Przise Gebisse - sanfte Hnde
aus Western News 5/01
Renate Ettl
Falsche Gebisse sind seltener als falsche Hnde
Das Wohl und bel liegt in des Reiters Hand
Das richtige Gebiss fr sein Pferd zu finden ist eine Sache, es korrekt anzuwenden die andere. Kein Pferd wird sich mit einem Gebiss wohl fhlen, das unsachgem gehandhabt wird. In erster Linie entstehen Bedienungsfehler durch ein zu harte Einwirkung der Reiterhand. Gebisse und Zumungen knnen aber auch falsch verschnallt sein, so da sie dem Pferd Schmerzen und Unbehagen bereiten.
Viele Reiter wechseln die Zumung fr ihr Pferd wie ihre Wsche. Der Grund liegt meist darin, da sie mit einem Gebiss niemals zufrieden sind und darum immer wieder neue Variationen probieren. Da aber ein gut ausgebildetes Pferd in aller Regel mit jeder Zumung zufriedenstellend zu reiten ist, kann in so einem Fall die Ursache nicht bei der Zumung gesucht werden.
Allerdings kann die Mglichkeit bestehen, dass die Ursache unkooperativen Verhaltens unter dem Sattel auch in einem unpassenden Gebiss zu finden ist. Gebissprobleme machen sich oft durch Kopfschlagen, allgemeine Nervositt und Unruhe oder auch durch bermiges Kauen bemerkbar. Nervses Kauen oder Beien auf dem Gebiss darf nicht mit dem erwnschten Einspeicheln verwechselt werden. Oft beien sich die Pferde auf dem Gebiss regelrecht fest, oder das Kauen ist durch Nervositt bedingt, das durch Unbehagen hervorgerufen wird. In diesem Fall kaut das Pferd sehr "hoch" und macht dabei oft das Maul auf. Viele Pferde uern ihren Unmut ber das Gebiss durch Kopfschlagen. Wenn der Reiter keine andere Ursache (im Sommer eventuell Fliegen in den Ohren und hnliches) feststellen kann, muss er ein Gebiproblem ins Auge fassen.
Das Gebi muss passen
Oftmals ist hier aber nicht das Gebiss selbst schuld, sondern die Art und Weise wie es verwendet wird. Mglicherweise ist es zu eng verschnallt, so dass die Maulwinkel zu sehr nach oben gezogen werden. Es kann aber auch zu locker sitzen und damit im Maul herumschlenkern. Richtig verschnallt sitzt das Trensengebiss, wenn die Lefzen eine leichte Falte werfen. Dies gibt die Gewhr, dass das Gebiss gut anliegt, aber noch keinen starken Druck auf das Maul ausbt. Zu prfen ist auerdem, ob das Gebiss im Maul richtig liegt. Trensengebisse knnen sich mglicherweise verdrehen, so dass dem Pferd die Zunge eingezwickt wird. Bei Stangengebissen kann eventuell die Kinnkette zu eng anliegen. Nicht selten ist auch der Fall, dass das Gebiss eine scharfkantige Stelle aufweist, die mit dem Auge nicht sichtbar ist, aber mit den Fingern sehr gut erfhlt werden kann. Es handelt sich dabei meist um einen Verarbeitungsfehler oder auch Verschleierscheinungen. Darum sollte man vor jedem Auftrensen das Gebiss mit den Fingern abfahren, um sicherzugehen, dass keine scharfkantigen Teile das Pferdemaul verletzen knnen. Besondere Beachtung sollte man auch den Seitenteilen schenken, weil die Mundwinkel des Pferdes sehr empfindlich sind. Gebisse, die die Lefzen des Pferdes einzwngen knnen, drfen nicht verwendet werden.
Die richtige Gre eines Gebisses spielt hier eine wichtige Rolle. Zu kleine Mundstcke zwngen die Lefzen auf jeden Fall ein. Zu breite Gebisse liegen nicht korrekt im Maul und rutschen stndig hin und her. Mittelgroe Pferde von circa 140 bis 155 Zentimetern Stockma bentigen im Allgemeinen eine Mundstcksgre von 12,5 Zentimetern. Ponys brauchen Gebisse von 10 bis 12,5 Zentimetern, grere Pferde ab 155 Zentimetern Stockma passt eine Gre von 13 bis 14 Zentimetern. Je grer und klobiger der Kopf ausfllt, desto breiter muss auch das Gebiss sein, da auch das Maul dann entsprechend breiter ist. Die Stockmaangaben knnen darum nur ungefhre Richtwerte sein.
