The Problem with Problem Solving

Das Problem mit den Problemlsungen

von Mark Rashid

bersetzung: Ingrid Stiel

aus Western News 5/2002

Die junge Frau sprach mich nach einem meiner Kurse an und bat mich, ihr bei der Lsung eines Problems mit ihrem Pferd zu helfen. Sie erklrte, sie htte das Pferd, eine 6-jhrige Araber-Quarter Horse-Stute vor zwei Jahren gekauft. Damals sei das Pferd in Ordnung gewesen. Nun htte sich das Pferd, warum auch immer, angewhnt zu steigen, sobald sie sich in den Sattel setze. Die Stute hatte auch begonnen, sofort mit ihr durchzugehen, sobald sie mehr als nur Schritt von ihr verlange.

Sie sagte, sie htte mit einem Trainer gesprochen, der ihr Techniken erklrt htte, um das Steigen abzustellen. Aber bis jetzt htte das alles nicht funktioniert. Und gegen das Durchgehen sollte sie ein schrferes Gebiss fr ihr Pferd verwenden, war die Empfehlung. Das alles machte es jedoch nur noch schlimmer. Sie war bereits so frustriert, dass sie daran dachte, das Pferd zu verkaufen.

Das war eine der blichen Konversationen, wie ich sie schon oft mit anderen Leuten gefhrt habe. Jedes Mal habe ich die gleiche Antwort gegeben: "Offensichtlich machen sie irgendetwas, das diese Probleme auslst." Allgemein gesagt kommt diese Antwort nicht so besonders gut an. Niemand mchte gerne hren, dass er selbst mglicherweise die Ursache fr die Probleme seines Pferdes ist. Sie wrden viel lieber hren, dass es irgendein Defekt in der Lernbereitschaft des Pferdes ist, nicht ein Defekt in den Trainingsmethoden der jeweiligen Person.

Aber zu behaupten, dass die Person das Pferd nicht gut trainiert, ist nun auch wieder nicht der Punkt. Es geht vielmehr um Verstndigungsschwierigkeiten zwischen dem Menschen und seinem Pferd. Der Mensch hat blicherweise eine genaue Vorstellung davon, was das Pferd tun sollte, und wie man es dazu veranlassen kann, das auch zu tun.

Sagen wir z. B., das Pferd soll sich im Schritt in Bewegung setzen. Das ist aus der Sicht des Menschen eine leichte Aufgabe. Aber fr das Pferd, speziell fr ein junges oder rohes Pferd oder ein Pferd mit einem sensiblen Maul, knnte es etwas anderes bedeuten. Fr ein Pferd, das nicht versteht, was der Mensch von ihm erwartet, knnte es als Umklammerung, als Bewegungseinschrnkung betrachtet werden. Es beginnt nervs zu werden, lehnt sich gegen den Druck, oder es reit den Kopf hoch, mglicherweise steigt es auch oder geht durch.

Bald danach legt ihm der Mensch ein schrferes Gebiss ins Maul, um es am Drauflegen und Durchgehen zu hindern. Um ihm das Kopf-hochreissen oder Steigen abzugewhnen, kommt ein Stozgel zum Einsatz. Das Pferd beginnt unkontrollierbar zu werden. Der Mensch wird frustriert und verkauft das Pferd vielleicht. Von diesem Moment an wird dieses Pferd als Problempferd betrachtet und als solches auch behandelt.

Die meisten Leute behandeln Problempferde mit hrterer Hand, manchmal bis zu physischen Schmerzen. Und gerade das verschrft das Problem noch zustzlich. Denn dann denkt das Pferd, dass es sich stndig verteidigen muss. Und so endet das ganze dann mit einem Pferd, das nicht nur nicht stoppt, sondern nun auch schlgt, beit und buckelt. Das Pferd wird als gestrt betrachtet und endet schlussendlich beim Schlachter.

Dieses Beispiel mag weit hergeholt erscheinen, aber diese Dinge passieren tglich. Wagenladungen voll mit Problempferden auf dem Weg in die Konservenfabriken.

Meiner Meinung nach ist es wirklich eine Tragdie, dass dieser Schneeballeffekt ins Rollen kommt, wenn doch diese ganze Sache gleich zu Beginn mit etwas mehr Geduld und Verstndnis htte bereinigt werden knnen.

Im Gegensatz zu dem, was die meisten Leute denken, handeln Pferde nicht bswillig oder ignorant, um den Menschen auf die Palme zu bringen. Pferde denken nicht auf diese Weise. Sie verstehen einfach nicht, was wir von ihnen wollen, und reagieren auf die Art und Weise, wie sie es eben knnen. Schlielich sind sie eben Pferde, und als solche mssen sie auch behandelt werden. Wenn dein Pferd nicht macht, was du von ihm verlangst, dann wahrscheinlich deshalb, weil es nicht versteht, was du von ihm willst.

Stop. Nimm dir Zeit. Denk darber nach, was du tust. Denk drber nach, was dein Pferd versucht, dir zu verstehen zu geben. Geh einen Schritt zurck und versuche es noch einmal. Nimm einen anderen Anlauf. Mache alles mgliche, ohne die Geduld zu verlieren. Bleib freundlich. Du wirst einen Weg finden, dein Ziel zu erreichen, wenn du die Aufgabe auf andere Art und Weise angehst. Im Grunde ist es immer noch viel leichter, Probleme zu verhindern, als sie wieder in Ordnung zu bringen.

Im Laufe der Jahre habe ich mit Hunderten dieser Problempferde gearbeitet und es war mir nicht mglich, auch nur eines ihrer Probleme zu lsen. Ich habe es aber geschafft, ihre Einstellung dahingehend zu verndern, dass ihre Probleme gelst wurden.

