Ber�hmte Quarter Horses & Vererber
Eine Serie f�r QH-Z�chter & Fans - �bersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer aus Western News 1/02
Oklahoma Star
Seit es organisierte Rodeo-Veranstaltungen gibt - die ersten fanden vor etwa 100 Jahren statt - waren fast immer Nachkommen von Oklahoma Star unter den Siegern und Platzierten, vor allem in Roping Events.
Tats�chlich sagte man in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, es g�be nur zwei Top-Vererber f�r Rope Horses in Oklahoma, und beide waren Nachkommen von Oklahoma Star.
Obwohl diese Darstellung etwas �bertrieben scheint, zeigt es doch die hohe Bedeutung, die Oklahoma Star f�r die Rodeo-Szene und f�r die Ranch Cowboys hatte.
Oklahoma Star wurde 1915 auf der Farm seines Z�chters, Tommy Moore, in der N�he von Slapout, Oklahoma, geboren. Slapout liegt im sogenannten "No Man�s Land" im Oklahoma Panhandle. Moor war 1905 oder 1907 aus einem kleinen Dorf n�rdlich von Guthrie hierher �bersiedelt. Nachdem er vorerst f�r ein Jahr eine Farm gemietet hatte, erwarb er schlie�lich ein eigenes Anwesen, wo er die besten Percheron- (Kaltblut-) Pferde und die besten Rennpferde der Gegend z�chtete.
Eines von Moore�s h�chstdekorierten Rennpferden war eine Stute namens Cutthroat. Sie hatte ihren ungew�hnlichen Namen von einem Unfall als Fohlen, bei dem sie gegen einen Drahtzaun gelaufen war und sich eine erhebliche Verletzung am Hals zugef�gt hatte, deren Narbe ihr ganzes Leben lang zu sehen war. Manchmal wurde sie auch May Mattison oder Bee Vee genannt.
Nachdem die Stute jahrelang ungeschlagen Rennen gelaufen war, fand sich kein Gegner mehr f�r sie. Daher nahm sie Moore als 6- oder 7-j�hrige 1914 in die Zucht. Er w�hlte zu ihrer Bedeckung einen schwarzen Thoroughbred-Hengst namens Dennis Reed, der einem gewissen Ned Snyder aus Englewood, Kansas, geh�rte. Dennis Reed (TB) war ebenfalls ein sehr erfolgreiches Rennpferd.
Im Fr�hling 1915 gebar Cutthroat ein dunkelbraunes Hengstfohlen mit einem kleinen Stern auf der Stirn, worauf Moore es prompt Oklahoma Star nannte.
Arthur Ogden, ein Mitarbeiter Moore�s, der ihm bereits geholfen hatte Cutthroat einzureiten, ritt auch Oklahoma Star ein, als er zwei Jahre alt war. Tommy Moore trainierte ihn auf die halbe Meile, bevor er ihn gegen seine eigene Mutter laufen lie�. Cutthroat, die von Moore�s Bruder geritten wurde, hatte keine Chance gegen ihren Sohn, wobei nat�rlich zu bedenken ist, dass sie seit ihrer Rennkarriere drei Fohlen aufgezogen hatte und daher nicht in Top-Form war.
Moore f�hlte, dass er einen guten Renner hatte, und beschloss, ihn auf die Probe zu stellen.
Im Februar 1918 brachte er Oklahoma Star nach Covington, Oklahoma, und lie� ihn gegen Slip Shoulder, ein ber�hmtes Rennpferd, �ber die Achtelmeile laufen. Star gewann mit Leichtigkeit, doch die Einheimischen waren nicht �berzeugt.
Ein zweites Rennen wurde angesetzt und zwar gegen eine schnelle Stute namens Kate Bernard. Die Distanz war dieselbe, ebenso das Resultat: Oklahoma Star gewann haushoch.
Ungef�hr ein Jahr sp�ter �bersiedelte Moore zur�ck nach Mullhall und nahm 7 oder 8 Pferde mit, darunter Cutthroat und Oklahoma Star, sowie drei Vollbr�der und -Schwestern von Star.
