Die Waggoner Ranch

By Jim Jennings

bersetzt von Vera Reiter

aus Western News 5/2002

Als 1903 W.T. Tom Waggoner den 18-jhrigen Lige Reed zum Betriebsleiter seiner 500.000 Morgen groen Ranch gemacht hatte, war Reed verstndlicherweise ein bisschen nervs. Auerdem waren die meisten seiner Untergebenen lter als er.

Zwei Ratschlge gab Waggoner dem jungen Chef mit auf seinen Weg: "Lass den Futterwagen immer vor der Viehherde herfahren. Auf diese Weise werden sich die Rinder immer vorwrtsbewegen. Sie werden dann nicht langsamer oder kehren um, wenn sie hungrig sind."

Und zweitens: Der Koch sollte den Wagen ber Nacht in Fahrtrichtung abstellen. "So wird am nchsten Morgen viel Zeit eingespart", sagte Tom. Nicht nur er, auch kein anderes Familienmitglied wollte jemals Zeit verschwenden!

Tom Waggoner wusste was er tat, als er seinem 18-jhrigen Sohn diese groe Verantwortung bergab. Im Grunde verlangte er aber nicht weniger, was frher auch von ihm gefordert worden war.

Toms Vater, Dan Waggoner, bersiedelte 1840 von Tennessee nach Texas und besiedelte als ersters das nrdliche Gebiet von Fort Worth. 1852 baute Dan eine Ranch in der nrdlichen Region von Texas bei Vernon. Seine Herde zhlte damals 230 Longhorn-Rinder und einige Pferde. Er besa auch einen Sklaven und hatte mit seiner jungen Frau den gemeinsamen Sohn Tom. Die Ranch lag sdlich des Red River, der Texas vom Indianer-Territorium trennte. Diese Gegend durchkreuzten manchmal auch die Comanchen und die Kiowas.

Bis 1868 nahm der Besitz der Waggoners bereits ein beachtliches Ausma an, dennoch fehlte es an Mitarbeitern. So schickte Dan seinen Sohn Tom, der damals erst 16 Jahre alt war, mit 5.000 Stieren nach Kansas City. Fr die Reise stattete er ihn mit 12 Dollar, einer Gruppe von Viehtreibern und 50 gesattelten, aber heruntergekommenen und mit Wunden bersten Pferden aus.

Wie Franklin Reynolds 1956 in einem Artikel fr das Quarter Horse Journal berichtete, kann es mglich sein, dass Tom nach dem Trip mit diesen abgemagerten Pferden zu der Entscheidung gekommen ist, in Zukunft nur mehr mit gesunden und guten Pferden zu arbeiten.

Als 14-jhriger Teenager soll Tom einmal gesagt haben: "Ich mchte die grte Herde, die besten Pferde und am hrtesten arbeiten als alle anderen." Mit 17 Jahren machte ihn sein Vater zum vollwertigen Partner. Mit 27 Jahren hielt der die Zgeln des riesigen Waggoner Rinderimperiums fest in der Hand.

Whrend dieser Zeit besa Tom die meisten aller texanischen Pferde, meinte Reynolds in seinem Bericht. 1995 erhielten die Waggoners von der AQHA und der nationalen Viehzchter Association die hohe Auszeichnung "Best Remuda Award" als Anerkennung fr ihre auergewhnlich guten Ranchpferde.

Die grte Ranch der Nation

Das W.T. Waggoner-Imperium besitzt die grte Ranch der Nation, die sich innerhalb eines Zaunes befindet. Sie misst 520.000 Morgen verteilt auf sechs Landkreise und beherbergt insgesamt 12.000 Mutterkhe.

Die Ranch wird offiziell unter dem Namen "Dan Waggoner&Son" gefhrt. Dan starb 1903 und hinterlie alles seinem Sohn Tom. 1923 formte Tom das Imperium des W.T.Waggoner und ernannte sich selbst zum Treuhnder. Drei seiner Kinder Guy, Electra und E. Paul wurden zu Direktoren bestimmt. Tom starb 1934. Heute gehrt der Besitz E. Pauls Tochter Mrs. Electra Waggoner Biggs, und A.B. Wharton, einem Enkel von Electra Waggoner Wharton. Der Betrieb lebt von der Rinderzucht, der Farmwirtschaft sowie vom Pferde- und lhandel.

