Zeiten bekannten Little Joe. Die Mutterstute von Pancho Villa war Jeanette, von Billy, was Pancho Villa zum Vollbruder des berühmten Hengstes Zantanon machte, der später der Erzeuger des legendären King P-234 wurde. – Alles in allem ein Musterbeispiel historischer Quarter Horse- und Vor-QH-Zucht. Lediglich die Mutter von Estufa, mit Namen Canales, war unbekannter Herkunft.
Little Lloyd zeugte zwei ROM Show Horses, Little Punkin Garret und Quo Vadis. Little Lloyd war auch der Großvater väterlicherseits von Mister Boss, einem AQHA Champion und Erzeuger von 38 ROM, 14 Superior Horses und 3 AQHA Champions.
Die Mutter von Quo Vadis war Miss Circle H III, von Brown Ceasar. Brown Ceasar zeugte die bemerkenswerte Zuchtstute Lassie Ceasar. Lassie Ceasar wiederum brachte Blonde Joan zur Welt, die 1957 Champion Quarter Running 3-Year-Old Filly wurde, sowie Lassie´s Dream, die 1955 den Titel Champion Quarter Running 2-Year-Old Filly errang. Lassie´s Dream war die Mutterstute von Magnolia Bar, einem AAA-AQHA Champion im Rennsport.
Brown Ceasar war ein Sohn von Babe Grande, was zur engen Inbreed-Verwandschaft von Quo Vadis mit diesem Spitzenvererber der King Ranch führte.
Bob Denhardt schrieb in seinem Buch „The King Ranch Horses“, dass Babe Grande ein geborenes Cow Horse war, der als Vererber für seine exzellenten Zuchtstuten berühmt wurde. Er deckte auf der King Ranch von 1931 bis 1951. Sein bedeutendster Einfluss auf der King Ranch bezog sich auf seine Töchter als Top-Mutterstuten. Babe Grande war väterlicherseits der Großvater von Babe Mac C, einem der ersten AQHA Champions. Er zeugte auch Rey Del Rio, einen wichtigen Vererber im King Ranch-Zuchtprogramm, und Saltillo, den Vater der berühmten Cutting-Stute Alice Star.
Die Mutterstute von Brown Ceasar war die Conley Roan Mare von Little Hickory, der wieder ein Sohn von Hickory Bill war und dieser ein direkter Sohn von Peter McCue. Das gab eine fünffache Abstammung Quo Vadis´ von Hickory Bill. Mit dieser Stammtafel sind wir mit Peter McCue bereits in der „Urzeit“ der Quarter Horses. (Auf Peter McCue – um 1895 – ist fast 2/3 der heutigen Quarter Horse-Population zurückzuführen).
Die Stute Conley Roan war ein Tochter aus der Garcia, von Graig Roan, der von einem Hengst abstammte, der im AQHA Stutbuch als O´Connor Blue geführt wird.
Miss Circle H III war die Tochter einer Stute namens Bess, deren Vater ein Hengst mit Namen Keeney Stud war, ein Sohn von Yellow Wolf, was uns wieder in die Vorgeschichte der QH-Zucht zurückführt. Die Mutter von Bess war die June Bug Mare, von Wind City (TB).
Randals war der Meinung, dass Miss Circle H III fast ident mit Quo Vadis war. Miss Circle H III bzw. Quo Vadis waren die Art Stute, die man wie die Nadel im Heuhaufen suchen musste, doch wenn man tatsächlich das Glück hatte, eine solche Stute für die Zucht zu finden, war das eine Sensation. Miss Circle H III festigte die Meinung Randals, war sie doch die Mutter von drei AQHA Champions. Darüber hinaus produzierte Quo Vadis die AQHA Champions Show Maid und Set Up.
Poco Cercle war ein von Poco Dell gezeugtes Fohlen, aus der Miss Cercle H III, welches Teil des Handels zwischen Randals und Ross Roberts war. Diese Show-Stute erwarb 11 Halter- und 3 Performance-Punkte.
Viele Stuten bringen gute Show-Pferde, doch schlussendlich stellt sich heraus, dass sie keine guten Vererber zur Welt bringen. Dies war bei Qua Vadis nicht der Fall. Ihre Hengstfohlen waren sogar oft besser als sie selbst. Sie waren Show Horses und athletischer als ihre Mutter.
Darüber hinaus hatte sie die Eigenschaft, mit allen beliebigen Hengsten gute Fohlen zu produzieren.
Quo Vadis brachte sechs Fohlen von Poco Dell. Das erste war Poco Becky, ein AQHA Champion mit 14 Halter- und 16 Performance-Punkten in Reining, Westerrn Pleasure und Western Riding. Laura Dell kam als nächste und holte sich 10 Halter Points. Madonna Dell folgte 1960. Sie wurde Superior Halter Mare mit Performane ROM. Dino Dell war ihr erstes Hengsfohlen. Er gewann 15,5 Pleasure Points und 5 Halter Points. Dellfene, 1965 geboren, bekam 36 Halter-Punkte, 10,5 Open Performance Points, 16 Youth Halter Points und 6 Youth Performance-Punkte, alle Reitpunkte in Western Pleasure. Dell´s Hombre wurde 1967 geboren und war das letzte Fohlen von Poco Dell. Dieses gut aussehende Hengstfohlen erhielt 9 Halter- und 3 Pleasure-Punkte, bevor es völlig unerwartet verstarb.