Moore setzte die Rennkarriere Oklahoma Star�s mit gro�em Erfolg fort. Der Hengst startete und besiegte die st�rksten Gegner jener Tage, darunter Duck Hunter, Big Jaw, Henry Star, Ned S, Jimmy Hicks, Nellie S und Bear Cat.
Nach einer Wiedergabe von Franklin Reynolds im Quarter Horses Journal, berichtet der in der Gegend von Guthrie damals sehr bekannte Jockey Harvey Nealis �ber das Rennen gegen Bear Cat.
"Ich ritt Tommy�s Pferd, weil Tommy damals schon zu gewichtig geworden war, um selbst zu starten. Eines Tages luden einige Kerle ein Pferd in Mulhall aus, dessen Name Bear Cat lautete. Sie animierten Tommy zu einem Rennen gegen dieses Pferd.
"Ich weiss nicht mehr, welches Pferd wir damals gegen Bear Cat laufen lie�en, aber wir verloren, wie Tommy erwartet hatte. Tommy hatte das beabsichtigt, um die Gegner in Sicherheit zu wiegen. Dann lie� er Oklahoma Star gegen Bear Cat auf der Rennbahn von Covington die Viertel Meile laufen. Es wurde wie erwartet ein sicherer Sieg f�r uns. Wir hatten Bear Cat beim ersten Rennen richtig eingesch�tzt und Moore konnte einen Haufen Geld einsacken.
"Nun, ich ritt Oklahoma Star damals und lie� Bear Cat wie eine lahme Ente aussehen, sodass wir ihn nie mehr als Gegner hatten."
1925 oder 26 hatte Tom Moore einen schweren Unfall mit einer Scheiben-Egge, was ihn dazu zwang, alle seine Pferde und auch Oklahoma Star zu verkaufen.
Bill O�Meara, ein Farmer aus der Gegend, zahlte Moore 150 Dollar f�r Oklahoma Star und stellte den Hengst fremden Stutenbesitzern f�r eine Decktaxe von 10 Dollar zur Verf�gung. 1932 wechselte Oklahoma Star abermals den Besitzer. Er wurde von Ronald Mason erworben, dem Mann, der die wichtigste Rolle in Star�s Leben spielen sollte, um den Hengst zu einem der prominentesten Foundation Sires der Quarter Horse-Zucht zu machen.
Mason besa� die Cross J Ranch in der N�he von Newata, Oklahoma. Alls Oklahoma Star hier eintraf, hatte Mason etliche hervorragende Stuten, die er dem Hengst zuf�hrte. Einige von ihnen waren T�chter von Beggar Boy und Quarter Deck, beide Vollbl�ter. Beggar Boy war ein Sohn des ber�hmten Kentucky Derby-Siegers, Black Gold und Quarter Deck, einem direkten Sohn des legend�ren Man O�War.
Der restliche Bestand von Mason�s Zuchtstutenherde stand im Top-Quarter Horse-Typ. Es waren Stuten aus der Coke Blake- und John Dawson-Zucht. Nach der Anpaarung mit diesen Stuten zeichnete sich Oklahoma Star als Zuchthengst aus.
Bob Denhardt, der "Papst" der Quarter Horse-Geschichte, besuchte Ronald Mason in den sp�ten 30er-Jahren, um sich seinen Pferdebestand anzusehen. In einem Artikel �ber Oklahoma Star in der Dezember-Ausgabe 1963 der Zeitschrift "The Quarter Horse Journal" schildert Denhardt einige seiner Eindr�cke �ber den nun schon betagten Hengst.
"Es wurde geschrieben, dass Oklahoma Star 1,42m gro� und 600kg schwer sein sollte. Ich sah ihn erst in den sp�ten Drei�igern, als er schon etliche Jahre auf dem Buckel hatte. Aber ich bezweifle, dass er nur 1,42 gro� war und sch�tzte sein Gewicht auf weniger als 550 kg."