Nun zu den Pferden. Der groe Einfluss der Waggoners auf die Quarter Horse Zucht wurde seit langem erkannt. Pferde wie Rainy Day, Midnicht, One Eyed Waggoner, Yellow Wolf, Yellow Jacket, Pretty Boy, Pretty Buck, Snipper W, Pep Up, Jesse James und, natrlich, Poco Bueno scheinen immer noch in den Papieren und Blutlinien der berhmten Pferde von heute auf. Viele von ihnen wurden damals ausschlielich fr die Rancharbeit gezchtet. Andere spter speziell fr die Show Arena, aber alle hatten sie eines gemeinsam: Sie waren Cow Horses.

Aber nicht ausschlielich den Cow Horses galt das Interesse der Familie Waggoner. Tom liebte Rennpferde. Er wollte den reinrassigen Vollbluthengst "Man OWar" kaufen, der Deal misslang leider. Ihm ist es aber zu verdanken, dass 1933 eine Rennstrecke in Arlington in Texas gebaut werden konnte. Leider starb Tom kurz nach der Erffnung.

Im Jahre 1937 errichtete E. Paul Waggoner seine groe Farm in Arlington, die der Hauptsitz fr Showpferde wurde. Dorthin brachte er auch das berhmte Halter und Cuttingpferd Poco Bueno, den er 1945 den Hankins Brothers fr 5.700 Dollars abgekauft hatte. Von dieser Ranch aus begann auch die Karriere der Cuttingpferde Jesse James, Snipper W. und des Rope-Horse Pretty Buck.

E. Paul starb 1967. Er wurde zur Legende in der Quarter Horse-Industrie und daher 1991 nachtrglich in das American Quarter Horse Hall of Fame eingetragen.

Ranchpferde

Sie sind das groe Geschft des Waggoners. ber eine halbe Million Morgen und 12.000 Rinder mit annhernd sovielen Klbenr, die auf den riesigen Weideflchen grasen, mssen versorgt und jhrlich auf den Viehmarkt gebracht werden. Um konkurrenzfhig zu bleiben, verwenden die Waggoners alle modernen Hilfsmittel, die sie sich leisten knnen darunter befindet sich auch ein Hubschrauber. Aber trotzdem gibt es Dinge, die sich niemals ndern. Die Cowboys und ihre Pferde sind unersetzbar, wenn eine Kuh mit ihrem Kalb aus einem Schwarm von Moskitos, der so dicht ist, dass man kaum hineinsehen kann, herausgetrieben werden muss.

Dan und Tom Waggoner wussten darber schon vor 100 Jahren bescheid, und der Ranch-Manager Jimmy Smith wei heute noch, was dann zu tun ist. Rund 200 Reitpferde befinden sich auf der Ranch und jedem Cowboy gehren acht davon. Insgesamt gibt es dort 75 Zuchtstuten und vier Zuchthengste.

Wes ONeal begann 1958 bei den Waggoners zu arbeiten. Heute ist er Betriebsleiter der Farm und lebt auf dem Witheface Camp. Er ist fr das Wohlergehen der Stuten, der Hengste und der Fohlen verantwortlich und fhrt das Kommando ber zahlreiche Mitarbeiter. "Wir treiben alle Pferde auf die Weide", erzhlt ONeal. "Wir teilen die Stuten in vier Gruppen auf. Jedes Jahr bringen zwischen 70 und 80 Prozent der Stuten ein Fohlen zur Welt, manchmal sogar noch mehr. Wir treiben die Stuten im April auf die Weide und sammeln sie Anfang Juli zusammen.

Die Zuchtperiode ber diese drei Monate hindurch dauert lang genug. Du bekommst einen einheitlicheren Nachwuchs und der Altersunterschied zwischen den einzelnen Fohlen betrgt nur drei Monate. Am Thanksgiving Day entwhnen wir die Tiere, aber nicht frher, sonst musst du sie zufttern. Je lnger wir sie drauen lassen knnen, desto widerstandsfhiger werden sie. Wir geben den Stuten tglich zu fressen, deshalb lernen auch die Fohlen das Futter kennen und wir brauchen uns darum nicht sehr zu kmmern."

