Berühmte Quarter Horses & Vererber
Eine Serie für QH-Züchter & QH-Enthusiasten
Übersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer
Hollywood Jac 86
Teil I
Ungeachtet seines Namens sah Hollywood Jac 86 nicht wie eine Berühmtheit aus. Er war nicht hübsch. Er war nicht groß. Er war keineswegs beeindruckend. Er war ein 1,43m kleiner sandfarbener Palomino mit einem dunklen Rückenstreifen und Schlappohren. Dennoch, wenn Hollywood Jac sich in Szene setzte, zeigte er unbestreitbar „Star Power“. Seine Art, sich beim Stop hinzusetzten und gleiten zu lassen, sollte den Reining-Stil revolutionieren. Er vererbte diese Fähigkeit zu stoppen so konsequent an seine Nachkommen, dass dies das unverkennbare Markenzeichen der Hollywood Jac-Familienlinie werden sollte.
Hollywood Jac 86 wurde von John und Mary Bowlings aus Sumner, Iowa, gezüchtet. Die Bowlings waren bekannt für ihre starken Performance-Linien. Sie besaßen Jacs Vater, Easter King, einen direkten Sohn von King P-234. In ihrer Zuchtstutenherde gab es mehr als zwei Dutzend Töchter von Hollywood Gold, der in den 1950er- und 1960er-Jahren als der King of the Cutting Horse Sires galt. Unter diesen Töchtern war Miss Hollywood, die selbst ein Register of Merit in Cutting ihr Eigen nannte. Sie brachte 1967 Hollywood Jac 86 zur Welt.
Hollywood Jac wurde zunächst an Pat Fitzgerald aus Mondovi, Wisconsin, verkauft, doch der Absetzer blieb nicht lange in ihrem Besitz. Eines Tages erschien der Trainer Spain Prestwich bei ihr, dem das Hengstfohlen gefiel und der es nach Minnesota mitnahm.
Prestwich erinnert sich: „Pat hatte 30 bis 40 Hengstfohlen in ihrem Korral. Als ich Pat sagte, ich hätten gern das Schlappohrfohlen, lachte sie und sagte, das sei das hässlichste Fohlen der Herde. Doch ich suchte mir Jac aus, weil es mir gefiel, wie er stoppte. Er rannte von einem Ende der Umzäumung zum anderen, stoppte, vollzog einen Rollback und rannte zurück, um vor dem Zaum abermals einen Sliding Stop hinzulegen.“
Prestwich wusste instinktiv, dass das Fohlen ein großartiger Reining-Prospekt war. Er wurde nicht enttäuscht. Er sagte, dass Jac als Jährling und Zweijähriger seine Fähigkeit zum natürlichen Stop noch wesentlich verbesserte. Bevor Prestwich anfing, Jac zu reiten, ließ er ihn an der langen Leine laufen. Er konnte sich austoben, so viel er wollte, doch jedes Mal, wenn Spain „whoa“ rief, setzte sich Jac automatisch hin und slidete zum Stop, wonach er sitzen blieb und freundlich wie ein Hündchen um sich schaute. – Es machte ihm offensichtlich am meisten Spaß zu stoppen. Prestwich hatte so etwas noch nie erlebt, weder vorher noch nachher.
Dieses besondere Talent behielt Jac bei, als ihn Prestwich unter dem Sattel startete. Er war völlig unproblematisch zu trainieren und galoppierte niemals falsch an, sodass er zunächst in Western Riding geshowt wurde.
Der Trainer startete Hollywood Jac auch an Rindern, wobei er eine Menge Cow Sense zeigte, was Prestwich wegen seiner Blutlinien in keiner Weise überraschte. Aber Spain war mehr daran interessiert, aus Jac ein Reining Horse zu machen. Gelegentlich startete er Jac im Cutting. Spains Vater, ein leidenschaftlicher Cutter, überredete seinen Sohn, den Junghengst in einer höheren Cutting Class zu starten, wo es mehr Punkte zu gewinnen gab. Spain stimmte zu und belegte mit Jac auf Anhieb den zweiten Platz vor seinem Vater, was diesen nicht gerade heiter stimmte.
Als Dreijährigen begann Prestwich, Hollywood Jac auf Reining Events zu showen. Sein erster Start erfolgte bei der Minnesota State Fair, einer der größten Reining-Veranstaltungen im Mittelwesten. Jac platzierte sich als Dritter in der Junior Class. Im nächsten Jahr, als Vierjähriger, gewann er den Event. Im folgenden Jahr siegte er als Senior Horse abermals. Bei einer dieser Gelegenheiten festigte Jac seinen Ruf als Super Slider. Beim Minnesota State Fair slidete er glatt 17 (!) Meter weit und knallte danach gegen die Wand. Den Zuschauern blieb die Spucke weg. Der Richter bestätigte Jac, nachdem er bei diesem ungewöhnlichen Manöver nicht gestürzt war, den Sieg in dem Bewerb.
