Was
ntzt einem Freizeitreiter die AWA?
Was ntzt einem Freizeitreiter das WRC ?
Als wir, ein paar Pferdebesitzer mit unterschiedlichsten Ambitionen, das letzte Mal bei einem gemtlichen Abendessen beisammen saen und ber unser Hobby rsonierten, kam das Gesprch auch auf das Thema AWA und Freizeitreiter.
Wo und wann gibt es Angebote der AWA speziell fr Freizeitreiter, lsst sie uns Freizeitreiter nicht " im Regen stehen", werden Anliegen und Bedrfnisse der Freizeitreiter wahrgenommen, und wenn ja, werden sie ernst genommen? Will sich vielleicht kein/e FreizeitreiterIn in Gefahr begeben, auf einem Training aufzukreuzen, wo ihr/sein Pferd, fr sie/ihn vielleicht schon langjhriger zuverlssiger Partner im Gelnde, als minderes Pferdematerial abgetan wird? (Haflinger, Noriker, Ponys, Warmblut, Pintos...... , x oder o-beinig.....,)
Gibt es Artikel in der WN die fr Freizeitreiter interessant sind? So wie es Beschreibungen von Turnieren gibt, msste doch auch ein Erfahrungsaustausch zwischen Freizeitreitern mglich sein, usw.
Zur anderen Seite dieser Medaille kamen Fragen auf wie:
Ntzen Freizeitreiter die Angebote, die ihnen von der AWA zur Verfgung gestellt werden,?
Woran liegt es, dass oft keiner zu den Kursen kommt, - keine Transportmglichkeiten, keiner wei etwas von den Terminen, ich persnlich z.B. fhle mich als Freizeitreiterin auch von diversen Terminen nicht angesprochen ,( ist ja nur was fr " Profis"/Turnierambitionierte ) oder liegt es daran, dass Freizeitreiter oft nicht die Gre haben, sich diverse Blen, vor allem vor " Freunden" und Stallkollegen zu geben.
Sind sie nicht interessiert, Neues dazuzulernen, da sie im gewohnten Umfeld ja sowieso " die Grten" sind,/ und nur hier es auch sein knnen?
Wie sollte es Artikel in der WN geben, die interessant fr Freizeitreiter sind, wenn es keine/n ( Freizeitreiter/In ) gibt, die/der ambitioniert genug ist, sich hin zu setzen und etwas zu schreiben? Sind Freizeitreiter immer nur schnell mit Kritik an Anderen, selbst aber nicht kritikfhig ( siehe Kurse) oder nicht fhig sich zu organisieren ?
Ich kann hier nur von mir erzhlen, denn seit ca. 20 Jahren bin ich als Freizeitreiterin unterwegs, und meine erste Reitstunde habe ich vor ungefhr drei Jahren genommen.
Meine Reitkarriere ist gekennzeichnet durch learning bei doing.
Mit 12 Jahren holte ich mir das Pferd eines Bauern aus dem Nachbarort, aus dem Stall, die Trense wurde " reingewurschtelt"( mit gengend Rbenbltter rundherum, wurde sie dann vom Pferd gndigst in das Maul genommen), einen Sattel hatte ich sowieso nicht, und los ging es !
Mit viel Geschick und Nachdruck konnte ich meine Eltern beschwatzen, mir genau dieses Pferd zu kaufen (lebensnotwendig und so..). Das Geld fr einen Sattel dazu brachte ich erst nach einigen Monaten auf. Aber mit zwlf ist das alles kein Problem. ( Als Teenager ist man da noch viel gelenkiger, und cooler, auch das Hinterteil ist noch widerstandsfhiger)
Seit etwas mehr als zwanzig Jahren reite ich nun, mit Pausen zwischendurch, und ich hatte auch immer ein eigenes Pferd. ( und - Gott sei dank - einen eigenen Sattel, obwohl es auch hier immer wieder Probleme gibt, das ist aber schon wieder eine andere Geschichte.)
Reitunterricht frs Reiten war fr mich ungefhr so notwendig wie ein
Sommelier - Lehrgang frs trinken (Wer denkt schon an Bouquet, Reife,...wenn sie/er vorhat eine Nacht durchzuzechen.)
Vor vier Jahren ritt ich dann mein zweites eigenes Pferd an, und berlegte mir das erste Mal Reitunterricht zu nehmen.
Das Anreiten war kein Problem, mit gengend Zeit, Bodenarbeit und einer guten Grunderziehung ist der Aufstieg in den Sattel nur mehr ein kleiner Schritt auf einem langen Weg.
