Reiter und Jger
...eine mgliche Symbiose
Teil 6 - Schlussfolgerung
von Peter Hnizdo
aus Western News 5/2002
Von allen Geschpfen sind zwei dem Menschen besonders zugetan, der Hund und das Pferd. Dies kommt nicht von ungefhr, ergnzen doch diese beiden die Sinne und Fhigkeiten des Menschen betrchtlich. Beide haben das Leben in der Herdengemeinschaft zur Perfektion entwickelt und damit eine Anpassungsfhigkeit erreicht, die dem Menschen gefllt, weil es seiner Vorstellung, er sei das Ma aller Dinge, entgegenkommt.
Sowohl der Hund wie das Pferd sind die wichtigsten Gefhrten bei der Jagd und beim Reiten, ja ich bin so vermessen zu behaupten, ohne die beiden wre die Jagd nur eine halbe Sache, und das Reiten ohnehin unmglich.
Damit haben Jagen und Reiten haben eine gemeinsame Tradition, wurde doch frher die Jagd auch zu Pferde ausgebt.
Doch Jagd und Reiterei sind dort, wo sie Tradition haben, auch Kulturtrger eines Volkes. In der Art und Weise, wie ein Volk zur Reiterei und zur Jagd steht, zeigt es seine Einstellung zu seinem Lebensraum und zur Handhabung seiner Ressourcen. berall dort, wo das Reiten und die Jagd ausschlielich industrielle Bedeutung haben, wo mit der Ausbung ausschlielich Geld verdient wird, gehen die kulturellen Werte verloren und es werden keine neuen Impulse mehr eingebracht. Die Kunst der Jagd und des Reitens verfllt auf ein Mittelma, um schlielich in Bedeutungslosigkeit zu versinken. Alle Traditionen gehen verloren und der verbleibende mgliche Mastab wird jener der Rekordsucht sein.
Zum guten Reiter und zum guten Jger ist eine Demut zum anderen Geschpf unerlsslich, soll sein Bemhen von Erfolg gekrnt sein. In dem Mae, wie diese Demut mehr und mehr entschwindet, entsteht die Bereitschaft, sich den Anforderungen der Industriegemeinschaft unterzuordnen und ein willfhriger Knecht derselben zu werden.
Damit entfernen sich die beiden Bereiche zwangsweise voneinander, da nur mehr die Einzelinteressen im Auge behalten werden. Das notwendige Wissen um die Zusammenhnge geht verloren, der Einzelne identifiziert sich nicht mehr mit dem gesamten System, weil die Einzelerfolge ihm ausreichend erscheinen. Der Drang immer und ewig erfolgreich sein zu mssen, ist ein Feind des Ganzen und lsst keine Zufriedenheit aufkommen. Diese Spirale schraubt sich endlos fort, bis eines Tages die ntigen Mittel fehlen, um erfolgreich zu sein. Nunmehr von der Entwicklung berrollt und zum Mittelma abgesunken, ist der Einzelne nicht in der Lage, die Situation zu verbessern, weil er es immer verabsumt hatte, seine Erfolge zu erarbeiten statt diese zu erkaufen.
Heute jedoch scheint man sich der gemeinsamen Wurzeln wieder strker zu besinnen und sucht die Partnerschaft bzw. ist man bereits dabei, gemeinsam Ziele zu verwirklichen. In letzter Konsequenz muss dieses Ziel heien: langfristig Lebensrume fr Tier und Mensch zu erhalten bzw. zu schaffen.
Unberhrte Landschaften haben heute in Mitteleuropa Seltenheitswert. Fr die Wildtiere stellen solche Flchen Rckzugsgebiete dar. Deshalb muss es dort, wo die Natur genutzt wird, Regeln geben, einerseits fr den Umgang der Menschen miteinander anderseits fr den Umgang mit der Natur. Regeln heit, Schutzmanahmen fr den Lebensraum und dessen Bewohner. Damit sollte die schrankenlose Konsumnutzung fr jene, die von auerhalb in diesen Lebensraum eindringen und sich nicht der Mhe unterziehen, sich mit diesem Eindringen und den daraus resultierenden negativen Folgen auseinander zu setzen, verhindert werden.
ber die Vielfachnutzung der Natur wird heute mehr geredet denn je. Aber Krankjammern allein hilft niemandem, am wenigsten der Natur. Worauf es ankommt, ist, die Nutzung in geregelte Bahnen zu lenken, sich gegenseitig zu verstndigen, und darber hinaus mssen die jeweiligen Aktivitten mit dem Grundeigentmer abgestimmt sein.
