Ber�hmte Quarter Horses & Vererber

Peter McCue

Eine Serie f�r QH-Fans - �bersetzt und bearbeitet von Heinz Langer

Dieses Mal greifen wir weit in die Geschichte unserer Rasse zur�ck und berichten �ber einen der bedeutendsten Begr�nder unserer Rasse - den legend�ren Peter McCue, der 1895 das Licht der Welt erblickte, und dessen Einfluss auf die Quarter Horse-Zucht �ber mehr als ein ganzes Jahrhundert, bis hin zu den modernen Vererbern noch nachvollziehbar ist.

Obwohl sich der Einfluss, den Peter McCue einst auf die Quarter Horse-Zucht hatte, im Laufe der Zeit abgeschw�cht hat, kann man seine Bedeutung nach wie vor nicht leugnen. Er verbleibt auch viele Jahrzehnte nach seinem Tod noch immer der absolute Begr�nder der Rasse.

Die Geschichte Peter McCue�s beginnt vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, nahe der Stadt Petersburg in West-Zentral Illinois. Es war das Land Abrahm Lincolns. Von der Mitte des 18. bis zur ersten Dekade des 20. Jahrhunderts z�chtete hier ein angesehener und reicher Farmer, namens Samuel Watkins, Rinder und gute Pferde.

Im Jahr 1894 gab es zwei Top-Hengste auf Watkin�s Long Grove Stock Farm. Einer davon war Duke of the Highlands, ein Vollbl�ter (TB), der andere war Dan Tucker, ein Nachkomme von Cold Deck und Steel Dust. 1895 bekamen 17 Watkins-eigene Stuten Fohlen, 15 von Duke of the Highlands, 2 von Dan Tucker.

Eine der Stuten, ein Vollblut namens Nora M, brachte am 23. Februar 1895 ein Hengstfohlen zur Welt, das sp�ter den Namen Peter McCue erhielt.

Wie so oft in jener fr�hen Zeit, gab es Zweifel betreffs Peter McCue�s Pedigree. Er galt zun�chst als Sohn von Duke of the Highlands und wurde als Vollblut (TB = Thoroughbred) ins American Stud Book eingetragen. Doch am 10. M�rz 1945 erschien in einer Ausgabe der Zeitschrift "The Blood Horse" ein Schriftsatz, der aussagte, dass als Peter McCue�s Vater im American Stud Book ein Hengst namens Rathnerod (TB) eingetragen sei. Daraufhin erfolgte eine Zeugenaussage der Familie und von Freunden Sam Watkins, dass der Vater Peter McCue�s tats�chlich Dan Tucker gewesen war. Die Argumentation war so �berzeugend, dass die AQHA Dan Tucker als Erzeuger Peter McCue akzeptierte und best�tigte.

Die Diskrepanzen in der Abstammung des Hengstes lagen in den �blichen Gewohnheiten der Fr�hzeit begr�ndet. Damals standen gute Rennpferde im Vordergrund, und Samuel Watkins z�chtete einige der Besten. Bei den meisten Rennen waren ausschlie�lich Vollbl�ter zugelassen, und darum wurde Peter McCue vors�tzlich als Nachkomme des Vollbl�ters Duke of the Highlands deklariert, um ihm zuk�nftige Renn-Stars zu sichern. Watkins folgte einfach der Praxis, die unter den Z�chter der Gegend opportun war.

Als Peter McCue zwei Jahre alt war, wurde er von einem Horseman mit Namen Dick Hornback zugeritten. Hernach erlaubte Watkins seinem Neffen Charles Watkind, den Hengst ins Renntraining zu nehmen. Peter McCue wurde 1897 stark beworben und erzielte auch prompt acht Siege �ber die halbe und Achtelmeile. Er lief Rennen in Forsyth, Indiana, in St. Louis, Montana, in Ingalls Park, Illinois, in Detroit, Michigan, und in Windsor, Ontario.

Milo Burlingame aus Cheyenne, Oklahoma, ritt Peter McCue auf den meisten seiner Rennen. In der September-Ausgabe 1948 von "The Quarter Horse" erinnerte er sich an seine Erfahrungen mit dem Hengst: "Ich traf Peter McCue zum ersten Mal in San Louis. Ich hatte erst ein oder zwei Rennen mit dem Hengst bestritten, als seine Besitzer kamen und mich als Jockey engagierten. Ich sah ihn nie ein Rennen laufen, bei dem er seinen Konkurrenten nicht eine Halsl�nge voraus war. In St. Louis standen 2.500 Pferde und nachdem Peter McCue zwei Rennen gelaufen war, stand fest, dass er das weitaus beste und schnellste Pferd hier war. Ich war damals noch fast ein Kind, aber ich schwor mir, ich w�rde diese Pferd eines Tages selbst besitzen."

Da es beim St. Louis Meeting kein Pferd gab, das mit Peter McCue mithalten konnte, konnte nicht ermittelt werden, wie schnell der Hengst �ber eine Viertel Meile war. So beschloss sein Trainer eines Morgens, ihn mit Milo Burlingame im Sattel gegen die Uhr laufen zu lassen.

