2002 NEAPEL Die Italienische Reise des Erwin chloupek zu Pferd

Dienstag 4. Juni

06 Uhr eine Stunde fr�her F�ttern, denn mit cirka 70 km stand die l�ngste Etappe der Reise auf dem Programm. Vincenzo machte uns das Fr�hst�ck w�hrend wir den Zaun abbauten und den Rasen reinigten (Ehrensache). So waren Babsi und ich um 09 Uhr im Sattel und Lisi mit genauer Adresse mit dem Gespann nach Neapel unterwegs.

Wir ritten zun�chst eine Sandstra�e wieder in Richtung Meer, �berquerten die Via Domiziana und waren kurz darauf am Strand. Mittlerweile waren kilometerlange Strandabschnitte als Lido Libero gekennzeichnet, also keinerlei zeitabh�ngige Reitbeschr�nkungen. Da es noch nicht so sp�t war und der Sand noch feucht und fest von der n�chtlichen Flut, konnten wir den Tag mit traumhaften Endlosgaloppaden in gesetztem Kanter beginnen. So zogen wir an Mondragone vorbei bis zum Canale Agnena und diesen dann entlang, hinauf zur Stra�e. Die Via Domiziana f�hrte mit einer Br�cke dar�ber und da in 3 Km der Fiume Volturno auch zu �berqueren war, blieben wir an der Stra�e, zumal ein 2 m breiter Sandstreifen angenehm zu bereiten waren und der Hauptverkehr in die parallel gef�hrte Umfahrungsstra�e abgeflossen war. So ritten wir fast autofrei durch die sch�ne Altstadt von Castel Volturno, dann wieder in Richtung Meer zur Villensiedlung Pineta Grande.

Unter schattigen B�umen fanden wir f�r unsere Pferde ein angenehmes Pl�tzchen und in einer netten Pizzeria, gegen�ber, gute Bewirtung und Wasser zum Tr�nken. Gest�rkt und erholt ging's um 14 Uhr weiter. Da wir vormittags so gut vorangekommen waren, die Karte bis Neapel ein fast durchlaufendes Naturschutzgebiet auswies, hofften wir auch auf einen l�ssigen" Nachmittagsritt. Es war nicht so einfach wie wir glaubten aber wir kamen trotzdem gut bis kurz vor Neapel.

Lange Abschnitte waren von einem Tankerunfall verseucht worden und noch immer als grauer Sand sichtbar. Auch Z�une waren zu �berwinden, aber mit der Routine unserer Pferde war alles zu meistern.

Da wir die meiste Zeit im unverbautem Gebiet waren, hatten wir auch wieder das breite Sandbankett und kamen gut bis an den sch�nen Lago di Patria. An einer Cafeteria al Strada machten wir eine Pause. Von da waren es dann noch 9 Km, zuerst in der Ebene zwischen Feldern, anschlie�end weiter den Kanal Alvedo dei Camaldoli entlang nach Quarto. Von dort auf Sandstra�en �ber die Bahn und hinauf in die bewaldeten Bergh�gel des Campi Flegrei. Eingebettet in sch�nem Waldbestand erreichten wir dann um 21 Uhr unsere Superanlage Le Caselle auf dem Monte Spaccata in der N�he von Pianura /Neapel.

Dieses Centro Ippico Grande war ausgelegt f�r 100 Pferde, hatte unter anderem zwei gro�e, zum Teil �berdachte Turnierpl�tze und alle Einrichtungen eines gut gef�hrten Reitbetriebes. Lisi hatte nach einigen Anl�ufen, das einigerma�en hinter B�umen versteckte Abendquartier gefunden und mit der �beraus herzlichen Rosana, alles f�r uns geregelt. Zwei gemauerte Au�enboxen, eigene Separatweide f�r unsere Pferde und f�r uns Zugang zu allen Clubanlagen. .

Mittwoch 5. Juni.

08 Uhr. Der Himmel war bedeckt, die Luft angenehm lau. Nachdem wir nun trotz eines Stehtages, fr�her als geplant in Neapel eingetroffen waren, wollten wir den Pferden einen weiteren Rasttag g�nnen und diesen f�r einen Ausflug nach Pompeji, sowie f�r einen Besuch der Insel Capri verwenden. Die Pferde gingen auf ihre Weide, die Versorgung war geregelt, also konnten wir uns einen ruhigen Kultur und Ausflugstag g�nnen.