Zur selben Zeit machte Hollywood Jac einen starken ersten Eindruck auf Tim McQuay, einen Reining Horse Trainer, dem Jacs Blutlinie später legendären Ruf einbringen sollte. Tim, der heute in Texas etabliert ist, lebte damals in Minnesota.
„Ich sah Hollywood Jac, als er noch Spain gehörte und verliebte mich sofort in das Pferd.“, erzählt McQuay. „Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Er hatte seinen eigenen Stil, der bis dahin unbekannt war. Er war ein großartiger Stopper. Er rollte sich sozusagen wie ein Ball zusammen, vergrub seine Hinterhand buchstäblich im Sand und slidete, als wollte er damit gar nicht mehr aufhören.“
Tim McQuay sah einmal, wie Prestwich Jac nur mit einem leisen Stimmkommando aufforderte, rückwärts zu gehen, worauf der Hengst so schnell rückwärts rannte, dass er den Boden unter den Füßen verlor und stürzte. Dieser Unfall steigerte jedoch noch Tims Hochachtung für Hollywood Jac. Er erkannte, dass der Hengst viel mehr Leistungsbereitschaft zeigte, als man von ihm forderte. – Er hatte einfach Mut und ein großes Herz.
Obwohl Jac nicht wie das Idealbild eines Reinigpferdes aussah, waren seine Einsatzfähigkeit und sein Wille, optimal zu arbeiten, so stark entwickelt, dass die Richter oftmals dazu tendierten, seine Fehler zu übersehen.
Natürlich waren es nicht allein die Richter, die Hollywood Jacs Talent zu würdigen wussten.
Richard Greenberg, ein Bauunternehmer aus Chicago, der auf der Suche nach einem Non Pro-Reiningpferd war, sah Hollywood Jac 86 zum ersten Mal auf der Show in Minnesota. Er fragte Prestwich nach dem Preis. Der nannte 3.000 Dollar, damals ein wirklich hoher Preis. Als Greenberg das Pferd am nächsten Morgen ausprobieren wollte, war niemand am vereinbarten Treffpunkt. Da er sich eine Kopie des Pedigrees und die Telefonnummer von Prestwich hatte geben lassen, rief er ihn an und Jacs Besitzer nannte Greenberg, nachdem er dessen Interesse richtig eingeschätzt hatte, einen Betrag von 5.000 Dollar. Der Preis war dem Bauunternehmer jedoch zu hoch und er lehnte ab.
Kurze Zeit danach änderte sich Prestwichs Situation. Er war im Begriff, eine Farm zu kaufen und es fehlte ihm das nötige Kapital. So rief er Greenberg an einem Montagmorgen an, um herauszufinden, ob dieser noch interessiert war. Man einigte sich auf den ursprünglichen Preis von 3.000 $ und Greenberg schlug sofort zu. Nach dem Anruf wurde Greenberg allerdings misstrauisch und ließ sich das Pferd, als es bei ihm eintraf, noch einmal vorreiten. Etwa 20 Leute sahen dabei zu, äußerten sich aber nicht zu der Vorführung. Als Prestwich seinen Scheck hatte und wieder abgereist war, meinten einige: „Sie haben das Pferd doch nicht etwa gekauft? Er geht ja nicht einwandfrei.“ Richard machte sich also schon einige Sorgen, ob er wirklich richtig gehandelt hatte. Er hatte das Pferd noch dazu gekauft, ohne zu wissen, dass es ein Hengst war. Jac hatte sich in Anwesenheit von Stuten nämlich keineswegs so aufgeführt, wie Greenberg es von einem Hengst erwartet. Er benahm sich auch in der Nähe der Stuten absolut ruhig und gesittet.
So packte er den Hengst (?) neben einer Stute in einen Trailer und brachte ihn zu seinem Trainer Ed Cridge. Als er bei Cridge ankam und auslud, meinte dieser, dass es keine so gute Idee war, einen Hengst zusammen mit einer Stute zu transportieren. – Erst da merkte Greenberg, dass er einen Hengst erworben hatte.
Cridge ritt Jac und war gehörig beeindruckt. Zu Richard sage er: „Du wirst viel Spaß mit dem kleinen Universalgenie haben.“ Richard war zunächst beruhigt und nahm Cridge beim Wort.
Auf ihrer ersten gemeinsamen zweitägigen Show stellte Richard sein neues Pferd gleich in 28 verschiedenen Disziplinen vor, darunter Barrel Racing, Pole Bending, Pleasure, Reining und alles andere, was noch am Showprogramm stand. Er verfehlte dabei den All Around Champion-Titel gerade nur um einen halben Punkt und wurde Zweiter. Greenberg vergaß alle Zweifel und war ab sofort hellauf begeistert von seinem neuen Pferd, das während der 20 Jahre, die er es besaß nie ein einziges Mal lahm oder erkältet war.
