Dr. Friedrich Wollinger

NOTFALLVERSORGUNG BEIM PFERD

Als Pferdebesitzer wird jeder frher oder spter mit Notfllen der unterschiedlichsten Art, zumeist mit Verletzungen konfrontiert.

Die Ursachen sind meist in den speziellen Verhaltensweisen des Pferdes begrndet. Eine ist der ausgeprgte Fluchtinstinkt, ein anderer das hierarchische Dominanzsystem untereinander und in der Herde.

Neben den Verletzungen knnen auch akute Koliken, Lahmheit, Erkrankungen unterschiedlichster Genese oder auch Geburten fr den Besitzer zu Notfllen werden, die es im ersten Augenblick zu meistern gilt.

Welche Zeichen fr einen mglichen Notfall gilt es zu beachten ?

Blutende Verletzungen sind offensichtlich, Koliken, fieberhafte Krankheiten oder innere Verletzungen sind aber nicht immer gleich zu erkennen. Dazu ist es notwendig, das normale Verhalten seines Pferdes und die PTA-Normalwerte fr Puls(36+-), Temperatur(37,5+-) und Atmung(18+-) zu kennen.

Weitere Hilfsmittel knnen relativ einfach unter fachmnnischer Hilfe gelernt, gebt und im Ernstfall verwendet werden.

Die Farbe der sichtbaren Schleimhute am Kopf ist normalerweise blassrosa, Verfrbungen bis wei bzw. rot bis dunkelrot oder blau sind Ausdruck eines krankhaften Geschehens. Drckt man auf das Zahnfleisch, ist dieses anschlieend heller und nimmt seine ursprngliche blassrosa Farbe innerhalb von zwei Sekunden wieder an. Ist diese Kapillarfllungszeit verzgert, so ist das Ausdruck eines gestrten Blutkreislaufes und damit Hinweis auf einen krankhaften Zustand.

Die Hautelastizitt, gemessen durch Anheben einer Hautfalte am seitlichen Hals zwischen zwei Fingern und das anschliessende rasche und gleichmige Verstreichen derselben, ist ein Ma fr den Wasserhaushalt des Pferdes und damit seines Gesundheitszustandes.

Farbe, Konsistenz und Menge von Harn und Urin sind oft wichtige Hinweise fr Probleme des Stoffwechselsystems.

Verhaltensnderung, wie Atemgerusche, Fressunlust, Unruhe, Lethargie, Schmerz, Krmpfe, Lhmungserscheinungen, Schwellungen, Blutungen oder ungewhnliche Ausscheidungen in der (aufgewhlten) Box sind Zeichen, dass "irgendetwas nicht stimmt".

Wie kann man fr den Ernstfall vorsorgen?

Um Panik im Falle des Falles zu vermeiden, sollte man sich grundstzlich mit der Mglichkeit eines Notfalles auseinandersetzen und dass er scheinbar immer zur unrechten Zeit eintritt.

Im Stall sollten gut sichtbar die Telefonnummern von

a. Stalltierarzt

b. Tierrztenotdienst

c. Tierklinik in erreichbarer Entfernung

d. Helfer fr Behandlungen

e. Transportmglichkeit ("Wer hat ein Fahrzeug und wer fhrt es?")

f. Transportbegleiter

mglichst beim Telefon angebracht sein.

Ein Erste-Hilfe-Kasten fr Pferde enthlt :

Verbandmaterial in ausreichender Menge und Qualitt

Desinfektionsmittel

Thermometer

Pinzette, gross und klein

Schere (scharf), rund und spitz

Gummihandschuhe

Wasserkbel

Schreibzeug

Taschenlampe (inkl. funktionierender Batterien)

Eine kleineres Erste-Hilfe-Set fr den Transporter, Bandagen, Transportgamaschen, Halfter und Strick fr den Transporter sind auch kein Luxus!

Was macht man im Falle des Falles als Erstversorgung ?

Als erstes gilt es Ruhe zu bewahren.

Die eigene Ruhe und Besonnenheit bertrgt sich auf eventuell ebenfalls anwesende und weniger geschulte Personen, besonders aber auf das Pferd. Umgekehrt macht Hektik auch das ruhigste Tier zur potentiellen Gefahr fr sich und seine Umgebung.

Das Verbringen in einen sicheren Standort erleichtert die Arbeit und schtzt Pferd und Helfer vor weiteren Verletzungen.

Das Delegieren von Aufgaben, wie den Tierarzt rufen, das Pferd halten oder den Erste-Hilfe-Kasten holen macht die Arbeit effektiver.

Die Beobachtungen dem Tierarzt telefonisch durchgeben hilft diesem den Ernst der Situation einigermaen einzuschtzen.

Besonders wichtig: KEINE MEDIKAMENTE VERABREICHEN, es hilft zumeist nicht und kann hufig den Fall verschlimmern. Wenn es aber schon geschehen ist: Den Tierarzt unbedingt davon informieren.

Den Anweisungen des Tierarztes unbedingt Folge leisten, er bernimmt bei seinem Eintreffen die Verantwortung und ist auf Mithilfe, nicht auf Diagnosen und Therapievorschlge angewiesen.

Bei blutenden Wunden ist das Pferd zuerst vor weiteren Verletzungen durch Panikreaktionen zu schtzen und in eine ruhige Umgebung zu bringen. Wundinspektion NUR unter Mithilfe eines Zweiten, der das Tier verlsslich halten und beruhigen kann. Wundversorgung erst nach telefonischem Kontakt mit dem Tierarzt, der entsprechend den gemachten Beobachtungen Anweisungen geben kann. Blutungen knnen durch einen sorgfltigen, sauberen, nicht abschnrenden Druckverband vorerst abgedeckt und hufig gestillt werden. Desinfektionsmittel nicht auf offene Wunden leeren. Reines, kaltes Wasser eignet sich bestens fr eine erste Reinigung und Versorgung.

Einen eingetretenen Nagel im Huf nur entfernen, wenn die Gefahr besteht, dass er noch weiter eingetreten wird. In diesem Fall Einstich markieren und Tiefe und Richtung fr die weitere Versorgung unbedingt zu beachten.

Nach jeder Verletzung der ueren Haut sollte eine Vorbeugeimpfung gegen Tetanus durchgefhrt werden, auch wenn das Pferd frher eine Schutzimpfung erhalten hat.

Dr. Friedrich Wollinger, Fachtierarzt fr Pferde, 2565 Neuhaus, Zobelhof 17a, Tel./Fax 02258/2650, Tel. 0676/5542754, fritz@wollinger.at, www.wollinger.at