Der richtige Start in die Turniersaison

So kommt dein All-Around-Pferd wieder in Form

Stell dir vor, du liegst am Samstagvormittag gem�tlich auf der Couch. Da kommt pl�tzlich ein Trainer herein, packt dich am Arm und hetzt dich durch einen Zehnkampf. Falls du zu den "Normalsterblichen" geh�rst, wirst du sp�testens nach den Spr�ngen und dem Wassergraben kollabieren.
Genauso wird sich dein Pferd f�hlen, wenn du es nach der Winterpause im Fr�hjahr aus dem Stall oder von der Winterweide holst und gleich hart ins Training nimmst. Nat�rlich verf�gt es nicht �ber die Kondition, die es am Ende eines Training- und Turnierjahres im Herbst besessen hat.
"Wie der Athlet braucht auch das Pferd eine lange Vorbereitungsphase. Sein K�rper muss erst wieder konditioniert werden", ermahnt Trainer Charlie Cole aus Texas alle ungeduldigen (Turnier-) Reiter. Und Cole versteht etwas vom Turnierreiten. Die vergangenen f�nf Jahre hindurch trainierten er und sein Partner Jason Martin, beide stolze Besitzer von High Point Performance Horses in Pilot Point, vier Paints, die auf den APHA World Shows All Around-High-Point-Gewinner wurden. In den Jahren 1998 und 1999 brachten sie Shine My Zipper an die Weltspitze. 2001 und 2002 trainierten sie Reddys Review.
F�r Cole ist es besonders wichtig, einen Schritt nach dem anderen zu setzen, wenn das Pferd neue Lektionen lernen soll. Nur so kann es dem physischen und psychischem Druck im Showring Stand halten.

Beginne am Anfang
Bevor du aber ernsthaft an eine Turnier denkst, solltest du dich erst einmal �berzeugen, ob das Pferd auch die n�tige Kondition daf�r aufweist. Check zuerst den k�rperlichen Zustand deines vierbeinigen Freundes. Hat er alle Impfungen bekommen? Sind die Z�hne in Ordnung? Hoffentlich hast du auch seine Beine und Hufe w�hrend der Wintermonate kontrolliert.
"Nun ist es Zeit, einen ausgewogenen Speiseplan zu erstellen", r�t Cole. "W�hrend der Trainingsphase ben�tigt dein Pferd ein Erg�nzungsfutter. Nicht nur wegen eines gesunden Felles, sondern auch wegen m�glicher Gewichtsprobleme". In den ersten Wochen kann es durchaus vorkommen, dass das Pferd auf Grund der hohen Anforderungen zu viel abspeckt.
Welche Futterkombination du w�hlen sollst, h�ngt von seiner Kondition und seinem Stoffwechsel ab, genauso aber auch von dem Land, in dem dein Pferd lebt. Die Qualit�t des Heus variiert von Region zu Region, so kann es vorkommen, dass in manchen Gebieten mehr Erg�nzungsfutter erforderlich ist als �blich. "Besitzt du ein �lteres Pferd, solltest du ihm eine Senior-Di�t verabreichen und Alfalfa dazuf�ttern", schl�gt der prominente Trainer vor.

Wieder im Sattel
Zu Beginn des Trainings solltest du nicht mehr als 30 bis 40 Minuten am Tag reiten. Versichere dich, dass du es gut aufgew�rmt hasst. Vergiss nicht auf Biege- und Dehnungs�bungen. Genauso wichtig wie die k�rperliche Vorbereitung ist auch das mentale Training. Cole: "Dein Pferd muss wieder lernen, sich zu konzentrieren. Du sollst es soweit bringen, dass es nicht mehr an die Weide denkt, sondern auf dich aufpasst." Ungef�hr eine Woche lang wird es dauern, bis sich dein Partner auf dich konzentriert. Dann erst beginnt das eigentliche Training.
Mehr als 30 oder 40 Minuten lang brauchst du auch nicht im Sattel sitzen. "Das Meiste lernt das Pferd innerhalb dieser Zeitspanne. Ist die Zeit um, breche ab, absolviere vielleicht noch einige Trail-Aufgaben und dann lasse es noch zehn Minuten im Schritt abgehen."
Das wesentliche im Training eines All-Arounders ist, ihn immer bei Laune zu halten. Die einzelnen �bungen m�ssen immer wieder abge�ndert werden, ewiges im Kreis reiten stumpft das Pferd ab.