Donnerstag 6. Juni

Da die Umgebung der Stadt Neapel aus relativ steilen Bergen bestand, die mittlerweile auch einigerma�en Verbaut wurden, so waren wir auf unserem Weg,- zun�chst einmal zum Yachthafen,- im st�ndigem auf und ab unterwegs. Nachdem wir Zanura nur gestreift hatten und dann durch ein St�ck Gr�nland gegangen waren, durchritten wir auf Seitengassen den Stadtteil Soccavio. Auch dann wieder durch etwas Gr�n," auf schmalen Wegen hinunter, unterquerten die Tangenziale und kamen durch locker verbautes Gebiet zum Corso Europa nun schon im Weichbild der Stadt. Abgesessen gingen wir weiter, im st�ndigen Zick Zack hinunter zum Bezirk Rione Arata, dann am felsigen Steilhang vorbei ins Centro und zum Yachthafen.

Hier auf der Via Francesco Caracciola war genug Platz zum fotografieren, und es gab auch genug Motive. Ohne Probleme ging's dann den Kai entlang, durch den Stadtpark zum alten, m�chtigen, Castel Del Ovo. Einige Fotos geschossen und schon ritten wieder weiter. Die Uferpromenade machte mehrere Knicks in Form einer gro�en Bastei und f�hrte durch einen Park zum Palazzo Reale.

In diesem imposanten Schloss residierten die verschiedensten Herrscher des K�nigreiches Neapel. Neben den eigenen K�nigen auch manchmal Franzosen, die spanischen Vizek�nige, und so wurde auch unser Daun, f�r einige Jahre, vom �sterreichischen Kaiser, zu einem solchen ernannt.

Wir jedenfalls ritten weiter, zu der angrenzenden, drohend in den Himmel ragenden, m�chtigen Festung Maschino Angionio. Mit dem ber�hmten wei�en Marmorportal als Kontrast zu den schwarzen, himmelragenden Mauern und T�rmen, war sie das bekannteste Wahrzeichen der Stadt und unser n�chstes Hintergrundmotiv.

Anschlie�end schlugen wie uns in �stlicher Richtung am Industriegel�nde vorbei nach San Giorgio durch. Von dort, unter der Autobahn hindurch, ritten wir am Fu�e des Vesuvs entlang, auf einigerma�en passablen Wegen, zwischen Weing�rten in s�d�stlicher Richtung nach Camaldoli del Torre. Problematisch waren in den kleinen D�rfern, die zwischendurch schmalen mit kleinen Steinplatten ausgelegten Gassen, die uralt und entsprechen glatt waren, und die wir meistens abgesessen bew�ltigten. Zuletzt ging's durch das kleine Winzerdorf Cappella Nuovo bergan zu der am Pinienwaldrand gelegenen � Fort Dallas Ranch" von Carmine hinauf. Bis auf die verschiedenen Fotopausen waren wir an diesem Tag ohne Rast durchgeritten (durchwegs im Schritt) und hatten in guter Reitzeit den Stall um 18.30 Uhr erreicht.

Dieser erinnerte uns in seinem Aussehen und Atmosph�re an die Stallungen in den Westernfilmen, die im mexikanischen Grenzgebiet spielten. Jedenfalls waren wir begeistert und auch unsere Pferde f�hlten sich auf der gro�en Koppel sichtlich wohl. Unser Gespann war auch wohlbehalten im Stallgel�nde eingetroffen und nachdem die Pferde in ger�umigen Boxen bestens untergebracht waren, verbrachten wir den Abend, auf Einladung Camieres und seiner Freunde, gemeinsam mit ihnen in einem urigen Geheimtipp Lokal in Pompeji. (Garantiert ohne Touristen), bei Hausmannskost und Wein vom Vesuv, beides vom Feinsten. So war es denn auch bereits 02 Uhr fr�h, als uns unser Bus in Empfang nehmen konnte. (Diesmal ohne lange Betrachtungen des Himmels und der Sterne �ber Neapel.)

Freitag 7. Juni

08 Uhr, alles aufstehen, denn der Ritt durch das Naturreservat Nationale del Vesuvio hinauf auf den Vulkan stand auf dem Programm und damit auch die letzte Etappe meiner italienischen Reise" in diesem Jahr.

Bei Goethes Reise war der Vesuv noch stark t�tig gewesen und hatte kurz vor dem Besuch des Dichters starke Eruptionen. Auch war in den damaligen Zeiten der Weg zum Kraterrand noch sehr beschwerlich und au�erordentlich gef�hrlich. Aber er lie� sich dieses Wagnis trotzdem nicht nehmen und ist mit einem F�hrer, auf einem Maultier einige Male hinaufgeritten, um dieses h�llische Naturschauspiel aus n�chster N�he beobachten zu k�nnen.

