"Considering the Horse"
Mark Rashid zum Zweiten diesmal in Schottland
Text und Fotos: Ingrid Stiel
aus Western News 3/2002
Nachdem wir Mark Rashids Methode mit Pferden zu kommunizieren voriges Jahr in Rogersville/Tennessee kennen und schtzen gelernt hatten, war es fr Daniela Donth vom Pferdesportfachgeschft Horsepoint in Wien und mich keine Frage, dass wir uns die Gelegenheit, Mark bei einem Kurs in Europa wiederzusehen, nicht entgehen lassen konnten. Glcklicherweise hatte Trisha Wren aus Haddington/Schottland, die Mark jhrlich bei vielen seiner Clinics begleitet und untersttzt, es geschafft, ihn heuer nach Schottland einzufliegen. Wie wir hrten, war dieses Unternehmen nicht ganz einfach, da Mark die Fliegerei gar nicht schtzt. Somit hatte es Trisha einige berredungsknste gekostet, ihn fr zwei Kurse nach Schottland zu holen.
Fr Daniela und mich war dies natrlich von groem Vorteil und so nebenbei machten wir nach dem Kurs auch gleich ein paar Tage Urlaub in Schottland (brigens, wer wunderschne Grten, Burgen und Schlsser mag, sollte sich Schottland unbedingt einmal ansehen!).
Wie schon im Jahr zuvor, waren wir von Marks Umgang mit den Pferden und seiner persnlichen Art zu unterrichten begeistert. Immer wieder achtet er darauf, dass keine krperlichen Mngel oder unpassende Ausrstung die Ursache dafr sind, wenn Probleme mit den Pferden auftauchen. Seine Aussage "das Training des Pferdes, kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle anderen Umstnde passen" sollte man sich immer wieder ins Gedchtnis rufen. Sicherlich werden von den Pferden sehr oft bungen verlangt, zu denen sie teils aus krperlichen Mngeln oder auch aus psychischen Grnden gar nicht in der Lage sind.
Mark hat stndig das Gesamtbild des Pferdes bis ins kleinste Detail im Auge und macht seine Schler stets darauf aufmerksam, genau und konzentriert zu schauen und zu beobachten. Augenausdruck und Ohrenspiel, Maul und Schweif werden genauso beachtet, wie jedes einzelne Bein oder Verspannungen im gesamten Pferdekrper. Nur durch die Betrachtung des Pferdes in jedem Detail knnen wir lernen, seinen psychischen Zustand besser einzuschtzen und aufgrund seiner Krpersprache zu beurteilen, was eigentlich in ihm vorgeht.
Marks Spezialitt ist nach wie vor, jede Situation aus der Sicht des Pferdes zu betrachten.
Bei Marks Kursen wird mit jedem Teilnehmer einzeln ca. 1-2 Stunden lang pro Tag gearbeitet. Somit hat jeder die Mglichkeit, exakt die Dinge zu trainieren, die ihm wichtig sind. Die Teilnehmer waren aus unterschiedlichen Grnden gekommen. Eine Stute war gebracht worden, weil sie ihre Besitzerin komplett ignoriert, beit, schlgt und sich auf der Weide nicht einfangen lsst. Nach kurzem Training auf dem eingezunten Reitplatz am ersten Tag wurde das Pferd auf die groe Weide entlassen, und ab dem zweiten Tag wurde bereits auf der groen Weide gebt und die Besitzerin war bald in der Lage, ihr Pferd allein von der Weide zu holen, wobei ihr das Pferd auch ohne Fhrstrick willig folgte (Monty Roberts "Join Up" ohne Roundpen?). Auch von Beien und Schlagen konnte keine Rede mehr sein.
Andere Pferde hatten zum Beispiel Probleme mit der Schermaschine oder mit dem Verladen, (wobei die Probleme ja immer eher bei den Pferdebesitzern zu suchen sind). Bei der Lsung dieser Schwierigkeiten konnten ebenso rasch Fortschritte beobachtet werden, wobei man immer wieder beeindruckt war, wie einfach und logisch aufgebaut die bungen waren, sodass sich mancher Pferdebesitzer wohl fragte, warum er nicht von selbst darauf gekommen war.
Besonders erwhnenswert waren die Trainingseinheiten mit einer 8-jhrigen Pferdebesitzerin und ihrem zweijhrigen Pony-Wallach. Innerhalb von 2 bungseinheiten schaffte Mark es, dem Mdchen auf einfhlsame und verstndliche Weise korrektes Fhren, Anhalten, Zirkel und Fahren vom Boden aus mit ihrem Pony beizubringen.
Natrlich wurden nicht nur Schwierigkeiten vom Boden aus ausgemerzt, sondern auch verschiedene reiterliche Probleme behoben. Ob es nun um das Basis- und Aufbautraining eines bereits lteren Pferdes nach lngerer Krankheit (in diesem Falle hatte es sich um einen Beckenbruch gehandelt), um Schwierigkeiten mit Gangart, Richtungs- oder Tempokontrolle oder Versammlung ging, und zwar sowohl in der klassischen, wie in der Westernreitweise, es wurde immer ganz genau an dem Bereich trainiert, den es zu verbessern galt. Es war hochinteressant zuzusehen, wie jeder einzelne enorme Fortschritte machte und jede Menge Tipps und Anregungen fr das weitere Training zu Hause mitnehmen konnte.
Auch die Zuseher wurden stndig miteinbezogen und aufgefordert, Fragen zu stellen und bei verschiedenen bungen mitzumachen. Unter anderem ging es darum, das richtige Gefhl und Timing der Zgelfhrung fr die Versammlung zu entwickeln und rechtzeitiges Loslassen erfhlen zu lernen.
Fr mich war besonders erstaunlich, wie konsequent und gelassen alle Teilnehmer bereit waren, dieses "step-by-step" wirklich mitzumachen und sich auf einige wenige, aber wesentliche Dinge zu konzentrieren. (Beim Abhalten von Trainingsstunden oder -kursen in unseren Breiten habe ich oftmals den Eindruck, dass die Schler alles so schnell wie mglich lernen mchten und in jede Trainingseinheit mglichst viele bungen hineinpacken wollen, auch wenn diese dann natrlich nicht so exakt ausgefhrt werden knnen, wie wenn sie sich fr jede einzelne bung und oftmaliges Wiederholen der verschiedenen Bewegungsablufe mehr Zeit nehmen wrden.)
Jedenfalls war es wieder einmal eine groartige Gelegenheit, solides, vernnftiges und effektives Pferde-(Menschen-)training zu sehen. Hoffentlich kommt Mark bald wieder einmal nach Europa, dann sind wir beiden sicherlich wieder dabei. Auerdem reift langsam aber sicher in uns die Idee, Mark Rashid vielleicht sogar einmal zu uns nach sterreich zu holen.
Falls ihr Interesse habt, lasst es uns wissen (Daniela Donth: 01/8894158, 0664/3138506, Ingrid Stiel 02233/7298, 0664/4709613, stiel@aon.at). Zu guter Letzt mchte ich euch noch einmal Mark Rashids Bcher in Erinnerung rufen, die wirklich alle drei uerst interessant und amsant zu lesen sind, wobei ich seinen humorigen Stil in den englischen Originalfassungen eindeutig bevorzuge.
"Der auf die Pferde hrt" ("Considering the Horse"), "A Good Horse is never a Bad Colour" und "Horses never Lie".
Also dann viel Spa beim Lesen und bis zum nchsten "Considering-Bericht".
Ingrid