Looking for a Better Way in Communication with Horses
Stipp-Visite bei Mark Rashid und Ray Hunt in den USA
Ein Bericht von Ingrid Stiel
Schon lange stand es auf meiner Wunschliste, einmal einen Blick auf die Arbeit von anerkannten Gren der "Horsemanship" persnlich zu werfen und vor kurzem war es endlich soweit, diesen Plan in die Tat umzusetzen.
Mitte Mai machten sich Daniela Donth, Inhaberin von Horsepoint-Reitsport in Wien 23, seit vier Jahren berzeugte Westernreiterin und "Horsemanshiplerin", und ich auf den Weg nach Amerika, um an je einem Kurs mit Mark Rashid und Ray Hunt teilzunehmen. Unser Flug fhrte uns nach Chicago, wo wir einen Leihwagen bernahmen und uns auf schnellstem Weg zum ersten Kursort nach Rogersville in Tennessee aufmachten. Hier wurden wir von Linda Bertani und ihrem Mann Vic, den Organisatoren des viertgigen Kurses, auf ihrer Anlage Mendin Fences herzlichst begrt. Mit Linda gab es bereits seit Jnner intensiven e-Mail-Verkehr, um Anreise und Aufenthalt vorzubereiten.
Die Organisation dieser Clinic war optimal. So gab Mark bereits am Vorabend auf einer nahegelegenen Ranch eine kurze Demo seiner Methode, und Dr. Dave Siemens, med. vet. und Pferde-Chiropraktiker, referierte ber Pferdeftterung, Zahnpflege und andere medizinische Belange rund ums Pferd. Whrend aller vier Tage untersttzten auer Dr. Siemens noch Trisha Wren aus Schottland und David Genadek, Sattlermeister und Prsident der "About the Horse Inc." die Teilnehmer des Kurses. Dr. Dave Siemens war fr die physische Fitness der Pferde, David Genadek fr Sattel-Anpassung und Trisha fr Sitzkorrektur zustndig.
Laut Mark Rashid ist das Training des Pferdes das Letzte, woran man denken sollte. Erst, wenn alle anderen Voraussetzungen in Bezug auf Gesundheit, Fitness und Ausrstung stimmen, sollte man sich um das Training seines Pferdes kmmern.
Bereits um acht Uhr in der Frh ging es los mit dem ersten Kursteilnehmer. Mark arbeitete mit jedem Teilnehmer einzeln vorerst im Round-Pen, im Verlauf des Kurses dann auch auf dem groen Reitplatz der Farm. Bei den Pferden waren Angehrige der unterschiedlichsten Rassen vertreten: Das Spektrum reichte vom Warmblut und Quarter Horse ber Araber bis zu Tennessee Walkern, Morgan Horses und Mischungen dieser Rassen. Mark ging auf die Probleme jedes einzelnen Pferd-Reiter-Paares gezielt ein, ob es sich nun um Dominanzschwierigkeiten bereits vom Boden aus, Probleme bei Versammlung, Galoppwechsel, Tempokontrolle oder Anhalten, oder bei den Gangpferden um den richtigen "Gate" handelte. Jeder der Aktiven konnte in diesen Einzelsequenzen jede Menge lernen und Anleitungen fr das weitere Training mitnehmen.
berzeugend waren die Ruhe und die fast grenzenlose Geduld, mit der Mark die einzelnen bungen erklrte und korrigierte. Durch die genauen Erklrungen konnten Zuseher wie Teilnehmer seine Trainingsmethoden bestens nachvollziehen. Marks Einfhlungsvermgen, die Psyche der Pferde betreffend, und sein System von "one on one" Schritt fr Schritt (lse ein Problem nach dem anderen, vermeide, zuviel auf einmal zu verlangen!) fhrte zu erstaunlich raschen Fortschritten. Seine Einstellung und seine Handlungen basieren stets darauf, die jeweilige Situation aus der Sicht des Pferdes zu betrachten. Auerdem verzichtet er auf spezielle Hilfsmittel, denn die Pferde sollen ihn als Persnlichkeit respektieren und nicht auf verschiedenes "Werkzeug" reagieren.
Es war jedenfalls eine groartige Sache, bei diesem Kurs dabei zu sein, und Mark Rashid vier Tage lang von acht Uhr frh bis sptabends bei seiner Arbeit zu beobachten. Ein groes Dankeschn gilt auch den Veranstaltern Linda und Vic, die sich unermdlich um das Wohl aller Anwesenden kmmerten.
Mark Rashid befasst sich seit seinem zehnten Lebensjahr mit Pferden und bemht sich seither, seinen eigenen ruhigen, aber sehr effektiven Weg zur Lsung auch der schwierigsten Probleme mit Pferden zu finden.
Er hat brigens drei Bcher geschrieben, in denen er in humoriger und informativer Weise Geschichten und Erfahrungen aus seinem Leben mit Pferden schildert. Sein erstes Buch "Considering the horse" ist auch in deutscher Sprache unter dem (leider unpassenden) Titel "Der auf die Pferde hrt" erschienen (vorgestellt in WN 2/99). Die darauffolgenden Werke "A good horse has never a bad color" und "Horses never lie" sind derzeit nur in englischer Fassung erhltlich.