Scheiden alle vorgenannten mglichen Fehlerquellen aus und uert sich das Pferd immer noch unmutig mit Kopfschlagen oder hnlichem, gibt es nur noch zwei Mglichkeiten: Entweder es ist nun wirklich das falsche Gebiss oder der Fehler liegt in der Hand des Reiters. Es kann nicht geleugnet werden, da zumeist die letztere Variante zutrifft.
Hnde schulen
Schon in den ersten Reitstunden erhalten die meisten Anfnger bereits die Zgel in die Hand. Obwohl der Sitz noch sehr unsicher ist, soll der Schler das Pferd bereits mit den Zgeln lenken. Dies ist ein Hauptgrund, warum die Reiterhand stndig zu stark am Zgel einwirkt, denn ein Reitanfnger, der noch unsicher im Sitz ist, wird instinktiv versuchen, sich mit den Hnden festzuhalten, wenn er die Balance verliert. Und da er die Zgel in Hnden hlt, wird schnell daran gezogen, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Dies kann sehr schnell zur Angewohnheit werden und auch der fortgeschrittene Reiter, der nicht mehr um sein Gleichgewicht kmpfen muss, wird es schwer haben, sich eine feinfhlige Hand anzuerziehen. Ein Pferd, das stndig zu hart im Maul angefasst wurde, wird abstumpfen und auf minimale Zeichen nicht mehr reagieren. So ist der Reiter wiederum gezwungen, hrter einzuwirken, damit das Pferd entsprechend reagiert und der Teufelskreis schliet sich. Je stumpfer das Pferdemaul, desto hrter muss die Einwirkung des Reiters sein, was wiederum dazu fhrt, dass viele Reiter mehr und mehr zu schrferen Gebissen greifen, weil sie den Kraftaufwand reduzieren, die Hrte auf das Maul aber beibehalten wollen.
So versucht der Reiter stndig sein Glck mit neuen Gebissen, die andere Wirkungsweisen haben und darum anfangs meist auch sehr gut funktionieren. Doch bald wird das Pferd auch gegen die neuen Zumungen abgestumpft sein und nicht mehr willig reagieren. Der Fehler liegt eindeutig darin, dass der Reiter immer wieder die Ursache bei der Zumung sucht, wobei er aber wei, dass in den allermeisten Fllen seine Hand Schuld hat. Denn ein jedes Gebiss kann auf das Pferdemaul scharf wirken, wenn die Reiterhand zu grob ist. Ein sehr scharfes Gebiss dagegen wird einem Pferd niemals weh tun, wenn die Hand des Reiters sanft agiert.
So gesehen ist es zwar richtig, dass scharfe Gebisse nur in die Hand eines fortgeschrittenen Reiters gehren, milde Gebisse aber drfen kein Freibrief fr Herumzerren im Pferdemaul sein. Denn auch das mildeste Gebiss kann dem Pferd Schmerzen bereiten, wenn es der Reiter unsachgem handhabt. Fr den Anfnger gilt es genauso wie fr den fortgeschrittenen Reiter, sich nicht nur mit einem milden Gebiss ein ruhiges Gewissen zu verschaffen, sondern sich eine weiche Hand anzuerziehen, die ber jede Zumung mit dem Pferd zu kommunizieren imstande ist.
Renate Ettl
Handhabung von Zumungen und Gebissen
Auswahl, Wirkung, Anpassen, Einsatz
144 Seiten, durchgehend farbig, ATS 364,- Cadmos Verlag, ISBN 3-86127-364-0
Die richtige Wahl des Gebisses und das korrekte Anpassen eines Zaumzeugs
erfordern sehr viel Erfahrung und Sachkenntnis. Unsachgemer Umgang mit einem
Gebiss kann schmerzhafte und unangenehme Folgen haben. Zungenprobleme,
Anlehnungsfehler oder Abstumpfung sind nur einige Folgen von nicht korrekt
verschnallter Zumung und grober, unsachgemer Einwirkung.
Dieses Buch informiert ber:
- die Unterschiede zwischen den Gebissen und ihren Wirkungsweisen
- Auswahlkriterien
- die Schulung der Reiterhand
- die Zgelhilfen
- Korrektur von Problemen
Ein Handbuch, das in keiner Reiterbibliothek fehlen darf.