Horseman´s

Die Legend Buster Welch – Rancher, Cowboy  und Cutting Horse Man –

78 Jahre alt und heute noch täglich zu Pferd mitten unter seinen Rindern aktiv!

Wenn man den Namen „Buster“ in einem Cutting-Stall erwähnt, dann weiß jeder, dass man über Buster Welch spricht. Welch hat mehr National Cutting Horse Association Futurities als jeder andere Trainer gewonnen. Er ist Held und Mentor für jeden eingefleischten Cutting-Fan. Zwischen Statistiken und Bewunderung betrachtet, erkennt man, dass Welch der Guru der Cutting-Welt ist. Tatsächlich ist Welch ein fabelhafter Horseman, aber dies ist nur ein Grund, der ihn zur lebenden Legende macht.

Er ist sowohl Cowboy als auch kluger Geschäftsmann. Er baute sein Geschäft mit seinem außerordentlichen Talent aus, mit Fähigkeiten, die er von der Pieke auf gelernt hat. Dieser Erfolg entstand allerdings nicht über Nacht. Er baute diesen Erfolg nicht nur mit dem Training von sehr guten Cutting-Pferden auf.

Buster Welch wurde vor 78 Jahren, nämlich 1928, in eine Familie von Pferdenarren geboren. Einer seiner Vorfahren war Sheriff. Man sagt, dass jedem sein Lebensweg vorgegeben ist, indem er in die Fußstapfen seiner Vorfahren tritt. Als Kind verbrachte Welch jede freie Minute bei einem Verwandten, W.B. Welch, und machte dort Erfahrungen, die sein Leben prägen sollten. Seine Mutter starb wenige Wochen nach seiner Geburt, so musste der kleine Buster ohne Mutter klar kommen. Er wuchs auf der Ranch seiner Großeltern in Sterling City, Texas, auf. Bereits in jungen Jahren brauchte Welch das Leben auf einer Ranch, so wie eine Ente das Wasser braucht.

„W.B. hatte in der Nähe von uns eine Ranch. Ich verbrachte dort so viel Zeit, wie ich nur konnte.“, erzählt Welch. „Er arbeitete fast die ganze Zeit nur vom Pferderücken aus und betreute seine Zucht, ohne dafür Zäune oder Pens zu benötigen. Alle seine Pferde waren im Handling sehr einfach. Er legte großen Wert darauf, dass man den Pferden mit der Trense nicht im Maul riss.“  W.B. gab Welch die Grundausbildung im Reiten und vermittelte ihm auch das Wissen über Pferde.

„W.B. trainierte ein Pferd namens Ajax.“, erzählt Welch weiter. „Nach der Wirtschaftkrise 1933 bis 1934 begannen sie mit Starts bei Cutting-Bewerben in Stamford, Texas. Sein Cousin Carlos Knight borgte sich Ajax, um ihn bei Cutting-Bewerben vorzustellen, in denen er auch gute Leistungen zeigte. Jedoch gewann er das Finale nicht, weil er mit einem sauren Kalb Probleme hatte. – Er wurde Dritter. Ein Mann aus Florida wurde dort auf Ajax aufmerksam und wollte diesen kaufen. Er fuhr mit Carlos zur W.B. Ranch, um dort einen ganzen Tag lang über den Kauf von Ajax zu verhandeln. W.B. verkaufte das Pferd schließlich um 500 Dollar, was bei einem Rinderpreis von 40 Dollar pro Stück ein sehr gutes Geschäft war. Um diese Summe konnte er einige Rinder erwerben.“

Als Welch ins Schulalter kam, heiratete sein Vater eine Frau, die bereits zwei Kinder hatte. Sein Vater nahm einen Job bei einer Ölgesellschaft an und übersiedelte mit seiner Familie nach Midland, Texas. Im Alter von sechs Jahren versuchte er dreimal von daheim wegzulaufen. Erst bei seinem vierten Versuch ließ ihn sein Vater gehen.

Für einen kleinen Jungen wie Buster war es das Ziel, auf einer großen Ranch zu lernen. Zu dieser Zeit standen die Chancen für ihn gut. Welch kam auf die Procter Ranch und durfte bleiben, da durch den Zweiten Weltkrieg alle wehrfähigen Männer an der Front waren und die Procters jemanden suchten, der junge Pferde einritt. „Ich war froh, für Foy und Leonard Procter arbeiten zu dürfen.“, erzählt Welch. „Beide hatten eine sehr gute Arbeitseinstellung und eine hervorragende Gabe, mit Rindern zu arbeiten, und einen guten Umgang mit Pferd und Mitarbeitern. Ich lernte in dieser Zeit sehr viel über Rinderarbeit, wie man ein Pferd richtig reitet und den Umgang mit anderen Menschen.“

Rinderzüchter wurden immer verehrt, sie waren immer viel beschäftigt und hatten wenig Zeit für Konversation; speziell, was Gespräche mit den Cowboys betraf. Tatsächlich traute sich nur sehr selten ein Cowboy, seinen Boss etwas zu fragen. Welch, der sehr wissbegierig und lernbegierig war, beobachtete und hörte zu und lernte das Handwerk des Cowman mit seinen Augen und durch praktische Arbeit. Dies war der Grundstein für seine Tätigkeit im Horsemanship-Bereich. Es war eine der wichtigen Lektionen, die er bei den Procters lernte.

