Wissen rund ums Pferd
Eine Serie fr Einsteiger in den Westernreitsport & fortgeschrittene Westernreiter
Bearbeitung: Heinz Langer - aus Western News 5/01
John Lyons - Pferdetraining ohne Zwang!
Viel hrt und liest man heute ber Pferde-Gurus, sogenannte Pferdeflsterer, die es vorzglich verstehen, ihre Erfahrungen und ihr Knnen, den "Ahnungslosen" zu verkaufen. Es handelt sich dabei um Pferdeleute mit langjhriger Erfahrung, von denen man als Laie oder Amateur tatschlich viel profitieren kann, hat man sie selbst oder von ihnen ausgebildete Trainer zur Hand: Man denke nur an Berhmtheiten wie Monty Roberts, Pat Parelli und andere.
Einer, der in den USA zu den Grten zhlt und dessen Popularitt kaum zu berbieten ist, ist
John Lyons, der sein Pferdetraining ohne Zwang, das System der kleinen Schritte nennt.
Die WN hat dankenswerterweise vom John Lyons Verlag (BLV Verlagsgesellschaft mbH, Mnchen) die Erlaubnis erhalten, seine schriftlichen Verffentlichungen, bersetzt von Kerstin Diakont, auszugsweise unseren Lesern zu prsentieren.
Da die Themen fr die Serie "Wissen rund ums Pferd" geradezu mageschneidert sind, sind wir sicher, dass unsere Leser viel von dieser Lektre profitieren und in die Praxis umsetzen knnen.
John Lyons glaubt bei der Ausbildung von Pferden weder an Wunder noch an Pferde-Gurus. Er will auch keinen Psychiater zu Rate ziehen, der ihm erklrt, was sein Pferd gerade denken knnte.
Vielmehr glaubt er an eine durchdachte, logische und dem Pferd angemessene Annherung beim Trining. Er ist der Meinung, dass das Pferd ein Tier mit bedingten Reflexen ist, und baut in seiner Arbeit auf gesunden Menschenverstand und Logik auf.
Johns Trainingsmethode hat sich in vielen Jahren und aus unzhligen Kursen, die er in den USA und Australien abgehalten hat, ergeben. Seine Clinics waren stets auf nur zehn Teilnehmer begrenzt, jedoch offen fr alle Pferderassen, alle Reitstiele und jede Art von Problempferden.
Die Pferdebesitzer erklrten ihm vor Kursbeginn, welches Problem gelst werden sollte, und John versicherte ihnen, die Schwierigkeiten zu beheben - andernfalls war der Kurs fr den jeweiligen Teilnehmer kostenlos.
Da John Lyons in seinen Clinics immer in eng begrenztem Zeitraum und mit Pferden, die er noch nie zuvor gesehen hatte, arbeiten musste, war er immer auf der Suche nach besseren Trainingsmethoden und schnelleren Lsungen. Seine Erfahrungen mit weit mehr als 2.000 Pferden haben sein einzigartiges Trainingsprogramm geprgt.
John Lyons Philosophie ber Pferde
"Ich mchte, dass das Pferd mein Partner ist. Das bedeutet fr mich: Jemand, der mir hilft, der meine Arbeit leichter macht und keine Belastung darstellt. Jemand, der mir vertraut und dem ich vertrauen kann. Jemand, den ich nicht dazu zwingen muss, etwas zu tun, was ich mchte.
Damit ich einen wirklichen Partner bekomme, muss ich ihn selbstndig etwas tun lassen und ihm vertrauen. Dabei muss ich damit rechnen, dass er Fehler macht. Fr diesen Fehler sollte ich ihn nicht zur Rechenschaft ziehen. Stattdessen muss ich ihm zeigen, warum ich bestimmte Dinge von ihm verlange. Ich bin sicher, wenn ich Kmpfe mit ihm vermeide, bekomme ich schlussendlich einen besseren und verlsslicheren Partner.
Pferdeerziehung und Kindererziehung hneln sich in vielen Bereichen. Es gibt viele Situationen, in denen man sie einfach machen lassen muss, um ihnen etwas beizubringen.
Ein Beispiel zur Erluterung: Viele Leute wollen, dass ihr Pferd ruhig neben ihnen steht oder ihnen folgt. Aber sie lassen nie die Zgel los. Wenn sie es dann doch tun und das Pferd luft weg, denken sie meist: "So ein bldes Pferd - es muss angebunden werden." Wenn ich mein Pferd gehen lasse, so denke ich: "Ich bin ein schlechter Lehrer." Sein Weglaufen zeigt mir, dass ich es auf eine bessere Weise lehren muss, bei mir zu bleiben.
Wenn ich ein Problem mit meinem Pferd nicht lsen kann, liegt es daran, dass ich zu wenig wei. Es ist nicht der Fehler des Pferdes. Wenn ich es nicht dazu bringe, in einen Hnger einzusteigen, so liegt es nicht daran, dass es schlecht sieht, einen schlechten Tag hat, dass seine Mutter ein Appaloosa war oder sonst eine fadenscheinige Ausrede, sondern es liegt ganz einfach daran, dass ich es ihm nicht vernnftig beigebracht habe.
Wenn ihr bei einem Pferd ein Problem habt oder einen Trainingsbereich, in dem Verbesserungen ntig wren, so ignoriert dies nicht. Wenn ihr z.B. ein kopfscheues Pferd besitzt, so msst ihr wissen, dass dieses Problem zuerst behoben werden muss, bevor ihr versucht euch draufzusetzen.
Die Vorgeschichte eines Pferdes ist fr mich unbedeutend. Hier und jetzt mssen wir mit ihm klarkommen. Wir knnen nicht mehr ndern, dass vielleicht jemand das Pferd am Kopf geschlagen hat oder dass Kinder mit Steinen nach ihm geworfen haben. Wir haben keine Mglichkeit, das Geschehene rckgngig zu machen - so ist es mig, einen Gedanken an frhere Erfahrungen des Pferdes zu verschwenden. Sein jetziges Problem ist wichtig, nicht die Vorgeschichte seines Problems.
Das Pferd ist sehr anpassungsfhig. Es ist durchaus in der Lage, seine Verhaltensmuster zu ndern - besonders, wenn man ihm genug Zeit lsst, seine eigene Entscheidungen zu treffen. Pferde sind nie zu alt, um zu lernen und sich schlechte Manieren abzugewhnen. Das Gute an einem Pferd ist hingegen, dass wir jede Verhaltensweise, die wir ndern wollen, auch ndern knnen. Wir mssen uns nur doppelt so stark auf das Training dessen konzentrieren, was wir von ihm wollen, um eine nderung zu bewirken.
Habt keine Angst, das Falsche zu tun! Das tun wir alle hin und wieder - und es schadet nicht viel. Viel schlimmer ist es, weiterhin nichts zu tun.
Das Schlechte an einem Pferd ist, das alles, was ich heute an ihm schtze, unter Umstnden nicht immer da sein wird - es sei denn, ich sorge dafr, dass das Pferd nichts von dem vergisst, was ich an seinem Verhalten mag. Ich darf nicht vergessen, dass mein Pferd immer weiter lernt.
Ihr msst entscheiden, was euer Pferd tun und lernen soll. Natrlich ist es so, dass manche Rassen manche Aufgaben besser bewltigen knnen als andere. Ein Vollblter kann einen Sliding Stop ausfhren, aber er wird nie so leicht und lang sliden knnen wie ein Pferd, das genau fr diese Aufgabe gezchtet wurde. Ich sehe es allerdings so, dass jedes Pferd bis zu einem gewissen Grad in der Lage ist zu springen, zu sliden, Trails oder Barrel Racings zu absolvieren oder jede sonstige Aufgabe zu erfllen, die ihr mit ihm zusammen erledigen wollt.
Vorurteile sind ein ganz schlechtes Denkmuster
Es gibt keine Rasse, die besser ist als alle anderen, und mit Sicherheit keine Super-Rasse. Jede Zuchtauswahl hat bestimmte Merkmale herausgearbeitet. Ein Paso Fino ist nicht dafr gedacht, einen schweren Wagen zu ziehen. Wenige Fahrpferde knnen im Calf Roping (Einfangen der Klber mit dem Lasso) bestehen und ein Quarter Horse ist nicht dafr gezchtet, ein Hundert-Meilen-Rennen zu laufen. Aber oft gibt es innerhalb einer Rasse mehr Unterschiede als zwischen den Rassen.
Athleten in Aktion
Ein Pferd ist extrem vielseitig. Es ist fhig, ber 108 verschiedene Bewegungen auszufhren. Doch selbst der beste Trainer auf dem bestausgebildeten Pferd wird kaum mehr als 30 % von dessen Fhigkeiten abrufen knnen.
Kann ein Pferd rckwrts galoppieren? Ein Mann namens Blackburn hat um 1860 sein Pferd dazu gebracht, genau das zu tun - und auch noch auf der korrekten Hand. Knnen Sie Ihr Pferd dazu bringen, mit dem Schweif zu schlagen, sich am Ohr zu kratzen, zu flehmen oder sich zu wlzen? Vermutlich nicht - aber das Pferd macht all diese Bewegungen mhelos. Trainer lehren die Pferde keinen Sliding Stop oder Roll Back. Dies zu behaupten wre lcherlich. Pferde knnen schon alles, was wir von ihnen wollen. Jedes zwei Tage alte Fohlen kann stoppen und einen Roll Back ausfhren. In unserem Training versuchen wir nur, das Pferd daran zu erinnern.
Ein Tier mit bedingten Reflexen
Meine Trainingsmethode basiert darauf, Kontrolle ber das Pferd zu bekommen, indem ich mich mit ihm auseinandersetze. Und ich will die Kontrolle zu 100 % haben.
Das Pferd ist ein Tier mit antrainierbaren, bedingten Reflexen. Wir schaffen eine Bedingung, eine Voraussetzung (z.B. einen Druck mit dem rechten Schenkel) und bekommen eine Antwort (z.B. springt es im Galopp links an). Wenn wir die Bedingung oft genug schaffen und immer die gleiche Antwort darauf erhalten, dann wird die Bedingung zum Stichwort, zum Signal fr eine bestimmte, erwnschte Reaktion oder Antwort. Sie wird zur Hilfe. Das ist eine Grundlage fr mein Trainingsprogramm.
Wir mssen uns darber im Klaren sein, dass das Pferd nicht wei, was richtig oder falsch ist. Oft hre ich jemand sagen: "Das Pferd ist im falschen Galopp." Das Pferd wei nicht, da es "falsch" galoppiert.
90 % des Erfolgs beim Training von Pferden beruhen darauf, ein Problem korrekt zu definieren. Wenn wir dieses Problem dann bewltigen wollen, spalten wir es in kleine, handliche Teilschritte auf. Meine eigene Ungeduld hat mich gelehrt, solche Stufen in den Trainingsfortschritt einzubauen. Die meisten von uns haben auch in Stufen schreiben gelernt, z.B. den Buchstaben A. Wir bekamen beigebracht, zuerst eine schrge Linie zu zeichnen, dann eine weitere geneigte Linie und schlielich die Querlinie dazwischen. Das ganze A auf einmal zu schreiben, wre zu viel fr ein kleines Kind gewesen. Das Gleiche gilt fr die Ausbildung des Pferdes. Wenn ihr euch durch die Fortsetzungen dieses Buchberichtes arbeitet, werdet ihr viele kleine Einzelschritte finden, die sich schlielich zusammenfgen, um unser erklrtes Ziel zu erreichen.
Die drei Trainingsregeln
Da es so viele Trainingsmethoden wie Trainer gibt, habe ich die folgenden drei Regeln aufgestellt, um jeden Trainingsfortschritt zu bewerten.
Ich wrde euch dringend raten, sie auf jede Trainingsmethode anzuwenden - ob das nun meine oder irgend eine andere ist, nach der ihr euer Pferd ausbildet.
1. Unsere eigene Sicherheit muss beim Training gewhrleistet sein.
Ein Trainingsfortschritt ist zu nichts ntze, wenn ich danach im Krankenhaus liege. Wir sind wichtiger als jedes Pferd. Das Pferd will euch vielleicht gar nicht verletzen, aber es ist so gro und stark, dass es manchmal passiert, wenn ihr nicht aufpasst.
Ich sage mir immer, dass das Pferd, mit dem ich gerade arbeite, nicht mehr wert ist, als jedes andere Pferd. Ein Pferd, das man geschenkt bekommen hat, und ein Rennpferd im Wert von einer Million Dollar werden exakt gleich behandelt. Und sie knnen den gleichen Schaden anrichten. Euer oder mein kleiner Finger ist wichtiger als das teure Rennpferd - deshalb mssen die Trainingstechniken, die wir benutzen, unsere eigene Sicherheit gewhrleisten. Unflle werden immer passieren - doch wir mssen und knnen die Gefahr minimieren. Wir sollten hin und wieder in uns hineinhorchen und uns daran erinnern, dass wir immer dann einen Fehler machen, wenn wir uns in Gefahr begeben.
2. Die Sicherheit des Pferdes muss beim Training gewhrleistet sein.
Was habe ich davon, wenn ich ein Pferd irgendwie in den Hnger prgle, wenn ich hinterher einen Tierarzt brauche, um es wieder zusammenzuflicken. Wir sollten also so viele Vorsichtsmanahmen wie mglich treffen - sowohl fr uns, als auch fr das Pferd.
3. Das Pferd muss nach der Arbeit ruhiger sein als vorher.
Damit sagt es uns, dass es verstanden hat und es sich wohl fhlt mit dem, was wir es zu lehren versuchen. Es ist wichtig, dass das Pferd whrend des Trainingsprozesses ruhig bleibt. Jeder Schmerz verwirrt es und lenkt es ab. Je mehr Schmerz es empfindet, desto weniger kann es sich darauf konzentrieren, was ihr ihm beibringen wollt. Schmerz steht dem Lernen im Weg und sollte unter allen Umstnden vermieden werden. Wenn das Pferd nervs ist, vermittelt es uns, dass es nicht versteht, was wir von ihm erwarten.
Ein ruhiges, kooperatives Pferd ist der beste Beweis fr den Erfolg unseres Trainings - besser als eine Wand voller Schleifen. Das Verhalten eines Pferdes auf einem Turnier enthllt nur, wie gut der Reiter seinen Job macht. Wenn das Pferd seine Sache gut macht, dann zeigt es, dass es die Lektionen verstanden hat und sich wohl fhlt bei dem, was der Reiter von ihm verlangt.
Die grundlegenden Eigenschaften eines Pferdes
Whrend wir unserem Pferd etwas beibringen wollen, drfen wir nie die vier grundlegenden Eigenschaften des Pferdes auer Acht lassen. Denn diese beeinflussen nicht nur sein Verhalten, sondern auch unsere Lehrmethoden. In Folge sind sie nach ihrer Wichtigkeit aufgelistet.
1. Die Angst und der Fluchtinstinkt
Das Pferd ist kein Raubtier. Sein natrlicher Instinkt ist wegzulaufen statt zu kmpfen. Das bedeutet, wenn es erschrickt oder sich frchtet, wird es hchstwahrscheinlich davonlaufen, um der Ursache seines Erschreckens zu entkommen. Seine Angst ist strker als alles andere. Wir sollten das nachvollziehen knnen, denn wenn wir uns frchten, wollen wir uns auch mglichst schnell vom Auslser unsere Angst entfernen.
Da wir unser Pferd nicht an alle Eventualitten gewhnen knnen, mssen wir seine Angst als gegeben hinnehmen und ihm beibringen, wie es damit umgehen soll. Wir knnen ihm nicht erzhlen, dass es sich nicht frchten soll, denn diese Forderung ist unlogisch. Wir knnen ihm jedoch beibringen, dass es trotzdem tut, was wir mchten.
Wenn es eine Angstreaktion zeigt, dann sollten wir es genauso behandeln, wie ein fnfjhriges Mdchen, das wir weinend und hilflos an einer Straenecke in einer Grostadt gefunden haben. Wrden wir es anschreien, damit es mit der Heulerei aufhrt? Ihm sagen, es soll doch endlich still sein?
Sicher nicht. Wir wrden versuchen, es zu beruhigen und versichern, dass alles gut wird. Genauso sollten wir auch mit dem Pferd umgehen, wenn es Angst hat.
Das gilt fr imaginre Ungeheuer genauso wie fr Dinge, die das Pferd durchaus frchten sollte, es aber manchmal nicht tut.
2. Die Rangordnung
Die soziale Ordnung ist unter Pferden genau strukturiert. Pferde sind Herdentiere. Die Herde beeinflusst das Leben des Pferdes extrem stark. Ihr Einfluss beginnt sofort nach der Geburt.
Wenn wir Pferde in freier Wildbahn beobachten, knnen wir sehen, dass ein dominantes Tier ein anderes herumscheucht. Das getriebene Pferd wrde vielleicht gern stehen bleiben, doch das treibende, dominante Tier lsst das nicht zu.
So wie jedes Pferd seinen Platz in der Herde hat, so habt ihr als Trainer einen Platz in der sozialen Ordnung eures Pferdes. Fr das Pferd bist du nicht ein Mensch, sondern ein zweibeiniges Tier. Wenn dein Pferd dich beit, dann sagt es dir damit, dass du in der Rangordnung unter ihm stehst. Ob das Pferd beit oder nicht, hngt davon ab, wo es uns in der Hierarchie der Herde einordnet. Genauso, wie es das eine Pferd beit und das andere nicht, so wird es auch eine Person beien und sich diese Frechheit bei einer anderen nicht herausnehmen.
Es gibt auch noch andere Zeichen, die dir zeigen, dass das Pferd dich fr rangniedriger hlt: Es berrennt dich, wenn du es fhren willst, oder drngelt an dir vorbei, es drckt dich an die Wand, es luft davon, wenn du es satteln willst, legt die Ohren an, winkt mit dem Hinterbein oder schaut sich desinteressiert die Landschaft an, wenn du seine Aufmerksamkeit willst.
Mach dir keine Gedanken, wie du die Dominanz ber dein Pferd erreichst - versichere dich nur, dass du die richtigen Antworten bekommst auf die Fragen / Anforderungen, die du an das Pferd stellst. Das Wichtigste ist nicht, dass wir denken, wir stnden in der Rangordnung ber dem Pferd, sondern dass es das Pferd denkt.
Ein Beispiel: Wenn uns das Pferd auf den Fu tritt, geben wir ihm einen energischen Klaps und machen einen groen Wirbel um die Sache, sodass der Vorfall fr das Pferd ebenso unangenehm wird. Wenn du etwas wichtig findest, dann wird es automatisch wichtig fr dein Pferd. Wenn es fr dich belanglos ist, wird es auch das Pferd immer fr unwichtig halten.
Wir mssen uns in das Bewusstsein des Pferdes hineinversetzen, um ihm zu vermitteln, dass wir hher in der Rangordnung sind. Wir knnen durch die Beobachtung von Pferden in freier Wildbahn lernen, wie sie ihre Rangordnung festlegen.
Wenn wir zehn unbekannte Pferde auf eine groe Koppel lassen, knnen wir schnell erkennen, welches Pferd das ranghchste ist: Wir stellen einen Eimer Hafer hin und beobachten, welches Pferd diese Portion schlielich frisst.
Die meisten Pferde bilden innerhalb der Herde Paare. Innerhalb des Paares wird eins der Pferde die Fhrung bernehmen. Es ist uerst unwahrscheinlich, dass sich das ranghchste Pferd in der Herde mit dem zweitrangigen anfreundet. Viel wahrscheinlicher ist, dass sich das erstrangige Pferd z.B. mit dem fnftrangigen zu einem Paar zusammenschliet. Mit dem zweitrangigen wird es hingegen nicht gerade freundlich umgehen.