Die Fohlen werden im Juli noch im Beisein ihrer Mtter ans Halfter gewhnt und mit einem Brandzeichen markiert. Eine Nummer, die auf das Muttertier schlieen lsst, wird auf die linke Schulter gebrannt und das berhmte Zeichen der Ranch, das "D", wird darunter placiert. Eine weitere Nummer, die das Zuchtjahr angibt, wird an der linken Hfte angebracht. Zum Schluss kommt noch ein Brand auf den Oberschenkel des Fohlens. So ist es mglich, dass ein kurzer Blick gengt, und der Cowboy wei ber seine Abstammung und den Jahrgang bescheid.

Wenn die Hengstfohlen ein Jahr alt geworden sind, werden sie kastriert. Im Juni werden sie dann nach Stephenville/Texas auf die Tarleton State Universitt der Pferdeklasse bergeben. Jeder Student muss mit einem oder zwei Fohlen arbeiten: Aufhalftern, Beine trimmen, aufsatteln ben, und das alles tglich ber sechs Wochen hindurch. Dann kommen die Wallache wieder zurck auf die Ranch, wo sie wieder bis zu ihrem zweiten Geburtstag auf die Weide entlassen werden. Danach werden sie auf das Whiteface Camp gebracht und dort angeritten. Sie werden zwischen 30 und 40 Tage lang geritten, bis sie jeweils einem bestimmten Cowboy zugeteilt werden.

Die Pferde, die verkauft werden, sind sehr teuer. Sie gehen nach Montana und Maryland genauso wie nach Mexico oder Deutschland.

Obwohl die Tiere bereits im Alter von zwei Jahren zugeritten werden, "dauert die Arbeit mit ihnen nicht sehr lange", betont ONeal. "Zweijhrige drfen nicht berstrapaziert werden, sie drfen auch nicht jeden Tag geritten werden. Unsere Mitarbeiter reiten sie manchmal am Abend und sammeln einige Rinder zusammen. Wenn sie 30 oder 40 Mal im Jahr geritten werden, vergessen sie das nicht mehr."

Wenn die Pferde drei geworden sind, dauert das Training schon etwas lnger. Fr die schwere Rancharbeit mssen sie allerdings mindestens vier oder fnf Jahre alt sein.

Die Waggoner Cowboys reiten nur Wallache. Trotzdem werden auch alle Stuten angeritten um erkennen zu knnen, ob sie dem Pferdetyp entsprechen, der gezchtet wird.

"Natrlich dauert es eine Zeit, bis du ber die Qualitt des Nachwuchses aus einer Stute genaueres erfahren kannst", erklrt ONeal, "erst wenn die Stute etwa acht Jahre alt ist und du ihr erstes Fohlen eine Zeit lang geritten hast, weit du genauer bescheid. Aber du kannst ihre Kinder schon bei der Basisarbeit beobachten und darauf schlieen, ob sie einen klaren Kopf und einen leistungsfhigen Krperbau haben. Wenn sie nichts zusammenbringen oder keinen ausgeprgten Cow Sense aufweisen, bleiben sie nicht bei uns".

Die Blutlinien der meisten Waggoner-Stuten gehen zurck zu den Hengsten, welche die Ranch berhmt gemacht haben. ONeal geht davon aus, dass mindestens 60 Prozent von Poco Bueno abstammen. Die vier Zuchthengste von 1995 waren Tee J Jack Steel, ein Sohn von Jackie Bee und einer Tochter von Steel Bar, sowie Mr Solano Smoke, Watch Frosty Jack (Vater: Two Eyed Jack , Mutter: Tochter von Colonel Frost) und Peeping Bo Badger (Peppy San Badger, Mutter: eine Tochter von Doc Bar).

Cowboys

In manchen Arbeitsbereichen hat sich der Job eines Cowboys der Waggoner Ranch seit 1903 nicht verndert, als Tom dem Mitarbeiter Lige Reed das Management bergab. Jeden Morgen um 5.00 Uhr muss der Cowboy noch vor dem eigenen Frhstck seine Pferde fttern. Bis in die 70-er Jahre begleitete die Cowboys ein Wirtschaftswagen auf die groen Weiden. Die Mnner aen und schliefen dort. Jetzt gibt es keinen Wagen mehr. Jeder Cowboy schlft in seinem eigenen Bett, und jeder frhstckt mit seiner Familie oder in der Kche des Hauptquartiers. Das Mittagessen wird ihnen dorthin gebracht, wo sie gerade arbeiten.