Von allen Quo Vadis-Nachkommen war Madonna Dell Randals´ Favorit. Der Züchter bemerkte dazu, dass er nie ein besseres Pferd geshowt hätte. Sie war so schön, dass man kein schöneres Pferd malen hätte können – ein perfektes Show Horse. Madonna Dell errang allein 202 (!) Halter Points. Sie wurde Superior Halter Horse und Grand Champions bei Top Shows, wie der Houston Livestock Show, der Chicago International und der New Mexican State Fair. Außerdem konnte sie noch 7,5 AQHA Performance Points in Cutting und Western Pleasure verbuchen.
Bonita Dondi kam 1963 zur Welt und war das erste Quo Vadis-Fohlen, das nicht von Poco Dell stammte. Ihr Vater war der großartige Poco Dell-Sohn Poco Dondi, der zweite AQHA Champion aus Quo Vadis. Bonita Dondi brachte es auf 31 Halter- und 16 Performance-Punkte in Reining, Western Riding und Western Pleasure.
1965 brachte Randals Quo Vadis nach Nebraska, um sie von Two Eyed Jack decken zu lassen. Das Resultat dieser Paarung war Miss Impressive mit 14 Halter- und 7 Performance Poins in Cutting.
Miss Impressive war eine wirklich reizende Stute, wie man sie sich nur wünschen kann. Sie hatte eine Menge Cow Sense. Sie war so athletisch gebaut, wie man es selten bei einem Halter-Pferd findet. Miss Impressives Nachkommenrekord reproduziert die Universalität der Quo Vadis-Familie. Sie gebar Impressive Dell, von Poco Dell, und Doctor Montonaya, von Doc Bar. Impressive Dell erwarb sein Superior Certificate in Western Pleasure mit 75 und 17 Halter-Punkten.
Randals ließ drei Stuten von Doc Bar decken – Quo Vadis, Miss Impressive und Peppy Delta. Dies geschah gerade in dem Jahr, als Doc bar steril wurde, und so war Miss Impressive die einzige Stute, die noch ein Fohlen bekam. Dieses Fohlen war Doctor Montoya, der später den Verkaufsrekord beim NCHA Futurity Sale hielt. Joe Ayers und Terry Riddle kauften ihn für 150.000 Dollar. Doctor Montoya wurde Champion bei der Oklahoma Cutting Futurity und Finalist beim NCHA Classic/Challenge von 1982. Er bekam 8 AQHA Cutting Points und kam 1981 unter die ersten 10 der AQHA World Champion Show in Junior Cutting.
Mr Perfection, 1969 geboren, war ein Sohn aus der Quo Vadis, von Three Chicks. Er wurde AQHA Champion mit einem Superior in Halter, wo er 68 Punkte erreichte. Unter anderem wurde er 15 Mal Grand Champion und 18 Mal Reserve Grand Champion. Er gewann seine Klasse bei der Fort Worth Stock Show drei Jahre in Folge. Seine 18 Performance-Punkte erwarb er in Reining, Working Cow Horse und Western Pleasure. Den Höhepunkt seiner Karriere erlangte er mit Billy Allen im Sattel. Mr Perfection wurde nach seiner Show-Zeit ein hervorragender Deckhengst mit Fohlen wie Perfection Plus, der insgesamt 429 AQHA-Punkte sammelte, Perfection Smoke, der es sogar auf 617 AQHA Points brachte, und Lady Perfectionist, die 260 AQHA Punkte erwarb.
Miss Pocket Money war das einzige Stutfohlen Randals, das nie geshowt wurde. Sie stammte von Triple Money, von Triple Chick. Triple Money war damals in Randals Besitz. Miss Pocket Money wurde zwar nie geshowt, doch brachte sie von Investor zwei prächtige Fohlen zur Welt, die einzigen ihres Lebens. Sie gebar Vester Vision und Safty Deposit. Beide wurden Superior Western Pleasure Horses und AQHA Champions.
Die letzten beiden Nachkommen von Quo Vadis waren Hengstfohlen. Der erste Hengst war Majestic Dell, von Eternal Dell, dann folgte Kaliman, von Dell Milagro, einem Sohn von Poco Dell. Majestic Dell war ein guter Halter-Hengst mit 49 Show Points. Er wurde 33 Mal geshowt, wobei er 29 Klassen mit 19 Grand Champion- und 9 Reserve Grand Champion-Titeln gewann. Majestic Dell erwies sich auch als guter Vererber mit Fohlen wie Majestic Pascal, einem Youth World Champion und 1988 High Point Junior Horse in Hunter under Saddle.
Weiters war da Swakara, ein Youth Performance Champion 1988, mit Superior in sechs Disziplinen. Kaliman war ein AQHA Superior Halter Horse und AQHA Champion mit Punkten in Reining, Trail und Western Pleasure. Er erwarb 30 Performance- und 50 Halter Punkte und wurde 12 Mal Grand Champion und 6 Mal Reserve Grand Champion. Er war auch ein bekannter Reining Horse Sire, mit Nachkommen wie Kali Amanda, die 1987 NRHA Non-Pro Futurity Champion wurde, und Kaliflower, einem weiteren NRHA Non-Pro Champion.
Quo Vadis kam 1979 nach Kansas, um dort gedeckt zu werden. Sie starb jedoch bei der Geburt des Fohlens.
Randals sandte einen Trailer nach Kansas, um die tote Stute nach Hause zu bringen. Sie wurde hinter Randals Haus neben Poco Dell begraben. Randals setzte große Gedenktafeln auf die Gräber dieser beiden legendären Quarter Horses.