Wenn das erstrangige Pferd zum Futter geht, wird das zweitrangige das Feld rumen nach dem Motto: "Oje, wenn der kommt, verschwinde ich lieber." Wenn das zweitrangige Pferd geht, was denkt wohl das erstrangige Pferd? Etwa dies: "Ha, ich bin der Allergrte. Ich kann jedes andere Pferd hier kontrollieren. Ich bin der Herdenchef." Beide Reaktionen besttigen die jeweilige Position des Pferdes in der Herde.
Wenn neue Pferde zusammengewrfelt werden, dann gibt es zunchst einmal ein groes Tohuwabohu mit vielen angelegten Ohren, viel Geschrei und Gequieke, Getrete usw. Doch nachdem die Rangordnung aufgebaut ist und funktioniert, hat es das ranghchste Pferd nicht mehr ntig, seine Herrschaft mit Gewalt auszuben.
Wir legen nun also eine Portion Hafer in den Auslauf. Das ranghchste Pferd kommt, um das zweitrangige zu vertreiben und wir stehen zweiterem im Weg. Was passiert?
Wenn das zweitrangige Pferd denkt, wir stnden in der Rangordnung unter ihm, so kann es gut sein, dass es uns berrennt, nach uns tritt oder uns auf andere nicht besonders freundliche Weise zu verstehen gibt, dass wir uns aus dem Weg scheren sollen. Wenn es jedoch der Meinung ist, wir seien ranghher, dann wird es uns stattdessen aus dem Weg gehen und uns damit den ntigen Respekt erweisen.
Da das Pferd immer weiter lernt, mssen wir uns bewusst sein, was wir ihm mit unseren Aktionen vermitteln. Ich fttere beispielsweise mein Pferd. Es befindet sich am anderen Ende des Auslaufs, wenn ich hineinkomme. Ich gehe in die Mitte des Auslaufs und lege dort mein Futterbndel ab. Dann drehe ich mich um und gehe zurck zum Eingang. Das Pferd setzt sich in Richtung Futter in Bewegung, whrend ich gleichzeitig auf dem Rckweg bin. Was vermittle ich ihm mit dieser Handlung? Denkt es: "Hier kommt der alte John. Netter Typ - er bringt mir Futter." Oder denkt es, dass ich verschwinde, weil es ranghher ist und mich vom Futter vertreiben kann. Wenn ich vermeiden will, dass es das zweite denkt, dann versichere ich mich besser der Tatsache, dass es mit einer guten Einstellung zu mir zu seinem Futter kommt.
Wir mssen diese Charakteristika der Rangordnung bei unseren Pferden erkennen, denn sie sind von umfassender Bedeutung in unserer Beziehung zu ihnen. Lass das Pferd nie mit einer schlechten Einstellung zu dir an sein Futter heran. Denk daran: Was dein Pferd einmal wei, sitzt lange fest.
3. Faulheit
Ein Pferd geht normalerweise den Weg des geringsten Widerstandes. Es ist prinzipiell faul. Genauso wie du und ich und wir alle. Wenn dir jemand die Wahl lsst, einen Graben mit einem Teelffel oder mit einer Schaufel zu graben, whlst du natrlich die Schaufel. Wenn du die Wahl zwischen einer Schaufel und einem Bagger httest, wrde die Wahl sicher auf den Bagger fallen. Und wenn du endlich die Wahl zwischen dem Bagger und der Mglichkeit httest, den Graben gar nicht auszuheben, wrde er sicher nicht ausgehoben werden.
Diese Eigenschaft trifft fr Menschen und fr Pferde gleichermaen zu. Wenn du einem Pferd die Wahl lsst, sich zu bewegen oder nicht, wird es sich in den allermeisten Fllen nicht bewegen. Unser erster Schritt wird also sein, das Pferd in Bewegung zu setzen. Wir brauchen Bewegung, um es zu trainieren. Wenn die erste Bewegung, die wir auslsen, nicht die von uns erwnschte ist, so knnen wir sie in andere Bahnen lenken, je nachdem, wie wir die ueren Bedingungen fr das Pferd gestalten.
Wenn ein Pferd trabt, obwohl ich eigentlich Schritt von ihm will, dann mache ich ein paar Trabbungen mit ihm, stoppe es, lasse es einige Male wenden und wieder antraben. Bald wird das Pferd so weit sein, dass es froh ist, wenn ich es Schritt gehen lasse.
4. Der Fortpflanzungstrieb
Im Gegensatz zu Stuten und Wallachen haben Hengste einen sehr ausgeprgten angeborenen Fortpflanzungstrieb.
Wrden wir einen Wallach in die Freiheit entlassen, wren seine Hauptbeschftigungen Fressen und Schlafen. Wahrscheinlich wrde er nicht all zu weit herumwandern, um diese Bedrfnisse zu befriedigen.
Lieen wir eine Stute frei, wrde sie ihre Tage genauso fressend und schlafend verbringen. An manchen Tagen wre sie jedoch schlecht gelaunt, an anderen Tagen wrde sie nichts lieber tun, als sich mit einem Hengst zu paaren, wenn einer in der Nhe wre, und wieder an anderen Tagen wrde sie denselben mit gezielten Tritte in die Wste schicken. Wir knnen also sagen, sie ist an manchen Tagen schwerer zufriedenzustellen und zu handhaben, als der duselige Wallach, bei dem sich alles um Fressen und Schlafen dreht, und sie kann bei der Arbeit schlecht gelaunt und unkonzentriert sein, wenn sie rossig ist.
Nun lassen wir den Hengst los. Er frisst und er schlft - weil er das muss, um zu berleben. Die meiste Zeit aber verbringt er mit Herumwandern - auf der Suche nach einer Stute, um sich mit ihr zu paaren. Er luft sein ganzes Leben auf der Suche nach ihr herum.
Wir knnen eine ganze Menge lernen, wenn wir Hengste in freier Wildbahn beobachten. Kehrt er dauernd den Pascha heraus? Springt er auf alles, was sich bewegt? Nein. Und wer sagt ihm, wann er sich paaren darf? Die Stute. Sie kontrolliert ihn auf wunderbare Weise ohne jedes Hilfsmittel. Warum sollten wir das nicht auch knnen?
Der Fortpflanzungstrieb steht hinter vielen Verhaltensweisen des Hengstes. Wenn ein Hengst 50 Stuten in eine bestimmte Richtung treiben will, dann kann er es, auch wenn er nicht das ranghchste Tier in der Herde ist. Warum das so ist? Weil er den Willen hat, es zu tun. Wenn wir das erkennen und beobachten, dann haben wir die Mglichkeit, mit dem Verhalten des Hengstes auf eine vernnftige Weise umzugehen. Wir sollten dem Hengst vorgeben, wann es o.k. ist, seinem Instinkt zu folgen und sich zu paaren, und wann nicht.
Weil der Hengst strkere Triebe hat als Stuten oder Wallache, brauchen wir mehr Zeit fr sein Training. Es mag uns zwei Stunden Zeit kosten, einen Wallach zu trainieren. Dagegen knnen wir fnf Stunden fr die Stute und 20 Stunden fr den Hengst brauchen. Obwohl wir in der Lage sein sollten, sie alle zu kontrollieren, sollten wir immer lieber mit dem Wallach trainieren, wenn wir wenig Zeit haben.
Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Alter, Geschlecht, Rasse, Zuchtlinie und Erfahrungen keinen Einfluss auf die Grundverhaltensweisen des Pferdes haben. Diese sind typisch fr alle Hengste, Stuten und Wallache und sollten immer beachtet werden, wenn wir unser Trainingsprogramm planen.
In der nchsten WN berichtet John Lyons ber weitere Grundvoraussetzungen des Pferdetrainings...
John Lyons Pferdetraining ohne Zwang, das System der kleinen Schritte!
Die drei Ebenen eines Pferdes
Bearbeitung: Heinz Langer aus Western News 6/01
Wenn wir ber die Ausbildung des Pferdes nachdenken, mssen wir drei Ebenen beachten: seine krperlichen, geistigen und emotionalen Fhigkeiten. Unser Trainingsfortschritt hngt von dem Bereich ab, in dem sich das Pferd am langsamsten entwickelt. Eine Schwche in einem Bereich ist vergleichbar mit dem schwchsten Glied einer Kette.
Der erste Gedanke gilt dem Krper: Unser Pferd muss physisch in der Lage sein, das zu tun, was wir von ihm wollen. Ein sechs Monate altes Fohlen ist krperlich nicht in der Lage, geritten zu werden. Es kann aber geistig durchaus in der Lage sein, Signale bzw. Hilfen zu lernen. Auch wenn wir es verladen, fhren und als Handpferd mitnehmen knnen (Foto Handpferd), ist es physisch immer noch nicht so weit, einen Reiter tragen zu knnen. Gre ist dabei nicht das Ma aller Dinge. Ein zweijhriger Vollblter mag einen leichten Reiter (Jockey) tragen und sogar Rennen laufen knnen, doch es mangelt an Koordinationsfhigkeit oder an krperlicher Reife (seine Wachstumsfugen bei den Knochen sind z.B. noch nicht vollstndig geschlossen), um etwa im Barrel Race zu starten oder in schwierigem Gelnde zu arbeiten. Obwohl, wie schon gesagt, die meisten Pferde fr die meisten Aufgaben trainiert werden knnen, mssen die physischen Bedingungen bedacht werden, um gute Erfolge mit dem Training zu erzielen.
Ein kleines, kompaktes Pferd kann z.B. physisch besser dazu in der Lage sein zu cutten (Rinder von der Herde abzusondern) als ein langbeiniges, groes Pferd, welches vielleicht eher als Springpferd geeignet ist.
Als nchstes mssen wir die psychische Verfassung unseres Pferdes ins Auge fassen. Versteht es, was wir von ihm wollen? Das Pferd muss unsere Schulung "im Kopf" verarbeiten knnen.
Wir mssen sicher sein, dass wir ihm klarmachen knnen, was wir wollen, und dass es dies auch begreift.
Und schlielich mssen wir wissen, was emotional in unserem Pferd vorgeht. Zeigt es kontinuierlich Zeichen von Nervositt und Angst? Schein es unfhig, sich zu entspannen? Vertrgt es keinen Druck? Wenn das so ist, mssen wir ihm mit bestimmten Signalen helfen, seine Emotionen zu kontrollieren. Manchmal mssen wir es aufregen, um es hinterher wieder zu beruhigen. Je mehr wir in dieser Weise mit ihm arbeiten, desto ruhiger wird es schlielich werden.
Fr jedes Trainingsproblem gibt es eine Lsung. Immer, wenn ich auf ein Problem stoe, rufe ich mir die Trainingsregeln, die Grundverhaltensweisen und die verschiedenen Ebenen des Pferdes ins Gedchtnis zurck, um daraus eine mgliche Lsung abzuleiten.
Ausgestattet mit diesem Wissen, knnen wir nun mit dem Training beginnen.
Wir alle knnen Trainer sein
Wenn Sie das mchten, knnen Sie Ihr Pferd ohne weiteres selbst ausbilden. Dazu mssen Sie kein Profi sein. Beharrlichkeit siegt ber Ungeduld und Angst und lehrt uns, wie mir mit Enttuschungen umgehen mssen.
Gute Resultate beim Training sind keine Glckssache. Hat jemand am Ende ein besonders arbeitswilliges und verstndiges Pferd, so bedeutet das, dass er eine Menge Zeit zum ben aufgewendet hat. Ein kleines Mdchen klettert beispielsweise auf ihrem Pferd herum - und es rhrt sich nicht von der Stelle. Mit ihrer Zuwendung bringt sie ihm bei, genau das zu tun.
Oft erzielt der Besitzer mit seinem eigenem Pferd bessere Trainingserfolge als ein Profi, weil er mehr Zeit mit seinem Tier verbringt.
Wir knnen das berall beobachten. Ein achtjhriges Mdchen lsst die Profi-Konkurrenz im Show-Ring hinter sich, weil sie unzhlige Stunden mit ihrem Pferd verbracht hat. Das Mdchen und ihr Pferd sind so eng verbunden, dass sie auf einem anderen Pferd ziemlich hilflos wre. Auf ihrem eigenen sind ihre Mglichkeiten jedoch nahezu grenzenlos.
Die Trainingsmethoden in diesem John Lyons-Report funktionieren bei allen Pferden und in allen Disziplinen. Das Dressurpferd, welches fliegende Wechsel an verschiedenen Buchstaben des Dressurvierecks springt, unterscheidet sich nicht vom Quarter Horse, das drauen im Slalom um Bume galoppiert. Sie als Reiter haben einfach eine "Frage", eine Forderung zu spt gestellt, wenn das Pferd einen Wechsel zu spt springt oder einen Baum auslsst.
Die meisten der folgenden Trainingsbungen werden nur Minuten und keine Stunden oder gar Tage in Anspruch nehmen. Keine ist besonders schwierig. Sie brauchen auch keinen besonders ausgefeilten Plan dafr, sondern nur etwas bung. Sie knnen einfach ins Gelnde reiten und den schnen Tag genieen - dass Sie dabei ihr Pferd trainieren, wird keiner ihrer Mitreiter merken. Training sollte nicht nach Training aussehen. Es sollte so aussehen, als ob Pferd und Reiter miteinander spielen.
Jede Trainingsmethode muss zu 100% bei jedem Pferd funktionieren. Wenn nicht, dann sagt uns das Pferd, dass dieses Trainingsprogramm nichts taugt, weil es nicht bei allen Pferden anwendbar ist. Wir mssen dann weiter nach einer Methode Ausschau halten, die fr alle gilt.
Reitprobleme muss ich vom Sattel aus lsen. - Manieren werden vom Boden aus gelehrt und korrigiert!
Eine gute Trainingsmethode funktioniert bei einem dummen und bei einem intelligenten Pferd. Es ist eben eine gute Trainingsmethode. Wenn eine Trainingsmethode einmal fehlgeschlagen ist, wird das wieder passieren.
Wenn sie die Zgel aufnehmen und ihr Pferd reagiert nicht, dann kann es Ihnen zweierlei sagen wollen: "Es ist Dienstag - ich habe noch nie fr irgendjemanden an einem Dienstag gestoppt." Oder "Wie bitte? - Ich wei nicht, was du von mir willst."
Das Pferd ist ein Tier mit bedingten Reflexen. Wenn wir eine Bedingung oft genug schaffen und darauf oft genug die gleiche Reaktion erhalten, dann bekommt diese Bedingung Signalcharakter. Erinnern Sie sich: Es gibt nur zwei Grnde, warum ein Pferd auf ein Signal nicht reagiert:
1. Es versteht nicht. Es hat geistig nicht begriffen, was das Signal bedeuten soll. Sie haben es ihm also nicht richtig vermittelt.
2. Es versteht das Signal, ignoriert es aber. Es tut lieber, was es will, statt auf Ihr Signal zu reagieren.
Was auch immer das Pferd veranlasst, nicht auf Ihr Signal zu reagieren, die Lsung ist die gleiche. Wir mssen zurckkehren zu einem Punkt unseres Trainings, an dem wir die richtigen Bedingungen schaffen und die gewnschte Reaktion des Pferdes erhalten.
Manchmal erfinden wir Entschuldigungen, wenn unser Pferd nicht das macht, was wir wollen. Ich habe unzhlige Male gehrt: "Mein Pferd ist auf einem Auge blind." - "Er ist ein Vollblter." - "Alles schn und gut, aber seine Mutter war kopfscheu." Und so fort. Nehmen wir das blinde Pferd als Beispiel: Nur weil ein Pferd bestimmte Dinge nicht sieht oder nicht wei, muss es sich noch lange nicht schlecht benehmen.
Tatschlich gibt es ein blindes Turnierpferd in Phnix, welches seine Sache sehr ordentlich macht. Die Besitzer erzhlen den Richtern nie etwas von seiner Blindheit vor Ende der Prfung - aber das ist eine andere Geschichte.
Alle diese pseudo-rationalen Entschuldigungen, die wir fr unsere Pferde bereithalten, sind nur Entschuldigungen fr unsere eigene Unfhigkeit, es zu trainieren. Als Trainer kann ich ein Pferd dazu bringen, das zu tun, was ich will - oder ich bin kein Trainer.
Es gibt keine mentalen Probleme - nur Verhaltensprobleme.
Stammbume, Angewohnheiten, ob das Pferd zweitausend Pokale gewonnen hat, ob es ein Jahr alt ist oder zwanzig Jahre - all das ist unwichtig. Entweder kriegen wir es dazu, das zu tun, was wir wollen - oder nicht.
Das Training eines Pferdes knnen wir mit dem Kuchenbacken vergleichen. Wenn Sie eine Form mit Mehl in einen Ofen schieben und eine Stunde lang backen, bekommen Sie etwas, was nicht annhernd aussieht wie ein Kuchen und sicherlich auch nicht so schmeckt. Oder Sie machen Ihren Kuchen mit den richtigen Zutaten, fgen aber ein halbes Kilo Salz dazu. Jetzt haben Sie etwas, was wie ein Kuchen aussieht, aber wie ein Salzleckstein schmeckt.
Was ich mit dem Vergleich sagen will, ist Folgendes: Das Training eines Pferdes erfordert, wie das Kuchenbacken, eine Menge an Zutaten, um ein vernnftiges Resultat zu erzielen. Liebe allein oder auch Liebe und Geduld zusammen gengen nicht. Wir mssen noch einige andere Zutaten dazugeben, um unsere Ausbildung erfolgreich zu machen.
Einige dieser Zutaten sind Logik, Wissen und Respekt. Und manchmal kann es sogar ntig sein, in Wut zu geraten und seine Beherrschung zu verlieren - das hilft, seine eigene Angst zu berwinden. Es ist nicht immer falsch, ein Pferd zu bestrafen. Manchmal kann es auch richtig sein. An dieser Stelle knnen wir die Drei-Sekunden-Regel einschieben.
Die Drei-Sekunden-Regel
Da wir gerade darber reden, dass wir manchmal die Beherrschung verlieren, kann ich Ihnen etwas ber die Drei-Sekunden-Regel erzhlen.
Das Pferd hat niemals, aber auch wirklich niemals das Recht, uns zu beien oder zu treten. Dabei ist Beien noch gefhrlicher als Treten, denn es ist von Seiten des Pferdes der aggressivere Akt. Sie knnen dieses Verhalten niemals rationell rechtfertigen.
Ich will nicht gebissen werden. Wenn das Pferd versucht, mich zu beien, dann mache ich ihm die Hlle hei. Seine Aktion ist gefhrlich - und dagegen muss ich mich vehement zur Wehr setzen. Ich habe drei Sekunden, in denen ich dem 500-Kilo-Tier gehrig zusetze und dabei nur auf seinen Kopf aufpasse. Nach den drei Sekunden streichle ich das Pferd, um ihm zu versichern, dass ich es trotzdem mag; es wei allerdings jetzt, dass es mit seiner Beierei einen schweren Fehler gemacht hat, der ihm uerst unangenehme Folgen bescherte.
Das Thema Streicheln ist wichtig an dieser Stelle. Kosen, streicheln oder reiben Sie das Pferd - klopfen Sie es nicht, weil das eher eine aggressive Geste fr das Pferd darstellt. Zudem sollten Ihre Streicheleinheiten nicht zaghaft sein; Pferde sind kitzlig und eine zu leichte Berhrung knnten sie als Belstigung (Fliegen) empfinden.