Nach diesen erfahrungsreichen vier Tagen fuhren wir Richtung Indiana, nach Springville, um nun auch Ray Hunt und seine Trainingsmethoden kennen zu lernen. Aufgrund der Tatsache, dass sich die meisten in unseren Breiten bekannten Horsemanship-Trainer, wie auch Pat Parelli und Monty Roberts, auf Ray als einen ihrer Lehrer berufen, waren unsere Erwartungen ziemlich hochgeschraubt. Einigermaen berraschend war dann doch, was wir hier zu sehen bekamen.
Ray und Carolyn Hunt hielten auf der Bar P Ranch gleich drei Kurse (Colt-Starting, Horsemanship und Cow-Working) gleichzeitig innerhalb von vier Tagen ab.
Begonnen wurde mit dem "Colt Starting Programm", dem Jungpferdeanreiten mit fnf Teilnehmern. Nach kurzer vorbereitender Bodenarbeit im Round-Pen, der in der Halle aufgebaut war, wurden die Pferde problemlos gesattelt und dann wieder auf den Zirkel geschickt. Als Ausrstung dienten Schnurhalfter mit Fhrseil und ein gertenartiger Metallstab mit Flagge. Nach kurzfristigem Buckeln, das von Trainer und Zusehern mit frhlichem Gelchter begrt wurde, sollten sich die Besitzer kurz ber die Sttel legen. Anschlieend wurden die gesattelten Pferde gemeinsam in den freien Hallenteil entlassen, wo sich auch Rays vier mitgebrachte Jungpferde aufhielten, die eine ziemlich dominante, zusammengeschweite Herde bildeten.
Am nchsten Morgen sollten die Reiter Ray mit den bereits gesattelten und mit Schnurhalfter gezumten Pferden erwarten. Dann wurden alle fnf Jungpferde gemeinsam in den Round-Pen gebracht und die Reiter stiegen auf. Ray, selbst zu Pferd, schickte die Pferde samt Reiter im Kreis. Der vorhandene Raum war fr die sechs Pferde ziemlich eng. Die Reiter sollten die Pferde traben, wenden und durch Biegen mit dem Fhrseil anhalten. Das spontane Werfen des Fhrseils bzw. Zgels ber die Pferdekpfe wurde von manchen Tieren berraschend gelassen hingenommen, andere gerieten doch in ziemliche Erregung, eine Stute strzte mitsamt ihrem Reiter.
Nach der Mittagspause folgte das Horsemanship-Training. Die zehn Teilnehmer (klassisch, western, freizeitmig ausgerstet) erwarteten Ray in der Halle. Dann konnten wir beobachten, wie Ray mit seinen eigenen Pferden umzugehen pflegt. Carolyn Hunt bemhte sich gut 30 Minuten lang, eine von Rays dreijhrigen Stuten zu zumen. Ganz deutlich war zu erkennen, dass die junge Stute kopfscheu war und kaum Berhrungen am Oberkopf bzw. an den Ohren dulden konnte. Nachdem sie endlich zum ersten Mal in ihrem Leben die Trense im Maul hatte, wollte Ray sie wieder abzumen, um sie dann mit dem Schnurhalfter zu reiten. Die junge Stute lie sich jedoch das Halfter nun nicht mehr abnehmen. Kursteilnehmer und Zuseher durften dann ein ziemlich unangenehmes Schauspiel mitverfolgen, wobei Ray das stndig rckwrts ausweichende Pferd hart mit der Hinterhand gegen die Umzunung richtete und seine Flieh- bzw. Steigversuche mit heftiger Reierei an beiden Zgeln und Schlgen auf den Kopf des Tieres quittierte. Nach ca. 45. Minuten gab er dann auf und ritt sein Pferd eben mit der Trense.
Die etwas indignierten Kursteilnehmer wurden dann von Ray auf den Hufschlag geschickt, schneller Schritt, langsamer Trab, Handwechsel und Anhalten wurden verlangt. Auer Kommandos fr Gangart- oder Richtungswechsel gab es keine Hilfen oder Korrekturen. Auf vorsichtige Fragen der Teilnehmer bezglich irgendwelcher Probleme (z. B. Probleme mit dem Gebiss oder mit zu schneller Gangart) wurde nicht wirklich eingegangen. Nach ca. 45 Minuten war dieser Kursteil vorber und es ging zum Cow-Working. Acht Teilnehmer und Carolyn Hunt versuchten sich unter Rays Anleitung im Cutting.
Schade, dass wir von diesem Kurs nicht mehr Interessantes berichten knnen, aber da unsere Erwartungen hier leider ganz und gar nicht erfllt wurden, verzichteten wir auf die weiteren zwei Kurstage.
Nichtsdestotrotz war diese Reise eine groartige Sache, wir konnten viele neue Eindrcke mitnehmen und hoffen auf eine baldige Fortsetzung.