"Es war die Zeit, als es noch keine Startboxen gab", erinnert sich Burlingame. "Wir gingen beim Morgengrauen auf die Rennstrecke. Es gab f�nf Uhren, die mit den Start- und Zielflaggen angeklickt wurden, zwei am Start und drei am Ziel.

Nun gut, ich startete ihn und ich war dem Gef�hl des Fliegens nie n�her. Als ich zur�ck kam, wurden die f�nf Uhren verglichen. Zwei zeigten eine Zeit von unter 21 Sekunden, die zweite und dritte genau 21 Sekunden an. Alle f�nf Zeitnehmer waren sehr erfahren in ihrem Job, so dass ich annehmen konnte, dass die Zeitmessung an jenem Morgen korrekt war. Ich bin also sicher, dass die genaue Zeit aus der Startbox unserer Tage unter 22 Sekunden pro Viertel Meile gelegen h�tte."

Im Anschluss an seine Starts auf allen ber�hmten Rennstrecken als Zweij�hriger, lief Peter McCue auch Rundstreckenrennen. Dabei erlitt er als Dreij�hriger einen Bruch des linken, vorderen Fesselgelenks. Er musste die n�chsten neun Monate in einer Schlinge aufgeh�ngt verbringen, bis die Verletzung geheilt war. Danach konnte er nat�rlich keine Rennen mehr laufen.

Aufgrund dieser Schwierigkeiten holte Watkins den Hengst von seinem Neffen zur�ck und brachte ihn in sein Gest�t. Zu jener Zeit hatte sich Peter McCue zu einem stattlichen Pferd entwickelt. Er war ein dunkler Brauner ohne wei�e Abzeichen an Kopf und Beinen, ma� 160 cm Stock und wog mehr als 700 kg. Er hatte einen guten Kopf mit ausgepr�gten Ganaschen. Sein R�cken war etwas lang und seine H�fte ein wenig zu kurz. Die Gesamtkonformation war jedoch so gut, dass er von den Pferdeleuten des Mittelwestens als Zuchthengst akzeptiert wurde.

W�hrend seiner Zeit in Illinois zeugte Peter McCue drei seiner ber�hmtesten S�hne - Harmon Baker, Hickory Bill und John Wilkins. Alle drei kamen auf der Watkins Farm zur Welt: John Wilkins 1906, die beiden anderen 1907. Harmon Baker stammte aus der Nona P., einer Tochter von Duke of the Highlands. Nona P. war aus einer Stute namens Molly D., die wiederum aus der Nora M., der Mutter Peter McCue, stammte.

Harmon Baker, ein Hengst der sich sein Leben lang im Besitz von Billy Anson aus Cristobal, Texas, befand, war ein exzellentes Rennpferd und ein hervorragender Vererber. Vier seiner bekannteren S�hne waren Dodger, Jazz, Harmon Baker jr. und New Mexico Little Joe.

Hickory Bill�s Mutter war Lucretia M. Sie wurde 1911 an John Wilkins aus San Antonio verkauft. Dieses Pferd wurde wahrscheinlich von dem sehr bekannten Horseman George Clegg aus S�dtexas aufgezogen. Als sich Hickory Bill, der dritte Sohn Peter McCue�s, im Besitz von George Clegg befand, zeugte er Old Sorrel, den Begr�nder der weltber�hmten Quarter Horse-Zucht der King Ranch.

Der Peter McCue-Nachkomme John Wilkins stammte aus einer Vollblut-Stute namens Katie Wawekus. Dieser Hengst, der den Gro�teil seines Leben auf einigen der ber�hmtesten Quarter Horse-Zuchtbetrieben in Texas verbrachte, zeugte den unvergesslichen Joe Hancock und viele andere gute Pferde.

In den Jahren 1901 und 1902 wurde Peter McCue an Mr. Michaels verliehen, der nahe Lincoln in Illinois, lebte. Einige Jahre sp�ter wurde Peter an John Wilkins verkauft, der auch Hickory Bill gekauft hatte.

Milo Bulingame, der Peter McCue seit seiner Rennlaufbahn bewunderte, schrieb 1911 an Wilkins, ob er willens w�re, ihm den Hengst zu verkaufen. Wilkins antwortete positiv und nannte einen Preis von 10.000,- Dollar, eine gewaltige Summe zu jener Zeit. Burlingame war sofort einverstanden, und obwohl er das Pferd seit seiner kurzen Rennkarriere nie mehr wieder gesehen hatte, schickte er sofort einen Mann, um den Hengst abzuholen.

In der Septemberausgabe von 1948 der AQHA-Zeitschrift "The Quarter Horse" spricht Burlingame �ber Peter Mc Cue wie folgt:

"Wo ich einen Fehler mit ihm machte", erkl�rt er, "ich erlaubte ihm nur extra gute Vollblutstuten zu decken. Aber ich hatte eine Menge guter Freunde, die ich �berredete, ihre Stuten zu ihm zu bringen. Meine Vorstellung war, etwa f�nf Top Thoroughbred-Stuten von ihm decken zu lassen und so Fohlen zu ziehen, von denen mindestes ein Tier es schaffen m�sste, von einer halben bis zur Viertel Meile Bestleistungen zu erzielen und damit die meisten anderen Pferde zu schlagen. John Wilkins (das Pferd) aus der Big Alice hielt ich f�r den gr��ten Sohn Peter McCue."