Aber denken Sie auf jeden Fall daran, das Pferd immer zu streicheln und ihm Ihr Wohlwollen zu versichern, wenn Sie die Drei-Sekunden-Regel angewandt haben.
Verstndigung
Manche Leute denken, Pferde wren dumm. Jedes Pferd verfgt jedoch ber eine gewisse Lernfhigkeit und Intelligenz - unabhngig von der Rasse. Ihre sogenannte Dummheit resultiert nur aus unserer mangelnden Verstndigung. Die Ausbildung eines Pferdes kann man mit dem Malen eines Bildes vergleichen: Je besser ich das Bild male, desto besser die Verstndigung mit dem Betrachter. Wenn ich das Pferd mit Bleistift zeichne, habe ich bestimmte Eigenschaften rbergebracht. Wenn ich Pastellkreide dazunehme, habe ich Ihnen weitere Eigenschaften mitgeteilt - Sie knnen erkennen, dass das Pferd ein Palomino ist. Bedeutet das, dass Sie schlauer geworden sind? Nein - es bedeutet nur, dass ich Ihnen die Eigenschaften des Pferdes besser vermittelt habe.
Wenn ich besser in meiner Kommunikation werde, wird mein Pferd "klger".
Kommunikation bedeutet, mit Eigenarten und Einzelheiten umzugehen. Und die Einzelheiten mssen in kleine Schritte zerlegt werden. Manche Leute wollen nicht die einfachen Dinge zuerst erledigen. Das ist der Grund, warum so viele verschiedene Gebisse verkauft werden. Die Leute kaufen und probieren haufenweise Gebisse, um ihre Pferde zu stoppen. Doch ein Stop ist das Ergebnis von vielen bungen, welche alle korrekt und in der richtigen Reihenfolge ausgefhrt werden mssen, bevor man einen anstndigen Stopp erhlt.
Ich brauche kein anderes Hilfsmittel als ein Halfter, denn ich will nicht, dass mein Pferd mir beibringt, ihm immer Schmerz zuzufgen, um es zu trainieren. Zudem muss ich stets in der Lage sein, mich selbst zu kontrollieren, bevor ich mein Pferd zu trainieren versuche. Immer wenn ich an den Zgeln herumzerre oder es mit den Sporen traktiere, bezahle ich dafr mit einem von mir unerwnschten Verhalten meines Pferdes.
Wenn ich von Hilfsmitteln spreche, dann meine ich auch Stozgel, Martingals, Schlaufzgel und Ausbinder. Jede dieser Zwangsvorrichtungen ist ein berflssiges Spielzeug. Sie zwingen ein Pferd statt es zu lehren. Solche "Hilfsmittel" funktionieren nicht auf Dauer. Manche Leute denken trotzdem, dass langwierige (und manchmal auch langweilig erscheinende) bungspraxis durch einen Wunderzgel oder eine "magische" bung ersetzt werden kann.
Es funktioniert nicht. Wenn wir unser Pferd mit Hilfszgeln reiten, pressen wir es in eine Form. Und was passiert, wenn wir das Pferd wieder aus der erzwungenen Haltung entlassen? Wir sind genauso weit wie vorher. Das Pferd trgt seinen Kopf noch immer zu hoch oder zu tief, auf jeden Fall nicht in der gewnschten Position. Meiner Ansicht nach gibt es verlsslichere Wege, um damit bessere Ergebnisse zu erzielen.
Trainingsmethoden sollten durch gesunden Menschenverstand, durch Logik und Vernunft untermauert werden, nicht durch allerlei Zusatzzgel und Kinkerlitzchen. Ich sehe meine Trainingsweise als ein Spiel zwischen mir und dem Pferd. Der Part des Pferdes in diesem Spiel ist zu sagen: "Ich werde dich jetzt dazu bringen, mir im Maul herumzuzerren, damit ich langsamer werde." Meine Aufgabe dagegen ist es, einen Weg zu finden, wie ich es verlangsamen kann, ohne im Maul zu ziehen. Wenn ich ziehe, hat es gewonnen. Wenn nicht, haben wir beide gewonnen.
Wenn wir dem Pferd etwas beibringen mchten, so mssen wir uns immer fragen, ob wir das, was wir wollen, klar genug ausdrcken, damit es das Pferd nicht missverstehen kann. Es ist wichtig, dass wir dem Pferd nicht eine Frage stellen, auf die wir die falsche Antwort bekommen. Wenn wir etwas fordern und das Pferd tut nicht, was wir von ihm verlangen, dann versteht es entweder nicht, was es soll oder es vermittelt uns: "Ich denke ja nicht dran... "Wenn es das tut, dann sind wir dabei, ein Verhaltensmuster aufzubauen, welches auf wiederholten Ablehnungen basiert. Das mssen wir im Auge behalten. Wenn ich stoppen will und "Whoa" sage und mein Pferd bewegt sich weiter, dann lernt es, dass "Whoa" nichts zu bedeuten hat.
Der richtige Weg zu lernen ist jedoch, dass ich etwas fordere und das Pferd es tut. Wenn wir die richtigen Reaktionen vom Pferd bekommen, dann wird es dem Pferd schlielich zur Gewohnheit das zu tun, was wir wollen. Das ist genauso wie beim Umgang mit Kindern. Manchmal neigen wir dazu, auf alles, was sie fragen, nein zu sagen. Wir lesen die Zeitung, sie beginnen eine Frage - und wir sagen nein, bevor die Frage ganz raus ist. Wenn dann die Frage fertig gestellt ist, wird uns klar, dass die Antwort ein Ja gewesen wre.
Wir sollten also lernen, wie wir die Fragen prsentieren knnen, damit wir die richtigen Antworten erhalten. Wir mssen Forderungen stellen, die es dem Pferd leicht machen, mit einem Ja zu antworten. Wie ich erkenne, ob ich eine "Ja-Frage" gestellt habe? Ganz einfach - indem das Pferd das macht, was ich will. Ich werde nichts vom Pferd verlangen, wenn ich nicht ganz sicher bin, dass ich es auch bekommen kann (dass das Pferd in der Lage ist, richtig zu antworten).
Erinnern Sie sich - wenn wir die gleiche Voraussetzung/Bedingung oft genug schaffen und darauf oft genug die erwnschte Reaktion erhalten, wird aus der Bedingung ein Signal. Wenn Sie die Signale fr eine bestimmte Antwort lehren, wird das Pferd diese Antwort in jeder Situation geben. Sie mssen dann nicht die ueren Umstnde dafr verantwortlich machen, dass das Pferd so und nicht anders reagiert.
Es gibt ein schnes Wortspiel, das ich in meinen Kursen immer wieder verwende, um das Prinzip zu illustrieren. Es wird vermutlich geschrieben nicht funktionieren - trotzdem werde ich es hier wiedergeben, so dass Sie es an ein paar nichts ahnenden Opfern ausprobieren knnen. Buchstabieren Sie das Wort Silk (Seide) dreimal hintereinander sehr schnell. Fragen Sie danach ganz schnell: "Was trinken Khe?" Vermutlich werden Sie in den allermeisten Fllen die Antwort "Milk" (Milch) bekommen. Was habe ich getan? Ich habe Sie in meine beabsichtigte Denkrichtung getrickst.
Wir knnen das Pferd in die gleiche Richtung tricksen. Wir knnen es dazu bringen, auf die Art zu antworten, die wir wollen. Wenn wir das tun, konditionieren wir es - deswegen ist es wichtig, einen Schritt zu festigen, bevor wir den nchsten tun. Wenn wir Probleme mit dem Abrufen des Gelernten haben, dann mssen wir zurckkehren zu einem Punkt, an dem das Pferd immer in gewnschter Weise auf unsere Signale reagiert.
Wir arbeiten unser Pferd z.B. im Roundpen. Wir beginnen damit, dass wir es in Bewegung setzen. Das ist alles, was wir wollen, und das ist auch alles, worauf wir uns zu diesem Zeitpunkt konzentrieren. Erst wenn es sich kontinuierlich bewegt (erster Schritt), arbeiten wir weiter: Wir bringen es dazu, sich nach links zu bewegen. Wenn es sich kontinuierlich nach links bewegt (zweiter Schritt), werden wir einen dritten Schritt verlangen: den Richtungswechsel. Erst wenn das Pferd den dritten Schritt zuverlssig beherrscht, kommen wir zum vierten usw.
John Lyons Pferdetraining ohne Zwang, das System der kleinen Schritte!
Die Wichtigkeit von Zielen
Bearbeitung: Heinz Langer aus Western News 1/02
Keine Einfhrung in ein Trainingsprogramm wre komplett, ohne Ziele zu setzen.
Wir alle haben Ziele, die wir mit unseren Pferden erreichen wollen - und die wir mit etwas Zeit und Mhe auch erreichen knnen.
Oft genug sehen wir aber Probleme auftauchen - mit dem Verhalten unseres Pferdes oder mit unserem eigenen Temperament. Wir fhlen uns frustriert, wenn wir die gesteckten Ziele nicht erreichen. In unserer Eigenschaft als Trainer wollen wir Fortschritte in der Ausbildung erleben - andernfalls geraten wir in Versagensngste und treiben unser Training zu stark voran. Diese ngste fhren jedoch nur zu schlechten Angewohnheiten, sowohl bei uns als auch bei unserem Pferd. Es ist wichtig, sich ins Gedchtnis zu rufen, dass das Pferd ein deutliches Spiegelbild seines Besitzers ist. Nervse Leute machen oft nervse Pferde.
Setzt euch tglich Ziele, wenn ihr reitet, vernnftige Ziele, die ihr an diesem Tag auch erreichen knnt. Definiert fr euch ganz genau, was ihr erreichen wollt und arbeitet immer daran, eure Basissignale zu verbessern. Treten Probleme auf, so kehrt an einen Punkt eures Trainings zurck, an dem ihr die Kontrolle ber euer Pferd habt und beginnt von dort aus neu. Wenn ihr dies beherzigt, knnt ihr mit eurem Pferd immer auf Erfolgserlebnisse aufbauen. Denkt daran: Ein Ballett ist die Perfektionierung jedes einzelnen Tanzschritts.
Nicht immer sind fr Fortschritte zustzliches Wissen oder ausgefeilte Trainingsmethoden erforderlich. Wir brauchen uns oft nur bemhen, das zu verbessern, was wir schon erreicht haben, oder das zu perfektionieren, was unser Pferd ohnehin schon anbietet. Das ist das Geheimnis von fast allen erfolgreichen Trainern.
Fast jeder kann sein Pferd reiten und es dazu bringen zu wenden, zu drehen oder zu stoppen. Das Pferd aber so zu kontrollieren, dass ihr diese simplen Manver exakt abrufen knnt, wann, wie und wo ihr das wollt, kann eine Herausforderung sein. Die Kunst der Dressur basiert auf der simplen Fhigkeit, das Pferd so zu kontrollieren, dass Reiter und Pferd eine harmonische Einheit bilden.
Wenn ihr die Leistung eures Pferdes verbessern wollt, msst ihr mit der Basisarbeit beginnen und diese nicht berspringen, denn dort liegt im Allgemeinen die Notwendigkeit zur Verbesserung.
Vergesst auch nicht, den Umgang mit eurem Pferd als Genuss und nicht als lstige Pflicht zu betrachten. Euer Pferd muss nicht jede Schenkelhilfe kennen oder eine perfekte Kopfhaltung haben, um ein sicheres Reittier zu sein. Zu viele und hochgesteckte Ziele knnen uns und unser Pferd erschpfen und die Freude am Reiten verderben. Wenn wir z.B. entspannt aus dem Gelnde zurckkehren und dann in der Bahn noch an ungeliebten bungen arbeiten, bis wir oder unser Pferd schlecht drauf sind, dann macht das Reiten auf einmal keinen Spa mehr.
Viele von uns sollten sich Gedanken machen, warum wir eigentlich ein Pferd haben. Weniger als 1% von uns verdient mit Pferden seinen Lebensunterhalt. Fr die meisten ist das Pferd in erster Linie ein Freizeitpartner, etwa zum Spazieren reiten, und wir sollten den Umgang mit ihm genieen knnen. Wenn wir Grnde erfinden mssen, um es nicht zu reiten, dann hat es nicht die Funktion, die es eigentlich haben soll - und wir sollten es verkaufen und uns ein Buch ber Pferde besorgen; das ist billiger.
Wir sprechen von Zielen, weil sie uns eine Perspektive bieten und weil sie uns die Besttigung geben, etwas erreichen zu knnen. Ziele bewahren uns davor, uns und unser Pferd zu kritisch zu betrachten. Erreichte Ziele zeigen uns, dass wir uns verbessert haben - das sollte reichen, um Frustrationen zu vermeiden. Wenn wir keinen Fortschritt sehen, ist irgend etwas nicht in Ordnung.
Eine Zielsetzung hilft auch dabei, einen Startpunkt festzulegen. Definieren wir Start und Ziel, muss eine Strecke dazwischen liegen. Wir knnen schlielich nicht am Ziel starten.
Wenn der Startpunkt klar ist, zerlegen wir die Strecke bis zum Ziel in kleine Einzelschritte. Whrend wir diese Schritte festlegen, sollten wir uns immer wieder fragen: Wie kann ich diesen Schritt einfacher fr das Pferd machen? Im Zuge der Trainingseinheiten in diesen Ausfhrungen werden wir unsere Ziele immer wieder in kleinere Teilziele unterteilen.
Motivation
In Verbindung mit dem Lernprozess darf auch die Motivation nicht auer Acht gelassen werden. Motivation ist die Basis fr jede Art von Lernen, fr jede Vernderung.
Alles beginnt mit Motivation. Sie gibt euch Grund zu Vernderungen. Der Grund fr eine Vernderung beinhaltet schon die Vernderung - und wenn die erreicht ist, habt ihr gelernt. Wenn ihr niemals im Leben ein Haus gebaut habt und ich setze euch auf einen einsamen Berg aus und sage zu euch "Baut eins!", werdet ihr vielleicht sagen "Der spinnt - ich habe doch keine Ahnung vom Hausbauen.".
Wenn ich euch aber auf den Berg bringe und sage "Ihr wollt sicher ein Haus bauen, bevor der erste Schnee fllt, denn vor dem Frhling werdet ihr nicht wieder herunterkommen", dann wette ich, dass ihr ganz schnell Baumaterial zusammentragen werdet, um euch eine Schutzhtte zu bauen - auch wenn ihr keine Ahnung vom Hausbau habt. Das nenne ich Motivation.
Auch das Pferd muss motiviert werden zu lernen.
Der Zeitplan frs Training
Wir mssen uns darber im Klaren sein, dass Training Zeit braucht. Eine gute Ausbildung erfordert konsequentes Reiten ber Jahre hinweg. Um ein sicheres Arbeitspferd zu bekommen, trittsicher, zuverlssig und gehorsam, das mit euch durch dick und dnn geht, braucht ihr viele Stunden Training und msst euer Pferd den unterschiedlichsten Situationen aussetzen. Wenn ihr bei der Ausbildung inkonsequent seid, braucht ihr doppelt so lange, um die gewnschten Resultate zu erzielen.
Dasselbe gilt fr ein Freizeitpferd. Um ein Pferd auszubilden, welches sich verladen lsst, in allen Situationen ruhig bleibt, sicher bergauf und bergab zu reiten ist, durchs Wasser geht usw., msst ihr viele Stunden im Sattel verbringen.
Viele Leute setzen unrealistische Zeitplne fr sich und ihr Pferd fest. Und wenn sie diese nicht erfllen, fhlen sie sich unfhig als Trainer. Wenn wir Probleme schnell lsen wollen, arbeiten wir oft zu hektisch. Wenn wir uns dabei aufregen und Druck auf unser Pferd ausben, beschrnken wir uns damit selbst und erreichen unter Umstnden nur, dass das Pferd unerwnschte Verhaltensformen entwickelt. Wir mssen uns entspannen und uns die ntige Zeit nehmen - die meisten Probleme brauchen nicht an einem Tag gelst zu werden und auch nicht in einer Woche.
Es geht nicht darum, wie viel Zeit ihr mit eurem Pferd verbringt - es geht darum, was ihr ihm in der zur Verfgung stehenden Zeit beibringt. Ein Monat ist eine lange Zeit, wenn ihr jeden Tag trainiert. Manche Pferde machen an einem Tag einen Riesenfortschritt - z.B. im Rckwrtsrichten oder in der Zirkelarbeit. Ihr habt dabei nur wenig Zeit mit dem Pferd verbracht, aber eine Menge erreicht.
Pferde haben, wie Menschen, ein unterschiedliches Lerntempo. Manche Pferde brauchen mehr, andere weniger Zeit. Bestimmte Techniken knnen mit guten Resultaten ber mehrere Trainingsabschnitte verteilt gelehrt werden oder auch ber mehrere Tage oder Wochen hinweg.
Auch die folgende meiner drei grundstzlichen Trainingsregeln wirkt sich auf die Ausbildungsdauer aus: Immer wenn ihr denkt, dass ihr oder euer Pferd sich bei einem Trainingsabschnitt verletzen knnte, geht einen Schritt zurck.
In jedem Abschnitt des Trainings ist Abwechslung wichtig. Je mehr ihr innerhalb der normalen Trainingsstunde variieren knnt, umso frischer und interessierter wird euer Pferd sein. Wenn ihr dem Pferd zu viele Wiederholungen immer derselben Lektion zumutet, kann zweierlei passieren:
1. Das Pferd wird beginnen, Fehler zu machen - welche uns irritieren und dazu bringen, das Pferd auch wieder zu verunsichern. Das fhrt schlielich dazu, dass seine Leistungen immer schlechter werden.
2. Das Pferd stumpft ab.
Bringt also Abwechslung in die Arbeit. Wenn ihr ein Reining-Pferd eine Weile in Spins und Roll Backs gearbeitet habt, dann reitet es eine Runde ins Gelnde und kehrt spter in die Bahn zurck, um ein wenig an den Zirkeln zu arbeiten.
Der spte Nachmittag und der Abend sind keine guten Trainingszeiten. Es sind vielmehr die Ruhephasen des Pferdes.
Es wird immer wieder Trainingsabschnitte geben, bei denen sich das Pferd aufregt. Das sollte aber nicht lnger als ein paar Minuten dauern. Das Pferd kmpft dann darum zu verstehen, was wir von ihm wollen - oder es kmpft gegen die Lektion selbst. Dieser Stress sollte allerdings immer nur kurzfristig sein; danach solltet ihr eine deutliche Verbesserung im Verhalten des Pferdes beobachten knnen - es muss sich beruhigen und entspannen. Kurz nachdem es sich richtig aufgeregt hat, sollte es die bung, welche die ganze Aufregung ausgelst hat, besser bewltigen. Wenn dieser Lernprozess nicht eintritt, ist das Pferd berfordert - geht zurck zu dem Punkt, an dem es noch einfach fr das Pferd war, richtig zu reagieren und beginnt von dort aus neu.
Das Reiten im Gelnde ist ein wichtiger Bestandteil des Trainings. Sobald es geritten werden kann, ist das offene Gelnde die wertvollste Trainingsarena, die wir haben. Erstens kann das Pferd schnell unwillig und trge werden, wenn es nur in der Reithalle gearbeitet wird, und zweitens gibt es genug Pferde, die auch nach jahrelangem Training auf dem umzunten Reitplatz drauen ziemlich unsicher sind. Gelegenheiten fr Outdoor-Lektionen gibt es genug. Vergesst also diesen wichtigen Aspekt nicht.