Jedoch nach mehr als einem Jahr Bodenarbeit ,(ich kaufte Rocco eineinhalbjhrig) wurde mir bewusst, dass es schon vom Boden aus ,viel mehr Kommunikationsmglichkeiten gab, als Rocco vom Stall zum Putzplatz zu fhren, ihn zu longieren, oder was man sonst so macht, im alltglichen Umgang mit den Pferden.
Die Kommunikation vom Boden aus wurde dadurch, dass ich mich nun viel mit Bodenarbeit und deren verschiedener Techniken beschftigt hatte viel bunter, vielfltiger aber auch einfacher.
Und ich wollte nun diese Richtung weitergehen. Was kann man vom Sattel aus alles erreichen, nachdem ich gesehen haben was vom Boden aus alles mglich ist?!
" Wozu brauchst DU Reitunterricht, du willst doch sowieso keine Turniere gehen, sondern NUR ins Gelnde oder Wanderreiten" fragte mich damals ein Bekannter mit Turnierambitionen. Dieses Statement brachte mich ins Wanken, und auch ich stellte mir diese Frage nun wieder.
WOZU? Diese Frage stellt sich einem als Freizeitreiter. Hat man keine grberen Probleme mit dem eigenen Pferd, Schritt, Trab, Galopp, und Stopp funktionieren) was soll man da noch dazu lernen? Und wozu berhaupt Reitunterricht, Frau/Mann reitet doch sowieso nur im Gelnde,...
HMM... leider hatte ich meine erste Stunde mit einem Westerntrainer schon ausgemacht, und konnte nicht mehr so leicht zurck.
Auf das Westernreiten kam ich deshalb, da ich der Meinung war, es bringe meinem eigentlichen Hobby ( Freizeit und Wanderreiten ) weitaus mehr als Englischreiterei. ( Ob das stimmt kann ich jedoch nicht beurteilen, da ich bis heute von Englischreiten keine Ahnung habe).
Auerdem war ich der guten Hoffnung, ein Westerntrainer rauft sich nicht sofort die Haare, wenn er von meinem Werdegang, und dem meines Pferdes erfhrt.
Nun gut, Martin ( Lassnig) hatte Gott sei Dank sein Schirmkppi auf, was ihn daran hinderte sich die Haare zu raufen, auch sonst enthielt er sich jeglichen Kommentars ber unseren Werdegang, und fr meinen Bekannten hatte er eine gute Antwort parat.
Wie folgt:
Gerade als Freizeitreiter braucht man eine gute Ausbildung, bzw. ein gut ausgebildetes Pferd. - Welche Gefahren lauern in der Turnierarena denn schon auf einen? Selten begegnet einem ein LKW in vollem Tempo, auch PKWs, Zge, Traktoren die mit diversen dubiosen Gerten ber Feldwege brausen, Baustellen und Straenwalzen in vollem Einsatz und sonstige Hindernisse (Reality -Trail) machen sich in der Arena recht rar.
Als Freizeitreiter ist man jedoch immer mittendrin. ( Vor allem bei uns im Industrieviertel ) Und auch sonst kommt man als Freizeitreiter immer wieder in Situationen, bei denen es ratsam ist ein gut ausgebildetes Pferd zu haben, bzw. selbst auch gut ausgebildet zu sein. (Abhnge, Brcken, Tunnels, Wasserlufe, Weiden mit freilaufenden Khen oder Schafen, Weidetore,....)
Nun in dieser Reitstunde kam der erste AHA - Effekt.
Reiten ist mehr, als blo am Pferd zu sitzen und durch die Gegend zu galoppieren.
Ich hrte zum ersten Mal etwas von Gymnastizierung des Pferdes, Links und Rechtsgalopp ("H.. was ist denn da fr ein Unterschied??") Innenzgel, Auenzgel, ...
Links im Sattel hngend, rechts hngend, rckwrts schauend zu galoppieren das war fr mich alles im Bereich des mglichen, aber besonders hart ist es ( noch immer) mit ruhigem Oberkrper anzugaloppieren .( Und das vielleicht auch noch auf der richtigen Hand, und nicht am Innenzgel ziehen!! HAHA) DAS ist schwer!
Martin brauchte eine Videokamera um mir zu beweisen, dass ich WIRKLICH immer mit dem Oberkrper zappelte, am Innenzgel zog,...