Das Ziel: Ein All-Around-Turnierpferd
Ein All-Around-Pferd sollte vier bis zehn Turniere im Jahr bestreiten k�nnen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss es den K�rper dazu besitzen und die F�higkeit, sich selbst im Gleichgewicht zu halten. Nur so kann es auch psychische die Arbeit gut verkraften. "Diese Pferde wursteln sich nicht einfach durch einen Bewerb", meint Cole, "sie kommen mit dem Turniergeschehen gut zurecht. Nur diese Pferde k�nnen die Pattern so absolvieren, wie es verlangt wird. Zu einer guten Vorstellung geh�ren aber zwei, Pferd und Reiter. Hat sich der Reiter einmal f�r eine bestimmte Disziplin entschieden, sollte er den bestqualifizierten Trainer daf�r aufsuchen. "Willst du gewinnen, musst du versuchen, das beste Basistraining zu absolvieren", wei� Cole aus Erfahrung.
Beginne also mit dem Aufbauprogramm und dann arbeite dich hoch. Ist das erste Trainingsprogramm gut gelaufen, solltest du wieder ein Stufe zur�ckgehen und dem Pferd Zeit geben, das zu festigen, was es neu dazu gelernt hat. Das hei�t, du brauchst etwa zwei Wochen bis zu einem Monat, bis dahin solltest du ihm die neuen Lektionen gelernt haben. Dann solltest du die �bungen wiederholen, um sie zu festigen. Erst dann konzentriere dich auf das n�chste Turnier.
"Arbeite an den Schw�chen und wiederhole das, was ihr beide gut k�nnte, ein- bis zwei Mal in der Woche", schl�gt Cole vor.
Steigen die Leistungen des Pferdes, bauen Cole und Martin noch mehr Lektionen f�r das All-Around-Training ein. Galoppwechsel und Galoppstangen geh�ren jetzt in das t�gliche �bungsprogramm. Intensives Training sorgt f�r die Sicherheit und Selbstbewusstsein am Turnier, sollte aber immer noch genug Abwechselung beinhalten, so dass das Pferd Interesse zeigt und nicht in Langeweile verf�llt.
Bleibt das Pferd einmal konzentriert, funktionieren die �bungen, sollten alle Aktivit�ten mit anstrengenden und weniger anstrengenden Aufgaben variiert werden. Cole ist �berzeugt: "Ist das Pferd fertig f�r die Pleasure ausgebildet, wird es ihm gut tun, an anderen Bewerben wie Horsemanship, Showmanship, Western Riding, Trail, Hunter Hack und Pleasure Driving teilzunehmen. Jeden Tag trainieren wir aber einige Zeit lang Pleasure. Dann �ben wir ein bisschen Western Riding, arbeiten an den Galoppwechseln f�r etwa 20 bis 30 Minuten."
Nach dieser Zeit ist das Pferd gut aufgew�rmt, aber schon etwas m�de. Nun folgen langsamere Trail-Hindernisse wie R�ckw�rtsrichten zwischen Stangen oder Seitw�rtsgehen. Danach k�nnen noch Trab- und Galoppstangen ge�bt werden.
So wurde intensiv trainiert. Ganz zum Schluss kann das Pferd noch ein paar Mal �ber ein Br�cke gehen. Hat es geklappt, wird es abgesattelt und nochmals zur�ck in die Reitbahn gef�hrt. Jetzt beginnt das Training f�r die Showmanship.
Am n�chsten Tag folgen dann die englischen Disziplinen. W�rme dein Pferd zu erst gut auf, dann beginne mit dem Springen und zum Schluss kannst du noch f�r die Equitation trainieren.
Und so sollte der Trainings-Rhythmus aussehen: Leicht, intensiv, leicht. Nach der Equitation bleibt noch Zeit f�r Driving-Lektionen. Genauso wie einen Tag zuvor ist hier Vorraussetzung, dass das Pferd schon etwas m�de geworden ist. Nat�rlich sollte es noch aufnahmef�hig sein.
Cole l�sst seine "Sch�ler" gerne �ber Hindernisse gehen. Er nennt mehrere Gr�nde: Erstens einmal z�hlen diese �bungen f�r zu eine der besten �berhaupt. Zweitens wird das Tier so gefordert, dass es dann die folgenden, weniger schweren Aufgaben viel leichter bew�ltigt. "Das Springen fordert das Pferd im positiven Sinne heraus. Falls es durch langweiliges Training unaufmerksam geworden ist, erwecken die Spr�nge sein Interesse von neuem. Ist es dann m�de geworden, �bernimmt es sich dankbar die anderen, nicht so anstrengenden Patterns.
Und das ist auch das Um und Auf: Du kannst das Pferd ja nicht zwingen, du musst es dazu bringen, dass es das alles von sich aus machen will!