Da die Ranch grer als 800 Quadratmeilen misst, leben viele Cowboys mit ihren Familien in verschieden Camps. Die Singles leben in einer Schlafstelle im Haupthaus und essen im Kchengebude. Die verheirateten Mnner essen dort fters zu Mittag, abends kehren sie aber zu ihren Familien zurck.

Die Mnner des Camps stellen am Abend ihre Pferde zusammen auf eine Weide ganz in der Nhe. So brauchen sie am Morgen nicht lange, um sie einzufangen. Und verschwenden damit keine Zeit.

Bildtext erste Foto-Seite: Jeden Abend werden die Reitpferde in einen Corral getrieben. Am Morgen werden die Pferde, die zur Arbeit herangezogen werden, mit dem Lasso eingefangen.

Bildtext Seite 48: Im Frhling werden die Klber aus der Herde sondiert. Ein Cowboy reitet in die Gruppe der Rinder hinein, fngt ein Kalb mit dem Lasso und zerrt es zu den warteten Mnnern. Dort wird das Zeichen der Ranch ins Fell gebrannt und das Ohr markiert. Das Kalb wird auch verarztet und kastriert.

Wes ONeal ist verantwortlich fr die Pferde und seit 1958 bei den Waggoners. Obwohl er hauptschlich fr die Pferde zustndig ist, hilft er auch bei der Rinderarbeit, wenn es ihm zeitlich mglich ist.

Wenn der Cowboy beim Brennen der Klber mithelfen muss, hobelt er sein Pferd und zumt es ab, damit es zwar grasen, aber nicht weglaufen kann.

Dieser Cowboy lsst sein Pferd verschnaufen, whrend er auf den Rest der Gruppe wartet. Beachte die Hobelws (Seile), die er um den Pferdehals gebunden hat.

Die Stuten sind in vier Gruppen aufgeteilt, wovon jede von einem Hengst angefhrt wird. Sie bringen ihre Babys auch auf der Weide zur Welt.

W.T. Waggoner wollte nur die Guten

Die berzeugung von W.T. Waggoner, nur die besten Hengste besitzen zu wollen, gipfelte in dem Ziel, Thoroughbred Man OWar zu kaufen. Einem Artikel aus einer Zeitschrift von 1956 zufolge bot er Samuel D. Riddle 500.000 Dollar fr das Pferd. Als dieser ablehnte, bot er ihm eine Million Dollar. Als Riddle nochmals ablehnte, hngte er ihm einen Blanko-Scheck aus. Darauf sollte er den Betrag schreiben, den er haben wollte. "Geh nach England und kaufe die Juwelen der Krone. Dann reise nach Indien und kaufe Taj Mahal. Dann sage ich dir, wie viel Man OWar kostet", soll der stolze Besitzer darauf gesagt haben.

Poco Bueno

Das Pferd, das am meisten mit dem Waggoner-Imperium assoziiert wird, heit Poco Bueno. Er wurde 1944 auf der Ranch von Jess Hankins in der Nhe von Rocksprings in Texas geboren. Poco Bueno ist ein Sohn von King P-234 und der Stute Miss Taylor, die eine Tochter von Little Joe ist.

E.Paul Waggoner kaufte das Pferd, als es ein Jahr alt war, um 5.700 Dollar.

Dann kam der Hengst auf die "Three D Stock Farm" der Waggoners nach Arlington, Texas. Bob Burton ritt ihn an. Doch noch in diesem Jahr verlie Bob die Ranch. Jener Reiter, der wahrscheinlich das Pferd am meisten geritten hat, heit Pine Johnson.

Oftmals wurde Poco Bueno Grand Champion in der Halter Klasse, und er und sein Reiter gewannen zahlreiche Cutting-Bewerbe in den Sd-Weststaaten der USA und auch die Cutting-Weltmeisterschaft.

Von Poco Bueno stammen 405 registrierte Fohlen aus insgesamt 24 Zucht-Saisonen ab. Mehr als die Hlfte davon erhielten AQHA-Punkte in den Halter- und Reitklassen. 36 wurden AQHA-Champions, und drei davon wurden in das National Cutting Horse Associations Hall of Frame eingetragen. Und zwar Poco Mona, Poco Stampede und Poco Lena.

Poco Bueno starb 1969. Er wurde in der Nhe von der Einfahrt zur Waggoner Ranch im Sden Vernons begraben.