"Oklahoma Star war ein wunderbarer mahagonifarbener Brauner, mit nur zwei kleinen Abzeichen am ganzen K�rper: einem kleinen Ster in der Mitte oberhalb der Augen und etwas wei� am linken Hinterfu� oberhalb dem Kronenrand. Ich denke, er zeigte mehr Vollblut, als seine Abstammung vermuten l�sst, was sich an seinen Ohren, seinem Kopf und Widerrist sowie an seiner langen Unterlinie bemerkbar machte."
"Sein Quarter-Blut zeigte er in seinen kurzen R�hren, seiner abfallenden Kruppe und der schweren Bemuskelung der Hinterhand. Seine Hinterbeine waren so kraftvoll, wie ich sie zuvor noch an keinem Pferd beobachten konnte. Das erkl�rt, warum er aus der Startbox so schnell lossprinten konnte."
W�hrend der Zeit in Masom�s Besitz zeugte Oklahoma Star so ber�hmte S�hne wie Congress Star, Starway, Osage Star, Nowata Star, Star Deck, Oklahoma Star Jr., Double Star, Hillside�s Little Man und Sizzler.
Congress Star, Starway und Osage Star waren Vollbr�der aus der Quarter Lady, von Quarter Deck (TB). Congress Star und Starway waren beide V�ter von oftmaligen ROM Sires und Osage Star war auch der Vater von Osage Lady Star, der Mutter von Palleo Pete, dem Champion Quarter Running Stallion von 1954.
Nowata Star zeugte neun ROM Race Horses, 16 ROM Performance Horses und einen AQHA Champion. Er war auch der Vater von Star Duster, der wiederum vier AQHA Champions zeugte und Leading Maternal Sire von AQHA Champions war.
Star Deck wurde Vater von sechs AQHA Champions, darunter Paul A, der sp�ter seinerseits elf AQHA Champions zeugte.
Oklahoma Star Jr. hatte f�nf AQHA Champions als direkte Nachkommen und wurde Leading Maternal Sire von AQHA Champions. Einer seiner S�hne war auch Pat Star Jr., welcher 20 AQHA Champions zeugte und ebenfalls Leading Maternal Sire von AQHA Champions wurde.
Double Star und Hillside�s Little Man waren die V�ter weiterer vielseitiger ROM-Vererber.
Sizzler, ein Top-Sohn von Oklahoma Star, war ein Zufallsprodukt. 1936 nahm Mason eine seiner Lieblingsstuten, eine aus England importierte Thoroughbred Mare namens Lad�s Run und f�hrte sie dem Vollblut-Hengst Sheridan zu. Im folgenden Jahr brachte die Stute ein Hengstfohlen zur Welt, das als Thoroughbred registriert wurde. Als Zweij�hriger wurde das Fohlen ins Renntraining genommen, mit dem Ziel, es Langstreckenrennen laufen zu lassen. Sizzler lie� auf der langen Distanz jedoch zu w�nschen �brig. Er sah auch nicht wie ein Thouroghbred, sondern eher wie ein Quarter Horse aus.
Nach der Diskussion mit einem seiner Leute, die zur Zeit, nachdem Lad�s Run vom Decken zur�ckkam, f�r ihn arbeiteten, musste Mason feststellen, dass die Stute durch einen Zufall mit Oklahoma Star zusammentraf, der sie seinerseits begl�ckte. Nun stand fest, dass nicht Sheridan, sondern Oklahoma Star der Vater Sizzler�s war. Daraufhin reviderte Mason die Vollblut-Papiere und lie� Sizzler bei der AQHA registrieren. Der Junghengst war eines der bestaussehenden Pferde, die Mason je gez�chtet hatte.
Oklahoma Star produzierte auch au�erordentlich gute Mutterstuten. Star�s Lou z.B. brachte Miss Meyers (v. Leo) zur Welt, das Champion Quarter Running Horse von 1953. Baldy Girl war die Mutter von Beggar Girl. einer von Walter Merrick�s hervorragendsten Rennstuten. Sie gebar Leo Bingo, einen AAA AQHA Champion.