Dieses Konzept ist fr manche Leute vielleicht schwer zu verstehen, also mchte ich erklren, was ich meine.

Wir bekamen einen 5 Jahre alten Hengst, der sein ganzes Leben in Freiheit verbracht hatte. Nachdem er geschnitten worden war, wurde er auf eine 300.000 qm groe Weide gebracht, bis wir anfingen, mit ihm zu arbeiten. Ein paar Wochen spter begannen wir das Training. Wir brachten ihn in einen 40 Fu Round Pen und wenn man ihm zusah, musste man sagen, dass er schreckliche Angst hatte, nicht nur vor uns, sondern auch vor dem Eingesperrtsein. Seine Reaktion auf diese Situation war Furcht.

Wir lieen ihn etwa 40 Minuten allein im Round Pen. Er hatte noch nicht begonnen, sich in dieser Umgebung wohlzufhlen. Sobald er sich entspannte, betrat ich die Einzunung. Er lief auer sich im Round Pen herum. In seinen Augen war ich wahrscheinlich ein Raubtier, das ihm ans Leben wollte. Augenscheinlich gab es zu diesem Zeitpunkt fr mich keine Mglichkeit, nher an ihn heranzukommen. Ich musste ihm klar machen, dass es nicht meine Absicht war, ihn zu verletzen.

Durch meine vllig passive Krperhaltung und meine Reaktionen auf seine Krpersprache in einer Art und Weise, die er verstehen konnte, begann er sich zu beruhigen. Innerhalb von 35 Minuten lie er mich nahe an sich heran und sich auch berhren. Alles, was ich getan hatte, um diese Reaktion zu bekommen, war, seine Einstellung mir gegenber zu ndern. Ich war vom Raubtier zu jemandem geworden, dem er vertrauen konnte.

Es liegt auf der Hand, dass nicht alle Pferde so rasch reagieren. Manche brauchen Wochen oder sogar Monate dazu. Es hngt alles von der Dauer und der Intensitt der negativen Erfahrungen ab, denen sie bislang ausgesetzt gewesen sind. Und sogar dann, durch falsches Handling, kann das alte Problem jederzeit wieder heraufbeschworen werden.

Ich wurde einmal gefragt, was das Schwierigste an der Arbeit mit Problempferden ist. Ich antwortete: "Es sind nicht die Pferde oder ihre Probleme; es sind die Leute.". Wir finden, dass das Pferd ein intelligentes, verzeihendes und wundervoll wissbegieriges Lebewesen ist. Durch Kommunikation mit ihm auf seine Art knnen wir zu fast 100% die gewnschte Reaktion bekommen. Die Arbeit mit den Pferdebesitzern kann mitunter wesentlich frustrierender sein. Fr manche Leute ist es schwierig, ihr innerstes Bedrfnis, ein Pferd dafr zu bestrafen, wenn es etwas nicht richtig macht, zu berwinden. Ein gutes Beispiel dafr ist eine junge Frau, die krzlich um Hilfe bat. Ihr Pferd, sagte sie, wrde nicht angaloppieren. Sie fgte hinzu, dass sie reiten knne und ihrem Pferd klare und richtige Hilfen gbe.

Ich lie sie vorreiten, um vielleicht zu sehen, wo das Problem war. Die Hilfe zum Angaloppieren bestand darin, ihr Pferd insgesamt sieben Mal mit den Fersen zu kicken. Zwischen dem 2. und 3. Kick begann das Pferd zu galoppieren. Die Reiterin fhlte die Beschleunigung, verkrampfte sich leicht, zog unbewusst an den Zgeln. Zwischen dem 5. und 6. Kick fhlte das Pferd den Druck im Maul und fiel in den Trab. Der 7. Kick war deutlich heftiger und schien bereits aus Frustration zu kommen. Das Pferd reagierte darauf mit Kopfschlagen. Die Reiterin sah mich verrgert an und meinte "Na, sehen sie?"

In ihren Augen hatte sie nichts Falsches gemacht. Aber das Pferd, das gegenstzliche Signale erhalten hatte, hatte einfach nicht verstanden, was sie wollte. Es wurde verwirrt und reagierte auf die einzige Art, die es kannte. Und dann, um klar zu machen, dass es nicht verstanden hatte, schlug es frustriert mit dem Kopf. Aber alles, was die Reiterin sah, war ein widersetzliches Pferd.

Die Einstellung eines Problempferdes zu ndern, ist manchmal leicht im Vergleich zu dem Versuch, die Einstellung mancher Leute zu ndern. Warum das mit Pferden so luft, im Gegensatz zu manchen Leuten, liegt daran, dass sie nicht so selbstherrlich sind. Sie wollen meist das Richtige fr uns tun. Manchmal geben wir ihnen aber nicht die richtige Hilfestellung, um es zu verstehen.

Wenn du ein Problempferd hast und seine Einstellung ndern musst, solltest du die Situation nicht mit "mein Pferd hat ein Problem" beschreiben, du solltest dich selbst fragen "wie kann ich ihm auf eine Art und Weise, die es versteht, klarmachen, was ich von ihm mchte?"

Wenn du einmal begonnen hast, diese Einstellung zu verinnerlichen, und tglich daran arbeitest, wirst du deinem Pferd helfen, seine Probleme zu lsen und wirst es auerdem besser verstehen und respektieren. Du wirst mglicherweise bemerken, dass dein Pferd leichter, williger und kooperativer reagieren wird bei allem, was du von ihm verlangst. Du wirst dabei einen neuen Weg der Kommunikation geffnet haben und das Problem mit den Problemlsungen wird verschwunden sein.