Im Nachfolgenden ein Beispiel von der Erholungsnutzung der Natur:
Reiten (bzw. Gespannfahren) als regelmige Nutzung. Dieser Bereich verdient deshalb besondere Erwhnung, weil man dort bemht ist, in Abstimmung sowohl mit den Grundeigentmern als auch mit anderen Naturnutzern (wie z. B. Jgern) vorzugehen.
Wichtig ist dabei zu erwhnen, dass Strungen erstens nur dann wirklich gravierend sind, wenn keine ausreichenden Rckzugsflchen fr die Wildtiere zur Verfgung stehen, und zweitens, wenn diese unvorhersehbar sind, d. h. berraschend auftauchen.
Bei in geregelten Bahnen ablaufender Erholungsnutzung der Natur auf vorher bestimmten und abgesprochenen Flchen bzw. zu passenden Zeiten, kann das Wild in Rckzugsgebiete ausweichen bzw. tritt durchaus auch ein Gewhnungseffekt ein.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es in sterreich etwa 200.000 Pferde. Mit dem Aufkommen der Traktoren in den 50er-Jahren ging die Zahl der Pferde auf einen Tiefstand von rund 30.000 zurck.
Seit damals gibt es einen bestndigen Zuwachs von mehr als 5% jhrlich, so dass heute wieder an die 80.000 Pferde in sterreich vorhanden sind. Der Reit- und Fahrsport ist eine aufstrebende Sportart und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Landwirtschaft.
Jhrlich wird bei den insgesamt rund 1.000 Vereinen ein Mitgliederzuwachs von mehr als 5% verzeichnet. Diese Vereine sind neben den Landesfachverbnden im Bundesfachverband fr Reiten und Fahren in sterreich organisiert. Als Ansprechpartner fungiert in der Regel der Obmann des Reit- und Fahrvereines bzw. der Stallbetreiber.
Wie sollen sich Reiter und Jger zueinander verhalten?
Berechtigte Bedrfnisse des anderen zu verstehen und zu achten, ist die wichtigste Voraussetzung fr gegenseitiges Verstndnis. Dazu muss man einander in den grundlegenden Punkten kennen. Erleichtert wird die Verstndigung in jedem Fall, wenn z. B. regelmig gemeinsame Reiter- und Jgerstammtische abgehalten werden.
Am besten kommen diese fr ein geregeltes Zusammenleben in der Natur wichtigen Punkte in den nachstehenden Verhaltenskodizes zum Ausdruck.
Kodex der Wander- und Freizeitreiter und -fahrer
Verschaffe dem Pferd tglich hinreichend Bewegung, sorge fr seine Bedrfnisse und bereite es fr die Anstrengungen langer Ritte vor!
Sorge fr hinreichenden Versicherungsschutz fr Reiter und Pferd! Verzichte nicht auf eine solide Ausrstung und eine feste Sturzkappe!
Reite nur auf Wegen und Straen, niemals querfeld- oder querwaldein! Meide Grabenbschungen, schmale Ackerraine und Dammkronen abseits erlaubter Wege! - Respektiere die Eigentumsverhltnisse, wachsendes Futter und Brotgetreide!
Nimm Rcksicht auf die Jagdausbung und vermeide im Wald jede Beunruhigung des Wildes! - Begegne dem Jger als Partner in der Natur zur Erhaltung der Artenvielfalt, vermeide Lrm, beachte das Rauchverbot in Wald und Flur!
Vermeide Wege, welche durch anhaltende Regenflle oder Frostaufbrche weich geworden sind, da dadurch nachhaltige Schden entstehen knnen!
Begegne Kindern, Landwirten, Jgern, Wanderern, Reitern und Kraftfahrzeugen immer nur im Schritt! - Passe das Tempo dem Gelnde an, nimm Rcksicht auf andere Landschaftsnutzer!