Eine weitere Lektion war das Wissen, wie man eine Ranch leitet. „Die Pferde von einer zur anderen Ranch zu bringen, war meine Aufgabe. Dadurch war ich mit den Procters sehr oft alleine, ohne dass jemand anderer noch dabei war. Ich hörte ihnen zu, wenn sie über die Arbeit sprachen. Beide hatten eine College-Ausbildung in Midland absolviert, und das machte sie zu besonders gebildeten Cowboys. Als Kind träumt man immer nur von der Westernromantik, aber die beiden machten mir bewusst, dass das Management einer Ranch sehr wichtig ist.“

Welch verbrachte auch noch seinen 15. Geburtstag auf der Procter Ranch und zog erst danach weiter, um als Tagesarbeiter auf verschiedenen Ranches im Land zu arbeiten, damit seine Fähigkeiten zu verbessern und sich einen entsprechend guten Ruf in der Branche zu erarbeiten.

Als der Krieg zu Ende ging, arbeitete er für die Big D Ranch von James Kenny. Kenny wurde ein weiterer einflussreicher Teil von Busters Horsemanship-Ausbildung. „Wenn man James beobachtete, konnte man sehen, wie etwas gemacht werden sollte. Man konnte ihn danach zum Beispiel mitten in der Nacht darüber etwas fragen. Er erklärte einem dann immer noch warum er dies oder das so gemacht hatte. Er konnte erklären, warum sich eine Kuh in einer gewissen Situation so verhalten hatte. Hier lernte ich die Hintergründe von jenen Dingen und Abläufen kennen, die ich bei den Procters erlernt hatte.“

In jener Zeit, in der Welch begann, seine eigene Rinderherde aufzubauen und diese auf gepachtetem Land zu halten, entstand die NCHA. Welch, der zu dieser Zeit bereits ein kluger Geschäftsmann war, erkannte, dass er mit der Kombination seines Horsemanship-Talents und seinem Cow Sense Geld verdienen konnte.

Welchs Name wurde durch einen Cutting-Bewerb, den er mit Chickasha Mike startete, bekannt. Der Unternehmer Marion Flynt wurde dadurch auf Welch aufmerksam und gab ihm seine Stute Marions Girl zum Trainieren. 1954 ritt Welch die Stute zum World Champion; dies machte ihn auch als Trainer bekannt. Pferd und Reiter drosselten ihre Show-Auftritte 1955 und wurden trotzdem noch Vierte in den Top Ten der NCHA. 1956 gewannen sie die World Championship erneut. 1957 ritt Buster Welch das Pferd Jessie Jack für C.E. Boyd Jr. Sie wurden Dritte der NCHA Top Ten.

Trotzdem kümmerte er sich noch ausreichend um seine Ranch und vergrößerte sogar den Bestand seiner Rinderherde. Die Tage waren lang und die Nächte kurz. – Trotzdem hatte Welch noch Zeit genug, um an der Zukunft zu arbeiten. Er versammelte einige Gleichgesinnte und gründete die NCHA Futurity, eine Veranstaltung für 3-jährige Pferde, die noch nie zuvor an Shows teilgenommen haben. Die erste Futurity fand 1962 in Sweetwater, Texas, statt. Welch ritt Money Glo, ein weiteres Pferd von C.E. Boyd Jr. Am Ende der Show hatten Welch und Money Glo ihre Stärke unter Beweis gestellt, 3838,12 Dollar Preisgeld erhalten und die Ehre, die erste Futurity in der Geschichte gewonnen zu haben.

Welch gewann vier weitere Futurities: 1963 mit Chickasha Glo (auch im Besitz von Boyd); 1966 mit Rey Jays Pete (Besitzer Kenneth Peters), 1971 mit Dry Doc und 1977 mit Peppy San Badger. Aber diese Siege sind nur ein Teil seiner herausragenden Leistungen. Er war 12 Jahre lang in den NCHA Top Ten und mehr als 80 Mal Finalist bei wichtigen Events. Er hat an die 1,5 Millionen Dollar bei NCHA Events gewonnen. Seine Frau Sheila gewann mehr als 1 Million Dollar auf Pferden, die er trainiert hatte. Einige Mal wurden beide punktegleich Sieger. Eigentlich hätte mich Sheila immer besiegt, kichert Welch. Gleichzeitig gründete er das Horse-Programm auf der King Ranch, wurde Mitglied der NCHA Hall of Fame und NCHA Rider Hall of Fame. Weiters erhielt er 1998 den Fort Worth Charles Goodnight Award. Er erhielt auch den ersten Foy Procter Cattleman Award (präsentiert von der Midland Haley Bibliothek und Museum) und wurde mit dem Working Cowboy Award beim Lubbock Symposium geehrt.

Heute leben Welch und Sheila auf ihrer Ranch in Rotan, Texas, züchten immer noch Rinder und bringen die Nachzucht ihrer Rinder auf den Markt. Pferde starten sie allerdings nicht mehr bei Cutting Shows.

Buster erlitt während des NACHA Summer Spectacular 2001 einen Schlaganfall. Er reduzierte zwar seine reiterlichen Aktivitäten, jedoch nicht die andere Arbeit.

Die Cutting Horse-Industrie verdankt ihren Erfolg Buster Welch. Und trotzdem möchte er zuerst als Rinderzüchter gesehen werden und dann erst als erfolgreicher Trainer.

Tom McGuane beschrieb Buster Welch in einem seiner Artikel „Der Mann, der die Pferde versteht“ im „Texas Monthly“ bereits im April 1987 sehr treffend: Welch ist der lebende Beweis für einen besonderen und vielseitigen Way of Life. Für Welch, den Rinderzüchter, Geschäftsmann und Pferdetrainer, gibt es kein größeres Kompliment.