Dieser John Wilkins war jedoch nicht derselbe John Wilkins, der in Illinois gezogen war. Der John Wilkins, auf den sich Burlingame bezog, war ein chestnut-farbiger Sohn von Peter McCue, der 1912 aus einer Stute, Big Alice genannt, geboren wurde. Sein Name wurde sp�ter, als er in den Besitz von Matt Renfro aus Fort Sumner, New Mexico, gelangte auf John Wilkes ge�ndert.

Selbst wenn es sich nicht so entwickelte, wie Burlingame es urspr�nglich geplant hatte, war die Stellung Peter McCue�s in S�d-Texas als Zuchthengst produktiv.

Im Anschluss an John Wilkins (John Wilkes) zeugte der Hengst w�hrend seines Lebens noch weitere gute Pferde, von denen insbesondre Jack McCue, A.D. Reed, Chief P-5, Badger und die ber�hmte Renn-Stute Carrie Nation, die den Weltrekord �ber die 5/8-Meile hielt, zu den Bekanntesten z�hlen.

Milo Burlingame behielt Peter McCue bis 1916, wonach er an Si Dawson aus Hayden, Colorado, verkauft wurde. Das Interesse an dem Hengst war bei Dawson und seinem Freund und Nachbarn Coke Roberds aufgeflammt, nachdem sie einen Sohn Peter McCue�s, den Wallach Buck Thomas, auf der Rennbahn in Denver gesehen hatten.

Dawson war auf der Suche nach einem Top Sohn von Peter McCue, doch Roberds �berredete ihn, den alten Hengst selbst zu erwerben. Dowsen und Roberds waren beide seri�se Pferdez�chter. Nach der Korrespondenz mit John Wilkins, reiste Si Dawson zu ihm, um sich den Hengst pers�nlich anzusehen, obwohl ihm George Clegg und William Anson ihre eigenen Peter McCue-S�hne angeboten hatten. Was er sah, gefiel ihm, und er kaufte den bereits 21-j�hrigen Hengst f�r 5.000,- Dollar. Per Eisenbahn brachte er das Pferd nach Colorado.

Drei Jahre sp�ter unterzeichnete Dawson einen Vertrag, eine Gro�-Ranch, die Facenda Morungave, in Brasilien zu managen. Die Ranch verf�gte �ber ein Ausma� von 250.000 Acres. Als er mit Freunden auf der Ranch Thanksgiving feierte, ereilte Dawson sein Schicksal. Er erlitt einen Blinddarmdurchbruch und starb am 3. Dezember 1919 mit 49 Jahren.

Bevor Dawson nach Brasilien ging, �berlie� er Peter McCue zusammen mit 35 Stuten seinem Freund Coke Roberds. Nach Dawsons Tod wurde sein Eigentum, au�er Peter McCue, versteigert. Der Hengst selbSt verblieb bis zu seinem Ableben als 28-j�hriger im Jahre 1923 im Besitz von Roberds.

W�hren der letzten zwei Jahre von Peters Leben f�tterte ihn Roberds mit Kuhmilch, um seine Langlebigkeit zu f�rdern.

W�hrend seines Lebensabschnitts bei Dawson-Roberds war Peter als Vererber genauso produktiv wie in Illinois und in S�d-Texas. Aus dieser Zeit stammten Sheik P-11 und der Hengst Buck Thomas sowie die bekannte Renn-Stute Squaw, die 49 von 50 Rennen gewann, und Marshall Peavy�s Rennstute Mary McCue. Ferner waren da Old Red Bird P-14, ein Sohn von Buck Thomas, der zu jener Zeit zur Welt kam, sowie die Spitzen-Rennpferde Peter McCue II, Mistress McCue und Biddy McCue.

Die S�hne und T�chter von Peter McCue verbreiteten sein Blut weiter, als sie in die Zucht kamen. Die Rede ist von Foundation Quarter Horse Sires, wie Old Sorrel, Wimpy P-1, Peppy, Burt, Joe Hancock, Ding Bob, Midnight, Midnight jr., Grey Badger II, Pretty Boy, Pretty Buck, Blackburn, Nowata Star, Poco Bueno, King Fritz, Cowboy P-12, Plaudit, Nick S, Skipper W, Jesse James, King�s Pistol und eine Menge anderer Nachkommen von Peter McCue.

Prominente moderne Quarter Horse-Vererber, wie Coy�s Bonanza, Blondy�s Dude, Two Eyed Jack, Zan Par Bar und Rugged Lark, sind allesamt auf Peter McCue zur�ckzuf�hren.

Und die Liste geht weiter... und weiter... und weiter.

Man sagt, dass heute fast 2/3 der gewaltigen QH-Population allein auf Peter McCue zur�ckzuverfolgen sind!