Wann ist es zu viel?
Die Vorbereitung f�r das Turnier ben�tigt Zeit und Kontinuit�t. Falls du glaubst es gen�gt, nur am Wochenende zu reiten, wirst du vom Ergebnis entt�uscht sein, warnt Cole. "Du wirst von deinem Pferd und auch von dir einfach zu viel verlangen. Denke einmal nach: Die Woche hat sieben Tage, aber an nur zwei Tagen verlangst du dann gleich das �u�erste! Bald wirst du soviel psychischen Druck aufbauen, dass du dich vor diesen beiden Tagen zu f�rchten beginnst.
Du musst dir die Zeit genau einteilen. Du wirst viel mehr Erfolg haben, wenn du jeden Abend auch nur eine halbe Stunde intensiv trainierst. An nur zwei Tagen das Pferd mit Informationen zu �berh�ufen, kann nicht funktionieren. Sein �Aufnahmespeicher� wird bald voll sein.
Falls es einmal passiert, das dein Sch�ler w�hrend einer Trainingseinheit sauer wird, dann kehre zur�ck zur Basisarbeit. Bleib geduldig, �bereile nichts. Denke nach, warum es ihm zu viel geworden ist. Lass ihm gen�gend Zeit f�r die einzelnen Lektionen.
Die meisten meiner Trainingspferde arbeiten nur vier Mal in der Woche, aber da machen sie ihre Arbeit gut", betont Cole. "Wir probieren verschiedene Disziplinen aus und sehen dann, in welchen sie besonders talentiert sind". Sie nur in eine Richtung zu pressen, weil sie allein vom Bewegungstalent daf�r wie geschaffen scheinen, reicht nicht aus. Vor einigen Jahren bekam Cole einen sehr guten Beweger ins Training. "Ich glaubte, er w�rde ein gro�artiger Springer werden. Aber vom ersten Tag an konnte ich leider nicht feststellen, dass ich recht behalten w�rde. Er schmiss Hindernisse um und verletzte sich an den Beinen. Nach sechs Monate intensivem Training konnte er sich f�r die AQHA World Show qualifizieren. Dort schnitt er allerdings nur durchschnittlich ab. �ber die ganze Saison gesehen war er oft verletzt". �hnliches passierte Cole mit zwei Pferden, die er nur f�r das Pleasure-Driving einsetzen wollte. Sie hassten den Wagen und waren die ganze Zeit krank.
Wenn die Pferde trotz eines guten Geb�udes kein Talent f�r eine Disziplin zeigen, dann sollten sie f�r andere Bereiche eingesetzt werden.

Am Turnier
Nun habt ihr hart gearbeitet, die einzelnen Fertigkeiten perfektioniert und m�glicherweise schon ein lokales Turnier gewonnen. Nun bist du bereit f�r ein gro�e Show, wie zum Beispiel eine Paint-O-Rama oder eine World Show. Wie gesagt, der Schl�ssel zum Erfolg liegt in der Vorbereitungszeit. "Dein Pferd muss in Form sein und genau �ber seinen Job Bescheid wissen. "Und es sollte entspannt sein. Fahre rechtzeitig zum Turnier, damit es gen�gend Zeit findet, sich einzugew�hnen. Beim Aufw�rmen konzentriere dein Augenmerk auf jene Man�ver, die es in den ersten Bewerben bestreiten muss. �ber all die vielen Trainingswochen solltest du das Pferd auch �u�erlich auf die Show vorbereitet haben. Du kannst es ruhig auf Hochglanz bringen. Auch wenn es dann nicht gewinnt, es soll ruhig so aussehen wie ein Star, der auf jeden Fall auch gewinnen kann!