Are you a Weekend Warrior?
bersetzung von Karin Weigl
aus Western News 6/2001
Wochenend-Cowboys (und -girls natrlich auch) sollten bedenken, dass ihr Pferd auch unter der Woche ein Pferd ist!
"Leben fr das Wochenende" dies ist nicht nur in Amerika das Motto vieler Menschen. Auch hierzulande arbeiten viele hart, um das Geld fr "Wochenend-Spielzeuge" wie Mountainbikes, Motorrder und natrlich Pferde zu erwirtschaften. Motorisierte Freizeitbeschftigung beinhaltet regelmige berprfung und Wartung, lwechsel, Reifen-Checks und vieles mehr. Wird ein Ersatzteil kaputt, kann es leicht ersetzt werden. Pferdebesitzer befinden sich nicht in solch glcklicher Lage.
Unter Freizeitreitern hat sich ein neues Phnomen entwickelt: Es wird zwar genauso viel Zeit im Sattel verbracht wie in frheren Jahren, doch nun wird das Pensum auf weniger Tage aufgeteilt. Da unter der Woche die Freizeit sehr oft durch Familie und husliche Pflichten eingeschrnkt ist, werden die Wochenenden so arrangiert, dass uns mglichst nichts daran hindert, so viel Zeit wie nur mglich mit oder auf unseren Pferden zu verbringen. Daraus ergibt sich fr die Pferde eine Art Doppelleben. Wochentags stehen sie im Stall oder auf der Koppel und haben wenig Chancen, durch gezielte bungen ein gewisses Ma an Fitness aufzubauen. Aber am Wochenende werden sie durch lange Ausritte, Turniere oder Trainings-Kurse stark gefordert. Manche Pferde dienen als Allzweck-Reituntersatz fr die ganze Familie.
Leider wird dabei oft vergessen, dass kein Pferd krperlich befhigt ist, nur an ein oder zwei Tagen hart zu arbeiten und dann lange Zeit fast gar nicht bewegt zu werden. Im Gegenteil, kurze Intervalle mit harter Arbeit sind dazu prdestiniert, Weichensteller fr sptere chronische Lahmheiten, Rckenschmerzen oder ernste Erkrankungen zu werden. Auch ein Pferd, das fr die Turnierteilnahme angeschafft wurde, kann ohne regelmigem Training und mit langen Ruheintervallen nicht richtig konditioniert werden. Ein weiteres Problem ist, dass viele Menschen ihre Pferde zu stark berfttern, was zu einer schlechten Krperverfassung fhrt. Tierrzte warnen eindringlich davor, einem berftterten, untrainierten Pferd den Sattel umzuschnallen und am Wochenende dem Sonnenuntergang entgegenzureiten. Dies wre der schnellste Weg in ein Desaster.
Was also kann man tun, um die "grne" Saison mit Wochenenden voller Aktivitt im Sattel zu genieen, ohne zuknftige Schden an der Pferdegesundheit herauszufordern. Die Antworten dazu sind einfacher als vermutet, und vor allem ist auch jetzt im Winter die richtige Jahreszeit, um sich darber Gedanken zu machen.
Zuerst sollte man sich ber die Jahreszeit angepasste Aktivitten klar werden.
Viele Pferdebesitzer haben keinen Plan fr die Zeit, die sie mit ihren Tieren verbringen wollen. Sie verbringen einfach ihre Abende und Wochenenden mit den Pferden. Fr das Pferd ist das Gerittenwerden krperlich sehr anspruchsvoll. Daher muss sich der Reiter der im Sattel verbrachten Zeit immer bewusst sein. Weitere Faktoren wie das Wetter, die Temperatur, die Beschaffenheit des Bodens und die Intensitt der Arbeit kommen noch dazu. Daher sollte jeder Reiter einen Plan haben, um Raum fr Abwechslung in der Trainingsintensitt und am Boden (Halle, Viereck, Gelnde...) zu haben. Nebenbei mssen auch die Temperaturen im Auge behalten werden. So ist es im Sommer besser, erst am Abend zu reiten, um das Pferd fit zu halten. Im Winter dagegen sind die Mglichkeiten zum Reiten, schon bedingt durch das frhe Einbrechen der Dunkelheit, oftmals eingeschrnkt. Wenn man das ganze Jahr ber reiten mchte, sollte man nicht vergessen, dass sich daraus die Verpflichtung ergibt, das Pferd bei entsprechender Kondition zu halten. Dies bedeutet Extra-Stunden, um fr Bewegung zu sorgen, oder Extra-Kosten, um das Pferd von einem Trainer bereiten zu lassen. Ein Kompromiss wre, wenn man die Mglichkeit zur Nutzung der Anlage (Halle) eines Reitstalles whrend der Wintermonate hat. Fr viele Menschen ist es selbstverstndlich, einen persnlichen Fitnesstrainer zu haben. Als Reiter sollten wir zum Wohle der Gesundheit unseres Vierbeiners als solcher agieren.