Hollywood Jac wurde erfolgreich weiter geshowt. Einmal passierte es Richard, dass er Jac vor dem Start etwas zu stark spornierte, worauf der Hengst prompt versuchte, seinen Reiter in die Zehen zu beißen. Von diesem Moment an ritt Greenberg das Pferd nur mehr ohne Sporen. Jac wurde von Richard Greenberg bis zu seinem 18. Lebensjahr pausenlos erfolgreich geshowt. Zu jener Zeit waren diese Top-Erfolge eine wahre Sensation.
Eines Tages, auf der Rückreise von einem Turnier, dem Gold Coast Circuit, kam es zu einem dramatischen Ereignis. Greenbergs Pferdetransporter, mit Jac und einem großen Springpferd beladen, riss sich auf der Autobahn vom Zugfahrzeug los. Der Hänger überschlug sich zweimal und landete in einem relativ tiefen Straßengraben. Greenberg war sicher, dass beide Pferd tot wären. Er rief ein Feuerwehrfahrzeug zu Hilfe, um den Pferdetransporter aufzustellen und aus dem Graben zu ziehen, sodass man die Pferde irgendwie herausbekommen könnte. Das große Pferd lag auf Jac drauf. Das Springpferd war so stark verletzt, dass es getötet werden musste. Als man Jac nach einer Stunde mühsamer Arbeit frei bekam und herauszog, stand er auf, schüttelte den Kopf und begann am Straßenrand seelenruhig zu grasen. Nach etwa einer Stunde kam ein Freund von Greenberg, Dr. Tim Bartlett, vorbei, der zufällig einen Platz in seinem Trailer frei hatte. Jac sprang hinein, als ob nichts passiert wäre und Tim brachte ihn für Greenberg nach Hause. – Unglaublich, aber wahr!
So tragisch dieser Unfall hätte enden können, zeigt er doch deutlich die Disposition von Hollywood Jac 86. Er war einfach „urcool“, durch nichts zu erschüttern. Diese Eigenschaft vererbte er auch auf alle seine Nachkommen!
Trotz Greenbergs amateurhaft mangelnder Pferdeerfahrung wurden er und Hollywood Jac ein Traumpaar in den Showarenen der USA. Jac war ein so gefühlvoll reagierendes Pferd und so leicht zu reiten, dass er seinen Besitzer einfach von Erfolg zu Erfolg trug.
Richards Hochachtung und Zuneigung zu Hollywood Jac führte zu sagenhaften Erfolgen.
Greenberg gewann 12 NRHA Bronze Trohpies und 2 NRHA Non Pro World Champion-Titel, 1974 und 1975. Als Greenberg Jac aus dem Turniersport zurückzog, hatte er 6.089 Dollar in NRHA Events gewonnen. In AQHA-Bewerben hatte er ca. 50 Punkte gesammelt.
Hollywood Jacs größter Fan, Tim McQuay, richtete den Hengst, als Greenberg ihn das letzte Mal startete. Es war bei einer Jackpot Reining in Greyslake, Illinois.
„Ich erinnere mich gut daran. Er lief wie der Sieger des Bewerbs. Er war einfach großartig. Doch leider passierte ihm beim letzten Stop ein Break und ich musste ihn an zweiter Stelle platzieren.“
„Er war ein unglaubliches Pferd.“, sagt Greenberg, „Er war ‚ready to go’, als ich ihn kaufte, und er war es jederzeit bis zum letzten Bewerb, den ich mit ihm ging.“
Spain Prestwich showte Jac zum AQHA Superior Horse, bevor er die Zügel 1972 in Greenbergs Hände übergab. Jac erreichte 72 AQHA Points.
Eine der Lieblingsgeschichten Prestwichs über Jac ist die, als er ihn für Greenberg auf einer Quarter Horse Show in Nothbrook, Illinois, ritt. Als er das Pferd am Turnierort auslud, stellte sich heraus, dass Jacs beide Slidingeisen gebrochen waren. Er bemühte sich, einen Hufschmied zu finden... vergeblich. So ritt er ihn nach 400 Meilen Transport einfach barfuß – und gewann die Reining, wobei er den nationalen Favoriten schlug.
In der WN 5/07 erfahrt ihr alles über die Nachkommen von Hollywood Jac 86.
Pedigree
|
|
|
|
Zantanon |
||
|
|
|
King P-234 |
|
||
|
|
|
|
Jabalina |
||
|
|
Easter King |
|
|
||
|
|
|
|
Cuate |
||
|
|
|
Gocha |
|
||
|
|
|
|
Jane |
||
|
Hollywood Jac 86 |
|
|
|
||
|
|
|
|
Gold Rush |
||
|
|
|
Hollywood Gold |
|
||
|
|
|
|
Triangel Lady |
||
|
|
Miss Hollywood |
|
|
||
|
|
|
|
Buggins |
||
|
|
|
Miss Buggins 86 |
|
||
|
|
|
|
Mare by Joe Graham |
||