Und zu guter Letzt: Lasst euch nicht entmutigen. Die meisten Leute sagen: "Mein Pferd und ich haben nur ein einziges Problem." Ich habe noch nie ein Pferd gesehen, das nur eines hat. Auch mein eigenes nicht. Selbst Weltmeister haben Probleme. Und ein Problem kommt selten allein, meist handelt es sich um mehrere.
Ehrlich - ich wei nicht, wann wir oder unsere Pferde aufhren zu lernen. Aber je mehr wir unsere Pferde trainieren, umso besser werden sie schlielich.
Bilder: Pferde lieben die Abwechslung: Das Training sollte sowohl am Reitplatz (Halle), als auch im Gelnde, wie hier beim Gewhnen ans Wasser, absolviert werden
Pferdepsychologie
Pferdepsychologie ist gerade stark in Mode. Die Psyche des Pferdes ist wichtig - aber sie ist nicht alles.
Das Pferd ist viel begabter, als wir oft annehmen. Ich zerbreche mir oft darber den Kopf, was es wohl gerade denkt oder wie viel es wirklich wei.
In Kalifornien gab es einmal einen Mann, der Probleme mit einem seiner Zuchthengste hatte. Er probierte alles Mgliche, um das aggressive Verhalten seines Pferdes zu bessern, bis ihm schlielich ein Freund dazu riet, es doch einmal mit einer Pferdepsychiaterin zu versuchen - der selben Frau, die Jahre zuvor auch schon mit dem berhmten Rennpferd John Henry gesprochen hatte.
Als der Mann die Frau anrief, entschuldigte diese sich, sie sei zu beschftigt, um zu ihm zu kommen. Sie fragte, ob es eine Mglichkeit gbe, mit seinem Pferd am Telefon zu sprechen. Die gab es. Er sollte nur das Handy ans Ohr des ungezogenen Pferdes halten, sodass sie mit ihm reden knne.
Der Pferdebesitzer tappte also mit dem Handy zu seinem Pferd, hielt es ihm ans Ohr - und kam sich dabei vor wie der grte Idiot. Nach einiger Zeit frage er die Frau, ob sie fertig wre.
"Nein", war die Antwort und die Frau setzte ihre Unterhaltung mit dem Pferd fort, welches, soweit der Besitzer es beurteilen konnte, nichts dazu zu sagen hatte.
Als sie schlielich fertig war, teilte die Frau dem Pferdebesitzer mit: "Sie haben zwei Hengste - den anderen mgen sie lieber und dieser hier ist eiferschtig. Er erzhlte mir, dass er Ihnen schon einen Finger abgebissen hat - ist das wahr?"
Der erschtterte Mann besttigte das. "Er sagt, dass er Ihnen auch noch einen zweiten abbeien wird, wenn sie weiter den anderen Hengst vorziehen."
Ich wei nicht, wie diese Story ausgegangen ist. Ich wei nur, dass sie an Bereiche des Pferdes rhrt, ber die ich nicht nachdenken will, von denen ich nicht einmal etwas wissen will. Wenn ein Pferdepsychiater mit meinem Hengst Zip sprechen wollte, wrde ich das ablehnen.
In der nchsten Ausgabe der WN berichtet John Lyons ber die Arbeit im Round Pen.
John Lyons Pferdetraining ohne Zwang, das System der kleinen Schritte!
Die Arbeit im Roundpen Teil I.
Bearbeitung: Heinz Langer aus Western News
2/02Der Roundpen, Round Corral oder wie immer - bei uns oft "Longierzirkel" genannt - ist ein wertvolles Hilfsmittel beim Training von Pferden. Bevor ihr im Roundpen arbeitet, solltet ihr auf jeden Fall dieses Kapitel vollstndig durchlesen, damit ihr eurem Pferd nicht schadet. Mit der Arbeit im Roundpen beginnt ihr die Aktionen eures Pferdes zu kontrollieren und schafft die Voraussetzungen fr jedes weitere Training.
Der Roundpen sollte nicht dazu benutzt werden, das Pferd zu longieren oder Konditionstraining mit ihm zu machen. Er ist ein Hilfsmittel bei der Ausbildung und sollte auch als solches benutzt werden. Wenn ihr whrend meines Trainingsprogramms mit eurem Pferd in den Roundpen gehen sollt, so wird dies bei der Erklrung des Trainingsablaufs extra erwhnt.
Ich longiere meine Pferde wenig oder gar nicht. Ich will ihnen lieber beibringen zu gehorchen, als sie abzulongieren. Der Roundpen ist auch nicht dazu da, das Pferd mde zu machen - das wird sowieso umso schwieriger, je mehr Kondition das Pferd im Laufe seiner Ausbildung bekommt. Wie auch immer - wenn ihr euch sicher fhlt, wenn ihr euer Pferd longiert, so tut es. Vom praktischen Standpunkt aus sollte sich spter sowieso jedes Pferd longieren lassen.
Der Roundpen ermglicht es uns, das Pferd unter Kontrolle zu bringen, ohne das wir mit der Longe an 500 Kilo Lebendgewicht hngen, die uns eher zum Nachteil werden knnen. Diese Lektion habe ich von meinem Hengst Zip gelernt. Er machte mir klar, dass nicht nur ich ihn am Fhrstrick hatte, sondern auch er mich. Immer wenn wir ein groes Tier einsperren, festbinden oder sonst wie beengen wollen, werden wir hchstwahrscheinlich mehr Schaden als Nutzen davon haben. Wenn wir z.B. einen Snubbing Post (stabil im Boden verankerter Pfosten mit einem Laufring am oberen Ende, der zum Anbinden oder Longieren verwendet werden kann) oder andere Objekte im Roundpen installiert haben, sind wir selbst in grerer Gefahr, als wenn nichts im Weg steht.
Die Arbeit im Roundpen soll uns die Aufmerksamkeit des Pferdes sichern, die ntig ist, um ihm berhaupt etwas beibringen zu knnen. Das Pferd kann uns im Roundpen nicht ignorieren. Es wird irgendwann eine "zuhrende" Haltung mit erhhter Aufmerksamkeit einnehmen. Wenn das Pferd zuhrt, wird das Lehren einfacher und das Pferd wird versuchen, sich mit uns zu arrangieren, wenn es merkt, dass wir es unter Kontrolle haben. Der Roundpen wird uns zudem helfen, dem Pferd eine positive Einstellung zum Lernen zu vermitteln bzw. wiederzugeben. Wenn wir es daran hindern knnen, uns und unsere Position in Frage zu stellen, wird es tun, was wir wollen.
Wenn wir das Pferd im Roundpen reiten, kann es nicht mit uns davonrennen. Wir mssen uns nicht darum kmmern, wo es hinluft, brauchen es deshalb nicht im Maul zu ziehen und knnen uns aufs eigentliche Training konzentrieren.
Tatschlich brauchen wir den Roundpen im Leben unseres Pferdes nicht allzu hufig. Nur die Basisarbeit und unsere ersten Reitversuche werden hier stattfinden.
Wir benutzen den Roundpen, bis wir sicher sind, dass uns das Pferd seine Aufmerksamkeit schenkt und bis wir denken, dass wir es kontrollieren knnen. Das wird zwischen drei und fnf Tage dauern - je nachdem, wie intensiv wir trainieren.
Fr ein Wildpferd oder eines, das noch nicht viel Menschenkontakt hatte, ist die Arbeit im Roundpen besonders wichtig, weil sie - und ich wiederhole es hier wieder - die sicherste Methode ist, die Aufmerksamkeit des Pferdes zu erhalten.
Wie alle in meinen Ausfhrungen beschriebenen Trainingsmethoden wird die Roundpen-Lektion bei allen Pferden, unabhngig von Rasse, Zuchtlinie, Geschlecht, Temperament, Gewhnung an Menschen oder vergangene Erfahrungen funktionieren. Der Roundpen ist zudem ein wertvolles Hilfsmittel, um neue Pferde auf uns einzustellen, sodass sie uns von vornherein Aufmerksamkeit entgegenbringen, statt uns zu bekmpfen oder zu ignorieren.
Wenn ein lteres Pferd schlechte Angewohnheiten hat, dann kommt das im Allgemeinen daher, dass es gelernt hat, seinen Reiter nicht ernst nehmen zu mssen und dass es wiederholt mit unerwnschtem Verhalten durchgekommen ist. Der Roundpen ist ein sicherer Platz fr den Reiter, um Vertrauen zum Pferd zu entwickeln, whrend dieses langsam seine Aufmerksamkeit auf ihn richtet. Wenn ihr vom Boden aus eine grundstzliche Bereitschaft des Pferdes, auf euch zu reagieren, erreicht habt, dann wird die Wahrscheinlichkeit sehr viel hher sein, so dass es auch in erwnschter Form reagiert, wenn ihr in den Sattel steigt.
Im ersten Kapitel (WN 5/01) haben wir ber das soziale Gefge in der Herde und die Rangfolge gesprochen. Nun machen wir uns dieses Wissen in der Roundpen-Arbeit zunutze. Es ist dabei wichtig, dass der Trainer - nach Einschtzung des Pferdes! - in der Rangordnung ber ihm steht.
Ich nenne das die "Hammer-und-Nagel-Beziehung". Immer wenn zwei Wesen, zwei Personen, zwei Tiere oder eine Person und ein Tier zusammentreffen, wird einer der Hammer sein und einer der Nagel. Der Hammer wird immer die endgltige Entscheidung treffen. Entweder habt ihr die Kontrolle oder das Pferd hat sie. Welcher von euch der Hammer ist, ist kein Geheimnis, denn sowohl ihr wisst als auch das Pferd wei es, wer das Sagen hat.
In dem Moment, in dem ihr die Kontrolle verliert, wei es das Pferd. Auf der anderen Seite habt ihr das Bewusstsein, dass ihr die Kontrolle habt, einen winzigen Moment vor eurem Pferd. So einfach ist das.
Da nun die Basis unseres Trainings die hundertprozentige Kontrolle ber das Pferd zu jeder Zeit ist, sollt ihr sicher sein, dass ihr immer der Hammer seid. Die Roundpen-Arbeit ist die sicherste Methode, diese Kontrolle zu festigen.
Die Konstruktion des Roundpen
Wenn ihr euch euren eigenen Roundpen bauen wollt, legt einen Durchmesser von 15 bis 18 Meter fest. Ich tendiere eher zu 18 Meter. Das ist klein genug, um die ein komfortables Arbeiten vom Boden aus zu ermglichen, und gro genug, um einem greren Pferd einen Galopp nicht zu unbequem zu machen. Wenn du den Durchmesser grer als 18 Meter whlst, lufst du Gefahr, die Kontrolle zu verlieren, denn das Pferd kann von einer Seite auf die andere laufen und stehen bleiben.
Wenn der Roundpen zu klein ist, dann wird das Pferd im ungnstigsten Fall versuchen, seine Stabilitt zu testen. Besonders ein wild aufgewachsenes Pferd ohne Menschenkontakt wird sich bedroht fhlen und vielleicht versuchen, durch oder ber den Zaun zu entkommen. Es ist zudem schwierig, ein Pferd in einem zu kleinen Roundpen in Bewegung zu setzen, denn es wird das Gefhl haben, nirgendwo hinzuknnen.
Erinnerst du dich an das Pi vom Mathematik-Unterricht in der Schule? Um den Umfang aus dem Durchmesser zu errechnen, multiplizieren wir den Durchmesser mit 3,14 (= pi). Das ergibt bei 15 Meter Durchmesser etwa 48 Meter und bei 18 Meter Durchmesser ca. 57 Meter.
Eine solide undurchsichtige Konstruktion aus Holz oder Metall ist gut geeignet - das Material spielt keine bedeutende Rolle, nur stabil muss es sein. Mit einer soliden Wand vor Augen wird das Pferd keine Lust bekommen, ber den Zaun zu springen oder durchzubrechen. Die Wnde sollten aufrecht und nicht geneigt sein und mindestens bis zu einer Hhe von 1,80 Meter massiv sein. Kaum ein Pferd wird versuchen, ber einen Zaun dieser Hhe zu springen.
Ein weiterer Vorteil der festen Wand liegt darin, dass der Druck auf dein Bein, sollte es einmal zwischen Wand und Pferd eingeklemmt werden, auf eine grere Flche verteilt wird. Bei dnnen Stangen als Einzumung wirkt dieser Druck punktuell und ist viel gefhrlicher. Stangen haben noch andere Nachteile: Das Pferd kann mit seinen Hufen an den Pfosten hngen bleiben oder du kannst, wenn du darauf sitzt, mit den Zehen hngen bleiben.
Der Boden des Roundpen sollte aus etwa 10 bis 15 Zentimeter hohem, losem und weichem Material bestehen. Das kann ein Gemisch aus Erde, Sand und Spnen sein. Zu feste, harte Erde kann Schden an den Beinen verursachen. Zu tiefer Sand ermdet das Pferd schnell. Auerdem werden die Sehnen zu sehr belastet und Sehnenschden knnen die Folge sein. Huft nicht zu viel Material auf dem Hufschlag an. Das Pferd sollte in schnellerer Gangart mglichst wenig ber die innere Schulter kippen, so dass es sein inneres Vorderbein nicht zu stark beansprucht.
Lektionen im Roundpen
Folgende Lektionen sollte dein Pferd im Roundpen lernen:
1. drehen, um dich anzuschauen,
2. bei dir stehen bleiben,
3. dir Aufmerksam schenken,
4. dir vertrauen,
5. ruhige Gewhnung an Sattel und Reiter,
6. Grundlagen des Ground Tying (das Pferd bleibt mit lose herabhngendem Zgel
oder Strick stehen),
7. still stehen, whrend du aufsteigst,
8. berwindung von ngsten (es ist z.B. kopfscheu oder lsst sich die Hufe
nicht aufheben),
9. Furcht einflende Objekte ansehen, statt zu flchten,
10. Koordinationsbungen ber Bodenstangen (Cavaletti),
11. berwinden von Plastikplanen und anderen Hindernissen, z.B. Brcken,
12. Entwickeln einer positiven Haltung im Hinblick auf deine Forderungen.
Wenn du keinen eigenen Roundpen hast, solltest du dich in der Gegend umsehen, um etwa fr ein paar Stunden einen mieten zu knnen. Vielleicht stellst du dein Pferd auch fr einen Monat in eine Anlage, wo ein Roundpen vorhanden ist.
Obwohl ich der Meinung bin, dass ein Roundpen eine wichtige Einrichtung ist und die Arbeit mit dem Pferd wesentlich erleichtert, braucht man ihn nicht um jeden Preis. Wenn du keinen Zugang zu einem hast, kannst du genauso gut eine Longe und deinen gesunden Menschenverstand benutzen und alle bungen, die in der Folge beschrieben werden, auch auf einem groen, freien Platz absolvieren.
Ausrstung fr den Roundpen
Mein Trainingsprogramm basiert nicht auf Equipment. Ihr braucht nicht ein Arsenal an Ausrstungsgegenstnden mit in den Roundpen zu bringen, wenn ihr euer Pferd das erste Mal dort arbeitet. Es reicht erst einmal, wenn ihr euren gesunden Menschenverstand mitbringt. Denkt daran, dass das beste Trainingswerkzeug in eurem Stall sich am Ende eures Arms befindet. Bequeme Kleidung trgt dazu bei, dass ihr euch bei der Arbeit wohlfhlt. Ein Lasso, eine Gerte oder etwas hnliches solltet ihr noch mitnehmen - ich selbst benutze ein weiches Seil von ca. 10 Meter Lnge. Die Strke des Seils richtet sich danach, was euch handlich erscheint und womit ihr gut zurechtkommt.
Am besten, ihr schtzt die Beine eures Pferdes mit Gamaschen und Sprungglocken. Diese Vorsichtsmanahmen knnen Verletzungen verhindern, sollte es doch einmal in den Zaun krachen. Ein harter Schlag gegen Knochen oder Bnder kann lebenslange Schden verursachen. Das Pferd sollte frei arbeiten - ohne Halfter oder Trense.
Der Start im Roundpen
Wir beginnen damit, das Pferd dazu aufzufordern, sich zu bewegen. In einem 18-Meter-Pen bist du immer etwa sechs Meter von deinem Pferd entfernt. Du gibst das Signal, so sanft du kannst. Fr ein Wildpferd im Roundpen mag eine erhobene Hand schon gengen, um die gewnschte Bewegung zu erreichen. Wenn du mit einem Pferd arbeitest, das schon Umgang mit Menschen hatte, musst du deiner Forderung etwas strker Nachdruck verleihen, weil es prinzipiell keine Angst vor dir hat. Eventuell wirst du dein Lasso nach dem Pferd werfen oder zumindest das Seilende gegen seine Hinterbeine klatschen mssen, bevor es sich bewegt.
In die grte Gefahr habe ich mich immer dann begeben, wenn die Pferde sich nicht bewegen wollten. Das sind auch die hrtesten Brocken im Training. Der Grund dafr ist, dass du nher an sie herangehen musst und aggressiver agieren musst. Es ist wichtig - auch beim nettesten und ruhigsten Pferd -, dass es deiner Aufforderung, sich zu bewegen, Folge leistet. Du musst ein Verhaltensmuster etablieren, welches aus deiner Frage und der erwnschten Antwort besteht. Du musst das Pferd dazu bringen, sich im Roundpen im Kreis zu bewegen.
Zwei Dinge stehen nicht zur Debatte: Du kannst das Pferd nicht davon abhalten, sich zu bewegen, und das Pferd kann sich nicht dafr entscheiden, einfach stehen zu bleiben, wann es will. Auch wenn du die Bewegung des Pferdes noch nicht stoppen kannst, so kannst du sie doch lenken. Wenn das Pferd sich bewegen will, kannst du es nicht davon abhalten. Du kannst aber die Bewegungsrichtung kontrollieren und die Gangart, und du kannst festlegen, wie lange es laufen muss und wann es anhalten darf.
Wenn das Pferd erst einmal gemerkt hat, dass du es verdammt ernst meinst mit deiner Forderung, dass es sich bewegen soll, hat es mehrere Mglichkeiten. Erstens kann es dich ber den Haufen rennen. Auch wenn die wenigsten Pferde diese Entscheidung treffen, solltest du auf diese Mglichkeit vorbereitet sein und deine Gerte oder dein Lasso bereithalten, um dir das Pferd vom Leib zu halten und ihm diese Art der Flucht mglichst unangenehm zu machen. Du musst dein Pferd unter Kontrolle halten, wie ein Schwimmer einen Ertrinkenden. Die erste Lektion fr Rettungsschwimmer ist, den Ertrinkenden so im Griff zu haben, dass er dich nicht unter Wasser ziehen kann. So ist das auch hier: Kontrolliere das Pferd, dass es dich nicht ber den Haufen rennen kann.
Eine andere Reaktion des Pferdes wre stillzustehen und dich anzustarren. Das ist wiederum nicht die richtige Entscheidung. Das Pferd darf nicht sagen: "Heute ist Freitag - ich denke nicht daran, mich zu bewegen." Wenn sich das Pferd nicht bewegt, tu, was immer dir einfllt - wirf das Lasso nach ihm oder treibe es mit der Peitsche an. Nur sieh zu, dass du es in Gang bekommst. Um es in Bewegung zu halten, fahre mit den Straktionen fort. Wenn es von alleine luft, hre auf, es zu belstigen.
Das Pferd kann schlielich vor dir davonlaufen. Wenn es sich in Bewegung setzt, hat es genau in der gewnschten Weise reagiert und wir knnen anfangen, mit ihm zu arbeiten.