Mache "schwarze Schafe", die gegen die Reiterregeln verstoen, darauf aufmerksam und berzeuge sie!
Lasse im Freien angebundene Pferde niemals ohne Aufsicht und kontrolliere jeden Behelfsstall auf mgliche Gefahrenquellen!
Sei freundlich und hilfsbereit zu allen und sei dem Pferd ein guter Kamerad! Schaffe den Reitern und Pferden Sympathien, keine Gegner! - Tausche bei rtlichen Jger-Reiter-Stammtischen Informationen aus, und sorge fr ein konfliktfreies Miteinander!
Verhaltenskodex fr den Jger im Umgang mit Reitern
Respektiere Pferd und Reiter, welche Feldwege und Waldrnder tagsber zu angebrachten Zeiten benutzen! - Die Natur muss in Absprache mit den Grundeigentmern auch den Reitern zugnglich sein!
Betrachte den Reiter nicht als Eindringling in dein Revier oder als Feind der Natur! - Der Reiter soll von dir als Partner gesehen werden, der die Natur fr Erholungszwecke ntzt! Suche das Gesprch mit den Reitern in deiner Umgebung (Reitvereine, Klubs u.s.w., um so die Grundlage fr eine gute Zusammenarbeit zu schaffen! Vermittle ein Gesprch zwischen Grundeigentmern und Reitern! - Kmmere dich aktiv um ein Reitwegenetz in deinem Jagdrevier! Zeige Kompromissbereitschaft gegenber den Reitern! - In Absprache mit den rtlichen Reitern und Grundeigentmern soll berufsttigen Reitern auch in der Dmmerung die Mglichkeit gegeben werden, dort auszureiten, wo keine Strung der Tierwelt entsteht!
Achte besonders auf deinen Hund, wenn Pferde in der Nhe sind! Erschrecken und Hetzen von Pferd und Reiter kann zu Unfllen fhren! Manchmal mssen auch Jagdhunde an die Leine, wenn die Versuchung fr sie in solchen Situationen zu gro wird, ihrem Herrn nicht zu gehorchen!
Vermeide Bchsenschsse in der Nhe von Pferdekoppeln und Reitstllen! Verzichte auf die Abgabe eines Schusses, wenn Pferd und Reiter in der Nhe sind! Das Leben eines Reiters darf nie gefhrdet werden, auch wenn dem Jger dadurch vielleicht eine Beute entgeht!
Teile Termine von Gesellschaftsjagden den Verantwortlichen von Reitvereinen, Reitstllen und Reitklubs in deiner Umgebung mit!
Informiere die Reiter deiner Umgebung ber die Ftterungspltze und Ftterungszeiten - Flchen 200 Meter um Ftterungen sind auch fr Reiter tabu!
Zeige gerade in Zeiten von den Schulferien Verstndnis fr Reitergruppen mit Kindern zu Pferd!
Zum Abschluss gestatten Sie mir noch eine Bemerkung:
Der Wald mag von den Besitzverhltnissen entweder einer Einzelperson oder im sonstigen Eigentumsverhltnis zugeordnet sein. Die Erholungsnutzung desselben, ber gelegentliches Spazieren gehen hinaus, muss also mit dem Besitzer abgesprochen werden. Das ist die kommerzielle Seite.
Doch der Wald ist auch Lebensraum fr viele andere Lebewesen, deren Bedrfnisse es in der heutigen Zeit zu beachten gilt, sollen diese erhalten bleiben. Wem also Naturschutz und Artenschutz ein echtes Anliegen ist, der wird sich entsprechend verhalten, egal ob er als Jger oder als Reiter diesen Lebensraum nutzt. Der Jger hat darber hinaus die gesetzliche Verpflichtung, diesen Lebensraum auch konomisch zu bewirtschaften.
Ob nun ein anderer Waldnutzer die Jagd und die Summe deren notwendigen Ttigkeiten positiv sieht oder nicht, ndert nichts an der gesetzlichen Verpflichtungen, die ein Jger eingegangen ist und die von ihm erfllt werden mssen.
Eine bewusste Behinderung dieser Aufgabe ntzt dem kosystem Wald nicht, sondern hat eine negative Rckwirkung fr den Lebensraum Wald und alle seine Bewohner.
P. Hnizdo