V�Peach produzierte Little Peach, eine Leading Dame von ROM Rennpferden. Darunter war Tinky Poo, ein AA AQHA Champion, der wiederum Hobby Horse zeugte, einen AAA und AQHA Champion und Vater des ber�hmten Expensive Hobby, der als Reiningpferd und Working Cow Horse unter Al Dunning zur Legende wurde.
Star Bird C. brachte War Bird zur Welt, die Mutter von vier AQHA Champions: War Leo, Ace Of Limestone, Limestone Bird und Rondo Leo, der sp�ter Mr. Gun Smoke zeugte.
Weitere T�chter Oklahoma Star�s, die ROM-Pferde hervorbrachten waren: Betty K, Diamond Jessie, Dona Hunt, Quarter Lady Star, G Fern Red Ribbon, Karen M, Star Babe und Star Baby B.
Von 1930 bis 1950 war Oklahoma Star au�erdem der unangefochtene Spitzenvererber f�r Roping Pferde.
W�hrend dieser Zeit z�hlten so ber�hmte Rodeo Performer (in den Roping-Disziplinen) wie Bob Crosby, Buddy May, Ike Rude, Hugh Bennett, Ben Johnson, die Goodspeet-Br�der, Foreman Faulkner, John Scott, Jom Snively, Everett Bowman, Chalk Dyer, die Burk-Br�der, Andy Juaregui und Floyd Gale zu den Roping-Reitern, die allesamt Nachkommen von Oklahoma Star ritten.
Zur Gr�ndungszeit der AQHA im Jahr 1940 war Oklahoma Star einer der bedeutendsten Hengste, welche die Rasse nachhaltig beeinflussten. Im 27. Lebensjahr wurde er mit der Registrationsnummer P-6 als einer der Foundation Sires ins AQHA Zuchtbuch eingetragen.
Oklahoma Star starb am 14. Februar 1943 im Alter von 28 Jahren auf der Mason Ranch. Er wurde auf einem H�gel mit �berblick �ber die ganze Cross J Ranch, wo er den Gro�teil seine Karriere als Deckhengst verbracht hatte, begraben.
Obwohl ein Teil seiner Nachkommen f�r immer unbekannt bleiben wird, ist seine bedeutende Rolle in der Entwicklung der Quarter Horse-Zucht gesichert.
Er war einer der "leuchtendsten Sterne" der Rasse.
Bildtexte:
1.) Oklahoma Star, als er 17-j�hrig, von Ronald Mason gekauft wurde
2.) Pedigree
Golden Garter
Lobos
Temblor
Dennis Reed (TB)
Proteniol
Bess Chitman
Unknown
Oklahoma Star P-6 (1915 - 1943)
Missouri Rondo
Gulliver
Unknown
Cutthroat
Dan Tucker
Belle K
Unknown
3.) Eine Aufnahme mit Seltenheitswert zeigt Oklahoma Star als Fohlen mit seiner Mutter Cutthroat; rechts sein Z�chter Tommy Moore.
4.) Sizzler, geb. 1937, aus der Lad�s Run (TB), einer der bedeutendsten S�hne von Oklahoma Star
5.) Pony McCue, von Nowata Star, war in der F�nfzigern eines der erfolgreichsten Performance Horses der Rocky Mountains-Region; im Sattel sein Besitzer Bill Sausser.
6.) Ein weiterer gro�artiger Sohn Oklahoma Star�s - Nowata Star, 1940 geboren; einer der bedeutendsten Broodmare Sires in der Gr�ndungszeit der AQHA.
7.) Osage Star, geb. 1938, v. Oklahoma Star, aus der Quarter Lady, v. Quarter Deck (TB), v. Man O�War; er war der Gro�vater des grandiosen Rennpferdes Palleo Pete AAA.