Wir bringen das Pferd zum Galoppieren. In dieser Gangart strengt es sich mehr an als im Trab und wird schneller ermden. Wir lassen seinen eigenen Krper gegen es arbeiten. Wenn seine Lungen und Muskeln zu schmerzen beginnen, wird es schlielich denken: "Wie komme ich hier lebend raus?" Wenn das Pferd in Bewegung ist, richte dein Augenmerk auf seine Haltung dir gegenber. Nhert es sich mir zu schnell, finde ich das unangenehm. Ich will, dass es nur mit gehrigem Respekt nher kommt. Kommt es schnaubend heran, werde ich wieder das Lasso nach ihm werfen und ihm damit sagen: "Es gefllt mir nicht, wie du auf mich zukommst."
Wenn du befrchten musst, dass das Pferd ber den Zaun springt, hre auf, es zu forcieren. Es kann dabei schon genug sein, es nicht weiter anzutreiben und es zum Trab verlangsamen zu lassen.
In der nchsten Ausgabe der WN folgen weitere wichtige Aspekte ber die Arbeit im Roundpen.
John Lyons Pferdetraining ohne Zwang, das System der kleinen Schritte!
Die Arbeit im Roundpen Teil
2.Bearbeitung: Heinz Langer aus Western News
3/02Wichtige berlegungen
Wenn du dein Pferd im Roundpen arbeitest, musst du im Hinterkopf stets an einige Risikofaktoren denken. Einer davon ist Hitze. Wenn die Temperatur ber 30 Grad Celsius steigt, dann solltest du das bei deinen Anforderungen bercksichtigen, denn den Pferd kann dann eventuell einen Hitzschlag erleiden.
Es sind drei wichtige krperliche Komponenten, die du bei der Roundpen-Arbeit bercksichtigen solltest.
1. Die Lungen des Pferdes. Sie sind die Organe des Pferdekrpers, die als erste Schaden nehmen knnen.
2. Die Beine des Pferdes. Bedenke, dass nicht jeder Untergrund ideal ist. Tiefer Sand ermdet die Beine - vor allem die Sehnen - des Pferdes schnell. Je strapazierter die Sehnen, desto hher das Verletzungsrisiko.
Harter Boden hingegen wirkt wie ein Hammer, der mit jedem Kontakt mit dem Boden leicht die Beine staucht.
3. Der Flssigkeitsverlust. Bercksichtige sowohl die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit. Bei einer Temperatur von ber 40 Grad Celsius leistet das Pferd schon harte Arbeit, um seinen Krper auf Normaltemperatur zu halten.
Wenn das Pferd schwitzt und am ganzen Krper schaumbedeckt ist, muss dir klar sein, wie hart es arbeitet. Du kannst es nicht lange in diesem Tempo weitermachen lassen. Gib ihm alle paar Minuten die Mglichkeit Atem zu schpfen. Oder noch fter, wenn es ntig sein sollte.
Denk daran, dass ein Pferd viel Flssigkeit verlieren kann, ohne besonders auffllig zu schwitzen. Es sollte jedenfalls nie ber zwanzig Minuten schwitzen.
Aber auch wenn du nur den leisesten Verdacht hast, das Pferd knnte fr die weitere Arbeit schon zu erschpft sein, hr sofort auf. Du willst ja schlielich deinem Pferd keinen Schaden zufgen.
Das sind jedoch nur generelle Richtlinien - wenn du im Zweifel bist, frage lieber deinen Tierarzt.
Wenn du im Roundpen arbeitest, lass niemals eine andere Person deine Arbeit weiterfhren - egal, wie mde du bist. Wenn du ausruhen willst, so lasse auch dein Pferd ausruhen. Wenn jemand anderer mit dem Pferd weiterarbeitet, hast du kein Gefhl mehr fr die Verfassung deines Pferdes und setzt es bei hohen Temperaturen zudem der Gefahr eines Hitzschlags aus. Denk daran, wenn du zu mde bist, um weiterzumachen, ist es das Pferd auch.
Es gibt keine genaue Regel, wie lange du arbeiten kannst, ohne dein Pferd zu gefhrden. Wenn du die Arbeit vielleicht eine Stunde problemlos durchhltst, kannst du den Lungen deines Pferdes bereits betrchtlichen Schaden zufgen, wenn du es untrainiert eine Stunde arbeiten lsst. Du musst ihm immer wieder Verschnaufpausen lassen. Also noch einmal: Schade deinem Pferd nie bei der Arbeit im Roundpen!
Wie ich das Pferd motiviere
Wir mssen das Pferd motivieren, um es dazu zu bringen, seine Einstellung zu ndern.
Je strker die Motivation, desto schneller erreichen wir eine Vernderung. Zudem gilt: Je natrlicher die Motivation ist, desto leichter und dauerhafter erhalten wir die erwnschte Reaktion des Pferdes.
Es wre schn, wenn wir nur mit Futter und Lob das Pferd dazu bringen knnten, in allen Situationen das zu tun, was wir gerne mchten - nur, so ist es meistens leider nicht. Dem Pferd die Angst vor uns zu nehmen, reicht ebenfalls oft nicht aus. Auch wenn diese Art der Motivation eine groe Rolle im Training spielen kann (und es auch tut), wird sie nicht zum endgltigen, von uns gewnschten Resultat fhren.
Was wir wollen, ist eine Vernderung im Denkmuster des Pferdes, die eine Verhaltensnderung mit sich bringt. Motivation fhrt unmittelbar zu einer Vernderung. Um das Pferd zu einer Vernderung zu motivieren, benutzen wir seine Lungen und Muskeln. Wenn das Pferd trabt, arbeiten seine Muskeln - wenn es galoppiert, arbeiten sie schwerer.
Zuerst luft das Pferd von uns davon. Es denkt: "Wie um alles in der Welt komme ich hier raus?" Dann merkt es, dass wir spezielle Wnsche hinsichtlich der Richtung haben, in die es laufen soll. Whrend es nun im Kreis rennt, fangen seine Lungen an, Signale an sein Gehirn zu senden. Sie fordern das Gehirn auf, sich etwas auszudenken, was ihnen, den stark beanspruchten Lungen, Erleichterung verschafft. Das gibt dem Pferd einen Grund, sein Verhalten zu ndern, denn das, was es gerade tut, ist nicht dazu geeignet, seine Lungen - oder auch seine Muskeln - zu "erlsen".
Nun beginnt sein Gehirn, nach anderen Mglichkeiten zu suchen. Kann es sich der Prozedur entziehen, indem es die Richtung wechselt? Darf es anhalten? Kann es ber den Zaun oder unter dem Zaun hindurch entkommen? Kann es seinen Peiniger treten oder angreifen?
Das Pferd hat zahllose Mglichkeiten, nicht nur zwei - und es ist wichtig, dass wir das in unserem Trainingsprogramm bercksichtigen. Wir tendieren dazu, zu denken, dass unser Pferd nur nach rechts kann, wenn wir am rechten Zgel ziehen. In Wahrheit hat es jedoch einige Optionen: Es kann steigen, sich hinlegen, rckwrts gehen, vorwrts gehen, sich hinfallen lassen, sich in jede Richtung drehen usw. Nach rechts abzuwenden, ist also durchaus nicht seine einzige Alternative. In den Trainingsabschnitten im Roundpen ist das nicht anders.
Wenn du das Pferd im Kreis laufen lsst, beginnst du damit ihm beizubringen, was du eigentlich von ihm willst. Es wird schnell begreifen, dass es immer dann, wenn es uns anschaut, nicht weiterlaufen, d.h. nicht arbeiten muss. So findet es Erleichterung - seine Lungen besttigen ihm die Richtigkeit seiner Entscheidung.
Wir "bedienen" uns also der Lungen des Pferdes, um es auer Atem zu bringen. Weil wir dem Pferd natrlich keinen Schaden zufgen wollen, mssen wir vorsichtig und bedchtig vorgehen. Wenn die Lungen des Pferdes schmerzen, wird sich seine Haltung verndern. Beachte jedoch den Unterschied: Wenn die Lungen schmerzen, heit nicht, wenn das Pferd mde wird.
Versteht das ganze nicht falsch. Schmerz hat verschiedene Erscheinungsformen und das, wovon wir hier sprechen, ist fr das Pferd sehr viel weniger schmerzhaft, als viele andere Trainingsprozeduren. Der Schmerz, von dem wir hier reden, ist der gleiche, den wir empfinden, wenn wir laufen und auer Atem kommen. Doch diese Art von Schmerz ist dem Pferd Anlass (oder Motivation) genug, um seine Einstellung uns gegenber zu ndern.
Wenn das passiert ist, wird der Lernprozess fr beide einfacher.
Wenn das Pferd recht bequem mit einem Tempo von rund 15 km/h im Roundpen luft, sollten wir sein Tempo auf gut 20 km/h erhhen. Es ist wichtig, dass wir sein Tempo kontrollieren knnen und dass das Pferd dies auch tut.
Whrend dieses Prozesses beginnen wir, ein groes Tier zu kontrollieren, ohne es jemals angefasst zu haben. Dem Pferd und dem Trainer wird dies gleichzeitig klar. Aufgrund dieses Lernprozesses gibt das Pferd schlielich mehr und mehr Kontrolle an uns als Trainer ab - wir steigen immer hher in der Rangordnung. Genauso wie es einem ranghheren Pferd in der Wildnis die ntige Aufmerksamkeit schenkt, so wird es dies auch bei uns tun.
Diese Lektionen werden sich umso strker einprgen, als das Pferd sie Schritt fr Schritt gelernt hat. Und sie sitzen sicherer und lnger, weil das Pferd selbst auf die richtige Lsung gekommen ist.
Die Bewegungen des Pferdes kontrollieren
Jetzt werden wir uns das nchste Ziel setzen, nmlich die Bewegungen des Pferdes zu kontrollieren. Wir werden von ihm ganz bestimmte Bewegungen verlangen und nicht mehr erlauben, dass es ziellos im Roundpen herumwandert.
Es ist in jeder Phase des Trainings wichtig, dass wir keine Schritte berspringen - in der Phase der Bewegungskontrolle ist es jedoch besonders wichtig. Wir werden das Pferd Schritt fr Schritt durch ein Trainingsprogramm fhren, welches ihm klarmacht, dass wir immer die Kontrolle haben. Das ist die bedeutendste Lektion in unserem gesamten Programm.
Wir beginnen mit der einfachsten Sache der Welt: der Kontrolle der Bewegungsrichtung. Die eigentliche Richtung - links oder rechts - ist nicht von Bedeutung. Links nehmen wir hier nur als Beispiel. Wichtig ist allein, dass das Pferd in die Richtung luft, die ihr haben wollt, denn das festigt beim Pferd das Bewusstsein, dass ihr die Kontrolle habt.
Das Pferd hat sich entschieden zu laufen - aber wir haben die Richtung bestimmt, in die es laufen wird. Zuerst luft es aus Angst - und denkt, es htte die Kontrolle, weil es davonluft. Zu diesem Zeitpunkt kann das Pferd seine Aufmerksamkeit durchaus noch auf verschiedene Dinge richten und es wird vielleicht nach auen, von uns weg blicken. Wir lassen es etwa vier Runden in eine Richtung laufen, bevor wir entscheiden, dass es nun Zeit fr einen Richtungswechsel ist.
Um die Richtung des Pferdes zu wechseln, gehst du vom Pferd weg, auf die andere Seite des Roundpen. Wenn sich das Pferd dir auf seinem Rundkurs nhert, bewegst du dich deutlich und schnell auf das Pferd zu - fast bis zum Zaun. Das lsst dem Pferd wieder einige Mglichkeiten: Es kann dich berrennen, es kann anhalten und dich anschauen oder es macht kehrt und luft in die andere Richtung.
Wenn du merkst, dass das Pferd dich ber den Haufen rennen wird, mach lieber einen Schritt zur Seite und lass es vorbei. Wenn es dann auf der nchsten Runde wieder vorbeikommt, wird es eher die Richtung wechseln, als es auf eine Konfrontation mit dir ankommen zu lassen. Mit der Zeit wird die Kommunikation zwischen dir und deinem Pferd besser und die richtigen Reaktionen des Pferdes kommen rascher. Seine "Umsetzungsgeschwindigkeit" wird schneller - also die Zeit zwischen deiner Forderung und seiner Reaktion.
Wenn das Pferd zwar reagiert, aber nur den halben Zirkel abschneidet und auf der gleichen Hand bleibt (in unserem Fall auf der linken), dreh um, so dass du wieder hinter das Pferd kommst, lass es noch eine Runde links weiterlaufen und versuche es nochmals mit der Wendung nach rechts.
Die Richtungsnderungen sind auch hilfreich, wenn ein Pferd hypernervs im Roundpen herumstrmt. Whrend du es stoppst und wenden lsst, gibst du ihm gleichzeitig eine Chance, kurz zu Atem zu kommen.
Das nchste Teilziel wird sein, das Pferd erneut die Richtung wechseln zu lassen. Wir gehen davon aus, dass das Pferd sich nun auf der rechten Hand befindet. Wir lassen es wiederum vier Runden laufen, bevor wir es zu einer Wendung auffordern. Wenn das Pferd aber schon nach drei Runden rechtsherum von sich aus - ohne Aufforderung unsererseits - die Richtung nach links wechseln will, dann werden wir das, so schnell es uns mglich ist, korrigieren und es noch ein paar Runden rechts weiterlaufen lassen. Dann erst werden wir es zu einer Wendung nach links auffordern.
Das Pferd beginnt nun zu begreifen, dass es nicht nur von uns davonluft, sondern dass wir es auch treiben. Das ndert die Dinge ganz schnell. Das Pferd sagt sich nun: "Hoppla, der Typ jagt mich ja."
In der dritten Runde sagt es sich schlielich: "Okay - ich laufe weg und du treibst mich. Kann ich wenigstens meine Richtung frei whlen?"
Wenn das Pferd die Richtung ohne Aufforderung wechselt, beeile dich, es in die Richtung zu bugsieren, die du haben willst. Damit sagst du ihm Folgendes: "Pass auf - ich habe dir das nicht erlaubt! Ich bin es, der die Richtung festlegt - nicht du."
Damit antwortest du auf seine Frage. Und damit beginnt dein Dialog mit dem Pferd.
Es ist wichtig, dem Pferd genug Zeit zu geben herauszufinden, was wir von ihm erwarten. Es ist nmlich ein gravierender Unterschied, ob wir das Pferd irgendwie dazu bekommen, dass es das tut, was wir wollen, oder ob es selbstndig lernen kann, wie es mit unseren Forderungen umgehen soll.
Wir setzen nun die Richtungswechsel eine Weile fort - so lange, bis wir eine zuverlssige Reaktion von ihm bekommen: Es wendet immer dann, wenn wir es dazu auffordern. Denkt aber daran: Es geht nicht darum, das Pferd zu jagen, sondern darum, seine Bewegung zu kontrollieren.
Jetzt knnen wir auf ein weiteres Teilziel hinarbeiten. Wir werden etwas spezifischer in unseren Forderungen; wir verlangen von ihm den Richtungswechsel immer an einer bestimmten Stelle. Dazu suchen wir uns im Geiste einen Pfosten aus, um auszuprobieren, wie nahe wir es mit der Nase an diesen Pfosten heranbringen, wenn wir den Richtungswechsel fordern.
Wir machen dazu nichts anderes als vorher - nur dass wir fr uns selbst einen Punkt fr den Wechsel festlegen. Wenn das Pferd zu frh wendet, sagt es uns, dass wir es zu frh aufgefordert haben. Wenn es erst 5 Meter hinter dem Pfosten die Richtung wechselt, dann ist klar, dass wir es zu spt danach gefragt haben. Durch das Festlegen eines bestimmten Wendepunktes knnen wir testen, wie gut unser Pferd und wir uns verstehen.
Um unser Timing zu korrigieren, kann es sein, dass wir nher an den Pfosten heran oder weiter entfernt bleiben mssen, wenn wir unser Pferd zum Wenden auffordern.
Wenn wir das Pferd so weit haben, dass es sicher an diesem Pfosten wendet, gehen wir einen Schritt weiter und fordern das Pferd nicht nur zu einer Richtungsnderung auf, sondern verlangen zustzlich, dass es sich dabei zu uns dreht. Wenn du das Pferd zu einer Wendung nach innen veranlassen willst, darfst du nicht in Richtung Pfosten gehen.
Je nher du am Pfosten bist, desto weniger Raum hat das Pferd nach innen zu wenden. Indem du von dem Pfosten weggehst, lsst du dem Pferd gengend Platz, um seine Wendung nach innen auszufhren. Andererseits sollst du in direkter Linie auf den Pfosten zugehen, wenn du das Pferd zu einer Wendung nach auen veranlassen willst.
Nehmen wir also an, dass du einen Pfosten ausgewhlt hast, an dem es nach innen wenden soll. Stattdessen wendet es aber nach auen. Wenn das passiert, veranlassen wir es so schnell wie mglich, wieder in die ursprngliche Richtung zu drehen.
Damit setzen wir den Dialog fort. Das Pferd fragt: "Ist es das, was du von mir willst?" Und wir antworten durch unsere Reaktion: "Nein - das war es nicht."
Wenn es wieder nach links gedreht hat, lassen wir es zwei Runden laufen, whlen erneut unseren Pfosten und starten einen neuen Versuch. Stoppen wir es wieder mglichst schnell, wenn es nach auen wendet, und schicken wir es zurck in die Richtung, in die es vor dem missglckten Manver lief. Je schneller wir es wieder zum Richtungswechsel veranlassen, desto schneller antworten wir ihm. Das Pferd wird verstehen, was es tun soll, wenn wir deutlicher werden. Je klarer wir mit ihm kommunizieren, desto mehr wird es verstehen. Wenn das Pferd das erste Mal nach auen auf die rechte Hand dreht (statt die Wendung nach innen auszufhren), lassen wir es eine ganze Runde laufen, bevor wir es wieder beim Pfosten stoppen, bei der zweiten falschen Wendung nur noch eine halbe Runde. Fahren wir fort, es nach einer halben Runde zu stoppen, wenn es weiter nach auen wendet. Verlangen wir weiterhin einen Richtungswechsel nach innen und nach ein paar Minuten wird das Pferd schlielich nach innen wenden.
Um es noch einmal zu wiederholen: Unser Teilziel ist, dass das Pferd nach innen wendet und auf der rechten Hand weiterluft. Sobald es ansetzt, die Wendung nach innen auszufhren, gehen wir zurck und geben ihm gengend Raum, seine Wendung zu Ende zu bringen, bevor es auf der rechten Hand wieder auen herumluft.
Achtet darauf, diese bung auf jeder Hand gleich oft zu trainieren. Ihr braucht nicht unbedingt die Lektion erst auf einer Hand zu perfektionieren, doch es ist einfacher, wenn ihr das tut.
Je sicherer ihr das Pferd dazu veranlassen knnt, sich zu euch zu drehen, desto mehr Kontrolle habt ihr. Vergewissert euch, dass euer Pferd diese Lektion verstanden hat, dann darauf bauen die nchsten Lektionen dieses Trainingsprogramms auf - jeder Schritt ist die Grundlage des nchsten.
Wir sind nun so weit, dass wir das Pferd nach rechts und links wenden und es veranlassen knnen, sich zu uns zu drehen - und haben es noch immer nicht berhrt. Es ist noch nicht halfterfhrig - trotzdem knnen wir es schon ganz gut kontrollieren.