Soll man das Pferd im Winter "ruhen" lassen?
Wie passt das Pferd in unseren jahreszeitlichen Plan? Entscheidet man sich dazu, das Pferd im Winter nicht zu fordern, sollte man an diesem Entschluss festhalten. Mit "Ruhen lassen" ist gemeint, dass man das Pferd berwiegend auf der Koppel belsst und keine intensive Krperarbeit von ihm fordert. In dieser Zeit werden fr gewhnlich die Eisen abgenommen, Fell, Fesselbehang, Mhne und Schweif finden zu ihrem natrlichen Aussehen zurck. Ein solches Pferd wird nicht eingedeckt und natrlich auch nicht geschoren. Man kann ein im Winter ruhendes Pferd ruhig mit einem Sportwagen vergleichen, der ohne Reifen in der Garage bis Frhlingsbeginn aufgebockt wird. Daher kann man, nur weil es ein schner, warmer Samstag im Februar ist, nicht einfach sein Pferd von der Weide holen, ihm den Sattel auflegen und ber die Felder galoppieren. Das Pferd, und wahrscheinlich auch der Reiter, sind nicht in der geeigneten Kondition dafr. Beide knnten sich Verletzungen zufgen.
Generell ist nichts Schlechtes daran, ein Pferd im Winter ruhen zu lassen. Man gibt ihm dadurch die Chance, sich psychisch und physisch zu erholen. Trotzdem darf auf regelmige Gesundheits-Checks, Entwurmungen, Huf- und Zahnpflege, Putzen und Stallpflege nicht vergessen werden.
Mitreiter, Aushilfen oder die Unterbringung des Pferdes in einem Trainingsstall sollten in Betracht gezogen werden.
Wenn es zum Balanceakt wird, Pferd, Arbeit, Familie und andere Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen, ist es an der Zeit, sich nach anderen Mglichkeiten umzusehen. Hier kann ein Mitreiter, der unter genauen Anweisungen des Besitzers das Pferd bewegt, hilfreich sein. Auf jeden Fall sollte man potenzielle Mitreiter genau berprfen, bevor man ihnen das eigene Pferd anvertraut. Auerdem muss mit dem Stallbesitzer und einem Versicherungsagenten besprochen werden, wie bei etwaigen Haftungsfllen vorgegangen werden soll. Findet man eine geeignete Person, die hilft das Pferd zu bewegen, kann man sich schon bald ber die verbesserte Fitness des Vierbeiners freuen.
Wie kann die Konditionierung des Pferdes berprft werden?
Viele Tierrzte interessieren sich nicht mehr nur fr das Behandeln bei Notfllen und Krankheiten, sondern auch fr Fitness-, Ernhrungs- und Konditionierungsfragen. Die Konsultation eines sportmedizinisch orientierten Tierarztes kann sehr hilfreich sein. Zu Beginn der Reitsaison sollte das Pferd auf jeden Fall untersucht werden und auch das Krpergewicht sollte berprft werden, bevor mit dem Trainieren begonnen wird. Der Tierarzt fhrt dabei eine Routineuntersuchung durch, bei der Impfungen und Entwurmungen verabreicht oder spezielle Kontrollen wie ein Coggins-Test gemacht werden knnen.
Reiterliche Aktivitten im Voraus planen.
Es ist Juni. Bis zu diesem Zeitpunkt hat man regelmige Halbtagesritte absolviert und mchte im Juli an einem Zweitagesritt teilnehmen, bei dem eine lngere Strecke zurckgelegt wird. Soll man daran teilnehmen? Ja, natrlich. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Pferd nach dem regelmigen Training dabei nicht berfordert werden. Wenn man ein spezielles Ziel vor Augen hat, fllt es oft leichter, das richtige fr sein Pferd zu tun. Wird das Pferd wochentags nicht geritten, sollte man immer die Mglichkeit in Betracht ziehen, dass am Wochenende das Wetter so schlecht ist, dass nicht trainiert werden kann. Daher ist es wichtig, einen Ausweichplan zu haben, zum Beispiel kann man zu einem nahegelegenen Reitstall fahren, um das Pferd in der dortigen Halle zu reiten. Oder es findet sich jemand, der es unter der Woche regelmig longiert. Auf jeden Fall sollte man sich Aufzeichnungen darber machen, wie oft und wie lange das Pferd jeweils geritten wird und ob im Gelnde oder in einer Halle oder einem Viereck trainiert wird.