Fr einen Trainer ist es sicher sehr schwierig, jemandem etwas beizubringen, der sich seine Fehler schon so lange eingelernt hat. Martin hatte eine Engelsgeduld, und auch wenn er seine Kappe schon zum hundertsten mal lpfte und noch mal zu einer Erklrung ansetzte, ( WIESO willst du mir nichts glauben??), nahm er alles mit Humor und so hatten wir viel Spa. ( Danke noch mal! )
Im letzten Sommer erzhlte mir dann Angela, dass sie das WRC machen wolle. Bei uns in der Nhe gbe es einen Stall, in dem finde ber den Sommer ein Zertifikatskurs statt.
So meldete ich mich nach kurzer Rcksprache mit Martin bei Harald (Wei, Western Trainings Center Theresienfeld) zum Zertifikat an.
Martin, der sowieso immer weniger Zeit hat, (REIKI, und sonstige Aktivitten,) meinte nur - " Ja, super, mach das, auf einem fremden Pferd lernst du sicher einiges dazu! "
So war es auch!
In meiner ersten Reitstunde bei Harald, seit langem auf einem fremden Pferd und ein anderer Trainer, hatte ich das Gefhl: "..alles Sch...., ich kann NICHTS, der geht mit mir wie er will, das werd ich sowieso nie erlernen,.."
- was als nchstes folgende Argumentation zur Folge hatte:
" ...und WOZU brauch ich das berhaupt, ich fahr nach Hause, mit meinem funktioniert eh alles bestens, wer braucht schon Rechtsgalopp??, wozu tu ich mir das an ????"
Dank Angela, Harald, Gundi, und der netten Atmosphre im Stall hielt ich durch.
Und siehe da, nach der dritten oder vierten Stunde, wars auf einmal nicht mehr schlimm fr mich, es machte sogar Spa ! Ich schaffte es ein Pferd auch auf der schlechten Seite anzugaloppieren, bzw. ihn zu korrigieren, ich konnte Trail-Hindernisse gehen ( diese haben wir ja zu Hause nicht) und, und, und..
Das Wichtigste jedoch war und ist, dass ich mir eine Menge mit nehmen konnte.
Alles das was vorher zwar Martin mit Rocco reiten konnte, fr mich jedoch ein Problem war, konnte ich auf einmal auch! ( Rechtsgalopp, Galoppwechsel, Rollback)
Man sollte nie unterschtzen was man von einem fremden Pferd, einem anderen Umfeld und einem guten Trainer fr das eigene Pferd mit nach Hause nehmen kann!.
( Danke Balou; Danke Harald)
Im nachhinein gesehen kann ich sagen, die schwerste Hrde fr mich als Freizeitreiter war, mich einer " Bewertung " meiner Fhigkeiten zu stellen.
Ich konnte doch schon so lange reiten, wozu mich da von Anderen ( = Trainer) " kritisieren" lassen?? Mir meine Fehler vor Augen halten lassen. Das musste mein Ego erst mal aushalten: " Du ziehst schon wieder am Innenzgel" - "Stimmt ja gar nicht!" - " Na und warum sollte ich dir das sonst sagen?" - " Was wei ich, vielleicht irgendeine sadistische Ader??".
Doch es ist so, nur wenn man wei wo man steht, kann man weitergehen, den nchsten Schritt planen. Dazu war fr mich Rckmeldung von auen notwendig.
Als 12/13 jhrige machte es mir zum Beispiel nichts aus, wenn ich an manchen Tagen mit meinem Pferd einen "Bremsweg" von ca. 150 m einkalkulieren musste. Heute habe ich fr solche ( und andere ) Aktionen nicht mehr die Nerven, ich wei schon was alles passieren kann. ( Auch das ist eine andere Geschichte)
Und eines wei ich, ich werde Freizeitreiterin bleiben, doch es macht mir Spa immer wieder etwas Neues zu lernen.
Offen zu sein fr neue Erfahrungen, neugierig zu sein auf Dinge die man nicht kennt, neues auszuprobieren und hineinschnuppern, das macht das Leben bunt, und man lernt fr sich eine Menge dazu.
Ich habe den Spa daran nun entdeckt, wer wei was als nchster kommt, ein Cutting-Kurs fr Freizeitreiter .....haha! Astrid Gselmann
Wir wollen in Zukunft vermehrt Berichte fr Freizeitreiter verffentlichen und sind fr jede Anregung dankbar.
Kontaktperson: Josef Staringer, Southern-Woodquarter-Ranch,
sw-ranch@aon.at