Unser nchstes Teilziel wird sein, das Pferd dazu zu bringen anzuhalten. Uns muss bewusst sein, dass es fr das Pferd viel anstrengender ist, die Richtung zu wechseln, als immer weiter vorwrts zu laufen. Beim Richtungswechsel muss es zuerst stoppen und dann in die andere Richtung wieder starten. Der Stopp, den das Pferd dabei ausfhrt, dauert zwar nur den Bruchteil einer Sekunde - aber wir haben an dieser Stelle einen Stopp. Wir mssen also nur weiterentwickeln, was wir an dieser Stelle bereits erhalten haben, und bekommen dann vielleicht einen Stopp von einer Sekunde, schlielich fr zwei oder drei Sekunden. Je fter wir das Pferd die Richtung wechseln lassen, desto eher wird es geneigt sein, eine lngere Pause einzulegen. Immer wenn es die Richtung wechselt und stoppt, geht ihr einen Schritt zurck und lasst es in Ruhe - egal in welche Richtung es dann gerade schaut. Dabei lernt es, dass es in Ordnung ist zu stoppen. Denkt daran: Wir sind nicht daran interessiert, das Pferd zu ermden - wir wollen es nur kontrollieren.
Wir bekommen nun eine antrainierte Antwort vom Pferd - das ist der Kern unseres Trainingsprogramms. Wenn wir eine (wenn auch kurze) Pause konsequent abrufen knnen, bauen wir darauf auf, indem wir das Pferd dazu bringen, beim Stopp lnger und lnger stehen zu bleiben.
Unser nchstes Teilziel wird sein, das Pferd zu einem Stopp zu veranlassen, bei dem es den Kopf nicht mehr zum Zaun hin dreht. Solange es immer wieder nach auen schaut, denkt es daran den Schauplatz zu verlassen. Wenn das Pferd nach innen blickt oder zumindest geradeaus, dann schenkt es dem Trainer seine Aufmerksamkeit. Solange es den Kopf nach auen ber den Zaun hngen lsst, braucht ihr euch darber aber noch keine Gedanken zu machen.
Noch einmal: Eine unserer obersten Trainingsregeln ist, das Pferd in Bewegung zu setzen. Wenn wir von ihm verlangen, nach innen zu schauen, dann fordern wir es auf, den Hals und den Kopf nach innen zu drehen. Um diese Bewegung zu erhalten, machen wir ein lautes schnalzendes Gerusch. Diese akustische Hilfe werden wir in Zukunft immer dann geben, wenn wir Bewegung wollen. Wenn wir schnalzen und das Pferd bewegt den Kopf nicht zu uns, dann tun wir, was immer ntig ist, um irgendeine Bewegung von ihm zu erhalten. Wir knnen uns auf die Schenkel klopfen, mit den Armen fuchteln oder sonst etwas tun, was das Pferd erschrecken knnte. Durch diesen Reiz wir das Pferd unter Umstnden losrennen. Wenn es das tut, dann macht ihm noch ein wenig mehr Druck und sagt ihm damit: "Wenn du schon nicht aufpasst, dann trabe geflligst." Dann stoppen wir es wieder, so schnell wir knnen, und versuchen es erneut. Lasst es eine viertel Runde laufen - wenn ihr dann wieder nicht in der Lage seid, seinen Kopf nach innen zu bekommen, dann bewegt ihr erneut seinen ganzen Krper, bevor ihr wieder von vorn beginnt.
Wiederholt die Prozedur so lange, bis ihr erreicht, dass es seinen Kopf nach innen wendet, wenn ihr schnalzt. Immer wenn das Pferd nach innen schaut, geht ihr einen Schritt zurck und verhaltet euch ruhig. Steht einfach still. Ihr knnt auch mit Stimmhilfen arbeiten - lobt es.
Zur Wiederholung: Ihr kommuniziert mit eurem Pferd - mit eurem Verhalten und eurer Stimme sagt ihr ihm, dass es richtig war, was es getan hat.
Wenn wir die richtigen Reaktionen bekommen, knnen wir darangehen, sie zu verbessern.
Eine Verbesserung bedeutet, die erwnschten Reaktionen ber immer lngere Zeitrume hinweg zu bekommen. Immer wenn das Pferd nach auen schaut, dann geben wir ihm ein Signal (wie das schnalzende Gerusch), um seinen Kopf und seine Aufmerksamkeit zurck zu uns zu bringen.
Wenn wir es immer schaffen, das Pferd mit dem Kopf nach innen zu stoppen, knnen wir den nchsten Schritt in Angriff nehmen.
Das Teilziel wird sein, das Pferd dazu zu bringen, stillzustehen und uns anzuschauen.
Um das zu erreichen, wollen wir es dem Pferd mglichst einfach machen. Wenn es - mit der Nase nach innen - steht, bewegen wir uns auf seine Vorhand zu und bleiben in etwa 3 bis 6 Meter Entfernung stehen - je nachdem, mit welcher Distanz das Pferd sich wohler fhlt. Dann versuchen wir, die Zeitspanne, in der uns das Pferd anschaut, immer lnger auszudehnen. Wie lange wir dort stehen bleiben, hngt vom Pferd ab. Das Wichtige an dieser Lektion ist, dass das Pferd uns anschaut, wenn wir es dazu auffordern.
Es kann vorkommen, dass das Pferd nach Erlernen dieser Lektion denkt, es msse immer stoppen und uns anschauen. Wenn wir es von uns wegschicken wollen und es uns stattdessen anschaut, knnen wir die ersten Lektionen in diesem Kapitel wieder anwenden (das Pferd in Bewegung setzen), um es fortzuschicken.
Es ist wichtig, dass das Pferd hundertprozentig auf unsere Forderungen reagiert, statt das zu tun, was es selbst fr richtig hlt.
John Lyons Pferdetraining ohne Zwang, das System der kleinen Schritte!
Die Arbeit im Roundpen Teil 3
Bearbeitung: Heinz Langer aus Western News 4/02
Das Pferd berhren
Unser nchstes Teilziel wird sein, sich dem Pferd zu nhern und seinen Kopf zu reiben. Wie nahe ihr dem Pferd kommen drft, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Es ist klar, dass ihr euch viel schneller einem Pferd nhern knnt, welches schon an Menschen gewhnt und halfterfhrig ist, als einem wild aufgewachsen Dreijhrigen, der noch keinen Kontakt mit Menschen hatte. Bei einem rohen Pferd kann es durchaus sein, dass ihr nicht nher als 10 Meter herankommt, bevor es Angst bekommt und wegluft.
Behaltet euer Ziel stets im Auge - es ist in diesem Fall nicht so, dass ihr das Pferd in Bewegung setzen sollt, sondern ihr sollt es dazu bringen, stehen zu bleiben. Wenn wir auf 6 Meter an das Tier herankommen knnen, ohne dass es sich bewegt, dann ist das unser Ausgangspunkt.
Whrend dieser bung drfen wir keine Gegenstnde in der Hand halten, die das Pferd in irgendeiner Weise als Bedrohung empfinden knnte. Wir werden ihm nicht die Hand entgegenstrecken, als ob wir es fttern wollten, und nicht versuchen, es zu streicheln, denn alle diese Aktionen knnten dazu fhren, dass es sich unbehaglich oder sogar bedroht fhlt.
An diesem Punkt wei das Pferd nicht, was wir von ihm wollen. Wenn wir anfangen, auf es zuzugehen und es bewegt sich von der Stelle oder macht kehrt und rennt davon, dann bleibt bei ihm doch ein leiser Zweifel bestehen, was wir denn von ihm wollten.
Wenn wir es jedoch dazu bringen knnen, 6 Meter entfernt stehen zu bleiben, und uns dann umdrehen und weggehen, dann wird das Pferd zweifellos berrascht sein und denken: Ist das alles, was er will - einfach nur nahe an mich herankommen?
Wir sind nun bei einem Abschnitt unseres Trainings angelangt, an dem wir die Reaktion bekommen, die wir wollten. Nun werden wir die Reaktion verbessern, indem wir die Bedingung wieder herstellen (die gleiche Aktion wiederholen, die zu der Reaktion gefhrt hat). Wir werden uns also wieder auf 6 Meter nhern, umdrehen und uns wieder entfernen. Wenn wir ohne Problem immer wieder auf 6 Meter herankommen knnen, ohne dass sich das Pferd bewegt, dann versuchen wir, einen Schritt nher zu kommen, sagen wir auf 5 oder 5,5 Meter, bevor wir uns wieder entfernen.
Wenn das Pferd aufgrund des nun geringeren Abstands wegluft, liegt das daran, dass es sich nicht sicher ist, was von ihm erwartet wird. Wir geben ihm dann die Mglichkeit, von allein zu stoppen, sich zu uns zu drehen und uns anzusehen. Dann knnen wir zu dem bereits akzeptierten Abstand zurckkehren und die Sequenz von - Anhalten, Umdrehen, Zurckgehen - wiederholen, bis es weniger misstrauisch wirkt. Dann versuchen wir wieder eine Annherung auf 5,5 Meter. An jedem Punkt, an dem wir das Gefhl haben, dass das Pferd im Begriff ist, die Flucht zu ergreifen, ist es besser, sich zurckzuziehen, als darauf zu warten, dass das Pferd seine Absicht in die Tat umsetzt und seinen Standort verlsst.
Auf diesem Weg erhhen wir jeweils seine innere Anspannung und Unsicherheit, wenn wir uns nhern, um dann wieder eine Entspannung zu bewirken, indem wir uns entfernen. Diese Geste stellt keine Bedrohung fr das Pferd dar und bewirkt eine nderung der Einstellung des Pferdes; es wird vielleicht denken: Inzwischen wrde es mich wirklich interessieren, was er von mir erwartet.
Wir setzen unsere Annherungsversuche mit der obigen Methode fort, bis wir nur noch einen halben Meter entfernt direkt vor dem Pferd stehen. Dreht dabei das Pferd den Kopf von uns weg, so entfernen wir uns und machen dabei das schnalzende Gerusch. Damit fordern wir das Pferd auf, seinen Kopf und damit seine Aufmerksamkeit auf uns zu richten.
Wenn ich spre, dass das Pferd nicht mehr davonlaufen will. strecke ich meine Hand aus, um es zu reiben. Nicht an der Nase, sondern zwischen den Augen. Die Nase ist sensibel - und wenn ich es dort berhre, ist die Gefahr viel grer, dass es zurckschreckt und wegluft. Ich berhre es also fr ein oder zwei Sekunden zwischen den Augen, bevor ich mich umdrehe und weggehe. Es soll wissen, dass das alles war, was ich von ihm wollte. Diesen Schritt solltet ihr einige Male wiederholen.
Denkt an die Streichelregeln, die wir im ersten Kapitel besprochen haben - keine Klapse und nicht kitzeln. Ein festes Reiben ist am besten.
Es ist wichtig, dass ihr dem Pferdekopf mit der Hand nicht folgt, wenn er sich bewegt. Wenn ihr das tut, wird das Pferd den Kopf immer weiter von euch wegbewegen - so lange, bis sich sein ganzer Krper in Bewegung setzt und ihr schlielich wieder die Rolle des Verfolgers im Roundpen innehabt. In diesem Stadium des Trainings soll das Pferd euch immer mit beiden Augen ansehen.
Nun knnen wir das Pferd schon eine Weile zwischen den Augen berhren und reiben. Das Pferd lernt, dass es umso weniger arbeiten (d.h. laufen) muss, je lnger es still steht und sich von uns den Kopf reiben lsst. Das ist eine starke Motivation fr das Pferd, bei uns stehen zu bleiben.
In der Lage zu sein, das Pferd streicheln zu knnen, hat noch einen anderen Vorteil. Wir knnen das Streicheln als Zeichen der Anerkennung benutzen. In allen Trainingsbereichen knnen wir das Lernen des Pferdes erleichtern, indem wir ihm deutlich zu verstehen geben, dass es richtig reagiert hat, statt es nur raten zu lassen. Ein Streicheln oder Reiben wird ihm sagen, dass wir erfreut sind und dass es richtig auf unsere Forderung reagiert hat.
Auch Stimmhilfen sind eine gute Sache. Manche Leute reden gern mit ihren Pferde, andere nicht. Wenn ihr mit eurem Pferd reden wollt - nur zu, es ist eine ntzliche Zusatzhilfe. Das Pferd wird sich dabei an eure Sprache gewhnen. Ich habe allerdings das Wort "Whoa" im Roundpen noch nie benutzt, denn ich konnte das Pferd noch nicht kontrollieren. Ich konnte es nicht sicher stoppen, sondern habe ihm immer nur die Mglichkeit zum Anhalten gegeben.
Das strkste Halfter der Welt
Unser letztes Teilziel in diesem Stadium des Trainings ist es, die Aufmerksamkeit des Pferdes auf uns zu fixieren - egal, wo wir sind oder wohin wir uns bewegen.
Wir gehen genauso vor wie in der Phase, in der das Pferd ber den Zaun nach auen geschaut hat.
Wir haben das Pferd gestreichelt und stehen ein paar Schritte vor seinem Kopf. Immer wenn es seinen Kopf zum Boden senkt oder von uns wegsehen will, geben wir ein Schnalzen von uns, um seine Aufmerksamkeit zurckzugewinnen. Auf diese Weise lernt es, dass es nicht arbeiten muss und dass wir es nicht belstigen, wenn es uns seinen Kopf zuwendet.
Wenn wir das Pferd so weit haben, dass es uns konstant anschaut, beginnen wir, uns in Richtung Roundpenmitte von ihm wegzubewegen. Das Pferd sollte am Zaun stehen bleiben und uns dabei die ganze Zeit anschauen. Dreht es den Kopf weg, whrend wir uns von ihm fortbewegen, so schnalzen wir und geben ihm damit das Signal, seinen Kopf und seine Aufmerksamkeit - wieder auf uns zu richten.
Schlielich sollten wir in der Lage sein, etwa in Hhe seiner Hfte, 3 bis 5 Meter entfernt zu stehen und das Pferd dazu zu bringen, seinen Hals nach hinten zu biegen und uns eine immer lnger werdende Zeitspanne anzusehen.
Wenn wir so stehen, werden die Halsmuskeln des Pferdes irgendwann ermden und es wird versuchen, die Halsbiegung ber die Schulter auszugleichen. Wenn es das tut, wird es seine Fe bewegen, sich dabei drehen und uns (wieder) anschauen. Es ist unntig, ein 500 Kilogramm schweres Pferd ganz unter Kontrolle zu bekommen - ihr braucht nur einen Teil davon zu kontrollieren. Wenn wir die Nase des Pferdes einen halben Meter weit in ein Tor hineinbekommen, stehen die Chancen ziemlich gut, dass der Rest nicht weit dahinter ist.
Die Lektionen, die das Pferd in diesem Kapitel gelernt hat, machen es sehr viel angenehmer im Umgang. Wir haben ihm beigebracht, sich immer umzudrehen und uns anzuschauen, wenn wir es dazu auffordern. Wenn wir also in seine Box kommen oder seine Koppel betreten, wird es uns nicht die Kehrseite zuwenden und verschwinden. Das ist der erste Schritt, ihm beizubringen, sich einfangen zu lassen. Er gibt uns die Mglichkeit, das Pferd so zu kontrollieren, dass wir uns nicht von hinten nhern mssen, um es einzufangen. Diese bung ist brigens die Grundlage fr das Ground Tying und fr das Stillstehen beim Satteln. Zudem festigt sie das Wissen des Pferdes, dass wir immer und berall die Kontrolle haben. Sie entwickelt seine Fhigkeit, aufmerksam zu sein und lehrt es, uns nicht zu ignorieren, wenn wir in die Box oder auf die Weide kommen. Der Roundpen ist dabei hilfreich - er wird jedoch nicht alle Probleme im Vorfeld lsen, die spter beim Reiten auftreten knnen.
Die beschriebene Methode, mit der wir das Pferd dazu bringen, uns immer anzuschauen, werden wir spter benutzen, um ngste des Pferdes zu berwinden - z.B. davor, seine Hufe aufheben zu lassen, seine Ohren ausrasieren zu lassen oder mit dem Schlauch abgespritzt zu werden.
Das Pferd geht nicht gerne schnell rckwrts. Wenn wir also z.B. Probleme haben, seine Hufe zu heben und das Pferd uns dabei weglaufen will, so wird uns das Schnalzen dabei helfen, die Aufmerksamkeit des Pferdes wiederzubekommen. Es erinnert sich an die schnalzende Stimmhilfe, wird sich drehen, um uns anzuschauen und schlielich stehen bleiben.
Wir haben damit das "strkste Halfter" samt Fhrstrick entwickelt, das man sich vorstellen kann - oder sind zumindest auf dem Weg dazu, es zu schaffen: Es handelt sich dabei um die volle Aufmerksamkeit des Pferdes und seine krperliche und geistige Zuwendung zum Menschen.
8 Schritte, um die Kontrolle zu erringen
Wir wollen nun die acht Teilziele wiederholen, die wir erreichen mssen, um die Kontrolle ber das Pferd zu bekommen.
1. Du kannst das Pferd dazu bringen, sich zu bewegen.
2. Du kannst die Richtung, in der es sich bewegt, kontrollieren.
3. Das Pferd wechselt auf dein Kommando die Richtung.
4. Das Pferd stoppt und bleibt stehen, wenn du es dazu aufforderst.
5. Das Pferd wendet seinen Kopf in deine Richtung.
6. Das Pferd schaut dich ber lngere Zeitrume hinweg an.
7. Das Pferd erlaubt dir, dich zu nhern.
8. Das Pferd richtet seine Aufmerksamkeit auf dich - egal, wo du dich befindest oder wohin du dich bewegst.
Ans Halfter gewhnen und fhren
Nachdem wir wissen, dass Pferde, wie Menschen, unter schiedlich schnell lernen, knnen wir die folgenden Lektionen ber mehrere Abschnitte oder auch ber mehrere Tage verteilen. Lasst euch Zeit dabei.
Dem jungen Pferd beibringen, sich fhren zu lassen
Wenn ihr mit einem jungen Fohlen arbeitet, welches noch nicht abgesetzt ist, tut das im Roundpen.
Bindet die Mutter auerhalb des Roundpen an. Auf diese Weise wird das Fohlen nicht im ganzen Roundpen herumlaufen, sondern sich in der Nhe seiner Mutter aufhalten. Wenn die Stute sich nicht anbinden lsst, fhrt sie vom Roundpen weg und bringt sie woanders unter.
Das junge Pferd soll sich wohl fhlen, wenn ihr mit ihm umgeht. Es sollte daran gewhnt werden, am ganzen Krper gestreichelt und abgerieben zu werden.
Wenn wir mit unseren Pferden arbeiten, benutzen wir keine Ketten auf der Nase, unter dem Kinn oder sonst wo am Pferd, denn diese verursachen nur zustzliche Probleme fr Mensch und Tier.
Die bungen, die wir gemacht haben, um die Kontrolle ber die Bewegungen des Pferdes zu erringen, mssen sicher sitzen, bevor wir dem Fohlen ein Halfter anlegen und mit den Lektionen zum Fhren beginnen.
Wenn ihr mit einem Pferd arbeitet, das noch wenig Umgang mit Menschen hatte, dann ist es besonders wichtig, das Aussacken, das spter erlutert wird, voranzustellen. In diesem Kapitel werden wir zwei weitere entscheidende Schritte beschreiben, die gemacht werden sollten, bevor ihr damit beginnt, das Fohlen ans Halfter zu gewhnen.