Viele Leute schwren darauf, dass einfache "Turnstunden" unter der Woche ein gutes Mittel sind, um sptere Lahmheiten zu verhindern. Eine halbe Stunde Stretching der Gliedmaen des Pferdes fr jeden Tag, an dem nicht geritten wird, soll angeblich dem Pferd zu mehr Entspannung und dem Reiter zu leichterem Identifizieren mglicher Probleme verhelfen. Man kann sich geeignete bungen von einem Tierarzt oder tierrztlich geschulten Heilpraktiker zeigen lassen. Dieser erklrt auch, mit welchen Reaktionen man rechnen muss und wie Schmerzen identifiziert werden knnen.
Wie man Hufprobleme vermeiden kann.
Hufschmiede werden es zu schtzen wissen, wenn man sich als idealer Kunde fr "Mittwoch-Termine" anmeldet. Warum Mittwoch? Ganz einfach, hat man sein Pferd das ganze Wochenende ber intensiv geritten, braucht es ein oder zwei Tage zur Erholung. Daher kann der Hufschmied montags oder dienstags ein steifes Pferd vorfinden, das weder auf drei Beinen stehen, noch seinen Rcken heben mchte. Auch wenn Verspannungen und Schmerzen nicht offensichtlich sind, der Hufschmied bemerkt sie auf jeden Fall, da sich viele Pferde dadurch weigern, die Hufe aufzuheben. Auerdem kann es passieren, dass der Hufschmied versucht, durch Spezialbeschlge Verspannungen und Lahmheiten auszugleichen, ohne zu wissen, dass das Pferd gar nicht darunter leidet, sondern einfach nur mde ist. Aus dem selben Grund sollte man den Hufschmied immer informieren, ob dem Tier abschwellende oder schmerzstillende Medikamente verabreicht worden sind. Wird das Pferd donnerstags oder freitags beschlagen, knnen sich ebenfalls Probleme ergeben. Es bentigt eine Weile, um sich an die neuen "Schuhe" zu gewhnen und kann bei Belastung am Wochenende klamm gehen. Zu intensives Reiten eines frisch beschlagenen Pferdes sollte immer vermieden werden. Kann ein Hufschmied-Termin nach einer intensiven Trainingseinheit nicht vermieden werden, muss er ber mgliche Verspannungen durch das Reiten informiert werden. Abgesehen davon schadet es nicht, ein gewisses Ma an Kommunikation mit dem Schmied aufrechtzuerhalten, da er ber neue Produkte, die gerade Ihrem Pferd helfen knnten, Bescheid wei.
Jedes Wochenende sollte genau geplant werden.
Oftmals wird ein Pferd an einem Wochenende von mehreren Personen geritten. So macht zum Beispiel die Mutter einen Ausritt am Morgen, spter wird das Pferd fr einen Nachmittagskurs mit der Tochter in den Nachbarstall verladen. Und weil zum Abendessen Freunde eingeladen sind, werden alle Pferde gesattelt, um in netter Gesellschaft auszureiten und den Sonnenuntergang zu genieen. Gemessen am normalen Arbeitspensum ist damit das Leistungslimit eines Pferdes, das wochentags selten bewegt wird, mehr als berschritten. Daher sollten immer Prioritten gesetzt werden: Gibt es zu wenig Pferde fr zu viele reitorientierte Familienmitglieder, sollte man auf Fremdpferde ausweichen knnen. Umgekehrt, hat man zu wenig Zeit zum regelmigen Training eigener Pferde, sollte die Hilfe anderer Personen (Mitreiter) in Anspruch genommen werden.
Die richtige Ausrstung ist ein elementarer Faktor.
Hat man vor, den ganzen Tag im Sattel zu verbringen, muss die Ausrstung unbedingt diesem Zweck entsprechen. Ein langer Tagesritt ist nicht gerade die passende Gelegenheit, um neues Sattelzeug auszuprobieren. So kann ein neues Turniervorderzeug bei einem langen Ausritt zu schmerzhaften Scheuerstellen fhren, die durch das Schwitzen noch verschlechtert werden.