Nun so spektakul�r ist es heute nicht mehr, aber wie uns mein Freund Carmine versicherte, (sein Stall ist �brigens als einziger autorisiert, F�hrungen zu Pferd auf den Vesuv zu machen) ist es noch nie vorgekommen, dass Reiter mit den eigenen Pferden da hinaufwollten. Schon gar nicht aus �sterreich! Wir allerdings, wollten auf jeden Fall da hinauf und lie�en uns auch nicht einsch�chtern, von wegen der Schwierigkeiten f�r unsere Pferde auf dem ungewohnten Schlackenboden und der teilweise extremen Steilheit des Gel�ndes. So gab man uns mit Nunzio einen erfahrenen Reiter mit, Lisi bekam gratis ein Leihpferd und so waren wir um 10.30 Uhr zu viert bei leicht bedeckten Himmel in Richtung Krater unterwegs.

Von der Fort Dallas Ranch ging es direkt auf weichen Wegen, zun�chst durch herrlichen alten Pinienwald stetig bergan. Nach und nach lichtete sich der Wald und machte, bis zu zwei Meter hohen, dichtverwachsenen Str�uchern Platz. Hier war es gar nicht so einfach unserem, in forciertem Tempo reitenden Scout zu folgen. Weiter ging es im ansteigenden Gel�nde zwischen, den zu Tausenden in allen Farben leuchtenden Bl�ten von Ginster, Wacholder und eigenartigen Pflanzen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Und dann erreichten wir die erste freie Fl�che, die den Blick auf das Panorama freigab.

�berw�ltigt ob des Eindruckes, verharrten wir in stiller Ehrfurcht vor der Sch�nheit dieser Natur, die sich nun vor unseren Augen ausbreitete. Hinter uns, vor dem Hintergrund einer grauen, d�steren Wolkenwand die m�chtigen, nun schon sehr nahe gekommenen dunklen Kegel von Vesuv sowie Monte Somma. Vor uns, im weiten Halbkreis, die Bucht von Neapel mit den Inseln Capri und Iskia in dem nun flirrendem Lichter, der sich eben durch die Wolken bahnenden Sonnenstrahlen und dahinter das Meer, das sich silbern im Dunst am Horizont verlor. Wir mussten uns richtig losrei�en von dem Anblick und schw�rmerisch beeindruckt ritten wir weiter.

Durch eine steile Senke ritten wir auf den Mont Somma zu, dann hinauf ins Vale Inferno aus dem einst die gewaltigsten Lavamassen der Geschichte quollen. Heute ein, von fast exotisch anmutender �berquellender Pflanzenwelt bedeckter, faszinierender Ort mit leicht gruseligem Touch, wenn man weis, dass man sich nun im Kraterboden eines erloschenen Vulkans befindet. Weiter ging's nun in einer gro�en Spirale auf den Hauptkegel des Vesuvs hinauf. Die Vegetation blieb nach und nach zur�ck und bestand nur noch aus b�schelastigen Gr�sern die in der Magnamasse ihr karges Leben fristeten. Immer wieder unterbrachen wir unsere Tour, um die grandiose Landschaft und Fernsicht, in uns aufnehmen zu k�nnen. Nun waren wir bis auf circa 200 H�henmeter zum Kraterrand hinaufgeritten, welcher sich fast 1300 m. �ber den Meeresspiegel erhebt. Ab nun f�hrte nur noch ein schmaler, steiler Fu�steig, in die Lavaasche getreten, in unz�hligen Serpentinen zu diesem hinauf.

Unser F�hrer gab zu bedenken, dass wir da nur abgesessen die Pferde hinauff�hren k�nnten und diese Aktion inklusive des Abstiegs in unsere jetzige Position, gute zwei Stunden in Anspruch nehmen w�rde. Die kurze Beratung brachte folgendes Ergebnis :

Wir verzichteten a) wegen der enormen Anstrengung f�r die Pferde insbesondere beim steilen bergab, b) wegen der Zeitknappheit, c) wegen Hunger und Durst. So gingen wir zur Bergstation hinunter, tr�nkten die Pferde (mittlerweile war es wieder sch�n geworden) und labten uns und unseren Scout. Bei dieser Gelegenheit erz�hlte er uns auch, das dieses Gebiet auch f�r die italienischen Distanzreitbewerbe benutzt wird und als eines der anspruchsvollsten in ganz Italien gilt, worauf wir uns nat�rlich einigerma�en geschmeichelt gef�hlt haben.