1. Ihr msst das Pferd am ganzen Krper streicheln knnen.
2. Das Pferd muss es dulden, am ganzen Krper mit einem Lasso oder Seil berhrt zu werden.
Erst wenn das Pferd bei der Berhrung mit der Hand und dem Seil vllig entspannt bleibt, ist es so weit, ans Halfter gewhnt zu werden.
Wir beginnen damit, das Fohlen ein- oder zweimal im Roundpen herumzuschicken. Wenn ihr mit einem sehr jungen Pferd arbeitet, lasst es nie mehr als drei Runden laufen, ohne es anhalten und ausruhen zu lassen. Es ist wichtig, junge Pferde nicht zu sehr zu strapazieren, denn ihre Lungen und Beine sind noch nicht so belastbar. Wie stark ihr sie fordern knnt, hngt vom Alter, der Kondition und auch vom Wetter ab: Wenn Temperatur und Luftfeuchtigkeit sehr hoch sind, knnt ihr nicht allzu lange mit dem Pferd arbeiten.
Fordert von dem Fohlen, das es euch anschaut. Lasst es im Roundpen nicht einfach nur rundum laufen, sondern lasst es auf einem kurzen Stck hin und her wenden.
Wenn ihr zum ersten Mal das Halfter anlegt, macht keine hastigen Bewegungen und versucht nicht, das Pferd schnell zu ergreifen. Das Tier soll entspannt sein, wenn wir ihm das Halfter anlegen; das ist wichtiger, als das Halfter gleich korrekt zu platzieren. Das kann bedeuten, dass das Halfter schief sitzt, schrg ber nur ein Ohr herunterhngt oder sonst wie falsch liegt. Wenn wir dann nicht die Nerven verlieren und weiterhin langsam und vorsichtig arbeiten, wird es das Fohlen hinnehmen, ohne sich zu frchten oder sich zu widersetzen.
Wenn es einmal das Halfter akzeptiert hat, bringen wir dem Fohlen bei, sich fhren zu lassen. Fr diese bung lassen wir ihm das Halfter am Kopf und benutzen zustzlich einen Jutesack. Es gibt mehrere Grnde, den Jutesack zu verwenden. Wenn wir ein Lasso um den Fohlenkrper schlingen, knnte das zu Hautabschrfungen fhren. Zudem mchten wir den Zug, den wir mit dem Fhrseil ausben, mglichst groflchig auf dem Pferdehals verteilen. Bei lteren Pferden kann es auch manchmal ntig sein, etwas strker zu ziehen; wenn ihr dazu ein Halfter oder eine Leine benutzt, kann es passieren, dass sich das Pferd am Kopf wundscheuert und deswegen berempfindlich reagiert.
Jeder Schmerz, der dem Fohlen whrend des Trainings zugefgt wird, verlangsamt jedoch den Lernprozess, denn er lenkt das Pferd von dem ab, was es lernen soll, und richtet seine Aufmerksamkeit auf die Stelle des Schmerzes. Der Jutesack vermindert den Schmerz und die Angst - das Pferd lernt deswegen schneller - und wir kommen eher zu den gewnschten Ergebnissen.
Nehmt den Sack und faltet ihn lngs auf ein Drittel. Schneidet ein paar Zentimeter unter dem oberen Ende ein Loch in den Sack, steckt ein Seil hindurch und macht einen festen Knoten, damit sich das Seil nicht lst.
Legt den Sack auf den Hals des Pferdes - etwa eine Handbreit hinter seinem Kopf. Der feste Knoten des Seils sollte so nah wie mglich an der Kehle des Pferdes sein. Ich mache zwei doppelte halbe Schlingen in das Seil - so dass das vordere Ende des Seils in Richtung der Ohren des Pferdes zeigt.
Ich ziehe das nicht zusammengebundene Ende des Sacks durch diese Schlinge, sodass der Sack dem Fohlen bequem um den Hals liegt. Dann lege ich zwei weitere halbe Schlingen um den Sack herum. Diesmal ziehe ich den Knoten fest, um zu verhindern, dass er sich um den Hals des Pferde zuzieht.
Wenn wir mit dieser bung bei einem Fohlen beginnen, das noch nie ein Seil oder eine andere Beschrnkung kennen gelernt hat, dann werden wir nicht sofort fordern, dass es sich zu uns dreht und uns anschaut - wir begngen uns damit, dass es den Druck kennen lernt und ihn akzeptiert.
Wir stehen ungefhr zwei Meter entfernt neben dem Pferd - etwa auf Hhe seiner Krpermitte.
Nun beginnen wir eine Reihe von bungen, indem wir langsam am Seil ziehen und das Pferd damit auffordern, seinen Hals in die Richtung des Zuges zu biegen. Denkt daran, das Pferd bei dieser bung immer dann zu belohnen, wenn es dem Zug, den ihr ausbt, nachgibt. Es bekommt seine Belohnung dadurch, dass ihr aufhrt, den Zug auszuben und das Seil los lasst (Pull and Slack - wie spter beim Reiten). Anfangs wird sich das Fohlen euch vielleicht nicht voll zuwenden - dann belohnt trotzdem einen kurzen Blick oder ein kurzes Umwenden in eure Richtung.
Wenn es richtig reagiert, mssen wir ihm die Mglichkeit geben, seinen Hals zu entspannen und zu strecken, bevor wir erneuten Zug ausben. Wenn es sicher auf den Zug des Seils reagiert, verstrken wir den Zug, um es dazu zu veranlassen, seinen Hals noch strker zu biegen. An diesem Punkt wird das Pferd beginnen, seine Beine zu bewegen, sich umwenden und zu uns drehen. Wenn es das tut, dann nimmt es den Druck von seinem Hals weg.
Es ist wichtig, diese Lektion auf beiden Seiten des Pferdes zu ben, damit es lernt, dem Druck nach beiden Seiten nachzugeben.
Achtet darauf, seinen Kopf loszulassen, wenn es seinen Hals in eure Richtung biegt. Wenn es beginnt, seinen Hals wieder gerade zu machen (zu entspannen), strafft das Seil sofort wieder, bevor sein Hals ganz gerade ist.
Unser nchstes Teilziel wird es sein, das Pferd dazu zu bringen, dem Zug des Seils zu folgen - und nicht vom Seil gezogen zu werden. Wir beginnen mit einem losen Seil. Wenn das Fohlen sich von uns fort bewegen will, nehmen wir das Seil vorsichtig auf und lassen es in einen leichten Zug hineinlaufen. Es wird den Widerstand spren und stoppen.
Ein lngeres Seil gibt uns mehr Zeit, den Zug auf den Sack langsam zu verstrken. Zudem haben wir mit einem kurzen Seil nicht genug Zeit, um langsam und weich zu reagieren, wenn das Fohlen losrennen sollte. Bei einem Fohlen ist die Versuchung gro, es einfach mit Kraft zur Rson zu bringen und ihm zu zeigen, wer der Boss ist. Wenn ihr das tut, besteht bei einigen Fohlen die Gefahr, dass ihr ihnen wehtut. Lasst euch Zeit und behandelt den Youngster so, als ob er euch tatschlich wegziehen knnte.
Die folgenden bungen zeigen euch Schritt fr Schritt, wie ihr dem Fohlen beibringt, gefhrt zu werden. Sie sind zudem dazu geeignet, das Fhrverhalten jedes Pferdes zu verbessern.
Wir lernen dem Fohlen das Gefhrtwerden, indem wir es dazu auffordern, sich zur Seite zu bewegen - nicht vorwrts. Das bedeutet, dass wir von jeder Seite des Pferdes aus Druck ausben. Wir stehen auf der linken Seite und ziehen am Seil bis es nachgibt - dann gehen wir auf seine rechte Seite und wiederholen die Prozedur bis es den Hals biegt. Die Vorwrtsbewegung kommt erst, wenn es gelernt hat, immer nachzugeben, statt dagegen zu ziehen oder gegen den Zug zu kmpfen.
Nochmals: Es ist wichtig, das Jungpferd fr jede Tendenz, sich in unsere Richtung zu bewegen, zu belohnen - auch wenn es sich nur wenig bewegt. Lockert den Zug am Seil und lobt und streichelt das Fohlen.
Wir setzen diese bung so lange fort, bis das Fohlen auf den leichtesten Zug am Seil beginnt, seinen Krper zu drehen und uns zu folgen. Zuerst mgen es nur ein paar Schritte sein. Wenn es mehr und mehr Schritte in unsere Richtung macht, beschreiben wir schlielich einen Kreis, wenn wir uns immer weiter drehen und uns bemhen, den Zug des Seils aufrechtzuerhalten. Wenn das Pferd einen oder zwei Schritte macht, haltet das Seil nur leicht gespannt. Denkt daran: Wwir wollen immer nur so wenig Druck wie mglich ausben, um die erwnschte Reaktion zu bekommen. Fordert ein paar Schritte mehr und vergrert den Zirkel, den ihr selbst beschreibt - und schlielich bewegt sich das Pferd mit euch vorwrts.
Wenn das Fohlen nun vorwrts geht, geht ein Stck zurck und fordert es auf, vor euch zu gehen. Wenn es das tut, lasst das Fhrseil eine Weile locker, um dann wieder Druck aufzunehmen, solange, bis es reagiert und sich wieder zu euch herumdreht. Denkt daran, den Zug wegzunehmen, sobald das Pferd sich euch zuwendet. Fordert es schlielich vorsichtig auf, sich etwas schneller von euch wegzubewegen. Diese bung hilft euch, dem Pferd beizubringen, Druck/Zug am Hals (bzw. Halfter) nachzugeben statt Widerstand zu leisten.
Um zu vermeiden, dass das Pferd am Fhrseil zerrt oder sich nachziehen lsst, lasst es ein betrchtliches Stck vor euch hergehen (etwa 3 - 5 m). Das Pferd wei schon durch die absolvierten bungen im Roundpen, wann (auf welche Signale) es sich von euch fortbewegen soll. Diese Distanz wird spter reduziert, wenn es versteht, dass es sein Tempo anpassen muss, um vor euch zu bleiben, wenn ihr es von hinten treibt.
Um das Pferd in die letztendlich gewnschte Position, nmlich neben eure Schulter, zu dirigieren, stellt euch neben seine Schulter und geht auf seine Nase zu, wendet in engen Zirkeln erst nach rechts, dann nach links und bringt das Pferd dazu, um euch herumzulaufen bzw. euch auszuweichen.
Die 7 Schritte bis zu diesem Punkt sind:
1. Das Pferd hat sich an das Halfter gewhnt.
2. Das Pferd fhlt sich mit dem Jutesack um seinen Hals wohl.
3. Das Pferd hat den Zug des Fhrstricks akzeptiert.
4. Das Pferd reagiert und dreht sich zu uns, wenn es den Zug des Seils sprt.
5. Das Pferd beginnt uns zu folgen, wenn es leichten Zug am Seil sprt.
6. Das Pferd bewegt sich vor uns her, wenn wir es dazu auffordern.
7. Das Pferd lsst sich schlielich nher an unsere Schulter fhren.
Nun knnen wir darangehen, das Seil durchs Halfter zu ziehen. Der Jutesack bleibt auf dem Hals des Pferdes und das Seil wird zwischen dem Unterkiefer und dem Nasenriemen des Halfters hindurchgezogen.
Wendet nun das Fohlen in engen Zirkeln nach rechts und nach links, sodass es sich an den Druck des Halfters auf seiner Nase gewhnt. Wenn dies im Schritt gut klappt, geht ihr zum Trab ber. Wie zuvor lasst ihr das Fohlen zuerst vor euch gehen. Dann bringt es dazu, etwas nher bei euch zu traben.
Schlielich ist es Zeit, den Sack zu entfernen und nur noch mit Halfter und Fhrseil zu arbeiten. Absolviert die gleichen bungen wie vorher beschrieben. Das ist ein ausgezeichneter Einstieg in die Lektion des Fhrens.
Die bungen vom "Sich-nicht-Anfassen-Lassen" bis hin zum Traben neben uns knnen in zwei Stunden absolviert werden. Doch denkt daran, dass die Trainingszeiten bei den einzelnen Pferden stark variieren - ihr knnt euch dafr genauso gut mehrmals am Tag eine halbe Stunde Zeit nehmen oder die bung ber mehrere Tage ausweiten.
In der nchsten Folge der WN erfahrt ihr von John Lyons unter anderem, wie man dem lteren Pferd beibringt, sich korrekt fhren zu lassen!
Wissen rund ums Pferd
John Lyons Pferdetraining ohne Zwang - das System der kleinen Schritte!
Eine Serie fr jeden, der am Reiten berhaupt und am Westernreiten speziell interessiert ist
Bearbeitung: Heinz Langer
aus Western News 5/2002
Dem lteren Pferd beibringen, sich fhren zu lassen
Manchmal treffen wir auf ltere Pferde, welche schon Umgang mit Menschen hatten, denen jedoch die Grunderziehung und die Halfter- und Fhrlektionen fehlen.
Wir beginnen damit, mit diesen Pferden die im letzten Kapitel (WN 4/02) beschriebenen Lektionen durchzugehen. Dann legen wir dem Pferd das Halfter und schlielich den Jutesack an. Wenn es sich das Aufhalftern nicht gefallen lsst, ist das erst einmal ok. Dann arbeiten wir eben im Roundpen weiter daran, es nach rechts und nach links zu wenden und es aufzufordern, sich zu uns zu drehen, statt den Kopf nach auen ber den Zaun zu hngen. Irgendwann hat das Pferd die Nase voll und denkt bei sich: "Mein Gott, ich wnsche, er wrde mich stehen lassen und mir das Halfter anlegen."
Wenn das ltere Pferd schlielich das Halfter akzeptiert, gehen wir weiter vor wie beim Fohlen. Wir stellen uns an die Seite, bauen Zug am Fhrstrick auf und lassen sofort locker, wenn das Pferd uns mit dem Kopf und spter mit dem Krper folgt. Oft wird das ltere Pferd sich weigern, vorwrts zu gehen und dagegenziehen, wenn es den Zug sprt. Die Heftigkeit dieser Reaktion wird davon abhngen, wie stark sich das Pferd "gefangen" fhlt.
Wir wollen jedoch kein Tauziehen veranstalten. Das wre ein groer Fehler, denn ein Ziehkampf wrde dem Pferd nur beibringen, sich zu widersetzen und zurckzuzerren, wenn es angebunden wird. Wir mssen im Gedchtnis behalten, dass die bungen, die wir absolvieren wie Bausteine sind. Jeder Baustein ist wichtig und bildet die Basis fr den nchsten. Wenn wir dem Pferd versehentlich beigebracht haben, in irgendeinem Stadium der Ausbildung zurckzuzerren, wird sich dieser Fehler spter im Training zeigen. Oft liegen die Wurzeln eines Problems im schlechten Basistraining.
Immer wenn ein Pferd beim Fhren zurckzieht oder sich strubt, lenkt es sofort ab, indem ihr es - wie auch immer - dazu bringt, sich zu bewegen. Danach veranlasst es dazu, sich in die Richtung zu bewegen, die ihr haben wollt. Erhaltet diese Bewegung. Erlaubt es dem Pferd nicht, sich gegen euch zu sperren.
Wenn das Pferd sich weigert vorwrts zu gehen, wendet es in kleine Zirkel. Genauso wie nicht jeder Mensch in einer hnlichen Situation gleich reagiert, so wird auch nicht jedes Pferd gleich reagieren. Whrend das eine Pferd am Fhrseil sofort losluft und es uns damit leicht macht, den Zug am Seil auszuben, wird ein anderes sich vielleicht weigern, auch nur einen Schritt vorwrts zu gehen.
Unser grundlegendes Roundpen-Training lehrt das Pferd sich umzuwenden und den Trainer anzusehen. Nachdem es das gelernt hat, kann es schwieriger sein, das ltere Pferd weit genug und lange genug von uns wegzuschicken, um ihm beizubringen, seinen Hals zu biegen und dem Zug des Seils nachzugeben. Versucht mit allen Mitteln das Pferd von euch wegzutreiben - mit lauten Geruschen, mit der Longierpeitsche, mit einem Lasso oder was euch sonst noch so einfllt.
Wenn das Pferd wegluft, gebt leichten Zug auf das Seil. Wenn es den Zug sprt, kann es sein, dass es ein paar Buckler macht. Wenn das passiert, wird es hchstwahrscheinlich kurz darauf stoppen, wenden und euch anschauen. Warum tut es das? Weil es schon gelernt hat, dass es in Ruhe gelassen wird, wenn es so reagiert.
Wenn wir das Pferd in dieser Phase nicht in Bewegung setzen knnen und es stur stehen bleibt, werden wir das nchste Mal noch ein viel greres Problem haben. Halten Sie das Pferd in Bewegung, ohne am Seil zu ziehen. Denken Sie daran: Nur in Bewegung knnen Sie ihm beibringen, auf Ihre Forderungen zu reagieren.
Wenn ein Pferd sich weigert, sich mit einem Seil zu bewegen, dann entfernt das Seil und kehrt zurck zu den Trainingsabschnitten Bewegen, Wenden und sich Entfernen auf eure Signale hin. In diesem Fall gehen wir folgendermaen vor:
Wir knnen die Schnelligkeit der Reaktionen des Pferdes verbessern, indem wir es in schnellerer Gangart von uns wegschicken. Wenn es zu stark zieht, kehren wir jedoch zu einer langsameren Gangart zurck.
Danach werden wir vom Pferd verlangen, vor uns zu laufen. Es wird eventuell gegen den Zug des Seils kmpfen und versuchen uns mitzuziehen. Whrend es so im Roundpen herumluft, knnt ihr meist beobachten, wie es schlielich im Hals nachgibt und aufhrt mit dem Kopf zu schlagen. Selbst der Zug am Seil wird weniger, wenn es seinen Hals in unsere Richtung biegt. Mit einiger bung wird sich das Pferd entspannen, sich an den Zug des Seils gewhnen und ihm nachgeben.
Fhren bedeutet also nur, dass das Pferd dem Druck auf dem Halfter nachgibt. Alle unsere bungen sollen so aufgebaut sein, dass das Pferd seinen Hals biegen und dem Zug nachgeben muss.
Eine fortgeschrittene Lektion besteht darin, das Seil von der anderen Seite ber den Hals des Pferdes zu legen. Wenn ihr nun zieht, wird es dazu veranlasst, Kopf und Krper von euch wegzudrehen und so dem Zug des Seils (der von euch wegfhrt) zu folgen. Das ist schwerer frs Pferd, denn es hat sich daran gewhnt, dem Zug durch Wenden in eure Richtung zu folgen. Beginnt auf der Seite zu ziehen, auf der auch das Seil hngt, und lauft dann hinten um das Pferd herum und zieht von dort. Wenn das Pferd anfngt besser zu wenden, ist es nicht mehr ntig, auf die andere Seite zu wechseln, denn es wird in die Richtung wenden, auf der es den Zug fhlt, um euch zu folgen.
Wenn wir all diese bungen absolviert haben, wird sich das Pferd ohne groe Mhe fhren lassen.
Zurckziehen - sich nicht anbinden lassen
Die meisten von uns hatten es schon irgendwann mit einem Pferd zu tun, welches sich gegen den Anbindstrick warf und nach hinten zog. Aber selbst Pferde, die das ber Jahre hinweg getan haben, knnen lernen, sich anbinden zu lassen und dabei still zu stehen. Wir mssen diese Lektion jedoch so lehren, dass das Pferd sie versteht und dass keiner - Mensch oder Tier - dabei verletzt wird.