Oft ist es von Vorteil, Ersatz-Gurte und hnliches in Reserve zu haben. Gerade bei ber mehrere Tage verteilten Wanderritten kann das hilfreich sein. Auch Gurtschoner aus Schaffell leisten gute Dienste. Falls mit neuen Teilen und Materialien experimentiert wird, sollte dies rechtzeitig geschehen, damit sich das Pferd daran gewhnen kann.
Bei einem neuen Sattel muss man genau auf die Passform achten. Durch intensives Training kann sich die Krperform des Pferdes ndern, und pltzlich kommt der Sattel, der Minuten zuvor noch gepasst hat, nach dem Aufwrmen ins Rutschen. Um rasche Abhilfe zu finden, sollte man immer Reservegurte und -pads zur Verfgung haben (allerdings nur zur schnellen bergangslsung).
Reitet man sehr lange Strecken, sollten so oft wie mglich Pausen eingelegt werden, in denen der Sattelgurt gelockert wird. Dabei muss auch die Zumung kontrolliert und das Pferd auf schmerzende Stellen berprft werden.
Reiten mehrere Menschen ein und dasselbe Pferd, muss darauf geachtet werden, dass die Ausrstung nicht nur dem Vierbeiner, sondern auch dem jeweiligen Reiter angepasst ist.
Aufwrmen und Abkhlen.
Die goldenen Regel unter Reitern - beginne im Schritt zum Aufwrmen und beende die Reit-Einheit ebenfalls im Schritt zum Abkhlen - ist nach wie vor gltig. Auch bei langen Tagesritten ist es sehr wichtig, dem Pferd (und auch dem Reiter) durch ruhiges Schrittgehen am langen Zgel Gelegenheit zur Entspannung zu bieten. Weiters sollte, besonders bei warmen Temperaturen, jederzeit Zugang zu frischem Wasser mglich sein.
Sinnvolles Zubehr.
Kennt man sein Pferd, wei man, ob Zubehr, wie Sehnenschoner, ntig ist. Diese Gegenstnde sind meist nicht dazu geschaffen, ber einen lngeren Zeitraum getragen zu werden, sind aber gerade fr Aufwrmperioden sehr gut einsetzbar. Bei Ausritten in Gelnde mit sehr variablen Bodenverhltnissen sollten Sehnenschoner eher nicht verwendet werden, da Staub, Schmutz, Zweige und kleine Steine eindringen und Scheuerstellen verursachen knnen. Auch schlecht angepasste oder zu groe Schoner knnen die Haut irritieren und dem Pferd mehr schaden als nutzen. Andererseits kann der Gebrauch dieses Zubehrs vom Hufschmied oder Tierarzt empfohlen werden. Da ist es wichtig, dass man sich von diesem beraten lsst und die Passform genauestens abklrt.
Nach dem Training...
...ist fr den Reiter noch lange nicht Feierabend. Das Pferd muss gereinigt und auf Druckstellen oder Steine, ste oder andere Fremdkrper, die sich in Hufen, Schweif und anderen exponierten Stellen festgesetzt haben, untersucht werden. Haben sich Schwellungen entwickelt, mssen diese sofort behandelt werden. Auch Abspritzen und Einreiben der Beine mit khlenden Wirkstoffen ist empfehlenswert. Am Tag nach einem intensiven Ritt muss das Pferd kontrolliert werden. Dabei sollte jedes Bein aufgenommen werden und zustzlich durch Fhren auf geraden Linien und Zirkeln nach Verspannungen berprft werden. Ebenso muss man auf abnormales Futteraufnahme- und Trinkverhalten achten. Eine ausgedehnte Fellpflege durch Putzen bringt dem Pferd weitere Entspannung.
Dies alles dient dazu, um sicherzustellen, dass einem weiteren gemeinsamen Wochenend-Abenteuer mit dem Partner Pferd nichts im Wege steht.
Weitere Informationen zu diesem Thema:
Dieses Thema ist zu umfangreich, um in einem Artikel alles Wissenswerte anzusprechen. Dank der groen Auswahl an Fachliteratur kann sich jeder Reiter in einschlgigen Bchern ber Konditionierung und Gesunderhaltung des Freizeitpferdes weiterbilden.
ber den Autor dieses Artikels:
Fran Jurga ist Herausgeberin von "Hoofcare and Lameness", dem "Journal of Equine Foot Sience" und der bekannten Website www.hoofcare.com. Weiters ist sie Autorin des Buches "Understanding the Equine Foot".