Der Abstieg war dann etwas sehr abenteuerlich, denn Nuntio war nun von der Gel�ndeg�ngigkeit und Sicherheit unserer Pferde �berzeugt und so lie� er sich, mehr oder weniger in der Falllinie quer durchs Gel�nde, (auch �ber historische erstarrte Lavazungen) mit uns hinunter. Dann kamen wir auf eine alte, vor kurzem restaurierte R�merstra�e, die uns dann wieder, etwas weniger steil, zum Pinienwald f�hrte. Wir n�herten uns nun von der anderen Seite dem Stall, in welchem wir dann um 16 Uhr, innerlich erregt von dem eben erlebten, gl�cklich und wohlbehalten eintrafen.

Die Pferde kamen auf die Koppel und wir wurden mit einer Kaffeejause im Clubst�bchen von Carmine und seinen Freunden in Empfang genommen. Beim abschlie�enden Gespr�ch versicherte er mir noch, bei dem Weiterritt zur Stiefelspitze Italiens, organisatorisch zu helfen und wenn es seine Zeit erlaubt, die halbe Strecke mitzureiten. Mit einigen Flaschen Weines seiner Weing�rten als Andenken, wurden wir auf das herzlichste verabschiedet und bald darauf waren wir mit den Pferden auf der Tangenziale wieder unterwegs zu unserem Basisstall le Caselle.

Um 20 Uhr waren unsere Lieblinge versorgt, Lisi hatte das Abendmahl gerichtet und wir hatten an diesem Abend nur ein Gespr�chsthema. Der Ritt auf den Vulkan". Zwar war bereits um 22 Uhr im Bus Stallruhe angesagt, aber irgendwie brauchten wir in jener Nacht, l�ngere Zeit zum Einschlafen, denn all die vielen Eindr�cke des Tages, mussten erst einmal verarbeitet werden.

Samstag 8. Juni

06 Uhr, der Tag der R�ckreise war gekommen. Wie immer an solchen Tagen, sp�rte man eine leise Traurigkeit, denn eigentlich h�tte man sich jetzt erst so richtig an dieses Leben gew�hnt gehabt und wollte so gar nicht nach Hause. Aber was sollte es, jeder hatte seine Pflichten, Termine und Unabk�mmlichkeiten, also wurde alles Ein- und Umgepackt, die Pferde verladen und ab ging's.

8.30 Uhr Abfahrt zur Autobahn A1. In Orvieto machten wir eine eineinhalbst�ndige Pause und steckten den Pferden eine sch�ne Wiese ab. Weiter ging's auf �blicher Route mit einer weiteren Rast �ber Bologna nach Venedig in unseren Etappenstall Marco Polo. Weide, Boxen, Ristorante, Bus, alles OK und bestens wie immer.

Sonntag 9. Juni.

07.30 Uhr Venedig im Regen und passte irgendwie zu unserer Stimmung des nicht Heimwollens. Aber wir kommen ja wieder, also Standardprogramm und Abfahrt um 10 Uhr. A 23 dann zur Grenze und Mittagspause mit selbstgebauter Wiesenkoppel am Autobahnrastplatz in V�cklamarkt.

Weiter zu unseren steirischen Freunden um dort noch eine Unterbrechung einzuschieben. Danach gl�ckliche Heimkehr in unseren Stall in Elsbach wo inzwischen auch wieder herrlich die Sonne schien - und eigentlich waren wir dann doch ein bi�chen froh, wieder zu Hause zu sein.

Nun hatte sich also der Kreis geschlossen und meine "Italienische Reise auf den Spuren Goethes" war mit diesem Ritt zu Ende. Goethe fuhr ja bekanntlich 1787 von Neapel aus, mit einem Segelschiff nach Sizilien (seinem Wendepunkt) und von dort aus wieder retour. Ich hingegen war anl��lich eines Segelturns 1985 ebenfalls zur See, die gleiche Strecke auf einer Yacht gesegelt und hatte dieser Insel anschlie�end einen Besuch abgestattet. Interessanterweise hatte ich auf diesem Turn als Bordlekt�re eben jenes Werk von ihm mit, welches auch einen wesentlichen Beitrag zu meinen Tr�umen und sp�teren Reisen zu Pferd in Italien leisten sollte.