Erinnerungen an Jack, an den wir gerne denken.
Text: Jim Jennings, Übersetzung: Sonja Grünauer
Ich habe einen Freund verloren. Jack Kyle starb im Februar 2006. Ich kannte Jack seit den 70er-Jahren. – Ich traf ihn das erste Mal, als er bei der ersten World Show 1974 als Richter fungierte. Ich arbeitete einige Jahre später mit ihm an einem Artikel über sein Leben und seine Pferde für das Quarter Horse Journal. Doch die Geschichte von Jack begann bereits viel früher...
Er begann bereits 1949 Pferde zu showen und 1950 gewann er die erste Western Riding-Klasse, die veranstaltet wurde. Er wurde 1999 in die American Quarter Horse Hall of Fame aufgenommen. In seinen jüngeren Jahren arbeitete Jack für Hank Wiescamp und Warren Shoemaker. Jack war im Showring ausgezeichnet unterwegs. Pferde und Reiter, mit denen er arbeitete, wurden in der Westernszene bekannt.
Ich denke noch gerne an so manche Geschichten über Jack, vor allem an jene, die immer und immer wieder erzählt werden. Einige Leute kennen ihn noch, als er noch nicht schwarz gekleidet und mit roten Stiefeln und schwarzem Hut in die Arena ritt. Jene, die ihn kennen, wissen, wie aufgebracht er 1983 bei der Youth World Show war, als die AQHA bestimmte, dass alle Richter Strohhüte tragen müssten. Jack fügte sich dieser Regel – zwar ungern, aber doch. Spätestens fünf Minuten nach dem Ende der letzten Klasse jedoch hatte er bereits wieder seinen geliebten schwarzen Hut auf.
Zurück in den frühen 80er-Jahren... da heuerte ein junger Student namens Perry Church bei Jack an, um den Sommer über seine Pferde zu reiten. Und er lernte bereits von Anfang an Jacks Meinung kennen, was Hüte betraf. An seinem ersten Arbeitstag arbeitete Perry gemeinsam mit Jack beim Roping. Perry verlor dabei in der Hitze des Gefechtes seinen Hut. Bevor der dritte Stier in die Arena kam, sagte Jack zu ihm: „Wenn du dieses Mal wieder den Hut verlierst, dann wäre es besser, du ziehst deinen Kopf schnell ein - noch bevor dein Hut auf dem Boden landet.“
1998 führte die AQHA als Spezial-Disziplin das Roping ein. Als zusätzliche Attraktion gab es eine Art Roping-Match zwischen dem Team Billy Allen/Mike Drennan und dem Team Leroy Webb/Jack Kyle. Leroy und Jack waren zu diesem Zeitpunkt beide bereits 70 Jahre alt. Das Publikum – mich eingeschlossen – dachte, dass das gegnerische jüngere Team wohl den Sieg nach Hause bringen würde. Langer Rede kurzer Sinn, die Jungen gewannen nicht. Leroy und Jack gingen als Sieger aus diesem Match. Im darauf folgenden Monat schrieb ich für das Journal über die neue Disziplin Roping und über den stattgefundenen Event und deren im Alter so unterschiedlichen Konkurrenten. Ich schrieb über die falsche Einschätzung des Publikums, das den beiden Senioren keinen Sieg zugetraut hatte. Ich erzählte in meinem Bericht auch über einen Leserbrief, in dem bereits vor dem Event vorgeschlagen wurde, die Regeln des Ropings zu erleichtern, damit die beiden älteren Teilnehmer auch noch eine Chance hätten. Nachdem mein Bericht veröffentlicht wurde, rief mich Jack amüsiert an, dass er von Leroy einen Anruf bekommen hatte, der sich fragte, ob ich mir gedacht hatte, dass die beiden wohl im Rollstuhl zu diesem Bewerb kommen würden?
Es gibt auch noch eine weitere Geschichte aus Jacks Leben: Er erzählte von der Zeit, als seine Tochter Jackie noch in Ausbildung war und er ein junges Pferd in seiner Heimarena in Yukon (Oklahoma) arbeitete. Eine größere Gruppe von Mädchen war gerade angekommen. Jack ritt hinüber, um nachzusehen, ob die Neuankömmlinge etwas brauchten. Eines der Mädchen erzählte ihm, dass sie eine Unterschriftensammlung machten, damit die Straße zu seinem Anwesen nach Garth Brooks benannt werden sollte, dessen Heimatort dies auch gewesen ist. Jack meinte, er würde so etwas nicht unterschreiben. Eines der Mädchen fragte ihn, warum er dies nicht tun würde, denn Garth Brooks wäre berühmt gewesen. Jack antwortete darauf: „Ich bin selbst verdammt berühmt.“
Ja, das bist du, Jack! Und du wirst es auch immer sein.