Definiert, wo das eigentliche Problem liegt - das ist hilfreich, wenn wir beginnen dem Pferd klarzumachen, dass wir es nicht mgen, wenn es Anbindpfosten, kleine Bume oder auch uns entwurzelt.
Wenn ein Pferd am Anbindstrick zerrt, bekmpft es den Druck und den Zug auf dem Halfter. Es spielt keine Rolle, ob der Zug davon kommt, dass wir das Pferd nach vorne ziehen, oder davon, dass das Pferd nach hinten zerrt. Fr das Pferd fhlt sich beides gleich an. Unser Ziel ist es, das Pferd dazu zu bringen, ruhig angebunden zu stehen. Es ist sinnlos, das widerstrebende Pferd einfach an einem stabilen Pfosten festzubinden, denn dann beginnen wir unsere Lektion mit dem Ziel. Wenn wir mit dieser Methode fortfahren wrden, bruchten wir nur immer stabilere Halfter und Seile und wrden nur den Widerstand des Pferdes erhhen. Wir mssen dem Pferd stattdessen beibringen, sich nicht zu widersetzen, wenn es den Druck des Halfters am Genick fhlt. Es muss lernen, diesem Druck nachzugeben.
Bevor wir diese Lektion beginnen, sollten wir alle anderen Fhrbungen fr das ltere Pferd absolviert haben. Auch wenn es sich gut fhren lsst - immer wenn es Probleme mit dem Anbinden gibt, geht die Grundsatz-Lektionen mit ihm durch. Konzentriert euch auf die ersten Lektionen im Roundpen. Wenn ihr schlielich Halfter und Fhrstrick benutzt, bt das Pferd von euch wegzuschicken und lasst es dann sich euch zuwenden.
Treibt es anschlieend vor euch her (dirigiert es von hinten). Und bt am Ende, es von der anderen Seite zu wenden, indem ihr das Seil ber seinen Rcken zieht. In all diesen Lektionen soll das Pferd darauf warten, dass wir ihm das Signal dazu geben, sich umzudrehen und uns anzusehen. Vergewissert euch, dass es zuerst im Hals nachgibt, bevor es seine Beine bewegt und sich zu euch umdreht. Whrend wir diese Lektionen absolvieren, sind wir im Prinzip ein beweglicher Pfosten, an dem das Pferd angebunden ist. Wir benutzen die gleiche Jutesack-und-Halfter-Methode, die wir auch fr das Fohlen verwenden, wenn wir die ersten Fhrbungen machen.
Als nchste bung steigert ein wenig das Tempo, bevor ihr das Pferd auffordert sich zu euch zu drehen. Ein leichter Zug sollte auch im Trab gengen, um das Pferd zu veranlassen seinen Hals zu biegen und schlielich zu entspannen, wenn es die Wendung ausfhrt.
Wenn ihr am Seil zieht, begebt euch hinter das Pferd, so dass der Zug fast direkt von hinten kommt und ihn das Pferd strker sprt. Das gibt euch die Mglichkeit, einen schnelleren und abrupteren Stopp zu bewirken. Dieser abrupte Stopp bereitet das Pferd darauf vor, was es fhlen wird, wenn es (angebunden) an einem Pfosten zerrt.
Wenn das Pferd seine Wendung ausfhrt, wird es seinen Kopf in die Richtung des Seilzugs stellen und damit anzeigen, dass es bereit ist zu wenden. Das ist gut so, denn es antizipiert damit auch den Stopp. Wenn es spter angebunden ist, wollen wir ja ebenfalls, dass es aufhrt sich zu bewegen (also stoppt).
Als nchste bung lasst das Pferd wieder dem Zug des ber seinen Rcken gelegten Seils von euch weg folgen, wie in den Fhrlektionen. Und wieder fordert ihr vom Pferd, dass es diese bung mit mehr Speed ausfhrt. Wenn das Pferd zwar stoppt, dabei aber im Hals nicht in Richtung des Zugs nachgibt, haltet den Zug auf dem Seil noch etwas aufrecht, bis es nachgibt und wendet. Macht euch keine Sorgen darber, ob ihr genug Kraft habt. Ein Zug von 5 Kilogramm wirkt genauso wie einer von 100 Kilogramm - nur langsamer. Gebt einfach nicht auf.
Ein Pferd, das nach hinten zerrt, ist aufgeregt. Das bedeutet, dass es unter Strom steht und sich spannt. Wir regen es in diesen bungen ganz bewusst auf, so dass wir es im Gegenzug dazu auffordern knnen, sich zu entspannen, whrend es den Hals biegt und dabei aufhrt zu ziehen und schlielich aufhrt sich zu bewegen. Whrend wir diese bungen absolvieren, denkt das Pferd ans Stoppen und wir denken daran, dass wir das Pferd in Bewegung setzen wollen. Wenn wir nun an den Pfosten gehen, wird das Pferd immer noch ans Stoppen denken - und genau das haben wir beabsichtigt.
Das Anbinden des Pferdes kann man auf diese Weise simulieren.
Wenn das Pferd auf den leichtesten Zug am Halfter im Hals nachgibt, dann knnen wir an den Zaun gehen. Wir werden das Angebundensein simulieren, indem wir das Seil um den Pfosten legen, wie in der Zeichnung zu sehen. Bindet das Seil nicht fest und schlingt es nicht so um den Pfosten, dass es sich festziehen knnte. Es ist wichtig, dass das Seil locker um den Pfosten liegt und leicht um ihn herumgleiten kann.
Es muss kein richtig stabiler Zaun sein - wichtig ist jedoch, dass das Pferd sich nicht daran verletzen kann, wenn es dagegen springen sollte. Macht diese bung auf keinen Fall mit Stacheldraht oder irgendeinem anderen Drahtzaun. Anfangs lasst ihr das Seil so locker, dass sich das Pferd 3 bis 5 Meter vom Zaun wegbewegen kann. Fordert es auf, ein wenig herumzulaufen. Wenn es das tut, gebt ein wenig Zug auf das Seil, so dass sich das Pferd umdreht und den Zaun ansieht.
Wenn das Pferd sich nicht umdreht und stattdessen anfngt nach hinten zu zerren, lasst das Seil los und kehrt zurck zu den Nachgebebungen ohne Zaun. Nur, wenn es diese gut ausfhrt, solltet ihr die bung wieder am Zaun probieren.
Wenn sich das Pferd zum Zaun hin umdreht, begebt euch auf seine andere Seite. Dazu msst ihr das Seil ber Kopf und Krper des Pferdes schwingen, so dass ihr auf der anderen Seite des Pfostens ziehen knnt. Wenn sich das Pferd im Seil verfngt oder Angst bekommt, lasst das Seil fallen und beginnt von neuem.
In dem Moment, in dem das Pferd zurckzieht, leget das Seil auf die Erde, lauft auf das Pferd zu und packen das Seil auf der anderen Seite des Pfostens wieder, wenn es dort durchgleitet. Haltet eure Hnde mindestens 1,5 Meter vom Zaun entfernt, whrend ihr Seil haltet. Auf diese Weise vermeidet ihr Verletzungen. Fordert das Pferd weiterhin auf, am Zaun hin und her zu gehen.
Denkt daran: Wir wollen, dass das Pferd das Ende des Seils erreicht, dort Druck fhlt und diesem Druck/Zug durch Umdrehen und Stoppen nachgibt. Fahrt fort hin und her zu gehen und zieht zuerst auf der einen Seite des Pfostens, dann auf der anderen. Wenn es diese bung besser beherrscht und schneller auf den Zug des Seils reagiert, verkrzen wir das Seil und bringen das Pferd nher an den Zaun heran.
Wiederholt diese bung mehrmals. Wenn das Pferd dem Zug des Seils durch einen Schritt vorwrts nachgibt, verkrzt ihr das Seil immer weiter, bis sich das Pferd nahe am Pfosten befindet. Erst wenn es so dicht vor dem Pfosten entspannt und ruhig steht, bindet es dort fest.
Macht einige bungsabschnitte in dieser Form - und ihr werdet einen deutlichen Unterschied im Verhalten eures Pferdes feststellen, wenn es angebunden ist oder gefhrt wird.
Fortgeschrittene Fhrlektionen
Die Fhrlektionen fr Fortgeschrittene werden die Fhreigenschaften jedes Pferdes noch einmal deutlich verbessern. Es ist absolut notwendig, dass alle vorangegangenen Lektionen hundertprozentig sitzen, bevor ihr mit diesen abschlieenden bungen beginnt. Diese Lektionen sind besonders ntzlich fr den sicheren Umgang mit Hengsten vor, whrend und nach der Decksaison. Auch Problemhengste, die fr ihr schlechtes Benehmen berchtigt sind, knnen mit diesen bungen trainiert und korrigiert werden.
Wenn ihr diese bungen absolviert, msst ihr sehr genau arbeiten.
Unsere Ziele sind:
1. Die Nase des Pferdes soll sich auf Hhe eurer rechten Schulter befinden.
2. Wenn ihr anhaltet, soll das Pferd gleichfalls stoppen und dazu zwei Schritte rckwrts gehen.
3. Wenn ihr rckwrts geht, soll auch das Pferd rckwrts gehen.
4. Wenn ihr in Richtung seines rechten Vorderbeines lauft, soll sich das Pferd um seine Hinterhand drehen.
5. Wenn ihr euch nach links dreht, soll das Pferd um euch herumlaufen ohne euch anzurempeln.
6. Wenn ihr euch umdreht, das Pferd anschaut und es dazu auffordert, seine Hinterbeine zu bewegen, soll es mit der Hinterhand ausweichen.
Wenn wir dem Pferd beibringen uns nie zu berholen, dann stehen die Chancen gut, dass es nicht davonlaufen und uns mitzerren wird. Wir mssen uns darber im Klaren sein, dass das Pferd uns immer ausweicht, wenn es gefhrt wird. Wenn es vorwrts luft, schiebt seine Hinterhand die Vorhand nach vorne. Wenn es rckwrts geht, treibt seine Vorhand die Hinterhand zurck. Es ist leichter, dem Pferd beizubringen nach hinten auszuweichen, als es dazu zu bringen, uns nach vorne zu folgen. Deswegen beginnen wir mit dem Ausweichen rckwrts.
Wenn ich das Halfter benutze und mich daran hnge, wird das Pferd den Kopf hochnehmen und damit auf den Zug reagieren. Wenn ich stark genug ziehe, wird es vorne hochgehen und schlielich steigen.
Wenn man die fortgeschrittenen Fhrlektionen lehren will, sollte man eine kurze Peitsche verwenden, um das Pferd damit unter dem Vorderfuwurzelgelenk anzutippen. Die Peitsche wird die Aufmerksamkeit des Pferdes wecken, ihm jedoch nicht wehtun, wenn man sie vernnftig einsetzt. Ihr knnt die Beine des Pferdes dabei mit Gamaschen schtzen, wenn ihr wollt. Wenn wir die Vorderbeine des Pferdes "bedrohen", kommt sein Kopf nach unten. Wenn ihr das Pferd rckwrts richten wollt, tippt die Vorderbeine nicht ber dem Vorderfuwurzelgelenk an. Als generelle Regel solltet ihr beachten: Hchstens drei Schlge mit der Peitsche, dann aufhren, das Pferd streicheln und es darber nachdenken lassen, was von ihm erwartet wird. Das ist eine Lektion, die ich von meinem Pferd Dream gelernt habe: Ich konnte ihn dreimal antippen. Mehr Schlge nahm er mir bel.
Oft reicht schon das Gerusch der Peitsche, um eine Reaktion zu bekommen. Seit nicht zu ungeduldig und zu fordernd. Fordert nicht zuviel. Gebt euch stattdessen mit kleinen Verbesserungen zufrieden und lobt oder belohnt das Pferd oft, indem ihr es streichelt.
Unser erstes Ziel ist, die Nase des Pferdes neben der Schulter des Trainers zu halten. Das ist die ideale Position des Pferdes beim Fhren.
Wir knnen uns vorstellen, dass wir an der Basis eines Dreiecks beginnen und dass wir das Pferd ber bestimmte Schritte in diesem Dreieck hocharbeiten.
Am Anfang erwarten wir nicht zu viel. Wir werden das Pferd nicht korrigieren, solange es sich innerhalb des schraffierten Bereiches aufhlt. Mit der Zeit wird der Bereich, den wir akzeptieren, immer kleiner, so dass sich schlielich die Nase des Pferdes (B) neben unserer Schulter (A) befindet.
Wir werden das Dreieck im Geiste in zwei Hlften teilen.
Position a ist das Ziel. Positionen b und c sind anfangs im Bereich des Erlaubten.
Position d und e werden korrigiert; das Pferd hat sich zu weit vom Ausbilder entfernt.
in Position f muss das Pferd neu positioniert werden, es ist aus dem Einflussbereich des Ausbilders entkommen.
In der Zeichnung sind sie als die schraffierte helle Flche und die einfarbige graue Flche gekennzeichnet. Das Pferd darf nicht in den grauen Bereich geraten. Wenn seine Nase im grauen Bereich vor dem Trainer ist, muss er es korrigieren. Immer wenn sich das Pferd auf der weien Flche auerhalb des schraffierten Dreiecks befindet, ist es zu weit weg, um korrigiert werden zu knnen. Also halten wir an, bugsieren es wieder in die schraffierte Flche und beginnen von neuem.
Am Anfang knnt ihr den Zaun benutzen, um dem Pferd beizubringen, gerade rckwrts zu gehen.
Haltet das Fhrseil in eurer linken Hand und fordert ein paar Tritte rckwrts vom Pferd. Dann haltet ihr es an und lobt es. Wenn ihr das Pferd auffordert rckwrts zu gehen und es reagiert nicht, schlagt mit der Peitsche, die ihr in der rechten Hand haltet, auf den Boden oder gegen euren Stiefel. Wenn es immer noch nicht zurckgeht, dann tippt es mit der Peitsche unter dem Vorderfuwurzelgelenk an. Wenn ihr entscheidet, dass ihr die Peitsche benutzen msst, dann tut es deutlich und fuchtelt nicht nur damit herum. Wenn es einen Satz nach vorne macht, bleibt auf seiner Hhe und haltet die Peitsche auf seine Vorderbeine gerichtet, bis es anhlt. Dann seht zu, dass es ein paar Schritte rckwrts geht.
Fahrt in dieser Form fort, bis es lernt sich bestndig rckwrts zu bewegen. Haltet das Fhrseil dabei immer lose ohne Spannung.
In diesem Stadium solltet ihr wenig oder gar nicht vorwrts fhren, sondern weitgehend rckwrts arbeiten. Wenn das Pferd gelernt hat, mit der Nase immer neben eurer Schulter zu bleiben, dann ist es Zeit, das Vorwrtsgehen - auch mit der Nase in Hhe eurer Schulter - zu trainieren.
Das Signal soll die Bewegung eurer Schulter sein, nicht das Fhrseil. Ihr solltet das Pferd nicht hinter euch herziehen mssen. Eure Schultern verraten eure Bewegungsabsicht; beginnt also zu gehen. Wenn ihr eurem Pferd beibringt, sich eurem Schritttempo anzupassen, wird es immer ein bis zwei Schritte hinter euch sein. Es darf nicht am Strick ziehen. Wenn ihr entscheidet, dass man einen Zug von 3 Kilogramm braucht um das Pferd zu bewegen, dann ist es genau das, was ihr brauchen werdet.
Verkrzt ihr das Fhrseil bis auf 10 bis 15 Zentimeter unterhalb des Halfters, so ist das Pferd nahe genug, um es zu kontrollieren und gleichzeitig in einem guten Abstand um seine Hfte zu erreichen. Wenn seine Nase euch zu nahe kommt, treibt es mit dem Griff der Peitsche von euch weg. Erlaubt dem Pferd, sich vorwrts zu bewegen, ohne es zu beschrnken. Es darf sich in dieser Phase des Trainings berall im schraffierten Bereich des Dreiecks bewegen. Lasst das Pferd jedoch keinen kompletten Kreis laufen. Wenn es beginnt um euch zu kreisen, macht ihm klar, dass es zu weit gegangen ist, indem ihr wieder die Peitsche unterhalb der Vorderfuwurzelgelenke einsetzt.
Wenn das Pferd gelernt hat, nicht zurckzufallen und als Reaktion auf eure eigene Vorwrtsbewegung vorwrts geht, reduziert langsam den schraffierten Bereich. Immer wenn das Pferd innerhalb der abgesteckten Grenzen sicher arbeitet, fordert ihr eine Verbesserung, indem ihr den Bereich, in dem es sich vorwrts oder rckwrts bewegen kann, verkleinert. Wenn das Pferd vorwrts geht, stoppt, zwei Tritte rckwrts geht und dabei stets dicht an eurer Schulter bleibt, ist es fr darauf aufbauende Lektionen bereit.
Gehen Sie in einem engen Kreis nach rechts auf die Nase Ihres Pferdes zu, das Pferd sollte etwas nach hinten ausweichen und dabei von Ihnen weg. um sein rechtes Hinterbein drehen.
Diese bung hilft, wenn Ihnen das Pferd beim Fhren zu nahe kommt oder wenn es in Schrgstellung hinter Ihnen herluft, mit dem Kopf zu dicht an Ihnen und dem Rumpf zu weit weg. Wenn das Pferd nicht reagiert, benutzen Sie den Griff der Peitsche und tippen es seitlich an die Nase oder an den Hals, damit es sich von Ihnen wegwendet.
Je sensibler das Pferd auf die Bewegungen des Trainers reagiert, desto geringer ist seine Tendenz, auf ihn aufzulaufen oder ihn anzurempeln. Kombinieren Sie diese drei Lektionen zu einer bungseinheit, bis das Pferd sie begriffen hat. Wenn es sicherer in seinen Reaktionen wird, knnen Sie das Ganze auch im Trab ben.
Die nchste bung ist, das Pferd um uns herumlaufen zu lassen, ohne dass es uns anrempelt. Es soll nachgeben und seinen ganzen Krper biegen, eng beim Trainer bleiben und, wenn es mit der Wendung fertig ist, stoppen und zwei Tritte rckwrts gehen.
Nehmt anschlieend Halfter und Fhrseil ab und bt die vorangegangenen Lektionen noch einmal frei im Roundpen. Seid dabei sehr genau mit euren Forderungen.
Geht nun auf einen greren Platz und wiederholt dieselben Lektionen. Nach Abschluss dieser bungen habt ihr eine ausgezeichnete Kontrolle ber euer Pferd. Wenn ihr eure Arbeit gut gemacht habet, knnt ihr z. B. euren Oberkrper nach vorne lehnen ohne einen Schritt zu machen - und euer Pferd wird sich mit euch nach vorne lehnen ohne sich vom Fleck zu rhren. Der nchste Schwierigkeitsgrad im fortgeschrittenen Fhrtraining besteht darin, das Pferd einen kleinen Sprung absolvieren zu lassen. Stellt euch mit dem Seil in der Hand auf die eine Seite des Sprunges und lasst das Pferd auf euch zu springen. Macht das nur, wenn alle vorangegangenen Lektionen hundertprozentig sitzen. Diese bung soll das Pferd lehren, weit genug von euch entfernt zu landen, wenn es ber irgendetwas steigt oder springt.
Die meisten Pferde - unabhngig von der Rasse - knnen kleine Hindernisse mhelos berwinden. Viele springen auch hhere Hindernisse gerne und gut. Das Springen an der Hand ist deswegen nicht nur eine gute Fhrbung, sondern kann euch und eurem Pferd auch viel Spa machen.